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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Biodiversität: „Europa, Deutschland und der Tropenholzmarkt“

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Bild: Primärwaldeinschlag in Lateinamerika (Venezuela). (Bild: B&S).

Europa, Deutschland und der Tropenholzmarkt

Nationen mit noch großen Primärwaldvorkommen sind beispielsweise Brasilien, Rußland, Kanada, USA (ohne Alaska), Peru, Kolumbien, Indonesien, Mexiko, Bolivien, Papua, Kongo (mehr Daten auf der Produktumweltampel oder http://www.holz-von-hier.de). Die Produkte, die sie für den Holz-, Papier-, Zellstoff-, Biokraftstoffbereich, Genussmittel-, Kosmetiksektor produzieren, werden großteils exportiert (WBGU, 2009) und zwar gerade nach Europa und Deutschland.

Der Markt hat entscheidenden Einfluss auf den Schutz der Biodiversität weltweit.

Die Beschaffung hat über den Umweltfußabdruck von Produkten steuernden Einfluss. Maßnahmen im Rahmen der nachhaltigen Beschaffung, die dem Schutz des Klimas dienen, sind gleichzeitig auch positiv für die Erhaltung der Artenvielfalt. Der zunehmende Artenverlust weltweit betrifft nicht nur ethische Fragen, sondern hat nicht absehbare Folgen für die Menschheit, da sie als Teil des globalen Ökosystems von der Artenvielfalt in vielfältigster Weise existenziell abhängig ist. Umweltverschmutzung ist oft auch mit einem nicht nachhaltigen Umgang mit Ressourcen verbunden, hier verschwimmen die Grenzen zum nächsten wesentlichen Hauptaspekt der Umweltrelevanz nachhaltiger Produkte, der Ressourcenschonung. Viele Materialien können im Rahmen ihrer Gewinnung größere oder geringere Umweltverschmutzungen verursachen. Dies ließe sich generell in Beschaffungsüberlegungen mit einbeziehen. Umweltlabel geben hier wichtige Entscheidungshilfen:

  • HOLZ VON HIER für klima- und umweltfreundliche Holzprodukte;
  • BLAUER ENGEL und NATUREplus für umweltfreundliche Farben, Lacke, etc, energiesparedne Geräte, Bürobedarf usw.
  • Waldlabel FSC und PEFC für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft.

 

Beispiel für einen Flyer aus dem Medienbereich von HOLZ VON HIER.

Mehr unter http://www.holz-von-hier.de

Flyer_Herkunft Verwendung Hölzer_HVH-BMELF-BLE

Flyer_Herkunft Verwendung Hölzer_HVH-BMELF-BLE2

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.
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Baustoffe: „Mehrschichtplatten“

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Bild: Mehrschichtplatten werden vor allem im Möbelbau und Innenausbau verwendet. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt)

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

Mehrschichtplatten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Mehrschichtplatten sind industriell gefertigte flächige Platten. Die Platten bestehen aus drei bis fünf rechtwinklig zueinander verklebten Lagen aus Schnittholz (in der Regel Nadelschnittholz). Die Platten werden sehr vielseitig verwendet, also sowohl für den Innenausbau udn Möbelbau aber teilweis auch im konstruktiven Bereich, beispielsweise für schlanke tragende Vordächer, Sichtdeckenkonstruktionen, Dachbekleidungen oder auch schon für Fassaden. Im Außenbereich ist allerdings guter konstruktiver Holzschutz oder Beschichtungen nötig.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Laminat besteht zu 60-70% aus Holzplatten (HDF), 8-18% aus Papier und zu 16-21% aus Kunstharz.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Bei den Importen wird oft Holz „unsicherer Herkünfte“ verwendet.
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Raubbau stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden (die „Reichweite“ richtet sich nach den Vorkommen in Ländern mit Primärwäldern, v.a. in den Tropen wie Asien, Lateinamerika, Afrika und den borealen Waldgebieten wie z.B. Sibirien, Kanada usw.). Infos zu (1) Nachhaltiger Forstwirtschaft, (2) Raubbau, (3) Primärwäldern und (4) Ländern mit Primärwäldern und hohem Raubbaurisiko finden sich im Infoteil.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion für Schnittholz mit 396 km, Thünen Institut). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Vorprodukte. Die Warenströme bei Rundholz, Schnittholz, Hobelware sind heute global und ohne Herkunftsnachweis (z.B. „Holz von Hier“) kann man auch beim Holz nicht automatisch davon ausgehen, dass es aus „kurzen Wegen“ stammt. (2) Beispiel Mehrschichtplatten. Hier gibt es in Deutschland und Europa hergestellte Waren aber auch Importprodukte. Ohne Herkunftsnachweise wie Holz von Hier kann man nicht davon ausgehen, dass das Produkt innerhalb kurzer Wege hergestellt wurde, selbst wenn der letzte Verarbeitungsschritt in Deutschland bzw. Europa stattfindet.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte und verleimte Holzprodukte enthalten keine gesundheitsgefährlichen Substanzen. Potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen könnten nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen in den Platten bei deutscher und europäischer Produktion ist nicht gegeben. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.nicht gegeben.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holz brennt, jedoch wird bei massivem Holz durch die Verkohlungen um den Brandherd die Abbrandgeschwindigkeit stark verringert. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit der meisten Holzprodukte wird nach BNB mit der höchsten Haltbarkeitsstufe >50 Jahre eingestuft. In der Regel ist die Haltbarkeit von Holzprodukten im Innenbereich deutlich länger.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Strapazierfähigkeit von massiven Holzprodukten und Holzplatten ist hoch. Die die Reparaturfreundlichkeit oder modulare Austauschbarkeit ist prinzipiell gegeben hängt jedoch von Produktdesign bzw. der Befestigungsart ab.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Biodiversität: „Green Carbon – Black Trade“

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Bild. Solche Urwaldriesen gibt es in den Tropen kaum noch. Auf und von so einem solchen „Riesen“ leben unzählige Arten. (Bild: B&S).

