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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Nachnutzung: „Nachnutzung hängt wesentlich von den eingesetzten Materialien ab“

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Bild: Holzprodukte in der Sanierung sind optimal recyclingfähig. Altholz ist heute als Sekundärrohstoff so wertvoll, dass bei uns in der Regel kein Altholz mehr deponiert oder in der Müllverbrennung entsorgt wird – im Gegensatz zu vielen anderen Bauabbruch- und Abfallstoffen. (Bild: HvH)

Nachnutzung hängt wesentlich von den eingesetzten Materialien ab.

„Ressourceneffizienz von Anfang“ an ist heute auch für die Nachnutzung essentiell, denn nur etwa 7% der heute in Europa eingesetzten Materialien werden heute recycelt und das obwohl nicht nur Umweltverbände sondern auch viele Spitzenverbände der Industrie immer wieder die Bedeutung des Recyclings für die künftige Rohstoffversorgung anmahnen.

Das liegt vor allem auch daran, dass man sich bereits beim Einsatz der Materialien viel mehr Gedanken über deren Entsorgung oder Nachnutzung machen müsste. Recyclingfreundliche Materialien werden immer noch zu wenig belohnt.

Bereits beim Einsatz müssten diese quasi Pluspunkte bei bestehenden Fördermaßnahmen bekommen können. Hier liegt der Fokus aber beispielsweise in der Bauförderung immer noch lediglich auf dem U-Wert. Dabei wird bisher nicht bedacht: Recylingfähigkeit ist Klimaschutz.

Recylingfähigkeit ist Klimaschutz.

Ein guter U-Wert eines Baustoffes sagt im Sinne der GESAMTEN Klimabilanz entlang des gesamten Lebenszyklzus des Baustoffes nur wenig aus. Ein gutzer U-Wert kann auch mit einem extrem schlechten End-of-use Faktor gekoppelt sein (z.B. WDVS oder EPS Dämmstoffe usw.). Diese Folgen und Kosten für schlechte Nachnutzbarkeit, die sowohl für das Klima als auch die Volkswirtschaft entstehen zahlen wir alle und auch noch nachfolgende Generationen.

Die verstärkte Berücksichtigung der Nachnutzbarkeit des Materials bzw. Produktes von Anfang an, also z.B. bereits bei der Planung eines Gebäudes und die „Belohnung“ des Einsatzes sehr gut recycelbarer Materialien beim privaten und öffentlichen Bau ist – bzw. wäre – optimal klimafreundliches Bauen.

Dies wäre auch im Bereich der Nachnutzung von der EU gewünscht und volkswirtschaftlich immer notwendiger und würde bei diversen Baustoffen (auch den Kunststoffen) die Dringlichkeit der Suche nach Erhöhung der Recyclingkapazitäten deutlich befördern. Dabei wäre jedoch gerade bei den Baustoffen ein umfassender, systemischer, öffentlicher Diskurs wichtig. Bisher wird ei solcehr Diskurs mehr oder weniger nur von wenigen Experten wenig transparent geführt.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.
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Nachnutzung: „EU Abfallhierarchie“

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Bild: Altholz aus Scheunenabbruch. Altholz ist heute schon lage kein „Abfall“ mehr sondern gefragter Sekundärrohstoff, der in Europa nahezu vollstänig recycelt, wiederverwertet oder als Ersatzbrennstoff für Öl und Gas in Biomasseheizanlagen verwertet wird. (Bild: B&S)

Die EU Abfallhierarchie basiert auf: Vermeidung > Reuse > Recycling > Verwertung > Entsorgung/Deponie.

Gemäß EU-Vorgaben besteht folgende Abfallhierarchie, die allen Rechtsvorschriften und politischen Maßnahmen im Bereich der Abfallvermeidung und -bewirtschaftung als Prioritätenfolge zugrunde liegt: Abfallvermeidung, Reuse, Recycling, Verwertung, Beseitigung/Entsorgung.

