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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Biodiversität: „Der heimische Wald – artenreicher als man denkt“

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Bild: Heimischer Wald mit diversem Jungwuchs. Begleittexte zur Holzinfomeile und Produktumweltampel. Biodiversität: „Der heimische Wald – artenreicher als man denkt“. (Bild: B&S).

Der heimische Wald – artenreicher als man denkt.

Artenvielfalt in heimischen Wäldern. Die vielfältigen Waldfunktionen wie Klima-, Immissions-, Erosions-, Lawinen-, Lärm-, Grundwasserschutz, Hochwasserabmilderung, Erholung und andere, werden umso besser gewährleistet, je höher die Baumartenvielfalt ist. Große Landnutzungsänderungen, wie bei tropischen Primärwäldern, kommen bei uns heute nicht vor. Deutsche Wälder sind seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet, es wird nicht mehr entnommen als nachwächst. Unsere „Alten Nachhaltigkeitswälder“ sind nicht mit, auch nachhaltig bewirtschafteten aber monostrukturierten, tropischen Plantagen vergleichbar. Verantwortliche Waldbesitzer sowie das starke öffentliche Bewusstsein für die ökonomische, aber auch die ökologische und soziale Bedeutung des Waldes ist in Deutschland sehr groß, anders als in vielen anderen Ländern, auch in Europa. Das ist die Grundlage dafür, warum unsere „Alten Nachhaltigkeitswälder“ trotz intensiver Nutzung vergleichsweise artenreich sind (s.u.).

Dennoch gehen in den bewirtschafteten Wäldern Europas die weniger gebräuchlichen Baumarten zurück, wenn sie nicht nachgefragt werden.

Etwa 7.000 bis 14.000 Tierarten und ebenso viele Pflanzenarten leben in heimischen bewirtschafteten Wäldern. Unsere bewirtschafteten Nachhaltigkeitswälder sind auch artenreich. Der Artenreichtum im Wald hängt stark von der Vielfalt der heimischen Baumarten ab. In unseren heimischen nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommen potenziell etwa 60 Baumarten vor. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Produktivität und Artenzahl: mit Halbierung der Artenzahl verlieren wir 20% Produktivität und die Produktivität von Monokulturen erfordert hohen Energieaufwand. Baumartenvielfalt macht Wälder stabil und wertvoll. Hochwertige Stämme, aber auch Standardqualitäten ungewöhnlicherer Sortimente (neben der Fichte) erzielen gute Preise und sollten nicht einfach in Sammellose gehen. Besondere Hölzer sind von spezialisierten Verarbeitern gesucht. Sie werden aber immer öfter als Importware bezogen. Auch, weil die Verarbeiter oft nicht wissen, wo sie diese regional bekommen. Baumartenvielfalt ist eine wichtige Grundlage, um auf den Markt und Trends reagieren zu können.

Artenvielfalt im heimischen Wald durch Marktmechanismen und Produkte fördern.

Schutz durch Nutzung der Vielfalt in unseren heimischen bewirtschafteten „Alten-Nachhaltigkeitswäldern“. Anders als in tropischen und borealen Primärwäldern (Urwäldern) trägt gerade die Nutzung dieser Vielfalt der heimischen Baumarten in bewirtschafteten Wäldern zur Förderung der Artenvielfalt bei. Vor allem auf dieser Basis werden Waldbesitzer verstärkt auch seltenere Baumarten in ihren Wäldern anpflanzen und pflegen. Förderung der Vielfalt in heimischen Wäldern erfordert Nutzung möglichst vieler der ca. 60 heimischen Baumarten in Produkten. Markt & Kunden haben den größten Einfluss. Aber es reicht nicht aus, Holzarten zu verwenden, die potentiell bei uns wachsen. Wichtig ist es, Produkte aus heimischen Hölzern der kurzen Wege nachzufragen, denn nur so bleibt die Kette geschlossen und die Nachfrage kann ihre Wirkung im Wald entfalten. Nur wenn Kunden Produkte aus der Bandbreite nachweislich heimischer Hölzer nachfragen, werden diese Baumarten wieder verstärkt angepflanzt. So sollten Produkte aus Holz der kurzen Wege aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern genutzt und beschafft werden.

