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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Nachhaltige Produkte: „Ressourcenschonung von Anfang an“

Schu¨lerwohnheim Rehau

Bild: Holzhochhaus aus Holz von Hier. Wände, Decken, Treppenaufgänge aus Kreuzlagenholz, Bodenbeläge aus heimischer B-Eiche, Fassaden aus heimscher Hobelware. Herkunftsnachweis siehe http://www.holz-von-hier.de unter Gebäude (Bild: HvH zur Verfügung gestellt).

Ressourcenschonung von Anfang an

Ressourcenschonung von Anfang an hat zwei wesentliche Aspekte:

  1.  Auswahl von Materialien mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck für Bauteile und Bauten.
  2.  Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an.

(1) Auswahl von Materialien mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck in den Vorketten für Bauteile und Bauten

Ressourcenschonung von Anfang an durch gezielte Materialauswahl. Produkte und Bauteile können oft aus diversen Materialien hergestellt werden. Die verschiedenen Materialien hinterlassen einen jeweils anderen ökologischen Fußabdruck. So werden schon bei Planung und Beschaffung Weichen gestellt, die den gesamten Lebenszyklus betreffen. Hier spielt vor allem der Baubereich eine wichtige Rolle, da er für den größten Teil des derzeitigen Ressourcenverbrauchs verantwortlich ist (Müller & Niebert, 2009; und vgl. EU Kommission in der EU-Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“).

Bautätigkeiten verbrauchen aber nicht nur für Rohstoffgewinnung, Produktion und den Bau selbst Ressourcen, sondern auch für die Entsorgung nach Ablauf der Nutzungsphase. Die Entscheidung von heute beeinflusst damit auch die Ressourceninanspruchnahme künftiger Generationen.

Ein wichtiger Ansatzpunkte ist hier die gezielte Verwendung von Materialien mit geringen Umwelt-Rucksäcken. In aller Regel können hier nachwachsende Rohstoffe punkten. Aufgrund des Mengenpotenzials kommt hier dem Holz eine zentrale Bedeutung zu.

Einsatzmöglichkeiten hierfür gibt es zahllose. Im Hinblick auf die Ressourceninanspruchnahme für Gewinnung und Produktion spielt aber die Herkunft des Holzes und damit verbunden der ökologische Rucksack der Produkte eine entscheidende Rolle. Die Variante mit der besten Umweltbilanz ist die Verwendung von Holz mit möglichst geringer Transportbelastung, wie sie über Holz von Hier nachweisbar ist. Die gezielte Verwendung von Holz mit dem Zertifikat Holz von Hier stellt einen optimalen Beitrag zur Ressourcenschonung dar.

(2) Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an

Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an und Erhöhung der Recyclingquote nach Ende der Lebensphase. Ressourcenschonung fängt schon bei der Planung der zu beschaffenden Dinge oder beabsichtigten Bauvorhaben an.

Sie berücksichtigt nicht nur die Vorketten in der Herstellung des Produkts, sondern umfasst alle Aspekte von der Gewinnung der Rohstoffe an bis hin zu der faktischen Behandlung nach Ablauf von Gebrauch und Nutzung.

Ob ein Produkt bzw. Baustoff nach seiner Hauptnutzung wieder- oder weiterverwendet oder aber recycelt werden kann oder entsorgt werden muss, wird teilweise schon bei Einkauf und Beschaffung bestimmt. Dies gilt insbesondere für den Bereich Bauen.

Ein Anwendungsbeispiel hierfür sind Fenster. Hochwertige Fenster aus PVC, die vergleichbare Leistungen hinsichtlich Stabilität, Haltbarkeit und Dämmung erfüllen, wie gute Holzfenster, sind nicht nur in der Anschaffung nicht billiger, sondern verursachen nach der Nutzungsphase (übrigens erfordert eine möglichst lange Lebensdauer auch bei Kunststofffenstern eine regelmäßige Pflege!) erheblich höhere Kosten durch eine aufwändige Entsorgung. Die Recyclingmöglichkeiten für PVC in Europa sind noch sehr limitiert (aktuell umfassen sie etwa 3% der Produkte). Moderne Holz- oder Holzalufenster hingegen können nach ihrem Gebrauch in der Regel problemlos verwertet werden.

Recycling von Produkten und Verwendung von recycelten Produkten stellt heute immer noch die Ausnahme dar. Beim Einkauf lohnt sich jedoch, wo immer es geht, Recyclingprodukte einzusetzen, da diese neben dem ökologischen Aspekt den Vorzug haben, dass sie oft kostengünstiger sind. Bei Papier ist dies schon Standard, aber es gibt eine Reihe von weiteren Produkten, die bereits aus recycelten Rohstoffen hergestellt werden. Beim Thema Recyclingfähigkeit und Wiederverwertbarkeit der Produkte schneidet das Material Holz optimal ab.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


                           

Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.
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Nachhaltigkeit: „3 Lebensphasen eines Produktes – auch das Material ist entscheidend“

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Bild: Ein Produkt ist, im Sinne der optimalen Nachhaltigkeit, dann sehr gut, wenn es die Klima-, Umwelt- und Sozialen Wirkungen bei all seinen Lebensphasen berücksichtigt.

Die 3 Lebensphasen eines Produktes – auch das Material ist entscheided

Über die Klima- und Umweltfreundlichkeit eines Produktes entscheiden 3 Lebensphasen:

  • (1) Klima-/Umwelt-Rucksäcke der Vorketten, in einem realen Bilanzraum.
  • (2) Energie, Wasser, Ressourcen, Umweltverbrauch in der Nutzungsphase.
  • (3) Nachnutzung: Verwertung oder Entsorgung.
  • (+) Hinzu kommt noch der Verbraucherschutz.