Green Carbon – Black Trade

Die folgenden Aussagen stammen aus dem Bericht Green Carbon – Black Trade (2012) von UNEP und Interpol. Alles was im Folgenden beschrieben ist, ist in Deutschland schon aufgrund von „Basis“-Kontrollbehörden wie der Finanzbehörde kaum denkbar. Die folgenden Aussagen sind die reine Übersetzung aus diesem Bericht. Der Bericht ist auch downloadbar unter http://www.holz-von-hier.de.

10 Wege des illegalen Holzeinschlages und 20 Wege illegales Holz rein zu waschen

Zunächst soll hier erwähnt werden, dass es im Vergleich zu den Tropen in Deutschland keinen illegalen Holzeinschlag gibt, hier herrscht seit Jahrhunderten nachhaltige Waldwirtschaft, schon allein durch unser Waldgesetz udn bei uns sind huete nahezu alle bewirzshcteten Flächen nach den Waldlabeln FSC oder PEFC zertuifizert. Ganz anders als in den Tropen, hier sind bisher maximal 1-5% der Waldflächen  überhaupt nach diesen Labeln zertifiziert. Zudem haben viele Länder eigene Waldlabel entwickelt die in Europa teils sehr umstritten sind.

Die 10 Wege des illegalen Holzeinschlages sind nach dem Bericht von UNEP und Interpool:

  • (1) Einschlag in geschützten Gebieten.
  • (2) Einschlag ohne Erlaubnis (ohne Einschlagskonzessionen) in nicht geschützten Gebieten.
  • (3) Einschlag in Krisen/Kriegsgebieten.
  • (4) Einschlag in Überschreitung der pro Konzession erlaubten Mengen.
  • (5) Einschlag mit gefälschten oder mehrfach verwendeten Konzessionen.
  • (6) Erlangung von Erlaubnissen durch Bestechung. Beispielsweise kostet laut Bericht die Erlaubnis zur Erlangung eines Kahlschlages in einem Tropenwald von 17 km2 bei einem offiziellen Beamten in etwa 25.000 Dollar).
  • (7) Einrichtung oder Ausweitung von Plantagen. Plantagen werden laut Bericht heute zunehmend genutzt um illegal geschlagenes Holz rein zu waschen. So ist z.B. die Plantagenfläche in Laufe der vergangenen 10 Jahre um 50% gestiegen, der Anteil des verkauften Plantagenholzes ist dagegen um 500% gestiegen. Gleichzeitig ist der Anteil des offiziellen illegalen Einschlages aus solchen Ländern gesunken. Vielfach werden Erlaubnisse zur Anlage von Plantagen nur als vorgeschobener Grund erworben, um in Wirklichkeit illegalen Holzeinschlag durchzuführen und das illegale Holz als Plantagenholz abzusetzen, obwohl die Plantage selbst nie angelegt wurde.
  • (8) Ausweitung der Landwirtschaft durch kleine Farmer.
  • (9) Großflächige Rinderhaltung und Sojabohnenproduktion. Dies ist beispielsweise im Amazonasgebiet heute für 70% des Primärwaldverlustes verantwortlich. Dies hat auch eine ethisch-politische Dimension vor Ort denn viele kleine Landbesitzer werden dort von Großgrundbesitzern von ihrem Land vertrieben und sind gezwungen für ihren Lebensunterhalt neue Flächen zu roden.
  • (10) Erweiterung von Straßenkorridoren, Bergbau, Tagebau und anderes.

Die 20 Wege um illegales Holz rein zu waschen sind nach dem Bericht von UNEP und Interpool (auch illegales Importholz nach Europa):

