holzvonhier

Globales Denken erfordert regionales Handeln.


Hinterlasse einen Kommentar

Klimaschutz: „Sind Schifftransporte umweltfreundlicher?“

Frachter-neu
Bild: Schiffsfracht. (Bild gekauft HvH von photocase, s. http://www.holz-von-hier.de)

Sind Schifftransporte umweltfreundlicher? …

Immer wieder hört man das Argument, dass lange Transporte z.B. Überseetransporte die Umweltbilanz eines Produktes nicht so sehr oder sogar weniger belasten als z.B. Transporte innerhalb Europa oder Deutschlands mit dem LKW. Deshalb seien auch die Internationalen Warentransporte, die vielfach auf dem Schiffswege erfolgen, in der Umweltbilanz von Produkten eher untergeordnet, heisst es oft.

… das ist nicht eindeutig zu beantworten

  • Wahr ist, dass pro Tonnen-Kilometer (t-km) Frachtgut die Umweltbelastung beim LKW höher liegt. Beispiel: GWP für einen durchschnittlichen LKW in Europa 0,054 kg CO2äqv. pro t-km, für einen durchschnittlichen Containerfrachter 0,015 kg CO2äqv./t-km. Dennoch ist aber letztlich ein Produkt aus China allein durch die Länge der Transportstrecke (ca. 3.500 LKW-km + 18.500 Schiffs-km) wesentlich klimabelastender (allein durch die Transporte) als ein Produkt aus Deutschland bzw. Europa (z.B. <500> LKW-km).
  • Wahr ist aber auch, dass die Einführung von reinerem Benzin und Diesel in Europa sowie der EURO Normen für LKW den Schadstoffausstoß von NOX, Schwefel, Ozon und Partikeln usw. bei europäischen LKW pro t-km reduziert haben. Dies kann sich aber natürlich bei sich ausweitenden Transportstrecken mit LKW innerhalb Europas wieder in der Klimawirkung aufheben.
  • Wahr ist aber auch, dass Frachtschiffe weltweit immer noch, aus Kostengründen, mit Schweröl fahren, mit erheblichen Umweltproblemen.

Frachtschiffe fahren weltweit immer noch aus Kostengründen mit Schweröl

Hauptbestandteil von Schwerölen sind Alkane, Alkene, Cycloalkene und hochkonzentriert aromatische Kohlenwasserstoffe, sowie Stickstoff- und Schwefelverbindungen. Dies sind alles selbst hochtoxische Stoffe.

  • Deshalb gilt Schweröl nach der EU Gefahrenstoffverordnung als „giftig“, „gesundheitsschädlich“ und „umweltgefährlich“, einige der Bestandteile werden von der EU als hoch kanzerogen und erbgutschädigend eingestuft.

Schweröl enthält zudem bis zu 3 % unbrennbare Bestandteile, den so genannten „Sludge“ der alle im Schweröl noch vorhandenen Verunreinigungen des Erdöls enthält wie z.B. auch Schwermetalle (z.B. Nickel, Vanadium usw.).

  • Dieser „Sludge“ kann gebührenpflichtig in Häfen entsorgt werden, aber einfacher, obwohl in Europa verboten, ist natürlich das verklappen auf hoher See. Das Verklappen und Reinigen der Tanks auf hoher See ist in anderen Weltregionen – üblich. An Strände gespülte „Sludge“ Klumpen hat wohl fast jeder schon einmal gesehen.

Durch neue Raffinerietechniken (z.B. deutsche Ölindustrie) kann auch im Schiffstreibstoff der Anteil an Schweröl prinzipiell reduziert werden …

  • … aber wegen der stark gestiegenen „billigen“ internationalen Handelsströme (die nicht die Umweltkosten internalisieren müssen) erfreut sich Schweröl pur (MFO) für Schiffstransporte nicht sinkender sondern eher steigender Nachfrage.

Auch wegen des stark angestiegenen und weiter ansteigenden Bedarfes in Asien (z.B. China; 8 der größte Seehäfen der Welt liegen in Asien mit weiteren geplanten Ausbaukapazitäten) ist mit einem Rückgang an solchem sehr stark umweltbelastenden Schweröl für Schiffstransporte nicht zu rechnen.

  • Immer häufiger finden sich offensichtlich in Ländern, wo weniger kontrolliert wird, als in Europa, auch illegale Beimengungen wie Reste aus der Kunststoffherstellung oder Altöle im Schweröl, die Schwerölreste noch um ein vielfaches giftiger machen.

Auch die Abgase auf Frachtschiffen, die mit Schweröl fahren, haben es in sich, …

  • …denn in der Regel fährt der Großteil dieser Frachter bisher ohne Filteranlagen. Die Belastungen der Abgase mit Schwefel und giftigen Gasen (Dioxine usw.) ist enorm. Deshalb fordert man für die Schifffahrt zunehmend Reinigungsanlagen die zumindest den Schwefel aus dem Abgas waschen, aber das möglicherweise auf Kosten der Gewässer. Gefordert wird dies (unserer Kenntnis nach, bitte korregiert uns) bisher nur für Schiffe, die die Nord- und Ostsee befahren. Ob dies wieder nur für deutschen Reedereien gelten wird oder auch für die Überseeschiffe aus anderen Weltregionen, die die großen Überseefrachthäfen Europas ansteuern (z.B. Rotterdam), ist unklar.

Die 10 größten Seehäfen der Welt

Bei den größten Seehäfen der Welt ist Asien eindeutig der Platzhirsch. Das macht auch deutlich wohin und von wo die Haupthandelsströhme auf dem Meer verlaufen. Zu den 10 Giganten der weltweiten Seehäfen zählt in Europa immer noch der Rotterdammer Hafen. Die 10 größten Seehäfen sind im folgenden (in absteigender Rangfolge) genannt mit ihren jährlich abgefertigten Standardkontainern (ein Standardcontainer ist 6,06 mr lang, 2,44 m breit).

  • Platz 10) Rotterdamer Hafen (Niederlande): mit 11,88 Millionen abgefertigten Standardcontainern .
  • Platz 9) Freihandelshafen von Dubai: 13,01 Mio.
  • Platz 8) Der Hafen von Qingdao: 13,02 Mio. (2020 soll er bis zu 30 Mio. Standardcontainer abfertigen).
  • Platz 7) Guangzhou in China: 14,26 Mio.
  • Platz 6) Ningbo-Zhoushan an der Ostküste Chinas: 14,72 Mio. Standardcontainer.
  • Platz 5) Hafen Buasen in Südkorea: 16,17 Mio.
  • Platz 4) Hafen Shenzhen in China: 22,57 Mio..
  • Platz 3) Hafen Hongkong, die Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas: 24,38 Mio.
  • Platz 2) Hafen Singapore: 29,94 Mio.
  • Platz 1) Hafen Shanghai: 31,74 Mio.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.
Werbeanzeigen