(1) Abfallvermeidung hat oberste Priorität und hierzu gehört in der EU auch das Verbot von umweltgefährdenden Stoffen.

(2) Reuse oder Wiederverwendung bedeutet eine erneute Nutzung des Produktes (z.B. Pfandflasche, Second-Hand-Use), sie umfasst in der EU auch die Vorbereitung zur Wiederverwendung.

(3) Recycling ist in der Regel bezogen auf die stoffliche Verwertung und wird definiert als „jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden. Es schließt die Aufbereitung organischer Materialien ein, aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind“ (§ 3 Abs. 25 deutsches Kreislaufwirtschaftsgesetz). Gesetzlich wird erst von „Recycling“ gesprochen, wenn der Rohstoff zuvor als „Abfall“ einzustufen war. Das heist definierte Abfallstoffströme oder Teile davon werden aufbereitet, um daraus wieder vermarktungsfähige Sekundärrohstoffe oder Sekundärbrennstoffe zu gewinnen. (a) Beim Upcycling werden aus Abfallstoffen eines Prozesses hochwertigere Produkte hergestellt. (b) Beim Downcycling, wird nicht mehr die ursprüngliche Qualität oder deren Verarbeitbarkeit erreicht wie bei der Primärherstellung vor dem Recyclingprozess. Die meisten Prozesse sind Downcyclingprozesse.

(4) Verwertung bezeichnet in der Regel eine energetische Verwertung, wobei hier Stoffe verbrannt werden, mit dem alleinigen Ziel der Energiegewinnung. Die Stroffe werden direkt als Ersatzbrennstoff für Öl oder Gas genutzt.

(5) Beseitigung/Entsorgung erfolgt als Entsorgung auf der Deponie oder Verbrennung in der MVA (Müllverbrennung, Abfallverbrennung, thermische Abfallbehandlung). Auch die Verbrennung in der MVA liefert eine elektrische Energieumwandlung aus dem Heißdampf der Verbrennung, jedoch mit hohen Umwandlungsverlusten. Hier kann nicht von Ersatzbrennstoff für Öl oder Gas gesprochen werden.

Die EU-“Abfall Hierarchie“ gilt auch als Leitplanke für die Berwertung innerhalb der Produkt-Umwelt-Ampel im Faktor Nachnutzung.

 


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Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Ressourcen: „Ansätze zur Bestimmung des quantitativen Ressourcenverbrauches von Produkten“

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Bild: Palmölplantage in Asien (Thailand). Palmöl hat wohl einen der schlechtesten ökologischen Fussabdrücke aller Bioressourcen. (Bild: B&S).

Ansätze zur Bestimmung des Quantitativen Ressourcenverbrauches von Produkten.

Es existieren verschiedene Ansätze um die Frage der Ressourcennutzung zu bewerten, die sich jedoch alle auf quantitative Aspekte des Ressourcenverbrauches beziehen:

(1) ADP (Abiotic Depletion Potential)