  • (1) Vermischung illegalen Holzes mit legalem Holz durch Überschreitung der erlaubten Mengen in einer Konzession.
  • (2) Vermischung illegalen Holze mit legalem Holz durch Transport von illegalem Holz zu einer legal konzessionierten Einschlagsstelle (Aufpolterung dort).
  • (3) Nutzung von Einschlagskonzessionen in einem Gebiet, um in einem anderen Gebiet illegal einzuschlagen (Anmerkung: z.B. einem Gebiet mit wertvolleren Stämmen).
  • (4) Vermischung von illegal geschlagen Stämmen und legalen Stämmen in einem Sägewerk oder Papierwerk vor Ort. Alle Produkte des Verarbeiters bekommen das gleiche „Statement“ zu legaler Herkunft.
  • (5) Falschangaben hinsichtlich des produzierten Volumens.
  • (6) Schmuggel von illegalem Holz grenzüberschreitend durch Bestechung und Wiedereinfuhr als „legalen Ursprungs“ und damit Umgehung von (Anmerkung: teuren) Lizenzen.
  • (7) Schmuggel von illegalem Holz grenzüberschreitend durch Bestechung und dann Ausfuhr aus dem Zielland als Holz legalen Ursprunges. (Anmerkung: z.B. von Indonesien nach Malaysia als VPR Land und von dort als legales Holz nach Europa). Beispiel: es gibt steuerbedingte Schätzungen aus Malaysia, dass 90 – 97% des importierten Holzes nach Malaysia illegalen Ursprunges war und damit bis zu 33 mal (!) größer als die offiziellen Angaben (S. 49). (Anmerkung: von Malaysia einem VPA Land für die europäische Due Diligence aus geht Holz als legales Holz direkt nach Europa oder zunächst nach China – wird dort noch weiter vermischt – und von dort nach Europa, USA, Japan).
  • (8) Die (bewaffnete) Kontrolle von offiziellen oder illegalen Grenzstation vor allem in Krisenregionen.
  • (9) Export von Stämmen über Straße oder Schiff über Drittländer im offenen Handel und dadurch Wechsel der Eigentümerschaft und des vermutlichen Ursprunges des Holzes (Anmerkung: über mehrere wechselnde Händler). Hierfür werden teilweise auch extra Scheinfirmen für diese Transaktionen gegründet und später wieder aufgelöst.
  • (10) Fälschung der Herkunft von Holzprodukten in Zollpapieren, einschließlich der Fälschung von Zertifikaten (Zitat: „ …including falsifiing ecocertification“).
  • (11) Falsche Deklaration der Baumarten auf Zollpapieren insbesondere bei gefährdeten oder seltenen Arten.
  • (12) Nutzung von existierenden Exporterlaubnissen und Zertifikaten um illegal in einem anderen Teil des Landes geschlagenes Holz zu exportieren.
  • (13) Mehrfachnutzung derselben Exporterlaubnisse oder desselben Zertifikates. Die Zoll prüft (Anmerkung: selbst wenn er nicht korrupt ist) nur stichprobenhaft. Es ist eine häufige Schmuggelpraxis das Frachtpapier von nicht überprüfte Frachten einfach bei der nächsten Fracht wieder genutzt werden, und wenn sie hier nicht geprüft werden dann wieder etc..
  • (14) Nutzung gefälschter Erlaubnisse oder illegale Erlangung von Permits durch das Hacken von Regierungsseiten oder durch Bestechung.
  • (15) Ein begrenzter Kreis von Handelshäusern erhält offizielle Generalerlaubnisse Holz legal zu exportieren bzw. zu zertifizieren, oft durch Bestechung. Diese Firmen mischen legales Holz mit illegal eingeschlagenem Holz. Jeder Kunde dieser offiziell bestätigten bzw. validierten Handelshäuser kauft so Holz das als legal klassifiziert ist.
  • (16) Erlangung zur legalen Errichtung einer Plantage und Einschlag von bestehendem Primärwald. Viele Plantagen werden einzig und allein zu dem Zweck gegründet die bestehenden Bäume (Anmerkung: im Primärwald) zu fällen. Nach verkauf der Bäume aus dem Primärwald wird oft die Form aufgelöst oder bekommt neuen Plantagen Erlaubnisse für zusätzliche Gebiete.
  • (17) Erlangung einer Erlaubnis für die Gründung einer Plantage und Schleusung illegal geschlagenen Holzes durch diese nicht produktive Plantage. (Anmerkung: die Genehmigung bezieht sich nur auf die Gründung der Plantage und nicht auf die Menge des daraus zu vermarktenden Holzes, also die Menge, die aus der Plantage überhaupt kommen kann; bei der frischen Anlage einer Holzplantage kann man die ersten Jahre naturgemäß bis die Bäume groß genug sind gar nichts ernten !).
  • (18) Verschleierung illegal geschlagenen Holzes mit Vermischung mit legal produziertem Plantagenholz.
  • (19) Vermarktung illegal geschlagenen Holzes als teil legaler Kahlschläge zur Anlage von Palmöl oder Sojaplantagen. (Anmerkung: die erlaubte Anlage einer Plantage beinhaltet auch die legale Vermarktung des auf dieser Flächen geschlagenen Holzes. Wohlgemerkt aus Primärwald der eigentlich rechtlich niemandem in dem Sinne wie z.B. bei Europäischen Wäldern gehört! Der Betreiber vermarktet aber illegales Holz aus anderen Flächen über diese Erlaubnis mit).
  • (20) Einschlag von weit angelegten Korridoren von neu angelegten Straßen. (Anmerkung: Der Einschlag für die Straße ist legal, die „Straße“ wir aber mehrfach so bereit wie nötig angelegt).

Was kann jeder tun

Wer das das Risiko von Raubbauholz vermeiden will (Anmerkungen von B&S) …

(1) … sollte Holzprodukte der kurzen Wege aus heimischer Herkunft kaufen, wie sie mit dem Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HER erhältlich sind.

(2) … sollte bei Produkten aus Importhölzern auf anerkannte Waldlabel achten wie FSC oder PEFC.

(3) … sollte auf Produkte mit Palmöl und auf importierten „Biosprit“ verzichten

Generell gilt: die Zertifizierung nachhaltiger Waldwirtschaft alleine kann die Biodiversität und die Primärwaldflächen in den Tropen nicht schützen

In den Tropen sind generell zertifierte Waldflächen (FSC, PEFC) besser als Waldflächen ohne Zertifizierung. Dennoch muss man bedenken, dass die  Zertifizierung nachhaltiger Waldwirtschaft alleine am Risiko für Biodiversitätsverluste in Tropischen Urwäldern nur wenig ändern kann, weil:

