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Gesundheit: „REACH Verordnung – best practise mit Schwachstellen“

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Bild: Chemische erzeugte Substanzen in Produkten unterliegen in Europa Auflagen. (Bild: gekauft photocase, B&S, http://www.holz-von-hier.de)

REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 der EU – Best practise im weltweiten Vergleich

Die europäische REACH Verordnung ist derzeit weltweit das am weitesten gehende Instrument für den Verbraucherschutz im Hinblick auf gesundheitsgefährliche Substanzen in Produkten. Etwas Ähnliches gibt es außerhalb Europas für Produkte nicht (oder ist uns nicht bekannt).

Die REACH-Verordnung ist mit dem Ziel erlassen worden, zu einer Vereinheitlichung in der Bewertung gesundheitlicher Gefahren in der Herstellung und Verwendung von Substanzen und Chemikalien beizutragen. Sie soll bestehende Produktgruppenbezogene Regulierungen ergänzen. Sie stellt damit einen europaweit einheitlichen Bezugsrahmen für die Verwendung von Chemikalien dar und soll einen hohen Gesundheitsschutz sicherstellen.

REACH Verordnung

In der europäischen Produktion (!) sind durch die REACH-Verordnung bereits 62 Substanzen wegen ihres hohen Gesundheitsgefährdungspotentials verboten bzw. mit Grenzwerten belegt oder in der Nutzung eingeschränkt. Es sind dies vor allem Krebs erzeugende, das Erbgut oder die Fruchtbarkeit schädigende sowie hoch toxische Substanzen. Die europäische REACH-Verordnung setzt Grenzwerte innerhalb der EU für solche besonders gesundheitsgefährliche Substanzen fest.

REACH „Kandidatenliste“

Zudem wurde eine REACH Kandidatenliste erstellt, auf der (bisher) weitere 146 Substanzen gelistet sind. Diese sollen irgendwann verboten oder Beschränkungen unterlegt werden. Die Substanzen auf der REACH Kandidatenliste dürfen aber heute auch in der EU noch angewendet werden, obwohl die EU sie bereits als hoch krebserregend, erbgutschädigend, toxisch usw. eingestuft hat. Bei jeder dieser Substanzen wird und soll über langwierige wissenschaftliche Prüfungen herausgefunden werden, welche Grenzwerte man für diese Substanzen innerhalb der EU einhalten will.

REACH richtet sich vor allem an Hersteller

REACH richtet sich in erster Linie an die Hersteller und Importeure, welche Stoffe als solche und/oder Stoffe in Zubereitungen mit mehr als einer Tonne pro Jahr in der Europäischen Union herstellen oder in die Europäische Union importieren.

Endanwendern, also z.B. Architekten oder Heimwerker sind die entsprechenden Informationen unter REACH (z.B. Sicherheitsdatenblätter) nicht verpflichtend zugänglich.

Das 3-stufige Vorgehen bei REACH

  • (Stufe 1) Registrierung. Die Hersteller und Importeure von Chemikalien sollen ihre chemischen Stoffe (selbst !) bewerten und bei der europäischen Zulassungsbehörde ECHA registrieren.
  • (Stufe 2) Evaluierung. Die Aufgabe der europäischen Behörden ist es, die Registrierungen der Unternehmen zu bewerten. Allerdings werden nur 5 Prozent aller Registrierungsdossiers auf ihre Qualität geprüft !
  • (Stufe 3) Zulassung und Beschränkung. Mit bestimmten Ausnahmen (z. B. Pestizide) unterliegen chemische Stoffe in der EU keiner Zulassungspflicht. REACH fordert eine Zulassungspflicht für besonders besorgniserregende Stoffe so genannte SVHC. Auf Antrag kann die ECHA (die zuständige europäische Stelle/Behörde) eine Zulassung aussprechen. Dazu muss der Antragstellende nachweisen, dass die Risiken der Chemikalie beherrscht werden oder dass der sozioökonomische Nutzen der Verwendung größer als das Risiko ist. Es gibt auch die Möglichkeit, die Herstellung, das in Verkehr bringen oder die Verwendungen von Chemikalien zu verbieten oder einzuschränken.
  • REACH setzt dabei stark auf Eigenverantwortung der Hersteller. Bis heute wurde eine regelrechte Flut solcher Anträge eingebracht und die Überprüfung kann lange dauern. Dabei setzt die REACH-Verordnung stark auf die Eigenverantwortung von Unternehmen als einem wesentlichen Element. Die Fremdüberwachung ist hier wesentlich geringer ausgeprägt, als z.B. bei anderen Regularien (z.B. Bericht Ökoinstitut).