Klima- und Umweltrucksäcke von Produkten: das Material und die Transporte sind entscheidend

Die Klima- und Umweltrucksäcke der Vorketten von der Rohstoffgewinnung über die Zwischenstufen der Produktion bis hin zu allen Transporten im Stoffstrom bestimmen wesentlich die Klima- und Umweltbilanz eines Produktes. Dies wird bisher viel zu wenig beachtet.

Für die Klima-/Umwelt-Rucksäcke der Vorketten ist die Betrachtung eines realen Bilanzraums wichtig. Wie wurden die Rohstoffe gewonnen, stammen sie aus nachhaltiger Gewinnung oder z.B. aus Raubbau oder Umwelt zerstörerischen Prozessen? Wie hoch sind Transporte im gesamten Stoffstrom („Jogurtbechereffekt“) und damit der Energieverbrauch und Schadstoffausstoß durch Transporte? Wie Ressourcen, Energie, Wasser und Umwelt schonend wurde das Produkt produziert: im gesamten Stoffstrom der Produktion, vom Rohstoff an über alle Zwischenprodukte bis hin zum Endprodukt und nicht nur im letzten Produktionsschritt. Nachhaltigkeit die künftige Generationen mit einbezieht. Hier ist die Verfügbarkeit von Rohstoffen und ihr sorgsamer und Ressourceneinsparung Umgang mit den Rohstoffen entscheidend. Der Baustoff Holz basiert auf einem nachwachsenden Rohstoff, im Gegensatz anderen Baustoffen.

Nutzungsphase von Produkten: Material und Produkte sind auch hier entscheidend für die Klimafreundlichkeit in der Nutzungsphase !

Bisher konzentrieren sich Betrachtungen zur Klima- und Umweltwirkung eines Produktes auf die Nutzungsphase. Dabei werden aber oft bestimmte wichtige Faktoren gar nicht einbezogen wie z.B. die Langlebigkeit des Produktes oder das Nutzerverhalten. Auch das verwendete Material hat Einfluss auf den Energieverbrauch, was nicht berücksichtigt wird.

Die Energieeinsparung während der Nutzungsphase hängt nicht nur von den technischen Werten der Produkte ab (z.B. Uw-Wert, g-Wert), sondern maßgeblich auch vom Nutzerverhalten (Beispiel 1). Jeder Baustoff hat ein anderes energetisches Verhalten. Das wird heute meist nicht berücksichtigt, so dass Glas, Beton, Ziegel oder Holz einheitlich behandelt werden. Berücksichtigt (z.B. EnEV) wird vor allem die Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen (Uw-Wert), nicht erfasst wird die Phasenverschiebung. Dies kann man sich wie eine Badewanne vorstellen, die sich mit Wasser füllt. Irgendwann ist sie voll und das Wasser läuft über. Der Uw-Wert sagt dann nur aus wie viel Energie, bzw. in dem Bild „Wasser“ überläuft, also verloren geht, aber nicht wie viel Volumen die Wanne speichert. Gerade für den sommerlichen Wärmeschutz, aber auch für den Heizenergiebedarf im Winter ist die Phasenverschiebung mindestens so bedeutsam wie der U-Wert).

Beispiel Wohlfühltemperatur.

  • Die Raumtemperatur bei der wir uns wohl fühlen, ist zu einem guten Teil von der Oberflächentemperatur der Raumumschließungsflächen abhängig, also von der Innenfläche der Raumwände. Durch die Struktur von Holz ist die Oberflächentemperatur in Durchschnitt 3-4 Grad höher als bei anderen Baumaterialien. So fühlt man sich in einem massiven Holzhaus schon bei etwa 19° – 20°C wohl, in einem Steinhaus muss man in der Regel bis auf ca. 24°C aufheizen. Jedes Grad Raumtemperatur erfordert ca. 6% mehr Heizenergie.
  • Unterschiedliches Energetisches Verhalten von Baustoffen wird meist nicht berücksichtigt. Vergleicht man eine massive Holzwand mit einer Ziegelwand gleichen Dämmwertes, so muss man bei der Ziegelwand aufgrund der höheren Wärmeaufnahmefähigkeit erst einmal die Wand aufheizen, wonach diese die Wärme dann auch kontinuierlich wieder abgibt. Eine massive Holzwand dagegen nimmt die Wärme schlechter auf, so dass man nur die Raumluft erwärmen muss. Die Reaktionszeit des Beheizens der Räume ist schneller. Ein massives Holzhaus kühlt deshalb auch im Winter bei ausgestellter Heizung über Nacht weniger aus und im Sommer dringt die Hitze von außen weniger ein.

Nachnutzung oder Entsorgung von Produkten: gerade hier ist das Material, das Produkt entscheidend.

Auch die Nachnutuzung ist entscheidend für die Umweltwirkung eines Produktes. Kann das Produkt wieder verwertet oder umgenutzt werden? Kann das Produkt recycelt werden? Oder muss es entsorgt werden? In dieser Produktlebensphase können enorme Umweltschädigungen und auch Folgekosten entstehen. Dies wird meist nicht bedacht.