Das Zertifikat »HOLZ VON HIER« ist hierfür ein transparentes Einkaufsargument.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 
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Baustoffe: „Holzfaser-Zementplatte (Heraklit)“

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Bild: Holzfaser-Zement-Platten eignen sich vor allem dort wo z.B. Böden mit trittschallempfindlichen Materialien belegt sind (z.B. Steinplatten) die noch schall- und wärmegedämmt werden sollen.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

Heraklit Holzfaser-Zementplatte: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Der Name „Heraklit“ ist ein Handelsname für Holzfaser-Zement-Dämmplatten. Da mehr als 70 Prozent der in Deutschland verwendeten HWL-Platten von einer Firma aus Österreich (mit weltweiter Produktion und Firmensitzen weltweit) hergestellt werden, die diesen Handelsnamen führt, sind Holzwolle-Dämmplatten bei uns oft nur unter diesem Markennahmen bekannt. Europäische Produktionsstandorte für die Holzwolle-Dämmplatten sind Deutschland, Griechenland, Kroatien, Slowakei, Tschechien, Ungarn und weitere Weltweit. Holzwolle-Dämmplatten wie Heraklit bestehen aus Holzwolle und mineralischen Bindemitteln, vor allem Zement und Magnesit. Die Platte dient der Wärmedämmung bei Gebäuden, als Putzgrund, Deckenplatte und anderes. Andere Platten nach ähnlichem Prinzip sind Platten aus Steinwolle plus mineralische Bindemittel („Heralan“) oder auch Kombinationen aus Steinwolle und Polystyrol plus mineralische Bindemittel. Mit Holz haben nur Holzfaser-Zement-Dämmplatten zu tun, diese sind im Folgenden beschrieben.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzwolle-Platten (Handelsname einer Firma „Heraklit“) bestehen aus: Holz 25-35%, gebrannter Magnesium als Bindemittel 30-40% (oder Zement), Magnesiumsulfat 3-6%, Wasser 30-40%.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Der Grundrohstoff Holz stammt als Rundholz und Hackschnitzel aus dem Wald, die Grundrohstoffe für Zement sind Sand, Kalk, Ton (oder Bauxit), Gips, Flugasche stammen aus Bergbau und werden zusammen mit Magnesiumsulfat und Wasser sowie Additiven zu Dämmplatten verpresst.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Für die Rohstoffe Sand, Kalk, Ton, Gips und Magnesiumsulfat gelten die Angaben zu Zement und Beton. Auch hier wäre umweltfreundlicher Abbau wichtig, unterliegt jedoch bei nicht deutscher oder europäischer Herstellung nicht den bei uns geltenden Umwelt- und Gesundheitsvorgaben.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten udn auch Holzfaserdämmplatten wie „Heraklit“ ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Holzfaser-Zement-Platten sollten am besten nicht direkt mit der Innenraumluft in Verbindung stehen.
  • REACH-RISK. Das Risiko dass hoch gesundheitsgefährliche Substanzen (neben Formaldehyd) laut REACH Verordnung im Produkt vorkommen ist bei den Holznatelen gering, bei den Zementanteilen aber möglicherweise gegeben. In Deutschland und Europa hergestellte Produkte sind jedoch an die REACH-Verordnung gebunden.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen generell im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab. Holzfaserdämmplatten mit Mineralischen Bestandteilen wie Zement sind zudem sicher noch schlechter brennbar (die Brandklasse konnte hier noch nicht ermittelt werden und ist auch nicht in EPD vermerkt).
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach austauschbar. Pflege in dem Sinne ist nicht nötig, die Platte sollte aber feuchtesicher verbaut sein. Eine Reparatur ist nicht möglich, die Platte wid bei Defekt als ganzes ausgetauscht.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Der heute gängige Nachnutzungsweg für Holzzementfaserplatten ist die Deponierung bzw. thermische thermische Verwertung (in der MVA).

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Bisher keine uns bekannten.


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Biodiversität: „Biodiversitätsverluste durch Transporte“

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Bild: Lange Transporte sind nicht nur klimaschädlich, sondern haben teilweise auch hohe Risiken für Biodiversitätsverluste. (Bild: B&S photocase, gekauft für Infomaterialien von HvH).

Biodiversitätsverluste durch Transporte

Das Risiko für Biodiversitätsverluste durch Transporte ist sehr hoch und zwar einerseits durch die Schiffstransporte aber auch die langen Transporte auf dem Landweg per LKW. Je nach Land kann das Risiko für Biodiversitätsverluste durch die Transporte von Rohstoffen auf dem europäischen Markt das Risiko für Biodiversitätsverluste durch den Abbau und die Ernte der Ressourcen übersteigen.