  • (1) Die Biodiversität nicht im Fokus der Zertifizierungen ist.
  • (2) Bisher nur wenige Flächen gerade in den Ländern mit den noch verbliebenen großen Primärwaldflächen zertifiziert sind.
  • (3) Einschlagskonzessionen hier schneller vergeben awerden, als Waldflächen zertifiziert werden können. Auch legale staatliche Papiere für Holz aus diesen Weltregionen sind möglicherweise kritisch einzustufen (vgl. von der deutschen BLE aufgedeckter Due Dilligence Fall mit Wenge aus dem Kongo 2015). Hier wurden selbst in Schutzgebieten Einschlagskonzessionen vergeben.
  • (4) Die Hauptursache für die Abholzung von Primärwäldern in den Tropen ist heute jedoch in vielen Länder nicht mehr nur die Holznutzung als billiges Raubbauholz (das die Weltmarktpreise für Schnittholz weltweit um bis zu 9-16% drücken kann; WWF, 2009), sondern die Abholung für den Anbau von Palmöl und Zuckerrohr für („Bio“-) Agrartreibstoffe und Soja für Futtermittel wegen des weltweit ansteigenden Fleischkonsumes, auch in Regionen wo dieser bisher sehr niedrig war (z.B. Asien, China).

In vielen tropischen Region das Korruptionsrisiko hoch ist. Gerade in Afrika, Asien, Lateinamaerika  stuft selbst die Weltbank das Korruptionsrisiko sehr hoch ein. Die Raubbaustoffströme sind lang und unüberschaubar. Allein der Blick auf die Handelsströme von Tropenholz, die weltweiten Zwischenhändler und Zwischenlagerplätze bis das Holz überhaupt erst einmal in Europa angelangt ist, macht eigentlich schon deutlich das Raubbauholz nur äußerst schwer (bis kaum) von legalem Holz, auf diesen extrem langen Transportwegen im Stoffstrom getrennt werden kann.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Baustoffe: „Furniersperrholz Platte“

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Bild: Furniersperrholzplatten kommen oft im Möbelbau zum Einsatz. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt)

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

Furniersperrholz Platte: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Furniersperrholz besteht aus plattenförmigen Holzwerkstoffen auf der Basis von Furnieren (Unterschicht, Mittellage und Deckfurniere) die miteinander verklebt sind, meist mit Harnstoff-Formaldehyd Bindemittel (10,9%).
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. Holz. Holz aus heimischen Wäldern ist Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Deutsche Wälder werden seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet die nachhaltige Forstwirtschaft ist hier im Waldgesetz verankert. Nahezu alle unsere bewirtschafteten Waldflächen sind zusätzlich mit Nachhaltigkeitslabeln für den Forst zertifiziert (FSC und PEFC). Das ist nicht überall auf der Welt so, beispielsweise in Asien, Lateinamerika und Afrika sind nur etwa 1-5% der Waldflächen mit solchen Nachhaltigkeitslabeln zertifiziert. Bei Importen ohne solche Waldlabel ist, je nach Herkunftsland die Raubbaugefahr hoch. In Deutschland gibt es keinen Raubbau an Wäldern. Der Herkunftsnachweis des Klima- und Umweltlabels HOLZ VON HIER ist Due Diligence konform und Eingangsvoraussetzung für Rundholz in den HOLZ VON HIER Stoffstromnachweis ist, dass das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt (nachgewiesen mit FM-Zertifikat von FSC, PEFC oder vergleichbar).
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Raubbau stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden (die „Reichweite“ richtet sich nach den Vorkommen in Ländern mit Primärwäldern, v.a. in den Tropen wie Asien, Lateinamerika, Afrika und den borealen Waldgebieten wie z.B. Sibirien, Kanada usw.).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion für Furniersperrholz mit 150 km, Thünen Institut). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Vorprodukte. Die Warenströme bei Rundholz, Schnittholz, Hobelware sind heute global und ohne Herkunftsnachweis (z.B. „Holz von Hier“) kann man auch beim Holz nicht automatisch davon ausgehen, dass es aus „kurzen Wegen“ stammt (Info pdf „Holzmarkt weltweit“). (2) Beispiel Furniersperrholzplatten. Furniersperrholzplatten werden in Deutschland hergestellt aber auch importiert, teilweise mit Hölzern unbekannter Herkunft oder möglicherweise sogar aus Raubbau.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte und verleimte Holzprodukte enthalten keine gesundheitsgefährlichen Substanzen. Potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen könnten nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Bei in Deutschland und Europa hergestellten Furniersperrholzplatten ist ein Risiko für gesundheitsgefährliche Substanzen im Produkt nicht gegeben. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Bei Platten aus nicht EU Ländern können aber auch andere Leime verwendet werden, die gegebenenfalls gesundheitsgefährlicher sind. Deshalb ist es wichtig gerade auch bei Plattenwerkstoffen, bzw. Produkten daraus, auf die deutsche bzw. europäische Herkunft, bzw. auf Herkunftsnachweise wie Holz von Hier zu achten.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Holz brennt, jedoch wird bei massivem Holz durch die Verkohlungen um den Brandherd die Abbrandgeschwindigkeit stark verringert. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit der meisten Holzprodukte wird nach BNB mit der höchsten Haltbarkeitsstufe >50 Jahre eingestuft. In der Regel ist die Haltbarkeit von Holzprodukten im Innenbereich deutlich länger.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Strapazierfähigkeit von massiven Holzprodukten und Holzplatten ist hoch. Die die Reparaturfreundlichkeit oder modulare Austauschbarkeit ist prinzipiell gegeben hängt jedoch von Produktdesign bzw. der Befestigungsart ab.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können prinzipiell je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wieder verwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Biodiversität: „Biodiversitätsverluste durch Landnutzungsänderung und kommerziellen Holzeinschlag in tropischen und borealen Primärwäldern“

Porträt eines Gorilla
Bild: Protrait eines Gorillas. Ihr Lebensraum in Afrika verschwindet rasend schnell. China kauft Land und Einschlagskonzessionen in Afrika in einem Ausmass das man nur als zweite moderne Form der „Ressourcen-Kolonialisierung“ bezeichnen kann. (Anmerkung B&S, Bild: B&S gekauft für Aktionen von HvH).