Ein Großteil des eigentlichen Bauabbruches (ohne Straßenabbruch und verunreinigtem Bodenaushub) sind heute sortierte Abbruchabfälle aus Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, die teilweise bereits gut verwertet werden. Gemischte Bauabbruchabfälle machen etwa 10% aus, der Rest teilt sich auf in Holz, Glas und Kunststoffe, Dämmmaterial mit gefährlichen Stoffen, Asbesthaltige Baustoffe, Baustoffe auf Gipsbasis. Holz wird heute nahezu zu 100% verwertet (keine Entsorgung). Die Entsorgungsrate bei Kunststoffen hängt von der Art des Kunststoffes ab (Beispiel bei PVC-Fenstern > 97%). Bei „Dämmmaterial mit gefährlichen Stoffen“ wie künstlichen Mineralfasern liegt die Verwertungsrate bei < 10% bzw. die Entsorgungsrate bei > 90% (alte Mineralwolle). Asbesthaltige Baustoffe/Dämmstoffe dürfen wegen des Krebsrisikos in der EU nicht mehr verwendet werden (Entsorgungsrate 100%). Diese Materialien werden in der Dämmung heute durch geschäumte Kunststoffe wie EPS („Styropor“) oder PU (Polyurethan) ersetzt. Eventuell sind sie das Entsorgungsproblem von morgen und bei Bränden ist gerade Polystyrol sehr gefährlich. Die Entsorgungsrate für „Baustoffe auf Gipsbasis“ (z.B. Gipsfaser-/kartonplatten) ist mit ca. 90% ebenfalls noch hoch. Gemischte Bau-/Abbruchabfälle werden zu 80 – 90% auf der Deponie entsorgt. Holz: zu 100% verwertet ! Altholz kann heute nicht mehr als Abfall bezeichnet werden, sondern ist ein wichtiger Sekundärrohstoff. Mehr Holzbau, mehr Naturdämmstoffe mehr Holz im Innenausbau würde ein essentielles Nachhaltigkeitsproblem bei Baustoffen lösen: Verwertung statt Entsorgung!

Verbraucherschutz-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte: das Material entscheidet mit

Die Tatsache, dass Verbraucherschutz-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte auch auf den eingesetzten Materialien und Produkten beruhen, findet bei nachhaltiger Beschaffung noch zu wenig Beachtung.

Für die Gesundheitsverträglichkeit von Baustoffen beispislweise sind zwei Aspekte wichtig: die Gesundheitsbelastungen durch Emissionen (1) in der Nutzungsphase und (2) im Brandfall.

In beiden Fällen ist Holz optimal gesundheitsverträglich. Die meisten Menschen sterben bei einem Brand nicht durch einstürzende Gebäudeteile sondern durch das Einatmen giftiger Brandgase … und … jedes (!) Gebäude brennt und fast jeder Baustoff.

Verbraucherschutz = Information! Rechtlich ist Verbraucherschutz geregelt über das BGB (Bürgerliche Gesetzbuch). Ein Problem des gesetzlich geregelten Verbraucherrechtes ist es dieses auch juristisch durchzusetzen. Deshalb hat Verbraucherschutz zunehmend mehr mit Information vor (!) dem Kauf eines Produktes zu tun, so dass der Verbraucher in die Lage versetzt wird angemessen zu entscheiden.

 


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Nachhaltigkeit ist ein MUSS: „Umfassende Nachhaltigkeit von Produkten“

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Bild: Kinder sind unsere Zukunft – aber ob sie eine Zukunft haben, das entscheiden wir mit ! Nachhaltigkeit, wo immer möglich, konkret umzusetzen, ist heute schon lange kein „Kann“ mehr, sondern ein absolutes „Muss“, auch und gerade für die „nachfolgenden Generationen“ unsere Kinder und deren Kinder. 

Umfassende Nachhaltigkeit von Produkten ist heute mehr als nötig.

Es wird immer deutlicher, dass der Ressourcenverbrauch unseres Lebensstils insbesondere in Industrie- und Schwellenländern längst jenseits dessen ist, was als nachhaltig bezeichnet werden kann. Wir Europäer verbrauchen heute doppelt so viele Ressourcen wie wir haben. Die Art, wie wir leben, die Produkte die wir kaufen und konsumieren und die Art, wie wir Bauen, hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrauch an Ressourcen, auf den Verbrauch an Energie und auf die Belastung der Umwelt. Vor diesem Hintergrund hat die Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich ihrer Umweltwirkung eine zentrale Bedeutung als Triebkraft für nachhaltige Entwicklung und Förderung nachhaltiger Produktion bzw. nachhaltigen Konsums. Obgleich es bereits verschiedene Strategien und Instrumente (z.B. Label, EPD u.a.) für eine solche Kennzeichnung gibt, werden immer noch vielfach Produkte eingesetzt, die wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung außer acht lassen. Bisherigen Instrumenten fehlen Aussagen zu wichtigen Umweltaspekten wie Ressourcenverfügbarkeit, Ressourcenschonung, Biodiversitätsauswirkungen, Wiederverwendbarkeit und anderen. Verbraucher und kommunale Entscheider wie auch nicht informierte Betriebe in der Stoffstromkette als treibende Kraft für die Förderung besonders nachhaltiger Produkte können hier keine Wirkung entfalten, da sie keine entsprechende Entscheidung für den Kauf, die Beschaffung oder den Materialeinsatz treffen können.

Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten: „Nutzung von Labeln und Nachweisen“

Nutzung von Labeln und Nachweisen zur Kontrolle der Einhaltung von Umweltkriterien. Da es kaum einem Akteur und Entscheider zuzumuten ist, die komplexen Umweltauswirkungen von Produkten, die beschafft oder gekauft werden, zu beurteilen, spielen zur Kontrolle und Identifikation von nachhaltigen Produkten unter den oben genannten Gesichtspunkten Umweltlabel eine wichtige Rolle. Hier ist es von Bedeutung, die Aussagen und Kriterien der diversen Umweltlabel zu betrachten und zu vergleichen.

Es gibt diverse Label, die Umweltkriterien bei Produkten festlegen und überprüfen. Von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR, Projektträger des Bundeslandwirtschaftsministeriums) wurden aus über 300 europäischen Umweltlabeln 8 ausgewählt, die einem Umweltlabel TYP ISO I entsprechen und auch für die nachhaltige Beschaffung empfohlen werden:

  • HOLZ VON HIER,
  • Bauer Engel,
  • NaturePlus,
  • EU Umweltblume,
  • FSC,
  • PEFC,
  • Nordic Swan,
  • österreichisches Umweltzeichen.