REACH Verordnung und ihre Schwachstellen

Aber die REACH Verordnung hat natürlich auch ihre Schwachstellen. Die REACH-Verordnung dient zunächst einmal vor allem der Beurteilung der Gefährlichkeit von Substanzen in Produkten. Hieraus wird nicht abgeleitet, dass Produkte, die der REACH-Verordnung unterliegen gesundheitlich unbedenklich sind.

Hierzu ist das Instrument der Verordnung aus verschiedenen Gründen nicht durchgreifend genug, wie im Folgenden an einigen Aspekten erläutert wird (Quelle: UBA Texte 18/2011).

REACH hat als erste Stufe die Registrierung von Stoffen vorgesehen, die für eine Anwendung in der EU gedacht sind. Mit der Registrierung soll der Hersteller des Stoffes nach möglichem Ermessen alle Anwendungen hinsichtlich der Gefährdungen beurteilen, die hiervon ausgehen können. Hierzu sind Stoffsicherheitsbeurteilungen einzureichen.

Bei der Stoffsicherheitsbeurteilung im Rahmen von REACH stehen quantitative Überlegungen im Zentrum. Gefährliche Stoffe würden also mit der Verordnung nicht etwa gänzlich aus Erzeugnissen verschwinden, sondern nur unterhalb von Grenzwerten vorliegen. Zudem sind gründliche Stoffsicherheitsbeurteilungen erst ab einer Produktionsmenge von über 10 t pro Jahr und Hersteller verpflichtend. Bei einer Produktionsmenge von unter 1 t pro Jahr und Hersteller oder Importeur entfällt auch diese Registrierungspflicht.

Die Registrierungspflicht ist im Falle von Erzeugnissen, bei denen eine Freisetzung von problematischen Stoffen nicht beabsichtigt ist, sondern nur nicht ausgeschlossen werden kann (betrifft aber die meisten Produkte), auf besonders besorgniserregende Substanzen beschränkt.

Weitergehende Schutzmaßnahmen sieht REACH allerdings nur für sehr Besorgnis erregende Stoffe (SVHC) vor. Und diese auch nur ab einer Menge von 1 t pro Jahr und Hersteller oder Importeur sowie bei einem Gehalt von mehr als 0,1 Masseprozent der Substanz in einem Erzeugnis.

Die Verordnung ermöglicht den Erlass einer Zulassungspflicht für bestimmte SVHC. Allerdings greift diese für viele Substanzen erst in sehr langen Zeiträumen.

Darüber hinaus gilt diese Zulassungspflicht nur für SVHC bei einer Produktion in Europa und nicht bei Import der besagten Substanz oder des sie beinhaltenden Erzeugnisses. Für solche SVHC besteht für den Hersteller der Substanz eine Informationspflicht, d.h. er muss alle nach gelagerten Abnehmer (!?!) über die SVHC und den gefahrlosen Umgang mit diesen informieren. Das wäre bzw. ist Grundvoraussetzung dafür, dass ein Verarbeiter/Händler überhaupt eine Entscheidung für Alternativen treffen kann! Ob dies in der Realität passiert ist für uns bisher fraglich oder ungeklärt.

Problematisch ist dabei für Kunden aber folgendes:

  • Schwachstelle 1) Es stehen noch lange nicht alle potenziell gefährlichen Substanzen auf der Kandidatenliste bei REACH!
  • Schwachstelle 2) Die Informationen zur Stoffsicherheitsbeurteilung erfolgen durch den Hersteller selbst.
  • Schwachstelle 3) Bei einer Fülle bzw. einem Großteil an Substanzen ist jedoch eine umfassende Kenntnis über die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit heute noch gar nicht vorhanden.
  • Schwachstelle 4) Eine Zulassungspflicht und damit wirksame Regelung des Einsatzes einer Substanz gelten zudem nur im Falle der Herstellung in Europa. Wird ein Erzeugnis nach Europa importiert, das Substanzen enthält, die bei REACH gelistet sind, fällt dies nicht in den Wirkungsbereich der Verordnung. Ein solches Produkt aus Import aus dem außereuropäischen Ausland kann also weiterhin sogar besonders besorgniserregende Stoffe enthalten (!).
  • Schwachstelle 5) Wie immer ist die Kontrolle solcher Verordnungen schwierig, vor allem bei Importprodukten in die EU. Ein UBA-Forschungsprojekt hat bereits bei wenigen stichprobenhaften Analysen zahlreiche Verletzungen von Vorgaben im Rahmen der REACH-Verordnung (und anderen Regularien) festgestellt im Falle von Substanzen, die bereits jetzt einem Verbot unterliegen.