Hier einige Beispiele wobei der innovatve Faktor RBL aus der Produktumweltampel bedeutet einen „Risk of Biodiversity Loss“ also ein potentielles Risiko, ausgedrückt als Anzahl der Tierarten die durch die jeweilige Aktivität gefährdet bis vom Aussterben bedroht sind.

  • (1) Beispiel China. RBL durch Holzernte: 285 Arten, RBL durch Bergbau: 113 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von China nach Deutschland: 872 Arten.
  • (2) Beispiel USA. RBL durch Holzernte: 75 Arten, RBL durch Bergbau: 186 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von USA nach Deutschland: 290 Arten.
  • (3) Beispiel Brasilien. RBL durch Holzernte: 320 Arten, RBL durch Bergbau: 103 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von Brasilien nach Deutschland: 178 Arten.
  • (4) Beispiel Kamerun. RBL durch Holzernte: 380 Arten, RBL durch Bergbau: 51 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von Kamerun nach Deutschland: 94 Arten.
  • (5) Beispiel Indonesien. RBL durch Holzernte: 343 Arten, RBL durch Bergbau: 283 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von Indonesien nach Deutschland: 792 Arten.
  • (6) Beispiel Weiss-Russland (ohne Sibirien). RBL durch Holzernte: 17 Arten, RBL durch Bergbau: 27 Arten, RBL durch Transporte der Rohstoffe/-produkte von Russland nach Deutschland: 72 Arten.
  • (7) Beispiel zum Vergleich Deutschland. RBL durch Holzernte: 14 Arten, RBL durch Bergbau: 15 Arten, RBL durch interne Transporte der Rohstoffe/-produkte innerhalb Deutschlands: 32 Arten.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 


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Baustoffe: „HDF Platte für Innenausbau“

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Bild: HDF (und MDF) Plattenwerkstoffe als Innenraumdämmung sind heute in Holzbauten vielfach verwendet.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
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MDF Platten für den Innenausbau: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzfaserdämmstoffplatten (MDF, HDF, DHF, DFF) bestehen aus: Holzfasern 82 – 86%, Wasser 5-7%, PMDI-Leim oder UF-Leim (Harnstoffharz) 4 – 11%, Parafinemulsion < 1%. Bei beschichteten Platten kommen noch Additive wie (z.B. Melaminformaldehydharz) und ggf. Dekopapiere hinzu.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Grundrohstoff ist Rundholz aus dem Wald (sog. Industrieholz) sowie Hackschnitzel die von der Holzindustrie zu Dämmstoffen verarbeitet werden.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben bzw. gering. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach und ungefährlich austauschbar.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Baustoffe: „Brandverhalten von Baustoffen“

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Bild: Feuerwehrhaus in Holzbauweise. Haben Sie sich schon einmal gefragt warum Feuerwehrleute Holzbaubrände für ungefährlicher einstufen als einen Brand in anderen Gebäuden?

Sicherheit für und im Brandfall ist oberstes Gebot und das hängt von mehr Aspekten ab als dem Brandverhalten einzelner Baustoffe 

Die Brandklassen sind nur ein Aspekt der Sicherheit im tatsächlichen Brandfall. Mindestens ebenso bedeutsam für die Sicherheit zwei weitere Aspekte:

  1. Wie standsicher ist das Gebäude. Damit ist gemeint, wie viel Zeit man hat, um das brennende Gebäude sicher zu verlassen.
  2. Welche Gesundheitsgefahren entstehen. Denn, die meisten Menschen sterben bei Gebäudebränden nicht durch einstürzende Gebäudeteile, sondern durch giftige Gase („Rauchvergiftung“). Nach Aussagen von Brandschutzexperten kommen die meisten Todesfälle bei Hausbränden nicht durch herabstürzende Teile zustande sondern durch toxische Brandgase.

Jedes Gebäude kann brennen

Da darf man sich nicht täuschen: ob Ziegel, Beton oder Holz – jedes Gebäude kann brennen. Im folgenden ist als Vergleich das Brandverhalten von Holzprodukten im Vergleich zu Kunststoffprodukten beschrieben.

