holzvonhier

Globales Denken erfordert regionales Handeln.


Hinterlasse einen Kommentar

Klimaschutz: „Bedeutung von Transportstrecke, Transportgut, Transportmittel“

DSC09756
Bild: LKW Stopp in Westafrika. Jede Art von LKW transportiert hier jede Art von Waren. Europäische Umweltstandards sind hier sowie weltweit für den Transport nicht voraussetzbar. (Bild B&S).

Bedeutung von Transportstrecke, Transportgut, Transportmittel

Die Transporte im Stoffstrom von Produkten sind heute in nahezu allen Produktbereichen global geworden. Die Transporte im Stoffstrom von Produkten, also von der Gewinnung aller Rohstoffe für das Produkt über alle Zwischenprodukte bis hin zu Endfertigung, können den „Klima- und Umweltruckack“ eines Produktes (die Klima- und Umweltbilanz des Produktes) erheblich verschlechtern. Dennoch sind die Transporte im gesamten Stoffstrom von Produkten bisher politisch und in nahezu allen Umsetzungsinstrumenten ein vernachlässigter Faktor.

Den spezifischen Verbrauch durch technische Massnahmen zu senken ist zwar wichtig, stellt aber letztlich nur eine Symptombekämpfung dar und greift das Problem nicht an der Wurzel an oder lenkt vom eigentlichen Problem eher ab, den explodierenden globalen Warenströmen im Stoffstrom von Produkten. Bei den Transporten spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  • (1) das Transportmittel (dessen Bedeutung meist überschätzt wird),
  • (2) das Transportgut (dessen Bedeutung meist unterschätzt wird) und
  • (3) die Transportstrecken mit Länge und Route (deren Umfang in den meisten Produktökobilanzen erheblich unterschätzt wird).

(1) Transportmittel

In der EU wurden und werden enorme Anstrengungen unternommen, auch die Umweltbelastungen durch Verkehr zu senken. Bisher setzt man hier allerdings vor allem im Bereich Technik (Euro Normen) und Biosprit an. Die von der europäischen Politik verfolgten Effizienzmaßnahmen sind dabei: technische Effizienzsteigerungen, neue Antriebe, alternative Kraftstoffe, Einsatz leichter Werkstoffe, Aerodynamik. Diese technischen Effizienzmaßnahmen wirken sich jedoch vor allem auf den wirtschaftlichen Erfolg aus und weniger auf die Umweltbelastung, weil gleichzeitig die Transportstrecken bei zunehmend globalen Stoffströmen immer länger werden. Das Transportaufkommen pro Produkt wird also immer größer.

  • So spart beispielsweise die Umstellung eines LKWs von Euro-Norm 1 auf Euro-Norm 5 gerade so viel CO2 ein, wie bei einer Reduzierung der Transportdistanzen durch regionale Kreisläufe um 6-7% des Jahrestransportaufkommens. Durch Reduktion von Euro I bis Euro V wurden die Emissionen beim CO um 88%, beim HC (Kohlenwasserstoffe) um 97%, beim NOx um 97%, bei PM (Partikel) um 97% gegenüber 1992 gesenkt. Beim CO2 (Kohlendioxid) und SO2 (Schwefeldioxid), den relevanten Gasen für Klimaerwärmung und Versauerung, wurden die Emissionen dadurch hingegen kaum gesenkt.
  • Auch der Europäische Fokus auf die sogennaten „Bio“-Kraftstoffe trägt faktisch kaum etwas zur Klimaentlastung bei, teilweise sogar im Gegenteil. So hat der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltfragen der Bundesregierung (WGBU) bereits 2009 in seinem Jahresgutachten eindringlich darauf hingewiesen, dass die Produktion von 1 Tonne Palmöl (für „Bio“Sprit) etwa 30 Tonnen CO2 erzeugt. Nahmhafte Wissenschaftler weltweit sprachen sich aus Kliamschutzgründen seit dem Jahr 2000 bereits sehr deutlich gegen die Nutzung von Palmöl aus und merkten immer wieder an, dass dieser Weg zu überdenken sei. Für Palmölplantagen in den Tropen wurden und werden weiter weltweit Urwälder in einem katastrophalen Ausmass abgeholzt (vgl. Berichte UNEP und Interpool „Green Carbon – Black Trade“).

(2) Transportgut

Die Bedeutung des Transportgutes wird in Berechnungen meist vernachlässigt, dabei ist die Klima- und Umweltbelastung bei Volumengütern und Palettenware etwa 1,7-fach höher als bei Massen- und Durchschnittsgütern.

(3) Transportstrecken

Die Länge der Transportstrecken aber spielt die entscheidende Rolle bei den Umweltbelastungen durch die Transporte. Hierbei spielt die absolute Länge, aber auch die Transportroute für bestimmte Aspekte eine Rolle. Beispielsweise beim Risiko für Biodiversitätsverluste durch Transporte spielt es auch eine Rolle auf welcher Strecke die Fracht transportiert wird.

Der Güterverkehr findet auf der Straße statt – mit erhöhten Transportaufkommen.