Schützen Sie sich durch Wissen: erfahren Sie mehr über gesundheitsgefährliche Substanzen in Baustoffen mit der Produktumweltampel (APP zum download unter http://www.holz-von-hier.de)

REACH verbietet solche Substanzen bzw. unterlegt sie Grenzwerten, die man bereits als extrem toxisch, kanzerogen (krebserregend), erbgutschädigend, das Kind im Mutterleib schädigend, Gewässer gefährdend usw. eingestuft hat, die also gravierende, bereits bekannte Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt haben.

Aber TÄGLICH werden neue Substanzen entwickelt, kommen auf den Markt und finden sich in Produkten, von denen bisher niemand realistisch weiß, welche Auswirkungen sie haben.

  • Je naturnaher und weniger weiter verarbeitet ein Produkt ist, desto eher kann man davon ausgehen, dass keine solchen Substanzen enthalten sind.
  • Da die Europäische REACH Verordnung weltweit führend ist, sind natürlich auch die in Europa hergestellten Produkte in dieser Hinsicht führend. In anderen Ländern der Welt dürfen noch Substanzen in Produkten vorkommen, die bei uns längst verboten sind  oder Grenzwerten unterliegen.
  • Achten Sie beim Produktkauf deshalb auf die Herkunft (z.B. Herkunftslabel wie Holz von Hier) und auf Label, die bestimmte  Substanzen de fakto in Produkten ganz ausschließen wie z.B. Formaldehyd (z.B. Blauer Engel, Natureplus).
  • Nutzen Sie den Infobereich der Produktumweltampel, auf dem die REACH Substanzen gelistet sind, bei ihrem nächsten Einkauf. Falls sie Inhaltsangaben auf Produkten finden, lesen Sie nach, ob sich eine REACH relevante Substanz in den Produkten befindet.
  • Fragen Sie einfach nach ob das Produkt, das sie kaufen wollen folgenden Substanzen enthält: Flammschutzmittel, Weichmacher, Schäumungs-/Bläh/-Treibmitttel, Stabilisatoren, Porenbildner, Härter, Harze, Beschichtungen oder Korrosionsschutz. Hier sollten Sie dann besonders auf REACH relevante Substanzen achten. Fragen Sie nach, welche Substanzen hier enthalten sind und vergleichen Sie die Substanzen mit der REACH-Tabelle auf ihrer Produktumweltampel.
  • Auch bei Farben und Lacken ist die Gefahr von gesundheitsgefährlichen Substanzen durchaus gegeben. Fragen Sie auch hier nach und prüfen Sie die Substanz auf Ihrer Liste der Produktumweltampel.
  • Lesen Sie die weiteren Infos im Bereich Gesundheit im Montags-Blog und die Baustoff-Steckbriefe im Freitags-Blog.
  • Jeder Hersteller oder Händler ist laut EU verpflichtet, Ihnen Auskunft zu geben, ob sein Produkt REACH relevante Substanzen enthält. Bei welchen Produktgruppen Sie hier besonders achtsam sein sollten, sagt Ihnen die Produktumweltampel im Bereich Gesundheit.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. Natürlich wurde aus Zeitgründen nicht jeder Beitrag im HvH-Blog vorher mit dem Kuratorium oder Beiräten bei HvH abgestimmt. Deshalb ist es möglich, dass es hier teils abweichende oder differenzierte Meinungen gibt. Generell dienen aber alle Blogs sowieso nur dazu, dass jeder sich eigene Gedanken machen kann. Diskurs über die Beiträge ist natürlich sehr erwünscht.
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Baustoffe: „Glasfaserbeton Fassadenplatte“

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Bild: Gebäude mit Betonplatten und modernen Holzfenstern. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt von ProHolzfenster e.V.)