ADP wird ausgedrückt in kg Sb-Äquivalent und stammt aus Ökobilanzen. ADP trifft eine Aussage über die verbrauchten Ressourcen in Form von Elementen (also z.B. Kupfer, Eisen, Silizium etc.). Es bewertet die Menge an für die Herstellung des Produktes verwendeten verschiedenen Materialien bezogen auf die verfügbaren Reserven dieser Materialien. Dabei werden die Materialien jeweils auf das Element Antimon (Sb) als Äquivalent bezogen. Vorteil ist eine (theoretische) Vergleichbarkeit verschiedener Produkte. Den Ressourcenverbrauch allein auf ADP-Werte zu stützen, war für die Produktumweltampel (APP zum download unter http://www.holz-von-hier.de) dennoch nicht sinnvoll, denn erstens sind hier zu wenige Daten aus EPD verfügbar und einzelne Produkte unterscheiden sich dabei kaum, was jedoch auf grundlegenden problematischen systemimmaneten Aspekten von EDP basieren könnte. Zweitens ist hier sind oft unklar, wo der Stoffstrom beginnt. Wenn zum Beispiel eine EPD für Bauelemente aus Beton die Eingangsmaterialien für Kalk, Sand, Gips angibt, ist das eine andere Eingangsvoraussetzung als eine EPD, die als Eingangsmaterial für ein Kunststoffprodukt PE-Granulat angibt, da dies an sehr unterschiedlichen Stellen im jeweiligen Stoffstrom ansetzt und nicht vergleichbar am Anfang. Drittens und am wichtigsten ist jedoch, dass ADP nur quantitative Aspekte berücksichtigt und qualitative Aspekte nicht bewertet werden. Es macht jedoch einen Unterschied, ob eine erneuerbare Ressource wie Holz oder eine endliche Ressource wie Öl oder Erze benötigt wird oder wie das Material gewonnen wurde (nahchaltig oder raubbau). Entscheidend ist auch die geografische Verteilung, also ob eine Ressource ubiquitär vorkommt oder nur konzentriert an wenigen Orten der Welt, die ggf. eventuell auch noch in Krisenregionen liegen.

(2) MIPS (Materialintensität pro Serviceeinheit)

MIPS des Wuppertal Institutes geben an, wieviel Ressourcen für ein Produkt eingesetzt werden. Dabei werden die Ressourcenverbräuche an der Grenze ihrer Entnahme aus der Natur berechnet (biotisches oder nachwachsendes Rohmaterial, abiotisches oder nicht nachwachsendes Rohmaterial), ausgedrückt duch in der Natur bewegten Tonnen. MIPS erfasst oder bewertet jedoch nicht die Emissionen oder Outputs eines Produkts oder einer Produktion sondern nur die Inputs, diese allerdings in erweiterter Form (z.B. auch Bodenbewegungen inklusieve Erosion). Aus diesem Grund ist MIPS nicht vergleichbar mit anderen Ansätzen (z.B. ADP) und sie sind sehr spezifisch auf eine bestimmte Region zugeschnitten. Verfügbare Werte liegen in der Regel für davon abweichende Regionen oder gar auf globaler Ebene nicht vor. Daher ermöglicht das MIPS Konzept keine vergleichende Aussage nach unterschiedlichen Herkünften, wie sie für die Umweltampel wichtig ist.

(3) DMC/GDP (Inländischer Materialverbrauch pro Bruttoinlandsprdukt)

DMC/GDP als Maß für die Effizienz im Sinne der Wertschöpfung, die aus einer gegebenen Materialmenge gezogen wird. DMC (inländische Materialverbrauch: Domestic Material Consumption) beschreibt die Gesamtentnahme an direkt verwertetem Material in einer Volkswirtschaft. Er ist definiert als die jährliche Menge an Rohmaterial, die aus dem inländischen Hoheitsgebiet entnommen wird, zuzüglich aller physischen Einfuhren abzüglich aller physischen Ausfuhren. Der DMC (domestic material consumption) in Verbindung mit dem Bruttoinlandsprodukt (GDP = gross domestic product) werden verbreitet als Indikator für die „Ressourceneffizienzwerte“ von Ländern genutzt.

(4) Ecological footprint

Ecological footprint gilt als Maß für den Flächenverbrauch, der mit einem bestimmten Produkt oder einer Verhaltensweise verbunden ist. Insbesondere die scheinbar leichte Vergleichbarkeit (Flächenbedarf je Produkt oder Konsumverhalten) macht eine Anwendung reizvoll. Allerdings hat sich bei der Anlayse der verfügbaren Datenquellen gezeigt, dass keine für die Umweltampel nutzbaren produktbezogenen Informationen vorhanden sind. Die Methodik und Berechnungsweisen des ecological footprint sind zudem nicht transparent und ersichtlich. Zudem sind die Aussagen hieraus wiederum mit keinem anderen Ansatz vergleichbar.

