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Klimaschutz: „Klimakiller Primärwaldabholzung“

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Bild: Palmölplantage (hier Thailand). Palmöl ist heute einer der Hautkiller von Primärwaldflächen in den Tropen in Asien und Lateinamerika. Für viele Palmölplantagen wurden zuvor Primärwälder gerodet. Da auf den gerodeten Flächen auch „Wald“ entsteht wird dies bis heute (unseres Wissens nach; ist hoffentlich falsch) in den Klimaschutzprotokollen nicht als Landnutzungsänderung gewertet, weshalb man mit Palmölplantagen vielfach sogar am Kohlenstoffhandel teilnehmen konnte/kann. Die Produktion einer Tonne Palmöl erzeugt aber 30 Tonnen CO2 (WGBU, 2009), was mit Klimaschutz nichts zu tun hat. (Bild: B&S).

Klimakiller Nummer 2 – Primärwaldabholzung in tropischen und borealen Ur-Wäldern

Klimawandel durch Raubbau an Primärwäldern. Etwa 1/3-tel der Landfläche unserer Erde sind mit Wäldern bedeckt, ca. 4 Billion Hektar (WBGU, 2009, FAO, 2011). Etwa 64% der Weltwaldflächen sind heute bewirtschaftete Wälder, nur noch 36% sind Primärwälder, also Urwälder. Dennoch haben gerade diese Primärwälder, also Urwäklder, fundamentale Bedeutung für den Klimaschutz, sie gehören zu den größten CO2-Senken.

An den letzten Primärwäldern der Erde, in borealen und tropischen Regionen finden immer noch massive Landnutzungsänderungen und Zerstörung von natürlichen Lebensräumen statt. Kaum ein anderer Ökosystemtyp ist so starken von Menschen gemachten Veränderungen unterworfen. Seit Beginn der Welt-Klimaverhandlungen 1990 bis heute, hat die Weltwaldfläche um >234 Mio. Hektar abgenommen, 90% in Afrika, Asien, Lateinamerika, Ländern mit tropischen Primärwäldern. In Europa hat die Waldfläche von 1990 bis 2010 in Summe um 5,3 Mio. Hektar zugenommen (FAO, 2011).

Viele Länder mit Primärwäldern haben in den letzten 20 Jahren große Teile dieser Primärwälder abgeholzt. Dies wurde nicht als Landnutzungsänderung bei den Klimaverhandlungen und nachfolgenden Übereinkünften gewertet und geht auch nicht in die Erfassung der Treibhausgasemissionen ein. So hat sich in den ersten zehn Jahren seit Beginn der Welt-Klimaverhandlungen im Jahr 2000 (!) der Welt-Wald-Kohlenstoffspeicher durch Raubbau an Primärwäldern mehr als 6% verringert, das klingt wenig, ist aber sehr bedeutsam (WBGU, 2009).Wir können nicht sehen, dass sich in den letzen 10 Jahren daran etwas wesentliches geändert hat. Hier liegen wir hoffentlich falsch!

Klimawandel durch Raubbau an tropischen Primärwäldern

Raubbau an Tropenwäldern hat fatale Folgen, da sie maßgeblich zur weltweiten Sauerstoffproduktion beitragen, die globalen Klimazonen stabil halten, der Motor für die globale Wettermaschinerie und wichtige Stabilisatoren der globalen Wasserbilanz sind.

Weltweit werden jährlich 7-13 Mrd. Tonnen Kohlenstoff durch Abholzung von tropischen Primärwäldern freigesetzt (WBGU, 2009). Die gerodeten Flächen sind sehr anfällig für Feuer und verlieren so noch mehr Kohlenstoff.

Die Abholzung erfolgt aus unterschiedlichen Gründen, neben der Gewinnung von Siedlungsfläche und Ackerland spielt hier immer noch der kommerzielle Holzeinschlag für den Außenhandel eine bedeutende Rolle. Dieser Einschlag erfolgt in vielen Teilen der Welt zu einem Großteil immer noch illegal. Der Anteil des illegalen Holzeinschlages wird in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas wird sehr hoch eingeschätzt.