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Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
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Glasbeton-Fassadentafeln: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Glasfaserbeton ist ein Verbundwerkstoff aus Beton und Glasfasern. Die Fasern verbessern die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials. Zementbasierte Fassadenplatten und Fliesen gibt es in zahlreichen Formen und Farben, sogar Mustern. Vielfach werden sie heute im mehrgeschossigen Gewerbebauten oder bei Bürogebäuden eingesetzt. Die Platten können wie jedes Fassadenmaterial individuell zugeschnitten bezogen werden. Glasfaserzementfassaden sind wie alle anderen Fassaden witterungsbeständig sowie einfach und wetterunabhängig montierbar.

Die RWTH Aachen (Kompetenzzentrum Textilbeton) schreibt auf ihrer Website (zusammen gefasst): „Beton ist leicht formbar und preiswert. Für Gebäude tragfähig wird er jedoch erst durch eine Betonbaustahlbewährung (Stahlbeton). Wegen der hohen Korrosionsanfälligkeit ist hier eine Betondeckung mit Reinbeton von mehreren Zentimetern erfordert. Mit dem Ziel dünnwandige Bauteile zu realisieren wurde diese Stahlbewährung durch nichtmetallische Kurzfasern wie Glasfaser ersetzt. Wegen der ungerichteten Verteilung der Kurzfasern im Feinbeton wirkt aber nur ein kleiner Anteil der Fasern festigkeitssteigernd“. Daher beschränkt sich der Anwendungsbereich von Faserbeton auch Glasfaserbeton im Wesentlichen auf mechanisch gering belastete Bauteile. Vorteile von Faserbetonprodukten, wie Glasfaserbetonprodukte, gegenüber Stahlbeton ist, sie sind korrosionsfrei und erfordern keine starke Betondeckung zum Schutz der Bewehrung gegen Korrosion. Die Stabilität ist offensichtlich durch Textilfaserbeton verbessert, dies ist jedoch ein noch nicht marktgängiges Produkte (unserer Kenntnis nach).