 


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Nachhaltige Produkte: „Öko-Design“

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Bild: Design allein ist nicht alles: Öko-Design wird immer wichtiger für alle Produkte. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt)

Was ist „Öko-Design“ für nachhaltige Produkte? Öko-Design durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte

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Ein wichtiger und ursprünglicher Aspekt von Ökodesign ist für Holz von Hier das Erreichen von Klima-, Umwelt-, und Ressourcenschutz durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte. Deshalb legt auch die Produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitag-Blog) im Bereich ÖkoDesign besonderes Gewicht darauf (zumal andere Aspekte hier in anderen Bereichen abgedeckt sind).

Deutscher Ökodesign Wettbewerb

Der deutsche Ökodesign Wettbewerb, der die gemeinsam vom Umweltbundesamt und dem Internationalen Designzentrum Berlin entwickelt wurde, berücksichtigt: (1) Idee, Gesamtkonzeption, (2) Material und Energieeinsatz, (3) Gestaltung und Konstruktion, (4) Schadstoffe und Abfälle, (5) Sozial- und Gesundheitsverträglichkeit, (6) Produktkommunikation und Serviceleistungen.

Europäische Ökodesign Richtlinie 2009/125/EG

In Europa regelt das Thema Ökodesign, die Europäische Ökodesign Richtlinie 2009/125/EG. Diese Richtlinie gilt für energieverbrauchsrelevante Produkte und löst die Richtlinie 2005/32/EG von 2005 ab. Die neue Richtlinie gilt prinzipiell auch für, wie sie oft genannt werden „passive“ energieverbrauchsrelevante Produkte wie Dämmstoffe. Für jede ins Visier genommene Produktgruppe müssen (teils sehr komplexe und im Hinblick auf die Bewertung undurchsichtige) Vorbereitungsstudien durchgeführt werden, aus denn sich Handlungsempfehlungen für Durchführungsverordnungen ableiten lassen (sollen). Beispiele für bisher über Durchführungsverordnungen geregelte Produktgruppen sind: Bürobeleuchtung, Straßenbeleuchtung, Fernseher, Standby Verluste, elektrische Motoren, Umwälzpumpen, Ventilatoren, private Kühl- und Gefrierschränke. Für andere Produktgruppen wie Heizkessel und Raumklimaanlagen liegen Vorstudien vor und Durchführungsmaßnahmen sind (noch?) in Arbeit. Für andere Produktgruppen wie PC, Monitore, Drucker, Kopierer, Multifunktionsgeräte kamen die Vorbereitungsstudien zu dem Schluss, dass kein Handlungsbedarf besteht, weshalb hier keine weiteren Aktivitäten geplant sind.

Aus Sicht des Umweltschutzes ist das nicht nachvollziehbar, schon aufgrund des Materialumsatzes bei diesen Geräten sowie dem Einsatz von begrenzten Ressourcen wie seltenen Metallen usw.. Gerade bei diesen Produkten wäre ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt die Verwendung von recycelten Materialien. Grundsätzlich ist es hier besonders wichtig, auf Umweltlabel zu achten, z.B. Blauer Engel für verbrauchsarme Elektrogeräte.

Systemimmanente Bedeutung von Umweltlabeln für Ökodesign

Ein wichtiger Aspekt von Umweltlabeln ist: das Erreichen von Klima-, Umwelt-, und Ressourcenschutz durch positive Veränderungen bei Rohstoffeinsatz- und -gewinnung, Transporten und Produktion, die über den bestehenden Status Quo von Richtlinien hinaus gehen.

Heutige Lebenszykluskostenbetrachtungen und auch die meisten Ökobilanzen greifen für einen umfassenden Klima- und Umweltschutz noch zu kurz. Denn Ressourcenschonung fängt nicht erst beim richtigen Design in der Endproduktion an. Ressourcenschonung fängt schon bei der Auswahl der Materialien an. Das ist bei Holzprodukten nicht anders, als bei anderen Produkten wie z.B. Elektrogeräten. Bei komplexen Produkten wie Elektrogeräten ist dies nur noch viel komplizierter als bei Holzprodukten.

Kommt das Coltan für Handys aus Recycling oder ist es „Blut-Coltan“ aus dem Kongo, woher kommt der PVC-Anteil, woher die anderen Rohstoffe eines hoch komplexen Produkts und wie wurden sie gewonnen? Wie viele Transportkilometer hat ein PC in den Vorketten auf dem Rücken? Es geht eben nicht nur um die Nutzungsphase oder um den letzten Verarbeitungsschritt eines Produktes. Jedes Produkt mit einem seriösen Umweltlabel muss über Richtlinien (auch beispielsweise über die Ökodesignrichtlinie für Elektrogeräte oder die Due Diligence Verordnung für Holzprodukte) hinausgehen (denn das ist ja bereits Standard bzw. gesetzlich geregelt) und muss weitergehende Umweltverbesserungen aufzeigen, propagieren, umsetzen und kontrollieren. Das gilt für jedes Produkt.

Umweltlabel gehen über die Europäsichen Richtlinien, wie z.B. die Designrichtline hinaus, und müssen es auch, um noch mehr Umweltwirkungen zu erreichen als der Status quo bereits in der EU vorschreibt. Umweltlabel wie z.B. HOLZ VON HIER, Blauer Engel, Naturplus, FSC, PEFC und andere erreichen allein aus dem Grunde mehr Umweltwirkungen, weil sie systemimmanent schneller auf den Markt reagieren müssen, denn:

  • der Markt für bestimmte, primär global produzierte Produkte, ändert sich heute schneller als man Studien schreiben oder Verordnungen erlassen kann.
  • die Kontrolle für Waren, die nicht in Europa gefertigt wurden, aber auf den EU-Markt kommen, ist nicht (beim Holz z. B. Altholzverordnung) bzw. eher selten (beim Holz z. B. Due Diligence) geregelt.
  • die Vorketten sind kaum und die Art der eingesetzten Rohstoffe ist nicht berücksichtigt (z.B. Coltan aus Recycling oder „Blut-Coltan“ aus dem Kongo). Aber was nutzt es dem Klima, wenn ein Gerät 20% energiesparender ist, aber nur fünf Jahre hält, bei den Vorketten tausende Transportkilometer im Stoffstrom mitschleppt und zudem aus Rohstoffen hergestellt wurde, die nicht nachhaltig gewonnen wurden?

