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Baustoffe: „Gipsplatten“

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Bild: Kraftwerk. Bei in Deutschland hergestellten Gipsplatten wird quasi kein (kaum) REA-Gips aus den Filtern von Kraftwerken verwendet. (Bild: B&S, Deutsches Kraftwerk mit guter Rauchgasreinigung).

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Gipsplatten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Wegen des vergleichsweise geringen Gewichtes, der einfachen Verarbeitung, dem Feuerwiderstand werden Gipsplatten vor allem bei nicht-tragenden Innenwänden, Decken, Dachschrägen oder Estrichen verwendet. Das Flächengewicht von Gipsfaserplatten liegt bei ca. 10 kg/m2 (bei 10 mm). Die Rohdichte von Gipsfaserplatten, Gipskartonplatten, Gips-Wandplatten leigt bei ca. 600 – 850 kg/m3. Die Wärmeleitzahl Lambda liegt bei 0,25 W/mK, die spezifische Wärmekapazität bei 0,96 kJ/kgK (bei 20 °C) und der Dampfdiffusionswiderstand bei 10 (trocken) und 4 (feucht).

Die Frage ob Naturgips oder REA Gips ökologischer ist, ist selbst in Bauforen umstritten. Naturgipsabbbau wird vielfach als  Landschaftsverbrauchend und naturzerstörend beschrieben. Uns liegt hierzu bisher weder eine wissenschaftliche Studie, noch Aussagen von Umweltverbänden zu der Thematik vor. REA Gips fällt in Kraftwerken an. Unter gesundheitlichen Gründen ist wohl Naturgips als verträglicher einzustufen (s.u.). Welche Möglichkeiten es gibt Schadstoffe aus REA Gips vor der Weiterverwendung zu entfernen und ob dies angewendet wird, ist uns bisher nicht bekannt.

Materialien für nicht-tragende und tragende Innenwände sind im allgemeinen: (1) Gipsplatten (plus konstruktiver Aufbau z.B. auch Bauholz), (2) Schnittholz, Hobelware (plus konstruktiver Aufbau z.B. aus Bauholz), (3) Holzplatten tragend wie OSB, Span, HDF und nicht tragend wie MDF (plus konstruktiver Aufbau z.B. aus Bauholz), (4)BSH, KLH Platten und MH Holzmauern als tragende Innenwände udn (5) gemauerte Innenwände aus Ziegel oder Betonsteinen (plus Verputz) als tragende Innenwände.