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Beton besteht im wesentlichen aus Zement und Additiven. Zement besteht im Wesentlichen aus Zementklinker (72 bis 79%) und Gips (17%). Gips im Zement ist in deutscher Produktion (!) im wesentlichen Naturgips (75%) und weniger REA Gips aus der Industrie (25%). Zementklinker besteht im wesentlichen aus Kalkstein/Kreide (83%), Sand (8%), Bauxit (1-2) und Flugasche 6-7%. Inhaltsstoffe für Glasfaserbeton-Platten sind laut EPD (angenommen): 82% Portlandzement, 6% Trass, 2,5% Zellstoff, 3,5 Polyvinylalkohol-Fasern, 6,5 % Farbe.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) GIPS: Gips wird aber in 80 Ländern der Welt gewonnen, die drei führenden Länder sind China mit 55,3%, USA mit 6,8% und Iran mit 5,6% der Weltproduktion an Gips. (2) KALK: Hauptabbauland für Kalkstein ist China 63,4%, gefolgt von USA 5,4% und Indien 4,3%. Deutschland hält 1,9% der weltweiten Kalksteinproduktion. (3) BAUXIT: Bauxit kommt weltweit nur in 26 Länder vor, die drei Hauptländer sind Australien 30%, China 18% und Brasilien 13%. Deutschland hat kein eigene Bauxitvorkommen.
  • Reichweite. Die Reichweite von Gips und Kalk liegt bei >> 100 Jahren, von Bauxit bei 108 Jahren (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. Zement besteht aus Zementklinker und Gips und im Zementklinker aus Kalkstein/Kreide, Sand, Bauxit und Flugasche. (1) Beispiel GIPS: Deutschland produziert jährlich etwa 2 Mio. Tonnen Gips (0,8% der Weltgipsproduktion) und könnte damit im Wesentlichen den eigenen Bedarf decken. Dennoch wird auch Gips importiert jährlich 0,12 Mio. t und vor allem auch Waren aus Gips (z.B. 0,14 Mio. Tonen Gipsplatten). (2) Beispiel KALK: Deutschland produziert jährlich 6,7 Mio. t Kalk und importiert ca. 2 Mio. t, v.a. aus Österreich, Belgien, Polen und Frankreich (bis > 1.100 km). (3) Beispiel BAUXIT: Deutschland hat keine eigenen Vorkommen und importiert seinen Bedarf von jährlich 2 – 2,4 Mio. Tonnen Bauxit weltweit (z.B. aus Australien, China, Brasilien). (4) Beispiel BETONPRODUKTE selbst: Deutschland produziert jährlich große Mengen an Portlandzement (32 Mio. t), Transportbeton (34 Mio. t) und Porenbeton (31 Mio. t) und etwa 0,7 Mio. t Leichtbeton, Betonplatten und Betonsteine, importiert aber auch 1,6 Mio. t Betonprodukte wie Leichtbetonplatten und Leichtbetonsteine.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellten Faserzementfassadentafeln halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Gemessene Werte zu Formaldehyd, VOC und Kanzerogenen liegen in den untersuchten EPD nicht vor, mit dem Vermerk, dass das Produkt nur im Außenbereich angebracht wird.
  • REACH-RISK (Risiko für Gesundheitsgefährliche Substanzen nach REACH). Im Materialbereich Zement finden sich potentiell 5 Substanzen auf der REACH-Kandidatenliste, hinzu kommen eventuell Substanzen aus den Klebern, Haftvermittlern oder Anstrichen.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Glasfaserzement an sich ist nicht brennbar. Falls die Fassade aber mit einem Kunststofflayer imprägniert wurde ist die Brandgefahr aber wohl erhöht (wie stark ist uns hier nicht bekannt).
  • Haltbarkeit. Vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird bei Faserzementfassaden (und auch anderen Fassaden z.B. auch Holzfassaden) eine Haltbarkeit von 50 Jahren angegeben. Das ist die höchste vom BBSR vergebene Haltbarkeitsstufe.
  • Strapazierfähigkeit. Glasfaserzementfassaden gelten als witterungsbeständig. Im Internet werden aber auch für Glasfaserzementplatten Witterungsanstriche empfohlen (siehe unten).
  • Pflege. Absolut jede Fassade braucht Pflege, auch Glasfaserzementfassaden. Nach Herstellerangaben sind die Ansprüche an Wartung und Pflege aber gering. In Internetchats werden zur Pflege streichbare Hydrophobierungsmittel aus Kunststoffbasis empfohlen (aber siehe unten). Weiterhin reichen die Pflegetipps im Netz von „behandeln mit dem Hochdruckreiniger“ bis hin zu „aufbringen von Acrylfarbe alle 5 Jahre“.
  • Reparaturfreundlichkeit. Der Austausch beschädigter größere Fassadenplatten kann nur von Fachleuten ausgeführt werden. Beschädigte Platten (z.B. Frostrisse und anders) können nur als ganzes ausgetauscht werden.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Hauptweg ist heute die Entsorgung auf Bauschuttdeponien.
  • Galsfaserbetonplatten könnten je nach Befestigungssystem (Kleber, Schrauben, Nagelsysteme) theoretisch auch zerstörungsfrei abgenommen werden. Unbeschädigt und sortenrein könnten sie theoretisch wiederverwertet werden (ist in der Praxis sicher äußerst selten der Fall).
  • Sortenrein könnten sie theoretisch auch als Zuschlagstoff und Bauschutt für Straßen- und Wegebau verwendet werden.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Uns bisher keine bekannt.
  • Umweltproduktdeklarationen (EPD) von Herstellern sind KEINE unabhängigen Umweltlabel.


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Gesundheit: „Die Europäische REACH Verordnung“

Labor

Bild: Täglich werden neue Substanzen entwickelt und kommen auf den Markt und finden sich in Produkten von denen bisher niemand realistisch weiss welche Auswirkungen sie haben. (Bild: B&S gekauft photocase für HvH Infomaterial)

Die Europäische REACH Verordnung – Gesundheitsgefährliche Substanzen und der Versuch der EU diese Substanzen über Regelwerke einzugrenzen.