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. Natürlich wurde aus Zeitgründen nicht jeder Beitrag im HvH-Blog vorher mit dem Kuratorium oder Beiräten bei HvH abgestimmt. Deshalb ist es möglich, dass es hier teils abweichende oder differenzierte Meinungen gibt. Generell dienen aber alle Blogs sowieso nur dazu, dass jeder sich eigene Gedanken machen kann. Diskurs über die Beiträge ist natürlich sehr erwünscht.


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Nachhaltige Produkte: „Nachhaltigkeitsaspekte in der Produktion „

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Bild: Energiesparen ist die größte Rohstoffquelle die wir haben und es ist aus Klimaschutzgründen mehr als notwendig sie umfangreich zu nutzen. Das gilt nicht nur für die Nutzungsphase sondern auch die Produktion und den Transport von Produkten (Bild: gekauft photocase, B&S)

Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten in der Produktion

Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten gibt es sicherlich viele. Hier wurden 11 Aspekte zum Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen ausgewählt die mindestens dazu gehören und in den folgenden Blog-Beiträgen etwas näher beschrieben werden sollen: (1) Senkung des Verbrauchs an Energie, Wasser, Rohstoffen (a) in den Vorketten und bei der Produktion des Produktes und (b) durch das Produkt selbst in der Nutzungsphase. (2) Effizienzsteigerungen (a) in der Produktion des Produktes und zwar im gesamten Stoffstrom und nicht nur im letzten Produktionsschritt und (b) durch das Produkt selbst in der Nutzungsphase. (3) Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom der Produktion. (4) Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an und Erhöhung der Recyclingquote nach Ende der Lebensphase. (5) Öko-Design. Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte. (6) Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen. (7) Generelle Ressourcenschonung durch gezielte Materialauswahl von Anfang an. (8) Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen bei der Materialwahl. (9) Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen (z.B. Holz aus Plantagen, für die zuvor Primärwälder abgeholzt wurden). (10) Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten gemäß der Red List von IUCN. (11) Nutzung von Nachweisen zur Kontrolle der Einhaltung von Umweltkriterien.

(1) Senkung des Verbrauches an Energie, Wasser, Rohstoffen durch Produkte in der Produktion

Senkung des Verbrauches an Energie, Wasser, Rohstoffen durch Produkte und zwar in den Vorketten und bei der Produktion des Produktes und durch das Produkt selbst in der Nutzungsphase. Verbrauch an Energie, Wasser, Rohstoffen an sich stellt eine potenzielle Umweltbelastung dar. Eine Verringerung des Verbrauchs ist oftmals die einfachste Möglichkeit, Ressourcen zu schonen und das geht einher mit der nächsten wichtigen Säule der Nachhaltigkeit, der Effizienzsteigerung.

Unsere Wirtschaft ist auf Energie und Rohstoffe angewiesen. Der nachhaltige Umgang damit wird immer wesentlicher für die Umwelt, alle Menschen und die Wirtschaft selbst. Gleichzeitig müssen lebenswichtige Güter wie Klima, Wasser, Boden, Biodiversität geschützt werden. Wenn Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Wasser, Lebensmittel, Energie zunehmen, sind alle betroffen,  Menschen, Umwelt und Wirtschaft. Der fossile und nukleare Primärenergiebedarf der Industrieländer kann stark reduziert und der energiebedingte Treibhausgasausstoß entsprechend gesenkt werden. Fossile Energieträger werden knapp (statistische Reichweite bei gegenwärtiger Förderung: Erdöl 40, Erdgas 60, Kohle ca. 150 Jahre). Lösungen des Energieproblems müssen in der jetzigen und nächsten Entscheidergeneration gefunden werden. Erneuerbaren Energien inklusive Bioenergie haben weltweit eine zunehmende Bedeutung, müssen aber in einem sinnvollen Gesamtkonzept realisiert werden.

Holz von Hier setzt sich hier für eine „Gestaltete Bioenergienutzung ein“. Das heißt für uns: vernünftige sowie klima- und umweltfreundliche Nutzung von Bioenergie. Dazu gehören auch deutliche Einsparungen, Effizienzsteigerungen und Umwandlungsprozesse sowie systemische Lösungen, wie z.B.: Energie sparen, Erneuerbare Energien verstärkt im Mix nutzen, Biomasse der kurzen Wege aus nachhaltigem Anbau, Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen, Brancheninterne und branchenübergreifende, innovative Abwärmekonzepte entwickeln, Nutzung von Ersatzbrennstoffen, Verzicht auf Bio/Agrarenergieträger mit schlechter Klimabilanz und Ersatz durch Innovationen.

Energiesparen in allen Sektoren ist die wichtigste Energiequelle, die wir haben !

Energiesparen ist praktischer Klima- & Umweltschutz, technischer Fortschritt und bedeutet Innovation, Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt und Wirtschaftlichkeit. Der Welt-Primärenergiebedarf ist in 20 Jahren 30% gestiegen (größte Energieverbraucher: Nordamerika, Asien, Europa). China hat seinen Energiebedarf um 50% gesteigert und liegt nur 20% unter dem der USA. Energiesparmaßnahmen wurden global durch Wachstumsprozesse (Wirtschaft, Bevölkerung) teils wieder aufgehoben. Der deutsche Energiebedarf hat sich in 20 Jahren um 6% verringert, von den Möglichkeiten zum Energiesparen ist dies noch weit entfernt. Etwa 30% verbraucht der Verkehr, der Verbrauch ist hier gewachsen. Etwa 44% verbrauchen Industrie und Gewerbe. Bei vielen Branchen liegen die Energiekosten <1% des Produktpreises, Energie sparen hat hier wenig wirtschaftliche Motivation. Obwohl Beleuchtung nur 2% der Energie benötigt, konzentrieren sich Maßnahmen in Haushalten v.a. hierauf. Durch die gestiegene Ausstattung mit Elektrogeräten hat sich der Strombedarf um 12% erhöht, obwohl die Geräte verbrauchsärmer wurden. Bei Raumwärme wurden 11% Energie seit 2000 eingespart.