  • Der Großteil des Güterverkehrs findet wie bekannt auf der Straße statt. Im Jahr 2012 beispielsweise waren die in Deutschland transportierten Waren wie folgt auf die Transportmittel verteilt: 3.120 Mio. t Waren wurden per LKW auf der Straße transportiert (356 Mio. t auf der Schiene und 259 Mio. t auf Flüssen). Auf der Straße wurden davon nur etwa 3 Mio. t von deutschen LKW innerhalb Deutschlands transportiert.
  • Entwicklung des Welthandels und dessen Tansporte. Im Jahr 1950 waren es noch 0,6 Milliarden US Dollar, die mit Welthandel verdient wurden, im Jahr 1990 waren es bereits 3.5 Mrd. US Dollar und im Jahr 2011 etwa 18 Milliarden US Dollar, das ist eine exponentielle Steigerung.
  • Demzufolge entwickelte sich auch der Weltnutzfahrzeugmarkt exponentiell (KPMG: gesamt 12.090). Allein in den letzten 10 Jahren ist der Nutzfahtrzeugmarkt weltweit erheblich angestiegen. Von 2005 bis 2015 um 2.570.000 mehr Nutzfahrzeuge, davon allerdings 97% (2.500.000) in Ländern, die nicht den Europäischen Umweltstandards für Nutzfahrzeuge entsprechen, die teils aber auch Güter in die EU transportieren. Das bedeutet, dass die Umweltbelastungen, die mit Produkten auf dem europäischen Markt verbunden sind, zugenommen haben und zunehmen werden.
  • Ein wachsender Anteil der globalen Warenströme ist von Bedarf und Wirtschaftswachstum abgekoppelt. Die Außenhandelswarenströme weltweit Transpoprte sind seit 1970 gegenüber der Produktion überproportional gestiegen. Das heißt, dass die Warenströme nicht durch gestiegenen Bedarf bedingt sind. Ein wachsender Anteil der globalen Warenströme ist daher vom Bedarf her überflüssig.

Produktumweltampel

Mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde eine Produktumweltampel entwickelt, die Holz von Hier in 2016, gemeinsam mit Unterstützung von Partnern national und in einzelnen Bundesländern (wie z.B. der Bayerischen Sparkassenstiftung) herausgibt. Mit der Produktumweltampel wird gezeigt, dass die Transporte nicht nur einen „gewissen Anteil“, sondern im Gegenteil einen ganz wesentlichen Anteil an der Nachhaltigkeit eines Produktes haben können.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 
Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Nachhaltige Produkte: „Ressourcenschonung von Anfang an“

Schu¨lerwohnheim Rehau

Bild: Holzhochhaus aus Holz von Hier. Wände, Decken, Treppenaufgänge aus Kreuzlagenholz, Bodenbeläge aus heimischer B-Eiche, Fassaden aus heimscher Hobelware. Herkunftsnachweis siehe http://www.holz-von-hier.de unter Gebäude (Bild: HvH zur Verfügung gestellt).

Ressourcenschonung von Anfang an

Ressourcenschonung von Anfang an hat zwei wesentliche Aspekte:

  1.  Auswahl von Materialien mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck für Bauteile und Bauten.
  2.  Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an.

(1) Auswahl von Materialien mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck in den Vorketten für Bauteile und Bauten

Ressourcenschonung von Anfang an durch gezielte Materialauswahl. Produkte und Bauteile können oft aus diversen Materialien hergestellt werden. Die verschiedenen Materialien hinterlassen einen jeweils anderen ökologischen Fußabdruck. So werden schon bei Planung und Beschaffung Weichen gestellt, die den gesamten Lebenszyklus betreffen. Hier spielt vor allem der Baubereich eine wichtige Rolle, da er für den größten Teil des derzeitigen Ressourcenverbrauchs verantwortlich ist (Müller & Niebert, 2009; und vgl. EU Kommission in der EU-Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“).

Bautätigkeiten verbrauchen aber nicht nur für Rohstoffgewinnung, Produktion und den Bau selbst Ressourcen, sondern auch für die Entsorgung nach Ablauf der Nutzungsphase. Die Entscheidung von heute beeinflusst damit auch die Ressourceninanspruchnahme künftiger Generationen.

Ein wichtiger Ansatzpunkte ist hier die gezielte Verwendung von Materialien mit geringen Umwelt-Rucksäcken. In aller Regel können hier nachwachsende Rohstoffe punkten. Aufgrund des Mengenpotenzials kommt hier dem Holz eine zentrale Bedeutung zu.

Einsatzmöglichkeiten hierfür gibt es zahllose. Im Hinblick auf die Ressourceninanspruchnahme für Gewinnung und Produktion spielt aber die Herkunft des Holzes und damit verbunden der ökologische Rucksack der Produkte eine entscheidende Rolle. Die Variante mit der besten Umweltbilanz ist die Verwendung von Holz mit möglichst geringer Transportbelastung, wie sie über Holz von Hier nachweisbar ist. Die gezielte Verwendung von Holz mit dem Zertifikat Holz von Hier stellt einen optimalen Beitrag zur Ressourcenschonung dar.

(2) Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an

Verwendung recyclingfähiger und wieder verwertbarer Produkte von Anfang an und Erhöhung der Recyclingquote nach Ende der Lebensphase. Ressourcenschonung fängt schon bei der Planung der zu beschaffenden Dinge oder beabsichtigten Bauvorhaben an.

Sie berücksichtigt nicht nur die Vorketten in der Herstellung des Produkts, sondern umfasst alle Aspekte von der Gewinnung der Rohstoffe an bis hin zu der faktischen Behandlung nach Ablauf von Gebrauch und Nutzung.