Grundsätzlich bestehen hinsichtlich der Abschätzung der Wirkung von Produkten auf die menschliche Gesundheit nicht nur enorme methodische Schwierigkeiten sondern auch heftige Kontroversen, wie das Beispiel der Kontroversen um die Gesundheitsauswirkungen von Mobilfunkmasten zeigt. Ein nur schwer zu durchschauender Dschungel an Regelwerken versucht, negative Auswirkungen auf den Menschen durch Verwendung von Substanzen in Erzeugnissen zu minimieren. Dies reicht von sehr produktspezifischen Richtlinien und Verordnungen, wie z.B. der Spielzeugrichtlinie oder der Bauproduktenverordnung bis hin zu übergreifenden Regelwerken und Systemen wie auch der Europäischen REACH-Verordnung.

  • Anmerkung. Europäische Richtlinien in Bezug auf gesundheitsgefähliche Substanzen sind z.B: Richtlinie 76/769/EWG des Rates zu Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung gewisser gefährlicher Stoffe und Zubereitungen // Richtlinie des 67/548/EWG des Rates für die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung usw. // Entscheidung 81/437/EWG der Kommission zum Verzeichnis der chemischen Stoffe (Altstoffverzeichnis EINECS) // EU/GD XI/IPS, September 1992 zur informellen Festlegung von Prioritäten Richtlinie 76/464/EWG des Rates zur Ableitung bestimmter gefährlicher Stoffe in die Gewässer // Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates und Verordnung (EG) Nr. 1488/94 der Kommission zur Risikobewertung chemischer Altstoffe // Richtlinie 91/414/EWG des Rates über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln // Richtlinie 93/67/EWG der Kommission zur Risikobewertung von neuen chemischen Stoffen.

Die Europäische REACH Verordnung ist weltweit führend im Kampf gegen gesundheitsgefährliche Substanzen in Produkten ! – aber dennoch eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Im Hinblick auf die Einschätzung der Wirkung von Substanzen muss man dabei zudem aber folgendes bedenken: täglich werden neue Substanzen entwickelt und kommen auf den Markt. Nachweisverfahren für diese Substanzen sind teilweise erst noch zu entwickeln und sehr aufwändig. Eine Beurteilung der Gesundheitswirkung ist noch viel schwieriger und langwieriger. Eine Wirkungsprüfung hängt hoffnungslos zeitlich hinter der Neuentwicklung von Substanzen hinterher (siehe Prozeduren unter der REACH-Verordnung).

Zudem ist auch die Information über die Emissionen von potenziell gefährlichen Substanzen sehr lückenhaft. Die Europäische Umweltagentur schreibt hierzu: „Bisher liegen nur wenige Emissionsdaten vor, doch in allen Umweltkompartimenten, auch im tierischen und menschlichen Organismus, sind chemische Stoffe vorzufinden. Im Europäischen Altstoffverzeichnis sind mehr als 100.000 chemische Verbindungen aufgeführt.

Die Bedrohung, die von vielen dieser Chemikalien ausgeht, läßt sich nicht genau beurteilen, da über ihre Konzentrationen und die Wege und Formen ihrer Anreicherung in der Umwelt sowie über damit zusammenhängende Auswirkungen auf Menschen und andere Lebensformen zu wenig bekannt ist.“

Wird eine bestimmte Substanz als gesundheitsschädlich erkannt und Ihre Anwendung in der Produktion verboten, setzen Hersteller oft ähnliche oder analoge Substanzen ein, die eine ähnliche Funktion erfüllen, aber noch nicht verboten sind.

Auch die Prüfung von Substanzen im Rahmen der REACH Verordnung dauert sehr lange und ist auch nur lückenhaft. Vielfach werden kritische potenziell gesundheitsgefährliche Substanzen mit dem Hinweis eingesetzt, dass „bei sachgemäßer Anwendung“ eine Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeschlossen werden könne. So z.B. bei vielen Bauprodukten, denen Unbedenklichkeit attestiert wird, da sie nicht mit der Innenraumluft in Verbindung kommen würden. Allerdings ist die potenzielle Beeinträchtigung durch z.B. nicht ganz ordnungsgemäße Verwendung, im Schadensfall (z.B. Brand) oder bei Einbau, Sanierung und Rückbau dadurch nicht ausgeschlossen.

Schützen Sie sich durch Wissen: erfahren Sie mehr über gesundheitsgefährliche Substanzen in Baustoffen mit der Produktumweltampel (APP zum download unter http://www.holz-von-hier.de)

REACH verbietet solche Substanzen bzw. unterlegt sie Grenzwerten, die man bereits als extrem toxisch, kanzerogen (krebserregend), erbgutschädigend, das Kind im Mutterleib schädigend, gewässergefährdend usw. eingestuft hat, die also gravierende, bereits bekannte Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt haben.