Preisbeispiele für konstruktive Platten (Preise ohne Verlegung und ohne Gewähr) sind: (1) Gipsplatten: 2 €/m3 (einfache dünne Platten) bis 30 €/m2 (Estrichplatten), (2) Spanplatten: < 3 – 7 €/m2 (12 – 18 mm), (3) OSB: 3,4 – 9,5 €/m2 (8 – 25 mm), (4) Bretter: >1 – < 3 €/lfm.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Inhaltsstoffe von Gipsplatten sind Gips, LDPE-Granulat, ggf. Fasern und Additive. Leime sind in der Regel nicht enthalten. Als Fasern Kunststoff, Glas oder Zellulose in den Gips eingemischt, um die Platten so statisch belastbarer und auch für Feuchträumen geeigneter zu machen. Additive sind z.B. Schaummittel (in EPD dazu k. A.).
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. GIPS: Gips kommt in 80 Länder der Welt vor (USGS), die Hauptvorkommensländer sind China 55,3%, USA 6,8%, Iran 5,6%, Deutschland hat nur 0,8% der Weltgipsproduktion innen, stellt aber immerhin pro Jahr etwa 1,9 Mio. t Gips her, nur vergleichsweise kleine Mengen (0,1 t ) werden importiert.
  • Reichweite. Die Reichweite von Gips wird mit >> 100 Jahre angegeben (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Gips. Deutschland stellt etwa 1,9 Mio. t Gips jährlich her (0,8% der Weltgipsproduktion) und importiert vergleichsweise kleine Mengen 0,1 Mio. t (USGS, Destatis). (2) Beispiel Gipsplatten. Gipsplatten werden in Deutschland hergestellt, jährlich werden aber auch 1,4 Mio. t Gipsplatten nach Deutschland importiert (Destatis), z.B. aus China wo die weltgrößten Gipsproduzenten sind, die ihre Kapazitäten laut I-Net noch deutlich ausbauen wollen.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Gipsfaser-, Gipskartonwandplatten halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. In EPD zu in Deuschland hergestellten Gipsfaserplatten wird angegeben, dass diese bei Messungen zu Formaldeyd „Konzentrationen unter den Grenzwerten“ und damit die deutschen und europäischen Grenzwerte einhalten. Messungen zu VOC deutscher Platten ergaben Werte von TVOC-3-Tage < 0,022 bis <10 mg/m3, TVOC-28-Tage < 1,0 mg/m3, SVOC-28-Tage < 0,1 mg/m3, das sind ebenfalls alles Werte unter den erlaubten Grenzwerten. Zur Eluatanalyse wurden in den anlysierten EPD zu Gipsplatten keine Angaben gemacht. Gerade diese Werte wäre aber für die Einschätzung der Trinkwassergefährdungspotentiale bei der Deponiering relevant. Werte zu Kanzerogenen lagen bei Messungen von in Deuschland bzw. Europa hergestellten Platten ebenfalls unter den bei uns erlaubten Grenzwerte: Kanzerogene-3-Tage < 0,01mg/m3, Kanzerogene-28-Tage < 0,001 mg/m3.
  • REACH-RISK. Laut EPD sind (bei deutscher bzw. europäischer Produktion) keine REACH relevanten Substanzen enthalten.
  • Anmerkungen. Im Fall der Verwendung von REA-Gips und im Falle einer Beimischung von Kunststoffen, Glas oder Additiven können aber auch REACH relevante Substanzen enthalten sein. Bei Gipsplatten sollte man grundsätzlich darauf achten, dass Naturgips verwendet wird. Dies ist bei nachweislich europäischer bzw. deutscher Produktion der Fall. In vielen Billigherstellerländern (z.B. China) wird aber nicht nur Naturgips verwendet, sondern auch Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA-Gips). Dieser REA-Gips enthält alle Stoffe aus den Abgasen der Industrieanlagen die der Rauchgasfilter-REA-Gips aufgenommen hat. Diese können in solchen Platten später wieder an die Raumluft abgegeben werden (z.B. Schwefel, Quecksilber, Dioxin u.a.). Manche Gipsprodukte aus Länden mit geringeren Produktionsvorschriften aus Deutschland können auch hochradioaktiven Phosphoritgips aus der Düngemittelherstellung enthalten. Welche Ausmaße das haben kann zeigt sich an dem Gisplattenskandal in USA. Die FAZ schreibt „Tausende amerikanische Hausbesitzer erleben einen Albtraum: Eingebaute Gipsplatten aus China setzen Schwefeldämpfe frei. Eigentümer klagen über Kopfschmerzen und andere Beschwerden. Die Beschwerden werden mit Schwefelwasserstoffdämpfen in Verbindung gebracht, die aus den Platten entweichen“. (z.B. faz Berichte). Ein solches Szenario ist bei nachweislich deutschen Herstellung ohne Verwendung von REA-Gips kam zu erwarten.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Gipsplatten sind hinsichtlich ihres Brandverhaltens in der Regel nach der Brandklasse A2 (= nicht brennbar) klassifiziert. Der Gipskern einer reinen Gipsplatte enthält etwa 20% Kristallwasser, das bei Brandeinwirkung verdampft. Die Temperatur auf der dem Feuer abgewandten Seite bleibt über lange Zeit in Abhängigkeit von der Plattendicke bei etwa 110 °C konstant (Angaben aus EPD).
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Gipsplatten wird vom BNB mit >50 Jahre angegeben.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Gipsplatten sind nicht stoßfest. Als Pflegemaßnahme ist bei Gipsplatten der richtige Einbau und das Nutzerverhalten wichtig. Bei Gipsplatten kann, bei entsprechenden klimatischen Bedingungen (hohe Luftfeuchte), die Kartonschicht einen Nährboden für Schimmel bilden und häufige Kondensation an der Oberfläche fördert die Anhaftung von Mikroorganismen. Gerade wenn man Gipsplatten in den Innenräumen verbaut ist also auf angemessene Lüftung und im Winter Raumwärme zu sorgen und es sind so genannte „Wärmebrücken“ beim Ausbau zu vermeiden. Defekte Gipsplatten sind nihct reparaturfähig, sie können jedoch in der Regel schnell und einfach ausgetauscht werden, z.B. wiel sie meist auf der Unterkonstruktion aufgeschraubt sind.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Alle Arten von Gipsplatten werden heute in der Praxis auf Deponien beseitigt (Deponieklasse I und II).
  • In Deuschland erfolgt dies zwar auch aber die Deponiekapazitöt sinkt bei uns. Deshalb werdnen Gipsabfälle udn Bauabbruch mit Gipsplatten auch exportiert, dann mit entsprechenden langen Transporten und bei den Ziel-Deponien ggf. mit geringen Umweltvorschriften als in Deutschland bzw. Europa.
  • Geringe Recyclingkapazitäten sind theoretisch für sortenreines nicht verschmutztes Material nutzbar (laut EPD). Ein echtes Recyclingpotential in größeren Umfang ist jedoch nicht erkennbar und wohl auch praktisch kaum umsetzbar.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Bisher ist uns keines bekannt (auch kein Blauer Engel).
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Baustoffe: „Holzfaser-Zementplatte (Heraklit)“