Biodiversitätsverluste durch Landnutzungsänderung und kommerziellen Holzeinschlag in tropischen und borealen Primärwäldern.

Tropische Primärwälder (Urwälder) gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde, 50-70% aller Arten der Welt leben hier (UNEP, 2002). Sie sind Hot Spots der Biodiversität. Dabei macht ihre Fläche nur 10% der Landfläche der Erde aus. Das bedeutet, in keinem anderen Lebensraum finden sich so viele Arten auf engem Raum, wie in tropischen Primärwäldern. Tropenwälder zählen aber auch zu den gefährdetsten Lebensräumen. Ihr Schutz würde den größten Beitrag zum Schutz der weltweiten Biodiversität leisten. Tropenwälder gehen aus verschiedenen Gründen verloren, zu den wichtigsten zählen Rodung zur Landgewinnung für Plantagen (Palmöl, Zuckerrohr, Soja und andere), Brennholznutzung und kommerzieller Holzeinschlag. Vielfach ist es auch eine Kombination dieser Faktoren.

Jede kommerzielle, auch zertifizierte, Nutzung bisher unberührter Primärwälder führt letztlich zu einem Verlust an Biodiversität.

Dabei kann die »Bewirtschaftung« dieser Wälder auch bis zu 100%-iger Entnahme von Biomasse (Kahlschlag) und zu einer Zerstörung der organischen Bodenschicht führen, z.B. für die Vorbereitung der Rekultivierung, meist die Anlage von Plantagen für Holz, Palmöl, Zuckerrohr und anderes (WBGU, 2009). Aber auch eine Einzelstammentnahme, die oft als schonende Nutzung der Tropischen Primärwälder angesehen wird, führt nach neuen wissenschaftlichen Studien letztlich zu starken Artenverlusten in diesen Lebensräumen (Asner et al, 2006). So werden z.B. pro verwertetem Baum im Amazonasgebiet 27 weitere Bäume beschädigt, 40 Meter Straße neu gebaut und 600 m² Lücke ins Kronendach gerissen (WWF, 2008).

Waldzertifizierung alleine kann die Vernichtung tropischer Primärwälder nicht aufhalten, ist aber eine der wichtigen  Maßnahmen gegen den Raubbau.

Waldzertifizierungen in den Tropen sind als ein Sensibilisierungsinstrument und eine von verschiedenen möglichen Maßnahmen gegen ungeregelten Raubbau und insofern sehr wichtig. Gerade bei Importen in die EU ist auf Label für die Nachhaltige Waldwirtschaft (dz.B. die weltweit agierenden Label FSC und PEFC) zu achten. Bisher sind in Asien aber nur 3%, Lateinamerika 2% und Afrika 0,5% der Wälder nach Waldlabeln wie PEFC bzw. FSC zertifiziert (I-Net Seiten PEFC und FSC; mehr Infos Info CD „Wälder global und regional“ und auf http://www.holz-von-hier.de). Der Importanteil an so zertifizierten Hölzern in die EU ist noch gering. Da gerade in diesen Regionen die Regenwaldzerstörung aber rapide voran schreitet, kann die Waldzertifizierung allein die Vernichtung tropischer Primärwälder nicht aufhalten. Hinzu kommt das Problem der Kontrolle. Asiatische Länder wie China und Indonesien entwickeln sich zu den größten Tropenholzumschlagplätzen weltweit. Eine Kontrolle der Holzherkünfte ist hier nach Einschätzung vieler Marktkenner kaum bzw. nicht möglich.

Auch die Nutzung von tropischem Plantagenholz ist keine Lösung gegen den Raubbau.

Diese sind meist in den letzten 20 Jahren entstanden und für viele wurden zuvor Primärwälder abgeholzt. Zudem wird tropisches Plantagenholz in der Holzqualität (kurze Wachstumszyklen: Teak 30 – 50 Jahre) von der Branche meist schlechter bewertet als Holz aus Primärwäldern, das gilt auch für die noch jungen Plantagen mit Nachhaltigkeitslabeln. Für qualitativ hochwertige Produkte wird nach wie vor auf Holz aus Primärwäldern zurückgegriffen. Plantagen in den Tropen können also den Druck auf die tropischen Primärwälder letztlich nicht verhindern.In Verbindung mit illegalem Holzhandel zeigt sich zudem ein weiteres Problem: in der letzten Dekade stieg die Fläche an Holzplantagen in Indonesien um ca. 80% an. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil von Plantagenrundholz auf dem Markt aber um 600%! Experten gehen hier davon aus, dass ein großer Anteil illegal geschlagenen Holzes unter der Bezeichnung „Plantagenholz“ in den Handel geschleust wird (Interpol environmental crime programme, 2012).

Beispiele für durch Holzeinschlag gefährdete Arten.