 


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Ressourcen: „Einschätzung der qualitativen Ressourcenverfügbarkeit“

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Bild: Rundholz aus nachhhaltiger heimischer Forstwirtschaft im heimischen Sägewerk, daraus wird Schnittholz mit dem Klima- und Umweltlabel Holz von Hier. (Bild: HvH)

Einschätzung der qualitativen Ressourcenverfügbarkeit durch einen innovativen neuen Faktor: „RMA Faktor“

Um die Ressourcenverfügbarkeit von Materialien einschätzen zu können sind (1) quantitative und (2) qualitative Faktoren wichtig. Für die Umweltkommunikation in den Umweltkomunikationstools „Produktumweltampel“ (gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt) und „Holzinfomeile“ (gefördert von der Bayerischen Sparkassenstiftung) der gemeinnützigen Initiative Holz von Hier wurde neben den üblichen quantitativen Aspekten bei der Betrachtung von Ressoucren (selten/häufig) auch ein wesentlicher Fokus auf qualitative Aspekte der Ressourcenverfügbarkeit gelegt (nachwachsend /endlich, ubiquitär/konzentriert). Hier wurde unter anderem auch ein innovativer Faktor RMA – Raw Material Availabilty entwickelt der diesen Aspekt abbilden kann.

Die Rohstoffverfügbarkeit ist für die Umweltwirkung von Produkten einer der essentiellen Faktoren

Die Rohstoffverfügbarkeit ist für die Umweltwirkung von Produkten einer der essentiellen Faktoren, der jedoch, so scheint es, heute vielfach unterschätzt wird. Dies spiegelt sich darin, dass die genannten Faktoren in der Abschätzung der Rohstoffverfügbarkeit bei etablierten Bewertungsansätzen noch kaum eine Rolle spielen. Diese qualitativen Faktoren können aber für die Rohstofverfügbarkeit entscheidender sein oder werden als quantitative Faktoren. Dabei ist folgendes wichtig:(1) Häufigkeit bzw. Verbreitung,(2) Streatching durch Recycling, (3) uquitäre oder konzentrierte Vorkommen.

(1) Wie ist die Häufigkeit bzw. Verbreitung der Rohstoffe weltweit?

Ein Leitartikel von Nature Geo Science aus dem Jahr 2013 titelt: „Metals for a low-carbon society“ (Metalle für die Kohlenstoffarme Gesellschaft) und postuliert, dass die Energiewende möglicherweise nur den Verbrauch einer nicht erneuerbaren Ressource (fossile Brennstoffe) durch den Verbrauch einer anderen nicht erneuerbaren Ressource (Mineralien) ersetzt.

Beispielsweise sind einige für Zukunftstechnologien bedeutsame Metalle auf politisch oder geologisch instabile Länder verteilt. Für die Herstellung von Elektrofahrzeugen, Brennstoffzellen, Windkraft und Photovoltaikanlagen sind seltene Metalle wie Lithium, Indium, Neodym, Tantal und andere heute noch essentiell. Für die Herstellung von Kommunikationstechnologien sind es Coltan und andere.

Auch in vielen Bauprodukten werden vergleichsweise sehr regional konzentriert vorkommende Erze und Mineralien eingesetzt. Diese seltenen Metalle kommen nur in wenigen Ländern der Welt vor.

Die Marktmacht dieser wenigen Anbieterregionen ist heute bereits enorm und wird noch weiter steigen. Eine Erschöpfung der eigentlichen Rohstoffvorkommen ist bei Metallen, denen Studien einen steigenden Bedarf voraussagen, bis auf wenige Ausnahmen nicht einfach absehbar.

Dagegen ist eine Versorgungsknappheit aufgrund der regionalen Verteilung der Rohstoffvorkommen sehr wahrscheinlich. Denn diese Vorkommen seltener Erze und Mineralien konzentrieren sich im wesentlichen auf China, Südafrika und Südamerika.