Ob ein Produkt bzw. Baustoff nach seiner Hauptnutzung wieder- oder weiterverwendet oder aber recycelt werden kann oder entsorgt werden muss, wird teilweise schon bei Einkauf und Beschaffung bestimmt. Dies gilt insbesondere für den Bereich Bauen.

Ein Anwendungsbeispiel hierfür sind Fenster. Hochwertige Fenster aus PVC, die vergleichbare Leistungen hinsichtlich Stabilität, Haltbarkeit und Dämmung erfüllen, wie gute Holzfenster, sind nicht nur in der Anschaffung nicht billiger, sondern verursachen nach der Nutzungsphase (übrigens erfordert eine möglichst lange Lebensdauer auch bei Kunststofffenstern eine regelmäßige Pflege!) erheblich höhere Kosten durch eine aufwändige Entsorgung. Die Recyclingmöglichkeiten für PVC in Europa sind noch sehr limitiert (aktuell umfassen sie etwa 3% der Produkte). Moderne Holz- oder Holzalufenster hingegen können nach ihrem Gebrauch in der Regel problemlos verwertet werden.

Recycling von Produkten und Verwendung von recycelten Produkten stellt heute immer noch die Ausnahme dar. Beim Einkauf lohnt sich jedoch, wo immer es geht, Recyclingprodukte einzusetzen, da diese neben dem ökologischen Aspekt den Vorzug haben, dass sie oft kostengünstiger sind. Bei Papier ist dies schon Standard, aber es gibt eine Reihe von weiteren Produkten, die bereits aus recycelten Rohstoffen hergestellt werden. Beim Thema Recyclingfähigkeit und Wiederverwertbarkeit der Produkte schneidet das Material Holz optimal ab.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


                           

Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


Hinterlasse einen Kommentar

Nachhaltigkeit: „3 Lebensphasen eines Produktes – auch das Material ist entscheidend“

photocase9191115648894472
Bild: Ein Produkt ist, im Sinne der optimalen Nachhaltigkeit, dann sehr gut, wenn es die Klima-, Umwelt- und Sozialen Wirkungen bei all seinen Lebensphasen berücksichtigt.

Die 3 Lebensphasen eines Produktes – auch das Material ist entscheided

Über die Klima- und Umweltfreundlichkeit eines Produktes entscheiden 3 Lebensphasen:

  • (1) Klima-/Umwelt-Rucksäcke der Vorketten, in einem realen Bilanzraum.
  • (2) Energie, Wasser, Ressourcen, Umweltverbrauch in der Nutzungsphase.
  • (3) Nachnutzung: Verwertung oder Entsorgung.
  • (+) Hinzu kommt noch der Verbraucherschutz.

Klima- und Umweltrucksäcke von Produkten: das Material und die Transporte sind entscheidend

Die Klima- und Umweltrucksäcke der Vorketten von der Rohstoffgewinnung über die Zwischenstufen der Produktion bis hin zu allen Transporten im Stoffstrom bestimmen wesentlich die Klima- und Umweltbilanz eines Produktes. Dies wird bisher viel zu wenig beachtet.

Für die Klima-/Umwelt-Rucksäcke der Vorketten ist die Betrachtung eines realen Bilanzraums wichtig. Wie wurden die Rohstoffe gewonnen, stammen sie aus nachhaltiger Gewinnung oder z.B. aus Raubbau oder Umwelt zerstörerischen Prozessen? Wie hoch sind Transporte im gesamten Stoffstrom („Jogurtbechereffekt“) und damit der Energieverbrauch und Schadstoffausstoß durch Transporte? Wie Ressourcen, Energie, Wasser und Umwelt schonend wurde das Produkt produziert: im gesamten Stoffstrom der Produktion, vom Rohstoff an über alle Zwischenprodukte bis hin zum Endprodukt und nicht nur im letzten Produktionsschritt. Nachhaltigkeit die künftige Generationen mit einbezieht. Hier ist die Verfügbarkeit von Rohstoffen und ihr sorgsamer und Ressourceneinsparung Umgang mit den Rohstoffen entscheidend. Der Baustoff Holz basiert auf einem nachwachsenden Rohstoff, im Gegensatz anderen Baustoffen.

Nutzungsphase von Produkten: Material und Produkte sind auch hier entscheidend für die Klimafreundlichkeit in der Nutzungsphase !

Bisher konzentrieren sich Betrachtungen zur Klima- und Umweltwirkung eines Produktes auf die Nutzungsphase. Dabei werden aber oft bestimmte wichtige Faktoren gar nicht einbezogen wie z.B. die Langlebigkeit des Produktes oder das Nutzerverhalten. Auch das verwendete Material hat Einfluss auf den Energieverbrauch, was nicht berücksichtigt wird.

Die Energieeinsparung während der Nutzungsphase hängt nicht nur von den technischen Werten der Produkte ab (z.B. Uw-Wert, g-Wert), sondern maßgeblich auch vom Nutzerverhalten (Beispiel 1). Jeder Baustoff hat ein anderes energetisches Verhalten. Das wird heute meist nicht berücksichtigt, so dass Glas, Beton, Ziegel oder Holz einheitlich behandelt werden. Berücksichtigt (z.B. EnEV) wird vor allem die Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen (Uw-Wert), nicht erfasst wird die Phasenverschiebung. Dies kann man sich wie eine Badewanne vorstellen, die sich mit Wasser füllt. Irgendwann ist sie voll und das Wasser läuft über. Der Uw-Wert sagt dann nur aus wie viel Energie, bzw. in dem Bild „Wasser“ überläuft, also verloren geht, aber nicht wie viel Volumen die Wanne speichert. Gerade für den sommerlichen Wärmeschutz, aber auch für den Heizenergiebedarf im Winter ist die Phasenverschiebung mindestens so bedeutsam wie der U-Wert).