  • Gorillas leben in den Wäldern Zentralafrikas. Abholzung von Urwäldern, auch für den Holzexport bedrohen die Art existenziell. In Afrika sind in den letzten 20 Jahren ca. 80 Mio. Hektar Urwald durch Raubbau verloren gegangen (FAO, 2011), mit fatalen Folgen.
  • Primärwaldeinschlag ist die wichtigste Ursache für das Verschwinden von Tieren Lateinamerikas (Riesenotter, Jaguar u.a).
  • In den letzten 20 Jahren hat hier die Primärwaldfläche um 93 Mio. Hektar abgenommen (s.o.). Raubbau-Holzeinschlag für Tropenhölzer zerstört einen großen Teil des Lebensraums des asiatischen Tapirs, allein 50% in den letzten drei (!) Tapirgenerationen (IUCN red list).
  • Orang Utans gelten als „Gärtner des Regenwaldes“. Studien gehen davon aus, dass, wenn nicht bald Einschneidendes geschieht, es nur noch 20 Jahre dauern wird, bis es in der Heimat des Orang Utans keinen Tropenwald mehr gibt. Nur 20 Jahre ! (IUCN red list) bis eine so eindrucksvolle Art von der Erde verschwindet.
  • Auch Sumatra-Tiger kämpfen ums Überleben. Jedes Jahr verschwinden 1,3 Mio. Hektar der Heimat des Tigers für Exportholz, Papier- und Palmölplantagen. Gartenholz aus Thermoholz statt Merbau, Meranti, Teak und anderem Tropenholz aus Raubbau ist ein erster Schritt hier zu helfen.

Was jeder tun kann: fragen Sie beim nächsten Produktkauf nach dem Label „HOLZ VON HIER“.

Produkte mit dem Label HOLZ VON HIER stehen für Holz der kurzen Wege aus nachhaltig bewirtschafteten heimischen Wäldern entlang der gesamten heimischen Verarbeitungskette. Das trägt systemimmanent zum Schutz der weltweiten Biodiversität bei. Fragen Sie beim nächsten Produkteinkauf nach dem Label HOLZ VON HIER, denn je mehr Sie dies nachfragen umso mehr werden Hersteller, Händler und Baumärkte auch verstärkt auf das neue Label HOLZ VON HIER setzen und damit weltweit einen wichtigen Beitrag leisten die Biodiversität zu schützen.

Holz von Hier ist nicht nur ein Klima- und Umweltlabel sondern eine junge gemeinnützige Initiative, die zum Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen sowie zur regionalen Wertschöpfung und Verbraucherschutz beiträgt. Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung! Beteiligen Sie sich an Holz von Hier Aktionen, schenken Sie uns ein Link und Like und abbonieren Sie diesen Blog.

Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Baustoffe: „OSB Platte“

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Bild: OSB Platten kommen typischerweise als wandbildende Elemente im Holzrahmenbau vor, aber auch im Inennausbau für tragende Wände, Decken, Böden und anderes. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt).

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

OSB Platten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Die Produktion von Holzplatten weltweit. Weltweit werden 268,8 Millionen m3 Holz basierte Plattenwerkstoffe produziert und 263,7 Millionen m3 verarbeitet. Die 3 Weltregionen mit der größten Produktion an Holzplatten sind Asien, Europa und Nord Amerika (FAO aktueller Weltwaldbericht, 2011). Weltweit produzieren 15 Länder 80% der holzbasierten Plattenwerkstoffe und sie verbrauchen auch 75% dieser Holzplatten. Eine „Über“-Produktion bei hohen Exporten aber kaum oder verhältnismäßig wenig Importen von Holzplatten findet vor allem in Asien und Lateinamerika statt. Auf Länderebene rangieren hier China mit 7,6 Mio. m3, Polen mit 6,2 Mio. m³ und Malaysia mit 5,4 Mio. m³ auf den ersten Plätzen. Ein Mehrbedarf bei hohen Importen, aber kaum Exporten besteht vor allem in Nord-Amerika. Hier ist es vor allem die USA mit 6,7 Mio. m³ Mehrbedarf.

Die Produktion von Holzplatten in Europa. Die Produktion liegt bei ca. 78 Mio. m3 und der Verbrauch bei ca. 77 Mio. m3. Die 15 Länder Europas mit der größten Produktion an Holzplatten produzieren zusammen etwa 86% der gesamten Holzplatten in Europa und verbrauchen 72% davon selbst. Die größten Produzenten für Holzplatten sind (1) Deutschland (Nr.1), (2) Russland, (3) Polen, (4) Frankreich und (5) Italien. Die fünf größten Konsumenten für Holzplatten in Europa sind (1) Deutschland, (2) Russland, (3) Italien, (4) England und (5) Frankreich.

Quantitativ vermeidbare Stoffströme in Europa. Deutschland hat die europaweit mit Abstand größten vermeidbaren Stoffströme und so auch Transporte bei Plattenwerkstoffen. Die vermeidbaren Stoffströme der 15 größten Produktionsländer Europas liegen bei ca. 33 Mio. m3 Holzplatten, 32% davon Deutschland. Die größte „Über-“Produktion beim Platten haben Polen (6,2 Mio. m3), Deutschland (3,5 Mio. m³), Österreich (2,9 Mio. m³). Den größten Mehrbedarf an Platten haben England mit 2,9 Mio. m³ und Italien mit 1,6 Mio. m³.