Aber TÄGLICH werden neue Substanzen entwickelt, kommen auf den Markt und finden sich in Produkten, von denen bisher niemand realistisch weiß, welche Auswirkungen sie haben.

  • Je naturnaher und weniger weiter verarbeitet ein Produkt ist, desto eher kann man davon ausgehen, dass keine solchen Substanzen enthalten sind.
  • Da die Europäische REACH Verordnung weltweit führend ist, sind natürlich auch die in Europa hergestellten Produkte in dieser Hinsicht führend. In anderen Ländern der Welt dürfen noch Substanzen in Produkten vorkommen, die bei uns längst verboten sind  oder Grenzwerten unterliegen.
  • Achten Sie beim Produktkauf deshalb auf die Herkunft (z.B. Herkunftslabel wie Holz von Hier) und auf Label, die bestimmte  Substanzen de fakto in Produkten ganz ausschließen wie z.B. Formaldehyd (z.B. Blauer Engel, Natureplus).
  • Nutzen Sie den Infobereich der Produktumweltampel, auf dem die REACH Substanzen gelistet sind, bei ihrem nächsten Einkauf. Falls sie Inhaltsangaben auf Produkten finden, lesen Sie nach, ob sich eine REACH relevante Substanz in den Produkten befindet.
  • Fragen Sie einfach nach ob das Produkt, das sie kaufen wollen folgenden Substanzen enthält: Flammschutzmittel, Weichmacher, Schäumungs-/Bläh/-Treibmitttel, Stabilisatoren, Porenbildner, Härter, Harze, Beschichtungen oder Korrosionsschutz. Hier sollten Sie dann besonders auf REACH relevante Substanzen achten. Fragen Sie nach, welche Substanzen hier enthalten sind und vergleichen Sie die Substanzen mit der REACH-Tabelle auf ihrer Produktumweltampel.
  • Auch bei Farben und Lacken ist die Gefahr von gesundheitsgefährlichen Substanzen durchaus gegeben. Fragen Sie auch hier nach und prüfen Sie die Substanz auf Ihrer Liste der Produktumweltampel.
  • Lesen Sie die weiteren Infos im Bereich Gesundheit im Montags-Blog und die Baustoff-Steckbriefe im Freitags-Blog.
  • Jeder Hersteller oder Händler ist laut EU verpflichtet, Ihnen Auskunft zu geben, ob sein Produkt REACH relevante Substanzen enthält. Bei welchen Produktgruppen Sie hier besonders achtsam sein sollten, sagt Ihnen die Produktumweltampel im Bereich Gesundheit.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


 Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. Natürlich wurde aus Zeitgründen nicht jeder Beitrag im HvH-Blog vorher mit dem Kuratorium oder Beiräten bei HvH abgestimmt. Deshalb ist es möglich, dass es hier teils abweichende oder differenzierte Meinungen gibt. Generell dienen aber alle Blogs sowieso nur dazu, dass jeder sich eigene Gedanken machen kann. Diskurs über die Beiträge ist natürlich sehr erwünscht.


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Baustoffe: „Eternit Putzträgerfassadenplatten“

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Bild: Verputzte Zementfassaden sind heute bei mehrstöckigen Bauten häufig. (Bild: gekauft, s. http://www.holz-von-hier.de)

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Eternit-Putzträgerplatten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Eternit-Putzträgerplatten bestehen aus Faserzementplatten mit einem aufgebrachten Außenputz. Faserzement ist ein Verbundwerkstoff aus Zement und Fasern, der größtenteils unter dem Markennamen Eternit vertrieben wird. Die Fasern verbessern die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials. Zementbasierte Fassadenplatten und Fliesen gibt es in zahlreichen Formen und Farben, sogar Mustern. Vielfach werden sie heute im mehrgeschossigen Gewerbebauten oder bei Bürogebäuden eingesetzt. Die Platten können wie jedes Fassadenmaterial individuell zugeschnitten bezogen werden. Faserzementfassaden sind wie alle anderen Fassaden witterungsbeständig sowie einfach und wetterunabhängig montierbar.