Beispiel Wohlfühltemperatur.

  • Die Raumtemperatur bei der wir uns wohl fühlen, ist zu einem guten Teil von der Oberflächentemperatur der Raumumschließungsflächen abhängig, also von der Innenfläche der Raumwände. Durch die Struktur von Holz ist die Oberflächentemperatur in Durchschnitt 3-4 Grad höher als bei anderen Baumaterialien. So fühlt man sich in einem massiven Holzhaus schon bei etwa 19° – 20°C wohl, in einem Steinhaus muss man in der Regel bis auf ca. 24°C aufheizen. Jedes Grad Raumtemperatur erfordert ca. 6% mehr Heizenergie.
  • Unterschiedliches Energetisches Verhalten von Baustoffen wird meist nicht berücksichtigt. Vergleicht man eine massive Holzwand mit einer Ziegelwand gleichen Dämmwertes, so muss man bei der Ziegelwand aufgrund der höheren Wärmeaufnahmefähigkeit erst einmal die Wand aufheizen, wonach diese die Wärme dann auch kontinuierlich wieder abgibt. Eine massive Holzwand dagegen nimmt die Wärme schlechter auf, so dass man nur die Raumluft erwärmen muss. Die Reaktionszeit des Beheizens der Räume ist schneller. Ein massives Holzhaus kühlt deshalb auch im Winter bei ausgestellter Heizung über Nacht weniger aus und im Sommer dringt die Hitze von außen weniger ein.

Nachnutzung oder Entsorgung von Produkten: gerade hier ist das Material, das Produkt entscheidend.

Auch die Nachnutuzung ist entscheidend für die Umweltwirkung eines Produktes. Kann das Produkt wieder verwertet oder umgenutzt werden? Kann das Produkt recycelt werden? Oder muss es entsorgt werden? In dieser Produktlebensphase können enorme Umweltschädigungen und auch Folgekosten entstehen. Dies wird meist nicht bedacht.

Ein Großteil des eigentlichen Bauabbruches (ohne Straßenabbruch und verunreinigtem Bodenaushub) sind heute sortierte Abbruchabfälle aus Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, die teilweise bereits gut verwertet werden. Gemischte Bauabbruchabfälle machen etwa 10% aus, der Rest teilt sich auf in Holz, Glas und Kunststoffe, Dämmmaterial mit gefährlichen Stoffen, Asbesthaltige Baustoffe, Baustoffe auf Gipsbasis. Holz wird heute nahezu zu 100% verwertet (keine Entsorgung). Die Entsorgungsrate bei Kunststoffen hängt von der Art des Kunststoffes ab (Beispiel bei PVC-Fenstern > 97%). Bei „Dämmmaterial mit gefährlichen Stoffen“ wie künstlichen Mineralfasern liegt die Verwertungsrate bei < 10% bzw. die Entsorgungsrate bei > 90% (alte Mineralwolle). Asbesthaltige Baustoffe/Dämmstoffe dürfen wegen des Krebsrisikos in der EU nicht mehr verwendet werden (Entsorgungsrate 100%). Diese Materialien werden in der Dämmung heute durch geschäumte Kunststoffe wie EPS („Styropor“) oder PU (Polyurethan) ersetzt. Eventuell sind sie das Entsorgungsproblem von morgen und bei Bränden ist gerade Polystyrol sehr gefährlich. Die Entsorgungsrate für „Baustoffe auf Gipsbasis“ (z.B. Gipsfaser-/kartonplatten) ist mit ca. 90% ebenfalls noch hoch. Gemischte Bau-/Abbruchabfälle werden zu 80 – 90% auf der Deponie entsorgt. Holz: zu 100% verwertet ! Altholz kann heute nicht mehr als Abfall bezeichnet werden, sondern ist ein wichtiger Sekundärrohstoff. Mehr Holzbau, mehr Naturdämmstoffe mehr Holz im Innenausbau würde ein essentielles Nachhaltigkeitsproblem bei Baustoffen lösen: Verwertung statt Entsorgung!

Verbraucherschutz-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte: das Material entscheidet mit

Die Tatsache, dass Verbraucherschutz-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte auch auf den eingesetzten Materialien und Produkten beruhen, findet bei nachhaltiger Beschaffung noch zu wenig Beachtung.

Für die Gesundheitsverträglichkeit von Baustoffen beispislweise sind zwei Aspekte wichtig: die Gesundheitsbelastungen durch Emissionen (1) in der Nutzungsphase und (2) im Brandfall.

In beiden Fällen ist Holz optimal gesundheitsverträglich. Die meisten Menschen sterben bei einem Brand nicht durch einstürzende Gebäudeteile sondern durch das Einatmen giftiger Brandgase … und … jedes (!) Gebäude brennt und fast jeder Baustoff.