 

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. OSB Platten enthalten: entrindetes Nadelholz aus Durchforstung (Fichte, Kiefer), MUF-Leim (Melamin-Harnstoff-Formaldehydharze), PMDI-Leim (PUR) (Diphenylmethan, Diisocyanat)- Umwandlung bei der Herstellung in PUR-Polyurethan.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) Holz. Holz aus heimischen Wäldern ist Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Deutsche Wälder werden seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet die nachhaltige Forstwirtschaft ist hier im Waldgesetz verankert. Nahezu alle unsere bewirtschafteten Waldflächen sind zusätzlich mit Nachhaltigkeitslabeln für den Forst zertifiziert (FSC und PEFC). Das ist nicht überall auf der Welt so, beispielsweise in Asien, Lateinamerika und Afrika sind nur etwa 1-5% der Waldflächen mit solchen Nachhaltigkeitslabeln zertifiziert. Bei Importen ohne solche Waldlabel ist, je nach Herkunftsland die Raubbaugefahr hoch. In Deutschland gibt es keinen Raubbau an Wäldern. Der Herkunftsnachweis des Klima- und Umweltlabels HOLZ VON HIER ist Due Diligence konform und Eingangsvoraussetzung für Rundholz in den HOLZ VON HIER Stoffstromnachweis ist, dass das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt (nachgewiesen mit FM-Zertifikat von FSC, PEFC oder vergleichbar).
  • Reichweite. Holz das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt ist prinzipiell dauerhaft verfügbar, denn es wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst. Holz das aus Raubbau stammt sollte aus Klima- und Umweltschutzgründen nicht verwendet werden (die „Reichweite“ richtet sich nach den Vorkommen in Ländern mit Primärwäldern, v.a. in den Tropen wie Asien, Lateinamerika, Afrika und den borealen Waldgebieten wie z.B. Sibirien, Kanada usw.).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (wissenschaftliche Studien rechnen bei deutscher Produktion für OSB Platten mit 50 – 136 km, Thünen Institut, IBU). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. Beispiel VORPRODUKTE: die Warenströme bei Rundholz, Schnittholz, Hobelware sind heute global und ohne Herkunftsnachweis (z.B. „Holz von Hier“) kann man auch beim Holz nicht automatisch davon ausgehen, dass es aus „kurzen Wegen“ stammt (Info pdf „Holzmarkt weltweit“). Beispiel PRODUKT DIELEN: Dielen werden in Deutschland hergestellt aber auch importiert, teilweise mit Hölzern unbekannter Herkunft oder möglicherweise sogar aus Raubbau. Dielen mit dem Label „HOLZ VON HIER“ Label zeichnet besonders klima- und umweltfreundliche Produkte der kurzen Wege, mit Rundholz aus heimischen nachhaltig bewirtschafteten Wäldern aus.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte und verleimte Holzprodukte enthalten keine gesundheitsgefährlichen Substanzen. Potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen könnten nur aus dem verwendeten Bindemitteln bzw. Härtern stammen. Bei in Deutschland hergestellten OSB-Platten liegen gemessene Formaldehydwerte bei 0 – 6,4 mg HCHO/100 g (Werte aus EPD). Info „Formaldehyde, VOC, PCP und CO – was ist relevant bei Holzprodukten“.
  • REACH-RISK. Ein Risiko für gesundheistgefährliche Substanzen in den Plattenbei deustcher und Europäishcer produktiion ist nihct gegeben. MDI und PMDI Leime sind nicht REACH gelistet. Importplatten aus anderen Weltregionen können jedoch auch andere Leime usw. enthalten. Bei Platten ist es daher immer sinnvoll auf die deutsche bzw. europäische Herkunft zu achten, bzw. auf einen Herkunftsnachweis wie Holz von Hier, denn in Deutschland und Europa gelten im Vergleich zu anderen Weltregionen sehr strenge Gesundheitsauflagen an die Produktion.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Sicherheit. Holz brennt, jedoch wird bei massivem Holz durch die Verkohlungen um den Brandherd die Abbrandgeschwindigkeit stark verringert. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit der meisten Holzprodukte wird nach BNB mit der höchsten Haltbarkeitsstufe >50 Jahre eingestuft. In der Regel ist die Haltbarkeit von Holzprodukten im Innenbereich deutlich länger.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Strapazierfähigkeit von massiven Holzprodukten und Holzplatten ist hoch. Die die Reparaturfreundlichkeit oder modulare Austauschbarkeit ist prinzipiell gegeben hängt jedoch von Produktdesign bzw. der Befestigungsart ab.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Holzprodukte können je nach Verwendung (unbehandelt, mit Farben, Lacken oder Leimen) wiederwerwendet werden oder recycelt werden.
  • Holzprodukte werden nach ihrer Nutzung heute in Altholzkategorien AI (unbelastet) bis AIV (belastet) eingeteilt und in Deutschland thermisch verwertet oder das Altholz exportiert. AI und AII Althölzer sind heute europaweit bereits wertvolle Ersatzbrennstoffe für Öl und Gas und haben absolut nichts mit Entsorgung zu tun, sie werden im Gegenteil vielfach in regionalen Biomasseheiz(kraft)werken genutzt. Altholz wird weltweit auch stofflich genutzt z.B. in Holzplatten. Dies verbietet in Deutschland jedoch die deutsche Altholzverordnung und in Deutschland hergestellte Holzplatten könnten aber dürfen nicht Altholz enthalten. Allerdings verbietet die Verordnung nicht, dass Holzplatten mit bis zu 100% Altholzanteil nach Deutschland importiert und hier im Bau eingesetzt werden. Entsorgung von Altholz in der Müllverbrennung oder der Deponien gibt es heute quasi nicht mehr. Technisch gängige Verwertungswege für Altholz im stofflichen Recycling, die in anderen Ländern umfangreich genutzt werden, sind in Deutschland durch die deutsche Altholzverordnung ausgeschlossen.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • HOLZ VON HIER Label für besonders klima- und umweltfreundliche Holzprodukte mit Holz der kurzen Wege aus nachhaltiger Waldwirtschaft inklusive Herkunftsnachweis und Ökobilanz. Holz von Hier ist ein Klima- und Umweltlabel und hat deshalb keine eigenen Kriterien für die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, sondern verlangt Nachweise wie FM-Zertifikate nach FSC oder PEFC oder vergleichbar. (Deutschland hat weltweit gesehen sehr strenge Waldgesetze und eine seit Jahrhunderten nachhaltige Forstwirtschaft. In Deutschland sind mehr als 70% der Waldflächen, nahezu alle für den Markt bewirtschafteten Flächen mit Ausnahme von Kleinstflächen für den Eigenbedarf oder Flächen mit besonderen Vorrangfunktionen, zusätzlich nach den beiden Labeln FSC und PEFC zertifiziert).
  • FSC und PEFC Label, die weltweit die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach den jeweiligen Kriterien von FSC und PEFC nachweisen.
  • EPD sind keine Umweltlabel.