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Bild: Holzfaser-Zement-Platten eignen sich vor allem dort wo z.B. Böden mit trittschallempfindlichen Materialien belegt sind (z.B. Steinplatten) die noch schall- und wärmegedämmt werden sollen.

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Heraklit Holzfaser-Zementplatte: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Der Name „Heraklit“ ist ein Handelsname für Holzfaser-Zement-Dämmplatten. Da mehr als 70 Prozent der in Deutschland verwendeten HWL-Platten von einer Firma aus Österreich (mit weltweiter Produktion und Firmensitzen weltweit) hergestellt werden, die diesen Handelsnamen führt, sind Holzwolle-Dämmplatten bei uns oft nur unter diesem Markennahmen bekannt. Europäische Produktionsstandorte für die Holzwolle-Dämmplatten sind Deutschland, Griechenland, Kroatien, Slowakei, Tschechien, Ungarn und weitere Weltweit. Holzwolle-Dämmplatten wie Heraklit bestehen aus Holzwolle und mineralischen Bindemitteln, vor allem Zement und Magnesit. Die Platte dient der Wärmedämmung bei Gebäuden, als Putzgrund, Deckenplatte und anderes. Andere Platten nach ähnlichem Prinzip sind Platten aus Steinwolle plus mineralische Bindemittel („Heralan“) oder auch Kombinationen aus Steinwolle und Polystyrol plus mineralische Bindemittel. Mit Holz haben nur Holzfaser-Zement-Dämmplatten zu tun, diese sind im Folgenden beschrieben.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzwolle-Platten (Handelsname einer Firma „Heraklit“) bestehen aus: Holz 25-35%, gebrannter Magnesium als Bindemittel 30-40% (oder Zement), Magnesiumsulfat 3-6%, Wasser 30-40%.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Der Grundrohstoff Holz stammt als Rundholz und Hackschnitzel aus dem Wald, die Grundrohstoffe für Zement sind Sand, Kalk, Ton (oder Bauxit), Gips, Flugasche stammen aus Bergbau und werden zusammen mit Magnesiumsulfat und Wasser sowie Additiven zu Dämmplatten verpresst.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Für die Rohstoffe Sand, Kalk, Ton, Gips und Magnesiumsulfat gelten die Angaben zu Zement und Beton. Auch hier wäre umweltfreundlicher Abbau wichtig, unterliegt jedoch bei nicht deutscher oder europäischer Herstellung nicht den bei uns geltenden Umwelt- und Gesundheitsvorgaben.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten udn auch Holzfaserdämmplatten wie „Heraklit“ ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Holzfaser-Zement-Platten sollten am besten nicht direkt mit der Innenraumluft in Verbindung stehen.
  • REACH-RISK. Das Risiko dass hoch gesundheitsgefährliche Substanzen (neben Formaldehyd) laut REACH Verordnung im Produkt vorkommen ist bei den Holznatelen gering, bei den Zementanteilen aber möglicherweise gegeben. In Deutschland und Europa hergestellte Produkte sind jedoch an die REACH-Verordnung gebunden.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen generell im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab. Holzfaserdämmplatten mit Mineralischen Bestandteilen wie Zement sind zudem sicher noch schlechter brennbar (die Brandklasse konnte hier noch nicht ermittelt werden und ist auch nicht in EPD vermerkt).
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach austauschbar. Pflege in dem Sinne ist nicht nötig, die Platte sollte aber feuchtesicher verbaut sein. Eine Reparatur ist nicht möglich, die Platte wid bei Defekt als ganzes ausgetauscht.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Der heute gängige Nachnutzungsweg für Holzzementfaserplatten ist die Deponierung bzw. thermische thermische Verwertung (in der MVA).