Verbraucherschutz = Information! Rechtlich ist Verbraucherschutz geregelt über das BGB (Bürgerliche Gesetzbuch). Ein Problem des gesetzlich geregelten Verbraucherrechtes ist es dieses auch juristisch durchzusetzen. Deshalb hat Verbraucherschutz zunehmend mehr mit Information vor (!) dem Kauf eines Produktes zu tun, so dass der Verbraucher in die Lage versetzt wird angemessen zu entscheiden.

 


Hinterlasse einen Kommentar

Nachhaltigkeit ist ein MUSS: „Umfassende Nachhaltigkeit von Produkten“

photocasendzrhtbj2
Bild: Kinder sind unsere Zukunft – aber ob sie eine Zukunft haben, das entscheiden wir mit ! Nachhaltigkeit, wo immer möglich, konkret umzusetzen, ist heute schon lange kein „Kann“ mehr, sondern ein absolutes „Muss“, auch und gerade für die „nachfolgenden Generationen“ unsere Kinder und deren Kinder. 

Umfassende Nachhaltigkeit von Produkten ist heute mehr als nötig.

Es wird immer deutlicher, dass der Ressourcenverbrauch unseres Lebensstils insbesondere in Industrie- und Schwellenländern längst jenseits dessen ist, was als nachhaltig bezeichnet werden kann. Wir Europäer verbrauchen heute doppelt so viele Ressourcen wie wir haben. Die Art, wie wir leben, die Produkte die wir kaufen und konsumieren und die Art, wie wir Bauen, hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrauch an Ressourcen, auf den Verbrauch an Energie und auf die Belastung der Umwelt. Vor diesem Hintergrund hat die Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich ihrer Umweltwirkung eine zentrale Bedeutung als Triebkraft für nachhaltige Entwicklung und Förderung nachhaltiger Produktion bzw. nachhaltigen Konsums. Obgleich es bereits verschiedene Strategien und Instrumente (z.B. Label, EPD u.a.) für eine solche Kennzeichnung gibt, werden immer noch vielfach Produkte eingesetzt, die wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung außer acht lassen. Bisherigen Instrumenten fehlen Aussagen zu wichtigen Umweltaspekten wie Ressourcenverfügbarkeit, Ressourcenschonung, Biodiversitätsauswirkungen, Wiederverwendbarkeit und anderen. Verbraucher und kommunale Entscheider wie auch nicht informierte Betriebe in der Stoffstromkette als treibende Kraft für die Förderung besonders nachhaltiger Produkte können hier keine Wirkung entfalten, da sie keine entsprechende Entscheidung für den Kauf, die Beschaffung oder den Materialeinsatz treffen können.

Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten: „Nutzung von Labeln und Nachweisen“

Nutzung von Labeln und Nachweisen zur Kontrolle der Einhaltung von Umweltkriterien. Da es kaum einem Akteur und Entscheider zuzumuten ist, die komplexen Umweltauswirkungen von Produkten, die beschafft oder gekauft werden, zu beurteilen, spielen zur Kontrolle und Identifikation von nachhaltigen Produkten unter den oben genannten Gesichtspunkten Umweltlabel eine wichtige Rolle. Hier ist es von Bedeutung, die Aussagen und Kriterien der diversen Umweltlabel zu betrachten und zu vergleichen.

Es gibt diverse Label, die Umweltkriterien bei Produkten festlegen und überprüfen. Von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR, Projektträger des Bundeslandwirtschaftsministeriums) wurden aus über 300 europäischen Umweltlabeln 8 ausgewählt, die einem Umweltlabel TYP ISO I entsprechen und auch für die nachhaltige Beschaffung empfohlen werden:

  • HOLZ VON HIER,
  • Bauer Engel,
  • NaturePlus,
  • EU Umweltblume,
  • FSC,
  • PEFC,
  • Nordic Swan,
  • österreichisches Umweltzeichen.

 


Hinterlasse einen Kommentar

Energiesparen in der Nutzungsphase hängt auch vom Material ab

Wintergarten_02-NEU

Bild. Energiesparen in der Nutzungsphase hängt von wesentlich mehr ab als vom U-Wert der Baustoffe oder der baufunktionalen Einheiten.

Energiesparen in der Nutzungsphase hängt nicht nur vom U-Wert sondern auch vom Material ab

Energiesparen in der Nutzungsphase hängt nicht nur vom U-Wert oder technischen Aspekten ab, sondern ganz maßgeblich auch vom Nutzerverhalten und dessen Wohlfühltemperatur. Was nutzt der beste Passivhausstandard bei hoch gedämmten Räumen, wenn die Nutzer wegen eines schlechten Raumklimas mehrfach am Tag lüften müssen oder wollen?

Die Raumtemperatur bei der wir uns wohl fühlen, ist auch von der Innenfläche der Raumwände abhängig und die wiederum auch vom Material. Jeder Baustoff hat ein anderes energetisches Verhalten. Das wird in Berechnungen (z.B. Energieausweis) aber in der Regel nicht berücksichtigt, denn meist wird dabei nur die Wärmeleitfähigkeit (U-Wert) von Baustoffen berücksichtigt, nicht die Phasenverschiebung.

Phasenverschiebung genauso bedeutsam wie der U-Wert

Für den sommerlichen Wärmeschutz und den Heizbedarf im Winter ist aber die Phasenverschiebung genauso bedeutsam wie die Wärmeleitfähigkeit (U-Wert).