Beispiel 1:  Brandverhalten von Holzprodukten

  • Brandstoffklasse: je nach Produkt von schwer entflammbar (z.B. Böden) bis normalsentflammbar.
  • „Hohe Standfestigkeit im Brandfall“. Bei Holz ist die Standfestigkeit im Brandfall wesentlich besser kalkulierbar, als z.B. bei Stahlträgern. Beim Holzbrand, bildet sich um das Kernholz von selbst eine Art Schutzmantel aus Holzkohle. Diese Verkohlungsschicht verhindert bei Holzprodukten im Brandfall das schnelle Durchbrennen. Es kann kein Sauerstoff mehr ins Holz eindringen und der Abbrand verlangsamt sich stark. Dies hemmt die Ausbreitung des Feuers und so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Die Standfestigkeit bei einem Brand ist in Holzhäusern mit massiven tragenden Holzbalken teilweise besser als in Betonbauten mit Stahlträgern. Deshalb musste man ja dazu übergehen, Stahlträger in Betonbauten immer raffinierter zu ummanteln, früher mit Asbestummantelungen und heute mit gegen Feuer imprägnierten Kunststoffmaterialien, die jedoch massiven Bränden auch nur begrenzte Zeit standhalten können. Bei massiven Holzwänden und Massivholzmauern kommt dazu, dass auch die Gefahr der Selbstentzündung von z.B. Tapeten oder Vorhängen auf der anderen Wandseite stark herab gesetzt ist. So kann ein Brand nicht oder nur schwer von einem Raum auf den anderen übergreifen und sich nicht, wie es sonst häufig vorkommt, durch Selbstentzündung von Tapeten, Vorhängen in dem Feuer abgewandten Räumen ausbreiten.
  • Keine giftigen Gase im Brandfall. Bei natürlichem Holz entstehen keine giftigen Gase im Brandfall. Im Brandfall haben Holzprodukte eine deutlich geringere Rauchentwicklung als z.B. Kunststoffe und brennen auch nicht tropfend ab. Bei Bränden in Holzhäusern mit Holzfenstern und Holzböden usw. ist die Gefahr einer Rauchgasvergiftung weit geringer als z.B. beim Abbrand von Kunststoffen. Beim Abbrand von PVC beispielsweise können giftige Gase entstehen, das ist gesundheitsgefährdend bei und noch nach einem Brand.

Beispiel 2: Brandverhalten von Kunststoffprodukten

  • Brandstoffklasse: leicht entflammbar, brennendes Abtropfen.
  • Brandverhalten von Kunststoffprodukten an der Gebäudehülle. Im Brandfall schmelzen Kunststoffprodukte und tropfen gegebenenfalls auch brennend ab. Abtropfende brennende Kunststoffe können nur schwer gelöscht werden. In letzter Zeit häufen sich die Fernsehberichte von brennenden EPS gedämmten Fassaden. Von Feuerwehrleuten kam hier oft die Aussage „es ist als würde man in ein Feuer Erdöl gießen“. Viele Bundesländer reagieren mit Verschärfung der Vorschriften indem z.B. bei Neubauten von mehrstöckigen Häusern bei Kunststoffdämmungen verstärkt sogenannte Brandriegelbänder aus Mineralwolle eingefügt werden müssen. Ob dies allerdings in der Praxis ausreichen wird, die extrem schnelle Ausbreitug von Kunststoffbefeuerten Bränden an Gebäudehüllen aufzuhalten ist in der Praxis noch unklar.Zudem gilt dies nur für Neubauten nicht für Altbauten oder Sanierungsbau, denn ein Nachrüsten wäre hier viel zu teuer (einen Bericht darüber aus dem NDR Fernsehen mit Aussagen von Feurerwehrleuten gibt es auf http://www.holz-von-hier.de/mediathek).
  •  Steigerung der Brandlast durch viele Kunststoffprodukte im Gebäudeinneren. Wir vergessen aber oft, dass wir auch im Inneren unserer Häuser heute unglaublich viele Kunststoffprodukte haben. Auch Böden aus Kunststoffen können daher eine erhebliche Steigerung der maßgeblichen Brandlast ergeben. Was oft nicht von Anfang an, auch nicht in der Gebäudeplanung, berücksichtigt wird. Dies ist auch dann der Fall wenn oder obwohl heute nahezu alle Kunststoffprodukte im Baubereich mit Flammschutzmitteln versehen sind.
  • Gesundheitsgefahren durch giftige Gase beim Abbband. Das Problem ist hier zudem, dass bei Brand von Kunststoffen sehr dichter beißender und hochgiftiger Rauch entsteht, der die Orientierung und damit die Fluchtgeschwindigkeit gerade in öffentlichen Gebäuden mit Personengruppen erschwert, die sich selbst schwer orientieren und organisieren können (z.B. Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser usw.). Bei der Verbrennung von Kunststoffen und besonders PVC Produkten in den Gebäuden entstehen neben Kohlenmonoxid und Stickstoffoxiden auch hochgiftige Chlorwasserstoffe und Dioxine sowie ggf. auch hochgiftige und kanzerogene polykondensierte Aromate (z.B. Pyrene und Chrysene). Auch und gerade die heute noch meist verwendeten bromhaltigen Flammschutzmittel (z.B. HBCD) spalten bei der Verbrennung hochgiftige Dibenzodioxine/-furane ab. Eine weitere Gefahr geht von schwermetallhaltigen Stabilisatoren (z.B. Blei) aus.