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Bisher keine uns bekannten.


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Baustoffe: „HDF Platte für Innenausbau“

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Bild: HDF (und MDF) Plattenwerkstoffe als Innenraumdämmung sind heute in Holzbauten vielfach verwendet.

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MDF Platten für den Innenausbau: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzfaserdämmstoffplatten (MDF, HDF, DHF, DFF) bestehen aus: Holzfasern 82 – 86%, Wasser 5-7%, PMDI-Leim oder UF-Leim (Harnstoffharz) 4 – 11%, Parafinemulsion < 1%. Bei beschichteten Platten kommen noch Additive wie (z.B. Melaminformaldehydharz) und ggf. Dekopapiere hinzu.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Grundrohstoff ist Rundholz aus dem Wald (sog. Industrieholz) sowie Hackschnitzel die von der Holzindustrie zu Dämmstoffen verarbeitet werden.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben bzw. gering. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach und ungefährlich austauschbar.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Baustoffe: „Brandverhalten von Baustoffen“

Feuerwerhrhaus
Bild: Feuerwehrhaus in Holzbauweise. Haben Sie sich schon einmal gefragt warum Feuerwehrleute Holzbaubrände für ungefährlicher einstufen als einen Brand in anderen Gebäuden?

Sicherheit für und im Brandfall ist oberstes Gebot und das hängt von mehr Aspekten ab als dem Brandverhalten einzelner Baustoffe 

Die Brandklassen sind nur ein Aspekt der Sicherheit im tatsächlichen Brandfall. Mindestens ebenso bedeutsam für die Sicherheit zwei weitere Aspekte:

  1. Wie standsicher ist das Gebäude. Damit ist gemeint, wie viel Zeit man hat, um das brennende Gebäude sicher zu verlassen.
  2. Welche Gesundheitsgefahren entstehen. Denn, die meisten Menschen sterben bei Gebäudebränden nicht durch einstürzende Gebäudeteile, sondern durch giftige Gase („Rauchvergiftung“). Nach Aussagen von Brandschutzexperten kommen die meisten Todesfälle bei Hausbränden nicht durch herabstürzende Teile zustande sondern durch toxische Brandgase.

Jedes Gebäude kann brennen

Da darf man sich nicht täuschen: ob Ziegel, Beton oder Holz – jedes Gebäude kann brennen. Im folgenden ist als Vergleich das Brandverhalten von Holzprodukten im Vergleich zu Kunststoffprodukten beschrieben.