  • Vergleicht man beispielsweise eine Massivholzmauer und eine Ziegelwand mit gleichem (!) U-Wert, so muss man bei der Ziegelwand, beispielsweise morgens, erst die Wand mit aufheizen, wonach diese die Wärme kontinuierlich wieder abgibt, „wie ein Akku“.
  • Massive Holzwände nehmen viel weniger Wärme auf, man muss also nur die Raumluft erwärmen, so dass die Reaktionszeit des Beheizens der Räume schneller ist. Eine massive Holzwand ist „wie eine Thermoskanne“. Durch die Struktur von Holz ist die Oberflächentemperatur in Durchschnitt 3-4 Grad höher als im konventionellen Bau. So fühlt man sich in einem massiven Holzhaus schon bei etwa 19-20°C wohl, in anderen Gebäuden wird im Mittel meist bis auf 24°C geheizt.

Holz von Hier Tipp: Jedes Grad Raumtemperatur erfordert rund 5-6% mehr Heizenergie. Deshlab lohnt es sich, eine spezifische Wärmebrückenberechnung anstatt eines Pauschalansatzes zu machen. Dadurch kann eventuell eine Förderung für besonders energiearme Gebäude in Anspruch genommen werden.

U-Wert in [W/m2k] und Material

Der U-Wert kennzeichnet die Wärmemenge, die in einer Stunde durch jeden Quadratmeter eines Bauteils bekannter Dicke im Dauerzustand der Beheizung hindurchgeht, wenn der Temperaturunterschied zwischen der Luft auf beiden Seiten dieser Wand 1 K beträgt. Mit dem U-Wert wird ausgedrückt, welche Leistung pro m² des Bauteils auf einer Seite benötigt wird, um eine Temperaturdifferenz von 1 Kelvin aufrecht zu erhalten. Je kleiner der U-Wert ist, desto besser, weil weniger Wärme durch den Bauteil geleitet wird. Der U-Wert kann aber nur die Wärmeleitung beschreiben, und dies auch nur im stationären Fall. Instationäre Vorgänge, Speicherung oder Wärmestrahlung werden dabei nicht berücksichtigt.

  • Der U-Wert kann nur näherungsweise zur Berechnung der Dämmwirkung und damit Energieeinsparung heran gezogen werden, denn er verläuft mit der Dämmdicke nicht linear, sondern als Hyperbelfunktion. Meist wird der U-Wert linear berechnet, was jedoch falsch ist. Um einen exakten Wert zu bekommen der für den Bauherren in Hinblick auf die Energieeinsparung interessant ist, müsste der U-Wert bei jeden Dämmstoff und jeder baufunktionalen Einheit (Wand-Dämmung-Fassade) nicht berechnet sondern gemessen werden.
  • Der U-Wert ist von weiteren Materialeigenschaften abhängig und die Dämmwirkung ist nicht automatisch besser je dicker die Dämmung ist. Meist wird der Wert in Berechnungen jedoch linear eingesetzt.
  • Bei Kondenswasserbildung ist der U-Wert deutlich schlechter, denn feuchte Wände dämmen schlechter als trockene. Insofern bestimmt das Material der abufunktionalen Einheit nachhaltig und langfristig auch den U-Wert mit.
  • Die Thematik Kondenswasserbildung durch Materialien mit geringer Fähigkeit Wasserdampf abzuleiten (z.B. Kunststoffdämmungen), wenn diese noch dazu falsch verbaut sind, ist also nicht nur problematisch wegen einer möglicherweise auftretenden Schimmelbildung bei Kondenswasserbildung, sondern auch für die Energieeinsparung relevant.

Wärmespeicherfähigkeit – ist vor allem eine Materialeigenschaft

Die Wärmespeicherfähigkeit ist eine Materialeigenschaft und gibt die gespeicherte Wärme eines Stoffes an, wenn dieser um 1 K erwärmt wird. Die gespeicherte Wärmemenge ist umso höher, je höher die spezifische Wärmekapazität, je größer die Rohdichte und je höher der Temperaturunterschied zur Umgebung ist (z.B. zwischen innen und außen bei einer Außenwand).

  • Sommerlicher Wärmeschutz und wohlige Wärme auch nachts entsteht nur durch hohe Wärmespeicherfähigkeit der Wand- und Dämmmaterialien.
  • Die Wärmespeicherfähigkeit von Nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo) wie Holzfaserdämmplatten ist mehr als 10-mal höher als die von Kunststoffdämmstoffen wie EPS, XPS, PUR.  Dies hat nicht nur, aber auch, mit der Rohdichte zu tun (Holzfaserdämmplatte: 160 kg/m3, EPS 20 kg/m3).
  • Die Wärmespeicherkapazität von Holz ist deutlich höher als z.B. von Beton oder Ziegel. Deshalb kühlt im Winter eine Holzwand abends, wenn die Heizung ausgestellt wird, weniger stark ab, als eine Ziegel- oder Betonwand. Am nächsten Morgen muss nicht erst die Wand aufgeheizt werden, um rasch ein gute Raumtemperatur zu erreichen. Das spart prinzipiell Energie (bei entsprechenden Nutzerverhalten).
  • Dämmung mit Holzdämmstoffen ist für den sommerlichen Wärmeschutz deutlich positiver zu werten als eine Kunststoffdämmung, weil sie wesentlich ausgleichender auf die Temperaturen im Inneren des Hauses reagiert. Deshalb sind beispielsweise mit Holzdämmstoffen ausgebaute Dächer im Sommer weniger von Überhitzung betroffen als bei anderen Dämmstoffen. Für ein ausgeglichenes Raumklima und die Vermeidung von Tauwasserbildung sind Dämmstoffe mit hoher Wärmespeicherfähigkeit positiv zu bewerten.