(2) Sinnvolle Effizienzsteigerungen in der Produktion mit dem Blick auf das Ziel

Effizienzsteigerung, also die Erzielung der gleichen Leistung bei verringertem Einsatz von Material und Energie, ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich höchst interessant. Ein kommunales oder gewerbliches Anwendungsbeispiel ist hier der Ausbau der kommunalen und gewerblichen Abwärmenutzung oder die Nutzung und Verwendung von Abfallstoffen als Ersatzbrennstoffe (wie z.B. Klärschlamm). Abwärmenutzung ist ein wichtiger Baustein der „Energiewende“.

Bei Verbrennung von Kohle, Öl, Gas für die Stromerzeugung entstehen 30-60% Wärmeverluste. Bei Verbrennung von Benzin und Diesel entstehen bis zu 80% Wärmeverluste. Die meisten industriellen Prozesse verursachen Abwärme. Auch bei der Nutzung von Biomasse, wie z.B. in der Biogasproduktion entsteht Abwärme. Der Großteil der anfallenden Abwärme wird nicht genutzt. Das heißt, dass der Großteil der verwendeten Rohstoffe nicht besonders effizient eingesetzt wird.

Dabei sind die technischen Möglichkeiten heute vielfältig, ebenso wie die Einsatzbereiche für die Abwärme, von Beheizung von Räumen über KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) bis zu direkter Rohstofftrocknung oder „mobiler Wärme“. Oftmals ist hierfür aber die dezentrale Nutzung der Abwärme nötig. Holz von Hier setzt sich in Praxis und Öffentlichkeitsarbeit für jegliche Form der Abwärmenutzung ein, denn dadurch wird systemimmanent ganz wesentlich zu mehr Klimaschutz und Ressourceneffizienz beigetragen.

Ein Problem einer rein technisch motivierten Effizienzsteigerung kann sein, dass sie nicht zu einer faktischen Verringerung der Ressourceninanspruchnahme führt, weil eine bestimmte Leistung, ein Produkt für sich zwar verbrauchsärmer wird, aber das Produkt in größerem Umfang produziert wird. Das heißt, die Einspareffekte werden durch gesteigerte Produktion überkompensiert. Diesen Effekt konnte man auf verschiedenen Gebieten in den letzten Jahrzehnten beobachten. In privaten Haushalten beispielsweise wurde die Einsparung durch energiearme Elektrogeräte durch die gestiegene Anzahl der Geräte überkompensiert (BMWI, 2009 / 2010).

Beim Thema Effizienz steigern darf man außerdem nie das ursprüngliche Ziel aus den Augen verlieren. Wenn es dabei beispielsweise um Klimaschutz geht dann sollte man lieber auf Agrarenergieträger mit schlechter Umweltbilanz verzichten und stattdessen auf Umwelttechnik setzen. Die Bioethanolproduktion für Kraftstoffe hat sich in den letzten 20-30 Jahren vervielfacht. Die größten Bioethanolproduzenten sind Brasilien und USA, sie decken 90% des Marktes ab. In den USA wird Bioethanol v.a. aus Mais gewonnen, in Brasilien aus Zuckerrohr, in Europa aus Zuckerrüben und Weizen. Bioethanol wird v.a. als Kraftstoff verwendet (ca. 70%) und Benzin beigemischt. Die Kapazitäten der EU befriedigen nicht die Nachfrage, deshalb fördert die EU Importe. Diese gefährden aber die EU-Produktion selbst, denn mittlere Anbieter sind im internationalen Bioethanolmarkt nicht wettbewerbsfähig. Statt Agrartreibstoffe einzusetzen könnten verstärkt vorhandene technische Innovationen wie z.B. „Zwei-Zylinder-Motoren“ oder „das 3-Liter-Auto“ verwirklicht und verstärkt an Innovationen im Bereich Mobilität gearbeitet werden oder der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und attraktiver werden.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Nachhaltige Produkte: „Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom“

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Bild: Transporte rund um den Erdball nehmen zu – statt ab. Das schlägt sich natürlich in der realitätsnah berechneten Umweltbilanz von Produkten nieder. Wie viel Kilometer ein Produkt von der Quelle der Rohstoffe, über alle Produktionsschritte, bis zum Ort des Einbaues oder der Verwendung, in seinem gesamten Stoffstrom zurückgelegt hat, ist heute wesentlich für den Klima- und Umweltrucksack des Produktes. Das Label Holz von Hier zeichnet daher auch kurze Transporte im gesamten Stoffstrom von Produkten aus (Bild: B&S).

Nachhaltige Produkte sind Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom

Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom sind optimal klima-, umwelt- und verbraucherfreundlich (das weist das Label Holz von Hier nach). Das ist ein Feld in dem noch enorme Nachhaltigkeitspotentiale möglich sind, die bisher nicht genutzt werden.

Der globalisierte Verkehr ist die drittgrößte Ursache für den Klimawandel und Einsparung von Transportkilometern trägt erheblich zur Klimaentlastung, dem Schutz von Biodiversität und zur Ressourcenschonung bei.