Die Konzentration der Metalle auf diese Länder ist aus vielen Gründen problematisch. Rohstoffreiche aber politisch instabile Länder können, wie z.B. im Falle der Coltan Vorkommen im Kongo, in schwere Konflikte gestürzt werden, was nicht nur erhebliche Auswirkungen für Umwelt und Bevölkerung hat, sondern die Rohstoffproduktion zum Erliegen bringen kann.

Länder, deren eigener Bedarf an Rohstoffen stetig wächst, könnten sich zum Stopp der Rohstoffexporte veranlasst sehen, um die heimische Nachfrage zu befriedigen, beispielsweise China. Solche Rohstoffe könnten auch als politisches Druckmittel eingesetzt werden und Länder, deren Infrastruktur Umweltkatastrophen kaum standzuhalten kann, bergen erhebliches Risiko. Zudem können (werden) Spekulationsgeschäfte diese Knappheit noch verstärken.

Neuartige Rohstofffonds „Exchange Traded Funds“ stellen einen zusätzlichen Preistreiber dar. Diese Fonds, die mit tatsächlichen Rohstoffen hinterlegt sind, führen neben dem steigenden Bedarf durch Technologien zu einer zusätzlichen Nachfrage. Gerade in Zeiten von Inflationsängsten werden Anleger bevorzugt in solche Sachwerte anlegen, was Rohstoffe weiter verknappen könnte.

Dieser also bereits heute absehbaren Versorgungsknappheit bei einigen Rohstoffen, vor allem Erzen und bestimmten Mineralien, können Länder ohne Vorkommen nur durch verstärkte Wiederverwertung und der Austauschbarkeit der Materialien bereits im Produktdesign entgegen wirken.

(2) Lässt sich die Verfügbarkeit der Rohstoffe durch Recycling strecken?

Wie recyclingfähig beim heutigen Stand der Technk sind die Rohstoffe bzw die aus ihnen gefertigten Produkte? Einige Erze und Mineralien sind zwar vom Volumen her knapp, sie werden jedoch seit langem weltweit in Kreisläufen geführt.

Beispielsweise wird geschätzt, dass etwa 80% des Aluminiums bereits in solchen Recyclingkreisläufen geführt wird. Dennoch ist auch bei solchen Materialien trotz hoher Recyclingquoten der Verlust durch „Zerstäubung“, also feinste Verteilung in die Umwelt, eine Gefahr.

Produkte die Anteile an solchen Metallen enthalten und als in der Praxis „nicht recyclingfähig“ eingestuft werden, müssten eigentlich mit Blick auf die Rohstoffverfügbarkeit als sehr negativ bewertet werden, obwohl der Rohstoff an sich prinzipiell recyclingfähig ist. So wird beispielsweise in einer Ökobilanz (EPD) für „Fassadenbleche aus Aluminium-Metall“ mit einem Aluminiumanteil von 97%, 3% Klebstoff (Polyamid) sowie einer Kunststoff-Schutzfolie gegen die Korrosion mit <1% für das Produkt als Nachnutzung die Deponie Deponieklasse angegeben (!) aufgrund der PVC-Beschichtung. Das ist aus Ressourcensicht sehr negativ.

Viele Produkte mit sehr geringen Mengen an Aluminium führen in der Masse zu einem enormen Verlust dieses seltenen Rohstoffes, weil das solchermaßen feinst verteilte „Spread“-Aluminium nicht recycelt werden kann. Beispiel für solche Massenprodukte sind Faserzement-Fassadenpanelen (Aluminiumhydroxidanteil 3-7 %), Porenbeton (Aluminiumanteil 0,05-0,1%), Ytong Steine (Alu: 0,05-0,15%).

(3) Sind die Rohstoffe uquitär oder konzentriert auf der Welt vorhanden?