 

Ampelsymbol
Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de


Hinterlasse einen Kommentar

Nachnutzung: „Recycelbarer Produkte sollte jede Bauplanung berücksichtigen“

MH-Modulholz-1
Bild. Kaskadennutzung ist vor allem beim Baustoff Holz bereits heute gängig. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt).

Einsatz Recycelbarer Produkte und Kaskadennutzung sollte heute Bestandteil jeder Bauplanung sein

Recycelbare Produkte sind immer mehr gefragt und wiederverwertbare, recycelbare Produkte sparen Geld! Recycelbare Produkte sind immer mehr gefragt, sie senken bei der Nachnutzung dauerhaft auch die Annahmepreise. Frühere „Abfallstoffe“ werden so zu wertvollen „Sekundärrohstoffen“.

Der BDE schreibt, dass die geforderte Erhöhung der Recyclingquote kein Selbstzweck sei, sondern „nationales Erfordernis“, denn die deutsche Industrie sei aufgrund der sich „weltweit dramatisch verknappenden Primärrohstoffvorkommen“ auf eine effektive Kreislaufwirtschaft angewiesen, um auch künftig auf hohem Niveau produzieren zu können.

„Kaskadennutzung“. Ein viel diskutierter Weg ist heute die Kaskadennutzung bzw. Mehrfachnutzung und bedeutet mehr als einfaches Recycling. Unter Kaskadennutzung wird die Nutzung eines Rohstoffs über mehrere Stufen bezeichnet. Auf diese Weise wird eine nachhaltige und effektive Nutzung sowie eine Einsparung beim Einsatz von Rohstoffen erreicht werden, Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte werden so lange wie möglich im Wirtschaftssystem genutzt. Die Kaskadennutzung wird sowohl in der Petrochemie wie auch bei der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen diskutiert. Bereits etablierte Beispiele für Kaskadennutzung sind vor allem beim Rohstoff Holz bereist heute gängig und umfassen etablierte sowie neuartige Recyclingketten oder die Nutzung von Ersatzbrennstoffen zur Energiegewinnung. So ist Altholz der Kategorien A-I und A-II ist bereits heute kein Abfallstoff mehr, sondern erzielt gute Preise und ist europaweit zum wertvollen und gefragten Sekundärrohstoff geworden.

Kommunen sollten wirtschaftlich gesehen immer mehr Interesse daran haben Müll zu vermeiden. Je besser ein Produkt recycelbar ist, umso geringer sind anfallende Kosten für die Kommunen im Nachhinein. Mit manchen Materialien (z.B. Altholz, Metalle, Stahl, Glas usw) lässt sich bereits heute und zukünftig noch mehr Gewinn erzielen, wohingegen andere Matrialien (z.B. Verbundmaterialien, Kunststoffe usw.) richtig hohe Kosten für die öffentliche Hand und damit für uns alle in Form der Müllgebühren verursachen.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 


Hinterlasse einen Kommentar

Nachnutzung: „Probleme mit Materialien/Produkten End-of-Use“

EU-Flagge_Meer
Bild. Müll kennt keine Grenzen. Mülltourismus innerhalb der EU und auch nach außen, verschlechtert die Klima- und Umweltbilanz im Lebensweg von Produkten deutich. (Bild: gekauft photocase, B&S)

Probleme mit Materialien/Produkten End-of-Use

Viele der in Bau heute verwendeten Materialien oder Produkte können nach Ende der Nutzungsphase nur noch entsorgt werden. Dabei ist ein Entsorgungsweg in Deponien möglicherweise grundwasserbelastend und ein Entsorgungsweg in Müllverbrennungsanlagen möglicherweise mit gefährlichen Luftemissionen verbunden (z.B Dioxine).

Einige Stoffe können heute nur deponiert werden, wobei hier aber eigentlich wissenschaftlich und über fehlende Langzeitversuche noch unklar ist welche Gefährdungspotentiale hierbei für Umwelt und Gesundheit überhaupt entstehen, sie werden sozusagen „blind“ deponiert. Materialien die sich in der Deponie „inert“ verhalten sind dabei ein geringeres Problem als Materialien die sich nicht inert verhalten oder die ein dauerhaftes Risiko in der Deponie darstellen. Bei der Deponierung entsteht zudem noch, neben dem Flächenverbrauch,  ein dauerhaftes Risiko (Deponiebrände, Deponielecks usw.), weshalb die EU zunehmend auf Deponierung verzichten will und Deutschland hier mit der deutschen Deponieverordnung noch ein Stück weiter gegangen ist.

Bei vielen Materialien führt dies jedoch zu einem regelrechten Mülltourismus und viele Materialien verursachen allein durch die zunehmenden Transporte in dem Bereich sowie durch die volkswirtschaftlich gesehen hohen Entsorgungskosten bedeutende Probleme.