Klimawandel durch Raubbau an borealen Primärwäldern

Die Borealen Primärwälder sind eine der größten CO2-Senken der Erde. Boreale Primärwälder, sind v.a. die großen Nadelurwälder in Nordamerika, Kanada und der Russischen Föderation v.a. Sibirien. Nordamerikas und Kanadas Primärwälder assimilieren 50% der CO2-Emissionen der USA und Kanadas. Sibiriens Urwälder speichern 70% der CO2-Emissionen der EU und Russlands (div. Veröff. und pers. Mit. Prof. Schulze).

In diesen Wäldern geschieht massiver Raubbau, so werden große Mengen an im Boden gebundenem CO2 freigesetzt. Die Wiederaufforstung bereitet hier oft große Probleme. Dieser Einschlag erfolgt zudem in hohem Maße auch für eine ausländische Nachfrage. Die drei Länder mit den weltweit größten Netto-Exporten an Schnittholz, vor allem Nadelschnittholz, sind Kanada (ca. 17,3 Mio. m3) und Russische Förderation (ca. 16,2 Mio. m3), hinzu kommt Schweden mit ca. 11,9 Mio. m3, wo jedoch kaum mehr Primärwälder vorkommen. Die Nettoexportraten Deutschlands (ca. 4 Mio. m3) sind dagegen eher gering (FAO, 2009).

Klimawandel durch CO2-Freisetzung aus gerodeten Urwaldböden

Die CO2-Verluste aus Bodenzerstörung durch Primärwaldrodung sind enorm. Dies kann auch durch die Neuanlage von nachhaltig bewirtschafteten jungen Plantagen auf diesen Flächen nie mehr ausgeglichen werden. Allein durch Bodenzerstörung bei Primärwaldrodung wird in Afrika und Lateinamerika mehr CO2 freigesetzt als aus Energieprozessen dieser Länder (CO2-Freisetzung aus Böden: Afrika 1.185 Mt; LAC 1,395 Mt. CO2-Freisetuung aus Enegieprozessen: Afrika 1.051 Mt.; LAC 1.238 Mt.. Daten aus FAO, 2011, WBGU, 2009).

Dennoch wurden bisher die Abholzung von Primärwäldern und die damit verbundene Freisetzung von CO2, bei den bisherigen Weltklimaverhandlungen nicht als Landnutzungsänderung gewertet. Ein künftige Berücksichtigung (wenn alle Primärwälder schon verschwunden sind ?) ist unter dem Programm REDD geplant, aber noch nicht Realität.

Klimawandel durch Rodung von Primärwäldern für Plantagen

Holzexporte sind nur ein Grund für die Primärwaldabholzung. Tropenholz ist dabei nicht einmal mehr das lukrativste Geschäft.

Der Hauptgrund für die Abholzung vieler tropischer Primärwälder ist heute die Anlage von Plantagen für z. B. für Holz aber auch Palmöl oder Zuckerrohr für Agrartreibstoffe. Etwa die Hälfte der Primärwaldrodungen der letzten 20 Jahre erfolgte in Brasilien für Zuckerrohranbau und Südostasien für Ölpalmenanbau. In Südostasien ist so bereits die Hälfte der Primärwälder verschwunden. Palmöl aus Indonesien ist besonders kritisch. Etwa 84% der gesamten Indonesischen Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto von Primärwaldabholzungen und hier etwa die Hälfte für die Anlage von Palmölplantagen (WBGU, 2009). Der Slogan, „pack den Tiger in den Tank“ wird hier Realität, wenn für Palmölplantagen zuvor tropische Primärwälder in Asien, der Heimat beispielsweise des Sumatra Tigers, abgeholzt wurden. Das hat mit Klimaschutz wenig zu tun, denn bei der Produktion von 1 Tonne solchen Palmöls entstehen 30 Tonnen CO2. Auch diese Ursache für die Waldzerstörung steht in Verbindung mit dem Holzmarkt, denn das Holz dieser Flächen wird meist exportiert.

Die europäische Förderung von Biokraftstoffen ist in der jetzigen Form nicht an heimische Rohstoffe gebunden. Sie nutzt deshalb weder den Europäischen Landwirten, denn im internationalen Biotreibstoffmarkt haben heimische Anbieter quasi keine reale Chance (WBGU, 2009), noch nutzt sie nach Ansicht vieler namhafter Wissenschaftler dem Klima. Im Gegenteil schadet sie heute sogar eher dem Klima, solange für Palmölplantagen direkt oder indirekt (Landvertreibungen für Palmölplantagen) Primärwälder abgeholzt werden.