Beispiel 1:  Brandverhalten von Holzprodukten

  • Brandstoffklasse: je nach Produkt von schwer entflammbar (z.B. Böden) bis normalsentflammbar.
  • „Hohe Standfestigkeit im Brandfall“. Bei Holz ist die Standfestigkeit im Brandfall wesentlich besser kalkulierbar, als z.B. bei Stahlträgern. Beim Holzbrand, bildet sich um das Kernholz von selbst eine Art Schutzmantel aus Holzkohle. Diese Verkohlungsschicht verhindert bei Holzprodukten im Brandfall das schnelle Durchbrennen. Es kann kein Sauerstoff mehr ins Holz eindringen und der Abbrand verlangsamt sich stark. Dies hemmt die Ausbreitung des Feuers und so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Die Standfestigkeit bei einem Brand ist in Holzhäusern mit massiven tragenden Holzbalken teilweise besser als in Betonbauten mit Stahlträgern. Deshalb musste man ja dazu übergehen, Stahlträger in Betonbauten immer raffinierter zu ummanteln, früher mit Asbestummantelungen und heute mit gegen Feuer imprägnierten Kunststoffmaterialien, die jedoch massiven Bränden auch nur begrenzte Zeit standhalten können. Bei massiven Holzwänden und Massivholzmauern kommt dazu, dass auch die Gefahr der Selbstentzündung von z.B. Tapeten oder Vorhängen auf der anderen Wandseite stark herab gesetzt ist. So kann ein Brand nicht oder nur schwer von einem Raum auf den anderen übergreifen und sich nicht, wie es sonst häufig vorkommt, durch Selbstentzündung von Tapeten, Vorhängen in dem Feuer abgewandten Räumen ausbreiten.
  • Keine giftigen Gase im Brandfall. Bei natürlichem Holz entstehen keine giftigen Gase im Brandfall. Im Brandfall haben Holzprodukte eine deutlich geringere Rauchentwicklung als z.B. Kunststoffe und brennen auch nicht tropfend ab. Bei Bränden in Holzhäusern mit Holzfenstern und Holzböden usw. ist die Gefahr einer Rauchgasvergiftung weit geringer als z.B. beim Abbrand von Kunststoffen. Beim Abbrand von PVC beispielsweise können giftige Gase entstehen, das ist gesundheitsgefährdend bei und noch nach einem Brand.

Beispiel 2: Brandverhalten von Kunststoffprodukten

  • Brandstoffklasse: leicht entflammbar, brennendes Abtropfen.
  • Brandverhalten von Kunststoffprodukten an der Gebäudehülle. Im Brandfall schmelzen Kunststoffprodukte und tropfen gegebenenfalls auch brennend ab. Abtropfende brennende Kunststoffe können nur schwer gelöscht werden. In letzter Zeit häufen sich die Fernsehberichte von brennenden EPS gedämmten Fassaden. Von Feuerwehrleuten kam hier oft die Aussage „es ist als würde man in ein Feuer Erdöl gießen“. Viele Bundesländer reagieren mit Verschärfung der Vorschriften indem z.B. bei Neubauten von mehrstöckigen Häusern bei Kunststoffdämmungen verstärkt sogenannte Brandriegelbänder aus Mineralwolle eingefügt werden müssen. Ob dies allerdings in der Praxis ausreichen wird, die extrem schnelle Ausbreitug von Kunststoffbefeuerten Bränden an Gebäudehüllen aufzuhalten ist in der Praxis noch unklar.Zudem gilt dies nur für Neubauten nicht für Altbauten oder Sanierungsbau, denn ein Nachrüsten wäre hier viel zu teuer (einen Bericht darüber aus dem NDR Fernsehen mit Aussagen von Feurerwehrleuten gibt es auf http://www.holz-von-hier.de/mediathek).
  •  Steigerung der Brandlast durch viele Kunststoffprodukte im Gebäudeinneren. Wir vergessen aber oft, dass wir auch im Inneren unserer Häuser heute unglaublich viele Kunststoffprodukte haben. Auch Böden aus Kunststoffen können daher eine erhebliche Steigerung der maßgeblichen Brandlast ergeben. Was oft nicht von Anfang an, auch nicht in der Gebäudeplanung, berücksichtigt wird. Dies ist auch dann der Fall wenn oder obwohl heute nahezu alle Kunststoffprodukte im Baubereich mit Flammschutzmitteln versehen sind.
  • Gesundheitsgefahren durch giftige Gase beim Abbband. Das Problem ist hier zudem, dass bei Brand von Kunststoffen sehr dichter beißender und hochgiftiger Rauch entsteht, der die Orientierung und damit die Fluchtgeschwindigkeit gerade in öffentlichen Gebäuden mit Personengruppen erschwert, die sich selbst schwer orientieren und organisieren können (z.B. Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser usw.). Bei der Verbrennung von Kunststoffen und besonders PVC Produkten in den Gebäuden entstehen neben Kohlenmonoxid und Stickstoffoxiden auch hochgiftige Chlorwasserstoffe und Dioxine sowie ggf. auch hochgiftige und kanzerogene polykondensierte Aromate (z.B. Pyrene und Chrysene). Auch und gerade die heute noch meist verwendeten bromhaltigen Flammschutzmittel (z.B. HBCD) spalten bei der Verbrennung hochgiftige Dibenzodioxine/-furane ab. Eine weitere Gefahr geht von schwermetallhaltigen Stabilisatoren (z.B. Blei) aus.