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Biodiversität: „Risiko für Biodiversitätsverluste und die Produktumweltampel“

Okapi
Bild: Okapi, ein scheuer Waldbewohner dessen Lebensraum, die ungestörten Primärwälder der Tropen, jedes Jahr ein Stück kleiner wird. Durch Raubbau aber auch legalen Einschlag über Einschlagskonzessionen der Länder mit verbliebenen tropischen Regenwäldern. Wenn wir wollen dass diese Lebensräume erhalten werden, muss die Weltgemeinschaft für den Erhalt (!) und Schutz von tropischen Primärwäldern bezahlen. (Bild: B&S gekauft für Aktionen von HvH).

Risiko für Biodiversitätsverluste und die Produktumweltampel

Biodiversität ist eine bislang wenig beachtete Umweltwirkung von Produkten, die sich kaum in existierenden Bewertungsinstrumenten oder Labeln wieder findet. Selbst im Hinblick auf Holz wird der Einfluss eines Produktes auf die Biodiversität in bestehenden Labeln nicht bewertet. In Umweltproduktdeklarationen oder Ökobilanzen fehlen entsprechende Aussagen völlig. Das spiegelt auch wieder, dass die Auswirkungen von Produkten und Produktionsweisen auf die Artenvielfalt schwer zu erfassen sind. Indikatoren werden eher umgekehrt untersucht, z.B. in Form des Zustands der Artenvielfalt bestimmter Ökosysteme. Derzeit gibt es erste Bestrebungen, sich diesem Thema anzunähern, die sich aber beispielsweise auf die Auswirkungen ganz bestimmter Bewirtschaftungsweisen von Wäldern auf die Artenvielfalt beschränken und sich nicht nur auf einen Rohstoff fokussieren, sondern Auswirkungen auch sehr lokal untersucht.

Bedeutung und Bewertung in der Produktumweltampel

In der Produktumweltampel die Holz von Hier, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, gemeinsam mit Partnerorganisationen herausgibt und kontinuierlich weiterentwickelt, wird ein neuartiger Ansatz gewählt, der eine allgemeine Abschätzung für das Risiko von Biodiversitätsverlusten ermöglicht. Die einzige hierfür geeignete verfügbare Datenquelle zur Biodiversität bzw. deren Gefährdung stellt die internationale Rote Liste von IUCN dar.

  • Die „Red List“ lässt vielfältige Auswertungsoptionen zu und ist eine solide und belastbare Datenbasis, da nur vielfach untersuchte und belegte Zusammenhänge Eingang in die Rote Liste finden.
  • Da nur ein geringer Teil der Arten der Welt derzeit überhaupt in der „Red List“ erfasst und beschrieben ist, stellen die auf die Rote Liste gestützten Aussagen der Umweltampel aber nur Mindestaussagen der Gefährdung dar, die sogar noch höher sein kann bzw. wahrscheinlich sein wird.
  • Anhand der Informationen in der Roten Liste lassen sich Gefährdungen bestimmen Weltregionen oder Ländern zuordnen, ebenso wie bestimmten Prozessen.Daher ist es möglich, den Einfluss der Gewinnung von unterschiedlichen Materialien z.B. oder unterschiedlichen Produktionsstätten auf die Gefährdung der Artenvielfalt abzuschätzen.
  • Dennoch weist der Parameter Biodiversität eine Besonderheit gegenüber anderen Parametern wie z.B. Energie oder Klima auf. Anders als bei letzteren kann im Bereich Biodiversität keine mengenbezogene Aussage zum Produkt oder Material getroffen werden, etwa nach dem Schema „1 tonne Material X hat diese Auswirkung und 2 tonnen Material X jene“.
  • Anders als z.B. hinsichtlich der Emissionen von Kohlendioxid, die man konkret beziffern kann und die auch unmittelbar wirken, ist der Artenverlust in der Regel eine Langzeitwirkung, die sich erst nach einer längeren Einwirkungsdauer zeigt.
  • Die Daten in der Roten Liste repräsentieren Gefährdungsabschätzungen und keine Mengenangaben.
  • Daher ist der neu für die Umweltampel entwickelte innovative Faktor RBL (Risk of Biodiversity Loss) keine quantitative Aussage, sondern drückt ein Risiko aus. Denn, 1) ist in der Red List nur ein Bruchteil der weltweit gefährdeten Arten genannt, 2) ist Biodiversität mehr als die Summe aller Arten und 3) sind in der Red List Mehrfachnennungen möglich, dass heist manche Arten sind durch mehrere Ursachen gefährdet, ihr Verlustrisiko ist also insgesamt wohl höher als mit dem RBL-Wert erfasst werden kann.
  • Die Produktumweltampel wird Teil der Holzinfomeile von Holz von Hier.

 

Produktumweltampel
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.