Ein Beispiel aus dem Bereich Holzprodukte. Würden wir in Deutschland allein die sich mengenmäßig überlappenden Warenströme für Importe und Export von Rundholz, Schnittholz und Holzhalbwaren einsparen ergäbe das allein durch Marktmechanismen eine erreichbare jährliche Klimaentlastung wie sie nur das 100.000 Dächersolarprogramm der Bundesregierung oder der Ausbau aller verbleiben Kleinwasserkraftreserven in Deutschland erbringen würden, die immerhin in Millionenhöhe mit Steuergeldern gefördert werden. Das sind enorme bisher völlig ungenutzte Einsparpotentiale und Klimaschutzpotentiale, die jedoch nur bei bewusster Kaufentscheidung vieler umgesetzt werden können. Hierfür setzt sich Holz von Hier ein.

Aber auch andere Gründe sprechen dafür Produkte zu kaufen, die vollständig (!) in ihrem gesamten Stoffstrom, innerhalb Deutschlands oder der EU hergestellt wurden und auch hier auch wieder recycelt oder entsorgt werden. Produkten und Entsorgung unterliegen in Deutschland und Europa auch den hier geltenden Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften, die im internationalen Vergleich die Latte für Umwelt- und Verbraucherschutz enorm hoch gelegt haben. Importprodukte in die EU werden unter völlig anderen Bedingungen in ihren Ursprungsländern produziert.

Aspekte die bei Transporten eine Rolle spielen

Bei den Transporten spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  1.  das Transportmittel (dessen Bedeutung  meist  überschätzt wird),
  2.  das Transportgut (dessen Bedeutung meist unterschätzt wird) und
  3.  die Transportstrecken mit Länge und Route (deren Umfang in den meisten Klimabilanzen und EPD erheblich unterschätzt wird).

(1) Bisher einiziger politischer Ansatzpunkt: Effizienzsteigerungen beim Transportmittel

In der EU wurden und werden Anstrengungen, die Umweltbelastungen durch Verkehr zu senken, jedoch bisher vor allem im Bereich Technik (Euro Normen) und Biosprit unternommen. Die europäischen Effizienzmaßnahmen sind bisher

  • technische Effizienzsteigerungen durch neue Antriebe,
  • alternative Kraftstoffe (aber Achtung: Biofuels sind fürs Klima heute eher katastrophal, die Produktion von 1 Tonne Palmöl beispielsweise erzeugt 30 Tonnen CO2, WGBU, 2009),
  • leichte Werkstoffe für den LKW-Bau und Aerodynamik.

Diese technischen Effizienzmaßnahmen wirken sich jedoch vor allem auf den wirtschaftlichen Erfolg aus und weniger auf die Umweltbelastung, weil gleichzeitig die Transportstrecken immer länger werden und das Aufkommen im größer wird. Berechnungen zeigen (B&S für Holz von Hier) zeigen, dass beispielsweise durch die Umstellung eines LKWs von Euro 1 auf Euro 5 gerade so viel CO2 eingespart wird, wie bei einer Reduzierung der Transportdistanzen durch regionale Kreisläufe um 6-7% des Jahrestransportaufkommens, ähnliches gilt für SO2 (vgl. Handbuch zur Produktumweltanmpel SAVE).

(2) Bedeutung des Transportgutes 

Die Bedeutung des Transportgutes wird in Berechnungen meist vernachlässigt, dabei ist die Klima- und Umweltbelastung bei Volumengütern und Palettenware etwa 1,7-fach höher als bei Massen- und Durchschnittsgütern.

(3) Bedeutung der Transportstrecken (Ansatzpunkt Holz von Hier)

Die Länge der Transportstrecken aber spielt die wichtigste Rolle bei den Umweltbelastungen durch die Transporte. Aber auch die Transportroute ist hier wichtig und spielt beispielsweise beim ermittelten Risiko des Biodiversitästverlustes durch die Transporte eine Rolle. Den spezifischen Verbrauch zu senken ist zwar wichtig, stellt aber letztlich nur eine Symptombekämpfung dar und greift das Problem nicht an der Wurzel an oder lenkt vom eigentlichen Problem eher ab, den explodierenden globalen Warenströmen.  

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 


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Nachhaltige Produkte: „Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung“

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Bild: Ressourcenschutz ist Klimaschutz. (Bild: B&S gekauft photocase für HvH, www-holz-von-hier.de)

Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung

Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung für Produkte heisst (für Holz von Hier) vor allem:

  1. Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten
  2.  Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen
  3.  Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen
  4.  Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen

(1) Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten

Verzicht auf Produkte die weltweit gefährdete Arten enthalten, gemäß Red List von IUCN. Der Markt hat auch entscheidenden Einfluss auf den Schutz der Biodiversität weltweit, sei es der Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten oder Produkte mit Rohstoffen, die Lebensraumzerstörung verursachen. Nachwachsende Rohstoffe können einen wichtigen Beitrag zur Schonung begrenzter fossiler und mineralischer Ressourcen leisten. Entscheidend für die positive Klima- und Umweltwirkung ist hierbei aber die Herkunft. Beispielsweise manche Hölzer, insbesondere tropischer Herkunft, sind inzwischen international gefährdet, ungeachtet der Tatsache, dass sie gehandelt werden. Biodiversitätsexperten gehen davon aus, dass wenn eine Art erst einmal als gefährdet erkannt bzw. eingestuft wird, es fast schon zu spät für ihren Schutz und ihre Bewahrung ist (www.iucnredlist.de). Bei Tropenhölzern betrifft dies sogar 30 der insgesamt 70 in Deutschland gehandelten Arten. Manche davon finden sich oft standardmäßig in Ausschreibungen (z.B. Meranti für Fenster).