Brandklassen von Baustoffen

Im Gebäudebau und der Planung ist nach den heutigen Vorschriften sehr viel ausgerichtet an den Brandstoffklassen der Baustoffe. Sie bestimmen die Planung und Ausschreibung wesentlich mit. Das Brandverhalten eines Baustoffes wird dabei nach DIN EN 13501-1 in folgende Brandklassen eingeteilt:

  • A1: nichtbrennbar ohne Anteile von brennbaren Baustoffen (mit: keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2 – s1 d0: nichtbrennbar mit Anteilen von brennbaren Baustoffen (mit: keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • B1, C-s1 d0: schwerentflammbar (mit keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B1, C – s2 d0: schwerentflammbar (mit: kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B2, C – s3 d0: normalentflammbar (mit: keine Rauchentwicklung).
  • A2, B2, C – s1 d1: : normalentflammbar (mit: kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B3, C – s1 d2 / A2, B, C – s3 d2 / D – s1 d0 / D – s2 d0: leicht entflammbar (brennendes Abtropfen, Abfallen).

Bis hin zur Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) gelten Baustoffe als selbstverlöschend. Ab Baustoffklasse B2 (normalentflammbar) und B3 (leichtentflammbar) unterhält der Brand sich selbst, auch wenn die Brandursache entfällt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbstverlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen).


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Baustoffe: „MDF Platte für Innenausbau“

 5- Südosten
Bild: Holzfaserdämmplatten gehören heute bei modernen Bauten zur gängigen Baustoffausrüstung.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
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MDF Platten für den Innenausbau: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzfaserdämmstoffplatten (MDF, HDF, DHF, DFF) bestehen aus: Holzfasern 82 – 86%, Wasser 5-7%, PMDI-Leim oder UF-Leim (Harnstoffharz) 4 – 11%, Parafinemulsion < 1%. Bei beschichteten Platten kommen noch Additive wie (z.B. Melaminformaldehydharz) und ggf. Dekopapiere hinzu.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Grundrohstoff ist Rundholz aus dem Wald (sog. Industrieholz) sowie Hackschnitzel die von der Holzindustrie zu Dämmstoffen verarbeitet werden.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben bzw. gering. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach und ungefährlich austauschbar.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Bauprodukte: „Massivholzplatten“

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Bild: Massivholzplatten werden vor allem im innovativen hochwertigen Möbelbau und Innenausbau verwendet.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

Massivholzplatten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Massivholzplatten sind flächige massive Holzplatten die vor allem im hochwertigen und individuellen Möbelbau und Innenausbau eingesetzt werden. Hier werden nicht nur Nadelhölzer sondern vor allem auch Laubhölzer verarbeitet, auch Tropenhölzer, teils unbekannter Herkunft. Deshalb ist es hier aus Gründen der Biodiversität besonders wichtig auf heimische Produkte zu achten (z.B. mit dem Herkunftsnachweis Holz von Hier).

