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Klimaschutz: „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt.“

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Bild: Containertransporte vom Norden Kenias nach Mombasa und anderen Handelshäfen. Die Waren gelangen so auch nach Europa.  Man sollte sich klar sein, dass die Länge der Transporte eines Rohstoffes oder Produktes für seine Umweltbilanz vielfach entscheidender sind als die Produktion oder als technische Aspekte. Und man sollte sich klar sein, dass bei weitem nicht jeder LKW mit dem heute Produkte rund um die Welt transportiert werden technische EU Standards hat – eingentlich die wenigsten (Bild B&S).

Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt.

Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute in Berechnungen und Umweltproduktdeklarationen systemisch unterschätzt.

  • Ökobilanzen und Umweltproduktdeklarationen (EPD) berücksichtigen nach eigenen Angaben und nach Vorgaben der ISO Norm alle Transporte im gesamten Produktionsprozess.
  • Dies ist für den normalen Leser, also Nicht-Fachmann, einer EPD in der Regel nicht transparent nachvollziehbar und dieser muss eine solche Aussage einfach glauben. Dabei ist jeder, der die EPD nicht erstellt hat, ein Nicht-Fachmann in dem Feld und kann eine EPD gar nicht nachvollziehen, also auch ein Architekt. Ein Architekt oder Bauherr wird daher in der Regel ungefragt die EPD-Werte in seinen eigenen Bilanzen benutzen, zumal wenn die EPD auch noch von externen Experten verifiziert ist.
  • Nach der Analyse von etwa 70 Bauprodukt-EPD für die Umweltproduktampel die Holz von Hier in 2016 herausgibt, mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und gemeinsam mit Unterstützung von Partnern national sowie in einzelnen Bundesländern  (wie z.B. der Bayerischen Sparkassenstiftung), muss hierzu jedoch folgendes angemerkt werden …
  • Ökobilanzen und Umweltproduktdeklarationen (EPD) gehen heute aufgrund von Standarddatensätzen, die in den gängigen Bilanzierungstools verwendet werden, für alle Produktgruppen von in der Regel 50 bis 350 km Transporten im Stoffstrom von der Rohstoffquelle bis zum Produzenten aus (!) (Vorketten „A2“). Das kann eigentlich im positivsten Fall nur als „deutsche Produktion“ betrachtet werden.
  • Zudem gehen diese Standarddatensätze in Umweltprodukdeklarationen bzw. EPD von in der Regel bis zu 550 km vom letzten Produzenten bis zum Ort des Einbaues oder Verkaufs des Produktes aus (bis Baustelle „A4“). Oft ist dieser (Transport)-Schritt jedoch überhaupt nicht berücksichtigt und das vernachlässigt, dass beim Bau heute ja auch Produkte eingesetzt werden, die aus aller Welt stammen. Beispielsweise ist heute nur noch in 30% aller Holzprodukte auf dem deutschen Markt auch Holz enthalten, das in deutschen Wädern gewächsen ist (WWF, 2009 und andere). Das trifft auf andere Produktgruppen natürlich auch oder noch weitaus mehr zu. Außerdem gibt es zahlreiche Produkte die gar nicht in Deutschland (in entsprechendem Umfang) hergestellt werden.
  • Bei dem Transporten für die Nachnutzung oder Entsorgung von Produkten gehen diese Standarddatensätze in der Regel von 50 bis 150 km von der Bauabbruchstelle bis zur Entsorgung aus (Nachnutzung „C1“). Auch das hat mit der heutigen Situation der Nachnutzung meist nur wenig zu tun und stellt quasi einen Idelafall – aber keinen realen Fall – für die Transporte dar.

Das führt leider heute dazu, dass Produktumweltbilanzen, Produktumweltdeklarationen wie EPD und alle nachgeordneten Bewertungen wie Gebäudebewertungen oder anderes, die sich ausschließlich auf solche Berechnungen stützen, die Transporte in der Umweltbilanz von Produkten und damit die gesamte Umweltwirkung des Produktes deutlich unterschätzen können bzw. gegebenenfalls auch falsch einschätzen.

  • Je nach Materialgruppe sind die oben genannten Transportentfernungen selbst für eine Endfertigung in Deutschland wenig, geschweige denn, für ein Produkt aus Rohstoffen, die international gehandelt werden oder für Rohstoffe die gar nicht in Deutschland vorkommen.
  • Zudem kann ohne Herkunftsnachweis auch bei einem Endprodukt nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass das Produkt aus deutscher Produktion stammt. Die Vorprodukte und Produkte werden heute oft dort verarbeitet, wo die Löhne billig sind oder und die Umweltauflagen und sozialen Vorgaben in der Produktion geringer als in Europa und Deutschland. Diese Produkte werden aus diesen Herkunftsländern dann weltweit exportiert und auch nach Deutschland importiert.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben, die Transporte werden in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Dies wird in dem Blogbeiträgen zu einzelnen Bauproduktgruppen aufgezeigt.

Was Sie tun können

  • Die Bedeutung der Transporte für die Umweltwirkung eines Produktes können Sie selbst mit der Produktumweltampel nachverfolgen. Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de.
  • Fragen Sie beim nächsten Produktkauf nach dem Label „HOLZ VON HIER“. Produkte mit dem Label HOLZ VON HIER stehen für Holz der kurzen Wege aus nachhaltig bewirtschafteten heimischen Wäldern entlang der gesamten heimischen Verarbeitungskette. Das trägt systemimmanent zum Schutz der weltweiten Biodiversität bei. Fragen Sie beim nächsten Produkteinkauf nach dem Label HOLZ VON HIER, denn je mehr Sie dies nachfragen umso mehr werden Hersteller, Händler und Baumärkte auch verstärkt auf das neue Label HOLZ VON HIER setzen und damit weltweit einen wichtigen Beitrag leisten Klima, Biodiversität und Ressourcen zu schützen. Holz von Hier ist nicht nur ein Klima- und Umweltlabel, sondern eine junge gemeinnützige Initiative, die zum Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen sowie zur regionalen Wertschöpfung und Verbraucherschutz beiträgt. Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung! Beteiligen Sie sich an Holz von Hier Aktionen, schenken Sie uns ein Link und Like und abbonieren Sie diesen Blog. Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 
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