Brandklassen von Baustoffen

Im Gebäudebau und der Planung ist nach den heutigen Vorschriften sehr viel ausgerichtet an den Brandstoffklassen der Baustoffe. Sie bestimmen die Planung und Ausschreibung wesentlich mit. Das Brandverhalten eines Baustoffes wird dabei nach DIN EN 13501-1 in folgende Brandklassen eingeteilt:

  • A1: nichtbrennbar ohne Anteile von brennbaren Baustoffen (mit: keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2 – s1 d0: nichtbrennbar mit Anteilen von brennbaren Baustoffen (mit: keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • B1, C-s1 d0: schwerentflammbar (mit keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B1, C – s2 d0: schwerentflammbar (mit: kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B2, C – s3 d0: normalentflammbar (mit: keine Rauchentwicklung).
  • A2, B2, C – s1 d1: : normalentflammbar (mit: kein brennendes Abtropfen/Abfallen).
  • A2, B3, C – s1 d2 / A2, B, C – s3 d2 / D – s1 d0 / D – s2 d0: leicht entflammbar (brennendes Abtropfen, Abfallen).

Bis hin zur Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) gelten Baustoffe als selbstverlöschend. Ab Baustoffklasse B2 (normalentflammbar) und B3 (leichtentflammbar) unterhält der Brand sich selbst, auch wenn die Brandursache entfällt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbstverlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen).


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Baustoffe: „MDF Platte für Innenausbau“

 5- Südosten
Bild: Holzfaserdämmplatten gehören heute bei modernen Bauten zur gängigen Baustoffausrüstung.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

MDF Platten für den Innenausbau: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Holzfaserdämmstoffplatten (MDF, HDF, DHF, DFF) bestehen aus: Holzfasern 82 – 86%, Wasser 5-7%, PMDI-Leim oder UF-Leim (Harnstoffharz) 4 – 11%, Parafinemulsion < 1%. Bei beschichteten Platten kommen noch Additive wie (z.B. Melaminformaldehydharz) und ggf. Dekopapiere hinzu.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Grundrohstoff ist Rundholz aus dem Wald (sog. Industrieholz) sowie Hackschnitzel die von der Holzindustrie zu Dämmstoffen verarbeitet werden.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Primärwäldern also tropischen und borealen Urwäldern stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden. Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen mit 75-200 km IBU bis 562 km Thünen Institut die Vorketten vom Holzfaserplatten). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Holzfaserplatten ohne Herkunftsnachweise wie „HOLZ VON HIER“ können sehr viele Transportkilometer im Stoffstrom zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre, denn der Markt für Holzplatten ist international.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Holzdämmstoffe halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gesundheitsrelevante Emissionen können nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben bzw. gering. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holzdämmstoffe können brennen, ja, aber Holzdämmstoffe nach DIN werden in der Regel in die Brandstoffklasse B1 (schwerentflammbar) eingeteilt. Entscheidend ist hierbei für die Sicherheit im Brandfall, dass Baustoffe nach B1 als selbst verlöschend gelten, während sich bei Baustoffen nach B2 und darunter der Brand selbst erhält, auch wenn die Brandursache entfällt (z.B. abtropfendes Weiterbrennen). Eine Verkohlungsschicht verhindert bei Holzdämmstoffen im Brandfall das schnelle Durchbrennen und hemmt so die Ausbreitung des Feuers, so können höchste Brandschutzanforderungen bis F90 B / REI 90 errichtet werden. Im Brandfall haben Holzdämmstoffe eine deutlich geringere Rauchentwicklung als andere Dämmstoffe (z.B. Kunststoffdämmstoffe) und brennen auch nicht tropfend ab.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art wird laut BNB wie folgt angegeben: als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Holfaserdämmstoffe sind an defekten Stellen vergleichsweise einfach und ungefährlich austauschbar.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Biodiversität: „Biodiversitätsverluste entstehen auch durch die Gewinnung von Öl, Metallen, Erzen“