Was jeder tun kann

Das sinnvollste was man zum Schutz von Primärwälden tun könnte, wäre diese unter Schutz zu stellen und diesen Schutz den Ländern mit Primärwälder zu bezahlen. Wir müssten das endlich als zentrale Maßnahme zum Schutz von Klima und Biodiversität begreifen, die die Weltgemeinschaft umsetzen muss und die von den reicheren Nationen auch bezahlt werden muss (damit es umgesetzt wird). REDD muss endlich greifen ! Klimaschutz ist weit mehr als dass wir verbrauchsarme Glühbirnen in Europa einsetzen.

Dabei wäre heute vielen Regionen die wichtigste Maßnahme überhaupt, denn der Kampf um und der Zugriff auf diese und jede andere Form von Ressource ist heute zum zentralen Verteilungskamf geworden. Im diesem Kampf spielt Europa schon lange nicht mehr an erster Stelle mit. Heute findet in Afrika eine „Rohstoff-Kolonialsierung“ (Anmerkung B&S) statt und Enschlagskonzessionen an asiatische Länder wie China mit seinem extremen Ressourcenhunger werden schneller vergeben als man diese Flächen nach FSC oder PEFC zertifizieren kann oder auch in den Kohlenstoffhandel oder in REDD Prozesse aufnehmen kann – mit ihren extrem langen, extrem teuren, extrem aufwendigen Prozessen. Bis man bei den zuständigen Behörden hier als Kohlenstoffprojekt aufgenommen ist, ist der Wald schon lange ab. Zumal zur Zeit in vielen Ländern Europas die Aufnahme neuer Kohlenstoffhandelsrojekte stoppt, da die Zertifkate nicht ausreichen und heute außerdem viel zu billig sind.

„Wenn Europa und Amerika hier nicht handeln oder nichts für den Schutz bezahlen wird eben an China verkauft“. (Information von Umweltoraganisation aus Kenia).

Viele unserer Instrumente wie der Kohlenstoffhandel, REDD und anderes sind für solche rassant verlaufenden Rohstoff-Kolonialisierungsprozesse viel zu langsam und viel zu indirekt. Warum nicht direkt für den Schutz von Primärwäldern bezahlen? Das kommt uns letztlich billiger als die Klimafolgen zu bezahlen. Auch dafür gibt es bereits diverseste Berichte nahmhafter Experten , angefangem vom Stern Report der Weltbank bis diversesten Wissenschaftlern weltweit.

Wir verstehen das nicht und können aber an Kohlenstoffhandel, REDD und Co natürlich nichts machen.

Was wir aber alle machnen können ist das Marktgeschehen mit unseren Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Das was wir als Konsumenten hier in Europa tun können ist …

  • Auf Holz aus Primärwäldern zu verzichten und auf Produkte aus heimischen Wäldern (die seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet werden) zurückzugreifen. Achten Sie hierbei auf Label und Herkunftsnachweise wie HOLZ VON HIER.
  • Auf Raubbauholz zu verzichten: achten Sie bei Importen immer auf Label wie FSC oder PEFC.
  • Auf Produkte mit Palmöl verzichten, denn Palmölplantagen sind heute der Primärwaldkiller Nummer 1. Palmöl ist vor allem in Schokolade, Waschmitteln, Kosmetika enthalten. Vezichten Sie auf solche Produkte, denn es gibt gute Alternativen, z.B. mit anderen Naturölen wie Raps usw., zumal Palmöl nicht gerade das gesündeste Öl ist (Anmerkung B&S).

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. Natürlich wurde aus Zeitgründen nicht jeder Beitrag im HvH-Blog vorher mit dem Kuratorium oder Beiräten bei HvH abgestimmt. Deshalb ist es möglich, dass es hier teils abweichende oder differenzierte Meinungen gibt. Generell dienen aber alle Blogs sowieso nur dazu, dass jeder sich eigene Gedanken machen kann. Diskurs über die Beiträge ist natürlich sehr erwünscht.
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