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Massives Schnittholz das verleimt ist.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Bei Importen wird oft Holz „unsicherer Herkünfte“ verwendet.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Raubbau stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden (die „Reichweite“ richtet sich nach den Vorkommen in Ländern mit Primärwäldern, v.a. in den Tropen wie Asien, Lateinamerika, Afrika und den borealen Waldgebieten wie z.B. Sibirien, Kanada usw.).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Vorprodukte. Die Warenströme bei Rundholz, Schnittholz, Hobelware sind heute global und ohne Herkunftsnachweis (z.B. „Holz von Hier“) kann man auch beim Holz nicht automatisch davon ausgehen, dass es aus „kurzen Wegen“ stammt. (2) Beispiel Massivholzplatten. Hier gibt es in Deutschland und Europa hergestellte Waren aber auch Importprodukte. Ohne Herkunftsnachweise wie Holz von Hier kann man nicht davon ausgehen, dass das Produkt innerhalb kurzer Wege hergestellt wurde, selbst wenn der letzte Verarbeitungsschritt in Deutschland bzw. Europa stattfindet.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte und verleimte Holzprodukte enthalten keine gesundheitsgefährlichen Substanzen. Potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen könnten nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben. Beispielsweise die hier oft verwendeten MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion nicht gegeben.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holz brennt, jedoch wird bei massivem Holz durch die Verkohlungen um den Brandherd die Abbrandgeschwindigkeit stark verringert. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit der meisten Holzprodukte wird nach BNB mit der höchsten Haltbarkeitsstufe >50 Jahre eingestuft. In der Regel ist die Haltbarkeit von Holzprodukten im Innenbereich, vor allem die von massiven Holzproduketen, deutlich länger.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Strapazierfähigkeit von massiven Holzprodukten und Holzplatten ist hoch. Die Reparaturfreundlichkeit oder modulare Austauschbarkeit ist prinzipiell gegeben hängt jedoch von Produktdesign bzw. der Befestigungsart ab.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Baustoffe: „Mehrschichtplatten“

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Bild: Mehrschichtplatten werden vor allem im Möbelbau und Innenausbau verwendet. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt)

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

Mehrschichtplatten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Mehrschichtplatten sind industriell gefertigte flächige Platten. Die Platten bestehen aus drei bis fünf rechtwinklig zueinander verklebten Lagen aus Schnittholz (in der Regel Nadelschnittholz). Die Platten werden sehr vielseitig verwendet, also sowohl für den Innenausbau udn Möbelbau aber teilweis auch im konstruktiven Bereich, beispielsweise für schlanke tragende Vordächer, Sichtdeckenkonstruktionen, Dachbekleidungen oder auch schon für Fassaden. Im Außenbereich ist allerdings guter konstruktiver Holzschutz oder Beschichtungen nötig.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Laminat besteht zu 60-70% aus Holzplatten (HDF), 8-18% aus Papier und zu 16-21% aus Kunstharz.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Bei den Importen wird oft Holz „unsicherer Herkünfte“ verwendet.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Raubbau stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden (die „Reichweite“ richtet sich nach den Vorkommen in Ländern mit Primärwäldern, v.a. in den Tropen wie Asien, Lateinamerika, Afrika und den borealen Waldgebieten wie z.B. Sibirien, Kanada usw.). Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion für Schnittholz mit 396 km, Thünen Institut). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Vorprodukte. Die Warenströme bei Rundholz, Schnittholz, Hobelware sind heute global und ohne Herkunftsnachweis (z.B. „Holz von Hier“) kann man auch beim Holz nicht automatisch davon ausgehen, dass es aus „kurzen Wegen“ stammt. (2) Beispiel Mehrschichtplatten. Hier gibt es in Deutschland und Europa hergestellte Waren aber auch Importprodukte. Ohne Herkunftsnachweise wie Holz von Hier kann man nicht davon ausgehen, dass das Produkt innerhalb kurzer Wege hergestellt wurde, selbst wenn der letzte Verarbeitungsschritt in Deutschland bzw. Europa stattfindet.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte und verleimte Holzprodukte enthalten keine gesundheitsgefährlichen Substanzen. Potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen könnten nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.nicht gegeben.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holz brennt, jedoch wird bei massivem Holz durch die Verkohlungen um den Brandherd die Abbrandgeschwindigkeit stark verringert. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit der meisten Holzprodukte wird nach BNB mit der höchsten Haltbarkeitsstufe >50 Jahre eingestuft. In der Regel ist die Haltbarkeit von Holzprodukten im Innenbereich deutlich länger.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Strapazierfähigkeit von massiven Holzprodukten und Holzplatten ist hoch. Die die Reparaturfreundlichkeit oder modulare Austauschbarkeit ist prinzipiell gegeben hängt jedoch von Produktdesign bzw. der Befestigungsart ab.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.