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Globales Denken erfordert regionales Handeln.

Klimaschutz: „Bedeutung von Transportstrecke, Transportgut, Transportmittel“

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Bild: LKW Stopp in Westafrika. Jede Art von LKW transportiert hier jede Art von Waren. Europäische Umweltstandards sind hier sowie weltweit für den Transport nicht voraussetzbar. (Bild B&S).

Bedeutung von Transportstrecke, Transportgut, Transportmittel

Die Transporte im Stoffstrom von Produkten sind heute in nahezu allen Produktbereichen global geworden. Die Transporte im Stoffstrom von Produkten, also von der Gewinnung aller Rohstoffe für das Produkt über alle Zwischenprodukte bis hin zu Endfertigung, können den „Klima- und Umweltruckack“ eines Produktes (die Klima- und Umweltbilanz des Produktes) erheblich verschlechtern. Dennoch sind die Transporte im gesamten Stoffstrom von Produkten bisher politisch und in nahezu allen Umsetzungsinstrumenten ein vernachlässigter Faktor.

Den spezifischen Verbrauch durch technische Massnahmen zu senken ist zwar wichtig, stellt aber letztlich nur eine Symptombekämpfung dar und greift das Problem nicht an der Wurzel an oder lenkt vom eigentlichen Problem eher ab, den explodierenden globalen Warenströmen im Stoffstrom von Produkten. Bei den Transporten spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  • (1) das Transportmittel (dessen Bedeutung meist überschätzt wird),
  • (2) das Transportgut (dessen Bedeutung meist unterschätzt wird) und
  • (3) die Transportstrecken mit Länge und Route (deren Umfang in den meisten Produktökobilanzen erheblich unterschätzt wird).

(1) Transportmittel

In der EU wurden und werden enorme Anstrengungen unternommen, auch die Umweltbelastungen durch Verkehr zu senken. Bisher setzt man hier allerdings vor allem im Bereich Technik (Euro Normen) und Biosprit an. Die von der europäischen Politik verfolgten Effizienzmaßnahmen sind dabei: technische Effizienzsteigerungen, neue Antriebe, alternative Kraftstoffe, Einsatz leichter Werkstoffe, Aerodynamik. Diese technischen Effizienzmaßnahmen wirken sich jedoch vor allem auf den wirtschaftlichen Erfolg aus und weniger auf die Umweltbelastung, weil gleichzeitig die Transportstrecken bei zunehmend globalen Stoffströmen immer länger werden. Das Transportaufkommen pro Produkt wird also immer größer.

  • So spart beispielsweise die Umstellung eines LKWs von Euro-Norm 1 auf Euro-Norm 5 gerade so viel CO2 ein, wie bei einer Reduzierung der Transportdistanzen durch regionale Kreisläufe um 6-7% des Jahrestransportaufkommens. Durch Reduktion von Euro I bis Euro V wurden die Emissionen beim CO um 88%, beim HC (Kohlenwasserstoffe) um 97%, beim NOx um 97%, bei PM (Partikel) um 97% gegenüber 1992 gesenkt. Beim CO2 (Kohlendioxid) und SO2 (Schwefeldioxid), den relevanten Gasen für Klimaerwärmung und Versauerung, wurden die Emissionen dadurch hingegen kaum gesenkt.
  • Auch der Europäische Fokus auf die sogennaten „Bio“-Kraftstoffe trägt faktisch kaum etwas zur Klimaentlastung bei, teilweise sogar im Gegenteil. So hat der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltfragen der Bundesregierung (WGBU) bereits 2009 in seinem Jahresgutachten eindringlich darauf hingewiesen, dass die Produktion von 1 Tonne Palmöl (für „Bio“Sprit) etwa 30 Tonnen CO2 erzeugt. Nahmhafte Wissenschaftler weltweit sprachen sich aus Kliamschutzgründen seit dem Jahr 2000 bereits sehr deutlich gegen die Nutzung von Palmöl aus und merkten immer wieder an, dass dieser Weg zu überdenken sei. Für Palmölplantagen in den Tropen wurden und werden weiter weltweit Urwälder in einem katastrophalen Ausmass abgeholzt (vgl. Berichte UNEP und Interpool „Green Carbon – Black Trade“).

(2) Transportgut

Die Bedeutung des Transportgutes wird in Berechnungen meist vernachlässigt, dabei ist die Klima- und Umweltbelastung bei Volumengütern und Palettenware etwa 1,7-fach höher als bei Massen- und Durchschnittsgütern.

(3) Transportstrecken

Die Länge der Transportstrecken aber spielt die entscheidende Rolle bei den Umweltbelastungen durch die Transporte. Hierbei spielt die absolute Länge, aber auch die Transportroute für bestimmte Aspekte eine Rolle. Beispielsweise beim Risiko für Biodiversitätsverluste durch Transporte spielt es auch eine Rolle auf welcher Strecke die Fracht transportiert wird.

Der Güterverkehr findet auf der Straße statt – mit erhöhten Transportaufkommen.

  • Der Großteil des Güterverkehrs findet wie bekannt auf der Straße statt. Im Jahr 2012 beispielsweise waren die in Deutschland transportierten Waren wie folgt auf die Transportmittel verteilt: 3.120 Mio. t Waren wurden per LKW auf der Straße transportiert (356 Mio. t auf der Schiene und 259 Mio. t auf Flüssen). Auf der Straße wurden davon nur etwa 3 Mio. t von deutschen LKW innerhalb Deutschlands transportiert.
  • Entwicklung des Welthandels und dessen Tansporte. Im Jahr 1950 waren es noch 0,6 Milliarden US Dollar, die mit Welthandel verdient wurden, im Jahr 1990 waren es bereits 3.5 Mrd. US Dollar und im Jahr 2011 etwa 18 Milliarden US Dollar, das ist eine exponentielle Steigerung.
  • Demzufolge entwickelte sich auch der Weltnutzfahrzeugmarkt exponentiell (KPMG: gesamt 12.090). Allein in den letzten 10 Jahren ist der Nutzfahtrzeugmarkt weltweit erheblich angestiegen. Von 2005 bis 2015 um 2.570.000 mehr Nutzfahrzeuge, davon allerdings 97% (2.500.000) in Ländern, die nicht den Europäischen Umweltstandards für Nutzfahrzeuge entsprechen, die teils aber auch Güter in die EU transportieren. Das bedeutet, dass die Umweltbelastungen, die mit Produkten auf dem europäischen Markt verbunden sind, zugenommen haben und zunehmen werden.
  • Ein wachsender Anteil der globalen Warenströme ist von Bedarf und Wirtschaftswachstum abgekoppelt. Die Außenhandelswarenströme weltweit Transpoprte sind seit 1970 gegenüber der Produktion überproportional gestiegen. Das heißt, dass die Warenströme nicht durch gestiegenen Bedarf bedingt sind. Ein wachsender Anteil der globalen Warenströme ist daher vom Bedarf her überflüssig.

Produktumweltampel

Mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde eine Produktumweltampel entwickelt, die Holz von Hier in 2016, gemeinsam mit Unterstützung von Partnern national und in einzelnen Bundesländern (wie z.B. der Bayerischen Sparkassenstiftung) herausgibt. Mit der Produktumweltampel wird gezeigt, dass die Transporte nicht nur einen „gewissen Anteil“, sondern im Gegenteil einen ganz wesentlichen Anteil an der Nachhaltigkeit eines Produktes haben können.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 
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