Selbst die Feststellung welcher Rohstoff beispielsweise ubiquitär, also ein in großer Menge in nahezu jedem Land der Welt vorkommt, ist oft nicht einfach zu beantworten.

Beispielsweise ist „Sand“ an sich ubiquitär, als „Bausand“ wird aber eine ganz spezielle Form von „Sand“ gebraucht, die durchaus nicht überall auf der Welt in der entsprechend benötigten Qualität und Menge vorkommt und deshalb teilweise in bestimmten Weltregionen bereits knapp wird. Durch das weltweite Bevölkerungs- und Städtewachstum und die damit verbundene Bautätigkeit besteht eine enorme Nachfrage nach speziellen Sanden, deren natürliche Vorkommen zunehmend zur Neige gehen.

Der Dokumentarfilm „Sand Wars“ zeigt die Auswirkungen dieses Bausandmangels. Auch die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen sowohl des legalen als auch illegalen Sandabbaues und -handels sind beachtlich. In Indien gehören Berichte über illegalen Sandabbau zu den Alltagsnachrichten. Das Emirat Dubai hat zwar viel Sand, doch dieser hat nicht die Eigenschaften, die einen guten Bausand auszeichnen. Stattdessen wurde für die zahlreichen Bauvorhaben Sand aus dem Meer verwendet. Weil diese Vorkommen mittlerweile nahezu erschöpft sind, importiert Dubai Bausand aus Australien. (Infos aus: Christoph Hein: Singapur hortet Sand. FAZ, 2007; Strände in Gefahr? arte Future; The Times of India; Das harte Geschäft mit Sand. ORF.at news, 2014).


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Ressourcen: „Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist überlebensnotwendig“

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Bild: Abwärme. Ressourcenverschwendung ist nicht nachhaltig. Ungenutzte Abwärme ist einer von vielen Aspekten für unsere heutige Ressourcenverschwendung. (Bild: gekauft, photocase, B&S).

Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und Effizienz im Ressourcenverbrauch werden überlebensnotwendig.

„Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz darf nicht erst am Ende der Nutzungsphase beim Recycling ein Thema sein. Ressourcenschonung von Anfang an, im gesamten Stoffstrom wird immer wichtiger“ (Holz von Hier).

Die Weltwirtschaft ist auf Energie und Rohstoffe angewiesen. Der nachhaltige Umgang damit wird immer essentieller für die Umwelt, alle Menschen und die Wirtschaft selbst. Gleichzeitig müssen überlebensnotwendige Güter wie Klima, Wasser, Boden und Biodiversität geschützt werden. Weltweite Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Wasser, Lebensmittel und Energie werden zunehmen, wenn die Weltgemeinschaft nicht gemeinsam handelt.

Weltweit wurden im Jahr 2009 über 68 Mrd. Tonnen an Rohstoffen eingesetzt, rund ein Drittel (!) mehr als noch im Jahr 2000 (ca. 50 Mrd. Tonnen), zwei Drittel mehr als im Jahr 1990 (ca. 42 Mrd. Tonnen) und etwa doppelt so viel wie Ende der 1970er Jahre (Krausmann et al., 2009, vgl. Abb. 1).

Die ineffiziente Verwendung von Ressourcen ist heute höher denn je. Der World Business Council on Sustainable Development schätzt, dass bis 2050 die weltweite Ressourceneffizienz 4 – 10 fach erhöht werden müsste und dass bis 2020 erhebliche Verbesserungen notwendig sind (EU Kommission 2011, Fahrplan für ressourcenschonendes Europa).

Natürliche Ressourcen sind Wasser, Luft, Boden, Biodiversität sowie biogene und abiotische Rohstoffe. Die wichtigsten abiotischen Rohstoffe lassen sich unterteilen in fossile Energie, Erze, Industriemineralien und Baumineralien.

Laut EU Kommission machen die Bereiche Gebäude, Mobilität und Ernährung zusammen 70-80% des Ressourcenverbrauches in Europa aus.

 


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