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Bild: Tagebau in Deutschland. Tagebau ist immer auch Landnutzungsänderung, aber nicht überall auf der Welt findet Tagebau unter denselben, im weltweiten Vergleich, noch eher schonenden Bedingungen statt und nicht überall werden diese Flächen auch wieder rekultiviert, sowie bei uns. (Bild: B&S).

Biodiversitätsverluste entstehen auch durch die Gewinung von Öl, Metallen, Erzen.

Biodiversitätsverluste entstehen auch durch die Gewinung von Öl, Metallen, Erzen. Dies ist nur noch nicht so genau wie beim Holz in den Fokus gerückt. Dennoch gibt es auch beim Tagebau und Bergbau sowie der Ölförderung umweltschonendere und umweltzerstöhrendere  Verfahren und Vorgehensweisen. In Deutschland und Europa ist hier viel über unsere strenge Umweltgesetzgebung geregelt, wobei solche Regelungen in anderen Weltregionen oft nicht üblich sind.

Generell gilt hier natürlich, dass der Abbau dieser Rohstoffe endlich ist, anders als bei den nachwachsendens Rohstoffen (NaWaRo) wie beispielsweise Holz, Stroh und andere, die sich bei nachhaltiger Bewirtschaftung natürlich regenerieren. Umso wichtiger ist es bei fossilen Rohstoffen wie Öl oder bei Erzen und Mineralien, dass der Abbau nicht nur möglichst weitgehnd umweltfreundlich geschieht, sondern dass er auch ressoucenschonend geschieht. Zudem sollten gerade diese Materialien nur in solchen Produkten verwendet werden deren Design eine Wiederverwertung bzw. ein Recycling ermöglicht. Noch besser wäre es, wenn diese Rohstoffe in Kreisläuen geführt werden die über Kaskadennutzung möglichst lange im Kresielauf gehalten werden bis sie letztlich durch Downcycling entsorgt werden müssen.

Durch die Landnutzungsänderugen und die Umweltverschmutzungen die der Abbau von Öl, Erzen sowie Metallen mit sich bringt entstehen beachtliche Biodiversitätsverlsute, die jedoch auch von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Im Profibereich der Umweltproduktampel finden sich hierzu detailiertere Daten.

  • Beispiel Erdöl. Erdöl ist einer der derzeit wichtigsten Energieträger, vor allem ist er aber auch ein Rohstoff, von dem die Weltwirtschaft noch in vielfältiger Weise abhängt. Problematisch ist dabei nicht nur, dass diese Ressource endlich ist (s. nächster Punkt), sondern auch, dass mit der Gewinnung teilweise extreme und weitreichende Umweltverschmutzung und Zerstörung von Lebensräumen verbunden ist. Dies betrifft in ganz besonderem Maße z.B. die Gewinnung von Erdöl aus Teersanden, wie es in Kanada im Großmaßstab geplant ist. Da der Markt aufgrund der zahllosen Zwischenschritte zwischen dem Rohstoff und den unzähligen hieraus hergestellten Produkten kaum Einfluss auf die Herkunft des Öls hat, sind generell aus Erdöl hergestellte Produkte z.B. mit Umweltbelastungen verbunden. Hier ist z.B. PVC als ein prominentes Produkt zu nennen.
  • Beispiel Gold. Gold kommt vor allem in vielen wenig entwickelten Regionen der Erde vor. Hier existieren meist keinerlei Umweltstandards oder Sozialstandards. Das hat zur Folge, dass Gold hier im ungezügelten Raubbau gewonnen wird. Im Amazonasbecken beispielsweise werden durch den Goldgräberboom riesige Gebiete zerstört und einige international besonders gefährdete Arten gehen dadurch verloren.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.