Umweltschädigungen treten dabei auch umso eher auf, je mehr das Material nicht in deutschen oder europäischen Deponien oder MVA entsorgt wird, mit ihren vergleichsweise sehr hohen Anforderungen oder Auflagen.

Die Abfallverwertung und Recycling in privater Hand

Man muss immer wieder betonen: das Entsorgungsproblem fängt am Anfang an, beim Einsatz der Baustofe und Materialien. Hier haben es öffentliche und private Bauträger und Bauherren auch die Entsorgungsthematik noch selbst in der Hand . Am Ende der Kette bei der Nachnutzung ist der Einfluss von Kommunen und Privaten Bauherren kaum bzw. nicht mehr gegeben, denn Anbfallverwertung und Recycling sind in Deutschland und Europa heute großteils in privater Hand. Die Entsorgungsgebühren von morgen basieren wesentlich darauf, was wir an Material heute verbauen.

Die Abfallverwertung und Recycling ist nahezu Europaweit und auch in Deutschland quasi in privater Hand. Einige Fakten:

  • Etwa 60% der Kommunen beauftragen heute Privatunternehmen mit der Abfallentsorgung, v.a. in ländlichen Regionen, in Flächenländern wie Bayern, Baden-Württemberg u.a. ist der Anteil bei 70-90% (wissen-spiegel.de).
  • Private Unternehmen betreiben 85% der Sortier-/Aufbereitungsanlagen (BDE, 2010). Von den 69 dt.
  • Müllverbrennungsanlagen(MVA) laufen 48 unter kommunaler Beteiligung.
  • Gewerbemüll gelangt kaum in die MVA (ca. 10%). Müll belastet immer die kommunalen Kassen, auch wenn Kommunen bei Anlagen beteiligt sind und diese mit auslasten wollen.
  • Laut Eurostat (2012) fallen in Deutschland jährlich etwa 368 Mio. Tonnen Abfall an. Der Großteil davon sind „Mineral and solidified wastes“ mineralische und getrennte Abfälle (inklusive Bauabbruch) für die Müllverbrennung und Deponie (269 Mio. t).
  • Bei Recycling liegt Deutschland mit ca. 37 Mio. t/Jahr und einer Landesrecyclingquote von ca. 10% im unteren europäischen Mittelfeld.
  • Entsorgung in Müllverbrennungsanlagen (MVA) und Deponien (MBA) ist teilsweise noch in öffentlicher Hand (z.B. Zweckverbände der Kommunen).
  • Die Annahmepreise in MVA liegen je nach Standort bei 55 bis 220 €/t Müll (prognos, 2009; EUWID, 2010; mittlerer „Müllwert“ in Dt.: 130.
  • Das Preisgefälle bewirkt eine Verlagerung auf die billigsten Anlagen, mit zusätzlichen Umweltbelastungen durch Verkehr.
  • Die Kapazität der deutschen Deponien (MBA, MA, MBS/MPS zur Abfallbehandlung nach 30. BImSchV, der Deponieverordnung und dem Anhang 23 zur Abwasserverordnung) betrug 2008 ca. 5,6 Mio. t/a und wird (Schließungen) für 2015 auf 4,8 Mio. t/a geschätzt.
  • Außer Bayern und Baden-Württemberg, die nur 2 Deponien mit geringer Kapazität haben, liegen die MBA Kapazitäten v.a. im Nord-Ost-deutschen Raum (vgl. div. Veröff. UBA, prognos, Euwid u.a.).
  • Das heißt nahezu alle Abfallstoffe und Bauabbruchabfälle die nur deponiert werden können, müssen von Süddeutschland nach Nord-Ost-Deutschland oder nach außerhalb Deutschlands transportiert werden.
  • Etwa 21% der deutschen MBA-Anlagen werden von privaten Unternehmen betrieben, 35% von PPP-Gesellschaften und 44% von der öffentlichen Hand (prognos).
  • Die Annahmepreise in MBA liegen je nach Standort bei 70 bis 230 Euro/Tonne Müll (prognos, 2008; EUWID, 2010; Mittlerer „MBA-Müllwert“ in Deutschland: >120 €/t).
  • Auch hier kommt es aufgrund von Lage und Preisgefälle zu höheren Entsorgungstransporten von Süd nach Nord und West nach Ost.
  • Ersatzbrennstoffverwertung (EBS) Abfälle können auch in Ersatzbrennstoffanlagen (EBS) genutzt werden, wie Zement-/Kalkwerke, Braunkohle-/Steinkohleanlagen.
  • EBS Kapazitäten lagen 2008 bei ca. 3,7 Mio. t/a (Zement-/Kalkwerke 41%, Kraftwerke 38%, Braunkohle-KW 14%, Steinkohle-KW 7%), mit stark steigender Tendenz (in Szenarios 4,9 bis 9,2 Mio. t/a im Jahr 2020).
  • Hauptkapazitäten liegen in N-W-O-Deutschland. Bereits heute wird eine defizitäre Auslastung der EBS vorhergesagt, die durch Importe gedeckt werden soll.
  • Bis 2015 werden 91% der Anlagen privat sein, 3% öffentlich >4% PPP.
  • Annahmepreise in EBS liegen bei 20 – 120 €/t (prognos 2008; mittlerer Wert: ca. 80 €/t).
  • Auch hier kommt es aufgrund von Lage und Preisgefälle zu höheren Entsorgungstransporten von Süd nach Nord und West nach Ost.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.