  • Verzicht auf Holzprodukte die aus weltweit gefährdeten Baumarten gefertigt wurden. Verzicht auf Hölzer aus tropischen und borealen Primärwäldern hilft maßgeblich diese Lebensräume zu erhalten. Dabei ist es hilfreich zu wissen in welchen Ländern das Rabbaurisiko hoch ist. Die Produktumweltampel hilft Ihnen dabei (SAVE, siehe Freitags-Blog).
  • Was für Holzprodukte gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Rohstoffe. Auch ihr Abbau trägt direkt oder indirekt dazu bei, dass Arten gefährdet sind oder sogar vorm Aussterben stehen. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Biodiversität“ der Montags-Blogserie.

 (2) Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen

Manche Ressourcen sind quantitativ oder zeitlich stark begrenzt. Die Inanspruchnahme solcher Ressourcen oder die Verwendung von Produkten, die auf solchen Ressourcen beruhen, sollte daher erst nach einer Prüfung von Alternativen erfolgen. Für die Gewinnung mancher Rohstoffe ist ein außerordentlich hoher Energie- und Materialaufwand erforderlich und geht mit enormen Umweltschädigungen einher. So erfolgt der Abbau von Coltan oder Gold mit einem massiven Flächenverbrauch und hoher Umweltbelastung durch Schadstoffe wie Quecksilber und Cadmium. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Baustoffe“ der Freitags-Blogserie, da hier die Rohstoffreichweiten und Verfügbarkeiten beschreiben sind die in Hauptbaustoffen verwednet werden.

(3) Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen

Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen. Dabei geht es um alle Rohstoffe und nicht nur um Holz. Holz aus Raubbau kann ähnlich krasse Asswirkungen für Klima, Umwelt und Biodiversität haben wie z.B. die Gewinnung von Ölsanden oder der wenig umweltschonenden Abbau seltenere Erze, Mineralien oder Erden (z.B. Blutkoltan aus dem Kongo).

  • Verzicht auf Holzprodukte die aus Primärwaldholz gefertigt wurden. Verzicht auf Hölzer aus tropischen und borealen Primärwäldern hilft maßgeblich diese Lebensräume zu erhalten. Dabei ist es hilfreich zu wissen in welchen Ländern das Raubbaurisiko hoch ist. Die Produktumweltampel hilft Ihnen dabei (SAVE, siehe Freitags-Blog).
  • Was für Holzprodukte gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Rohstoffe. Auch ihr Abbau trägt direkt oder indirekt dazu bei, dass Arten udn Lebensräume gefährdet sind. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Biodiversität“ der Montags-Blogserie.

 (4) Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen

Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen bei der Materialwahl, das betrifft vor allem Nutzungskonkurrenzen mit(1) Nahrungs-/Futtermittelproduktion, (2) Nutzungskonkurrenzen von stofflicher und energetischer Nutzung und (3) Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen mit natürlichen Ökosystemen.

Exkurs und Beispiel aus dem Bereich Bioenergie.

Weltweit haben 923 Mio. Menschen keinen Zugang zu ausreichend Nahrung, Tendenz steigend (WBGU, 2009). Die weltweit genutzte Biomasse wird v. a. als Futtermittel (58%), Rohstoffe (20%), Brennholz (10%) und nur 12% als Nahrung eingesetzt (s.o.). Eine der Ursachen für weltweit steigende Nahrungsmittelpreise ist diese Nutzungskonkurrenz. Primärwälder, Feuchtgebiete, natürliche Grasländer sind die durch Landnutzungsänderungen weltweit am meisten bedrohten Ökosysteme. Diese Landflächen für den großmaßstäblichen Bioenergiepflanzenanbau zu nutzen, ist schädlich für Klima und Artenvielfalt. Sägefähiges Stammholz, das stofflich für langlebige Produkte genutzt werden könnte, zu verbrennen, ist nicht nur aus Klimaschutzsicht negativ. In einigen Regionen treten verstärkt Nutzungskonkurrenzen zwischen energetischer und stofflicher Nutzung auf. Holz von Hier setzt sich für Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen und ressourcenschonende Holznutzung ein (z. B. Kaskadennutzung). Verzicht auf importierte Agrarenergieträger mit schlechter Umweltbilanz. Pflanzenöle wie Palmöl für Biodiesel und BHKW (Block-Heiz-Kraft-Werke) sind ökologisch sehr bedenklich. Für diese Plantagen wurde oft zuvor Primärwald gerodet. Bei der Rodung bewaldeter Moorböden in Südostasien für Palmölplantagen werden besonders große Mengen CO2 freigesetzt. Biodiesel wird aus Pflanzenölen hergestellt (v. a. Palmöl, Soja und Raps). Palmöl stammt meist aus Malaysia und Indonesien, Raps aus USA. Der Großteil der Pflanzenöle für deutsche und europäische BHKW stammt aus Importen. Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltfragen der Bundesregierung (WBGU, 2009) schreibt: … für den Klimaschutz sind Biokraftstoffe der 1. Generation sehr ungünstig … “.

  • Verzichten Sie auf Produkte die aus Landnutzungsänderungen stammen. Beispiel 1: Palmöl in Schokolade, Washcmittel, Kosmetika, Beispiel 2: Tropenholz ohen anerkanntes waldlabel, Beispiel 3: Fragen Sie bei Ihrem neuen Handi nach ob es auch Handis aus Recyclingcoltan gibt, das wird den Handel hellhöriger für das Thema machen, so dass hoffentlich bald solche Produkte zu angemessenen Preisen angeboten werden. Bringen Sie Ihre alten Handis, DVD Player und anderen Elektroschrott die seltene Metalle enthalten zu entsprechenden Sammelstellen.
  • Auf die Herkunft kommt es an – auch in dem Aspekt. Auch bei den oben genanetn aspketen hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung welche Länder auf der Welt besonders viel Landnutzungsänderungen in den letzten Jahren hatten (SAVE, siehe Freitags-Blog). So viel sei schon mal gesagt: Deuschland gehört nicht dazu – insofern sind auch unter diesem Aspekt Produkte aus Deutschland und den EU Ländern top.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.