Früher wurden im Faserzement bis zu 10% Asbestfasern verwendet. Asbest ist heute in der EU als extrem gesundheitsgefährend eingestuft und deshalb bei der europäischen Produktion Grenzwerten unterlegt und in Deutschland ganz verboten. Verbote gelten zwar auch für andere Länder außerhalb der EU aber eben nicht für alle. Aus gesundheitlichen Gründen sollte deshalb unbedingt auf deutsche bzw. europäische Produktion geachtet werden, da Importe teilweise noch Asbestfasern enthalten könnten. Die Asbestfasern werden heute großteils durch Glasfasern, Kohlenstofffasern oder Kunststofffasern ersetzt.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Beton besteht im Wesentlichen aus Zement und Additiven. Zement besteht im Wesentlichen aus Zementklinker (72 bis 79%) und Gips (17%). Gips im Zement ist in deutscher Produktion (!) im wesentlichen Naturgips (75%) und weniger REA Gips aus der Industrie (25%). Zementklinker besteht im wesentlichen aus Kalkstein/Kreide (83%), Sand (8%), Bauxit (1-2) und Flugasche 6-7%. Inhaltsstoffe für Faserzement-Fassadenpanelen sind laut EPD: 35-40% Portlandzement, 50-55% Quarzsand, 5-10% Zellstoff und 3-7 % Aluminiumhydroxid.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) GIPS: Gips wird aber in 80 Ländern der Welt gewonnen, die drei führenden Länder sind China mit 55,3%, USA mit 6,8% und Iran mit 5,6% der Weltproduktion an Gips. (2) KALK: Hauptabbauland für Kalkstein ist China 63,4%, gefolgt von USA 5,4% und Indien 4,3%. Deutschland hält 1,9% der weltweiten Kalksteinproduktion. (3) BAUXIT: Bauxit kommt weltweit nur in 26 Länder vor, die drei Hauptländer sind Australien 30%, China 18% und Brasilien 13%. Deutschland hat kein eigene Bauxitvorkommen.
  • Reichweite. Die Reichweite von Gips und Kalk liegt bei >> 100 Jahren, von Bauxit bei 108 Jahren (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. Zement besteht aus Zementklinker und Gips und im Zementklinker aus Kalkstein/Kreide, Sand, Bauxit und Flugasche. (1) Beispiel GIPS: Deutschland produziert jährlich etwa 2 Mio. Tonnen Gips (0,8% der Weltgipsproduktion) und könnte damit im Wesentlichen den eigenen Bedarf decken. Dennoch wird auch Gips importiert jährlich 0,12 Mio. t und vor allem auch Waren aus Gips (z.B. 0,14 Mio. Tonen Gipsplatten). (2) Beispiel KALK: Deutschland produziert jährlich 6,7 Mio. t Kalk und importiert ca. 2 Mio. t, v.a. aus Österreich, Belgien, Polen und Frankreich (bis > 1.100 km). (3) Beispiel BAUXIT: Deutschland hat keine eigenen Vorkommen und importiert seinen Bedarf von jährlich 2 – 2,4 Mio. Tonnen Bauxit weltweit (z.B. aus Australien, China, Brasilien). (4) Beispiel BETONPRODUKTE selbst: Deutschland produziert jährlich große Mengen an Portlandzement (32 Mio. t), Transportbeton (34 Mio. t) und Porenbeton (31 Mio. t) und etwa 0,7 Mio. t Leichtbeton, Betonplatten und Betonsteine, importiert aber auch 1,6 Mio. t Betonprodukte wie Leichtbetonplatten und Leichtbetonsteine.

Infos zur Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Etrenit-Putzträgerplatten halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein. Aus analysierten EPD liegen folgende Werte vor: (1) Formaldehyd und Kanzerogene liegen nicht vor mit der Angabe „es werden keine REACH-relevanten Substanzen bei der Produktion eingesetzt“. (2) Werte zu VOC werden bei deutscher Produktion angegeben in: TVOC-28-Tage: 24 µg/m3, VOC o. NIK-28-Tage: < 5 µg/m3; TSVOC-28-Tage: < 5 µg/m3. (3) Einige Daten lagen zu Eluatanalysen vor. Substanzen über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung waren hierbei: Chromat <0,01 (GW = 0); CSB-Wert < 15 mg/l (GW = 0), TOC 3,8 (GW = 0); AOX 0,026 mg/l (GW=0). Bei einer Deponierung könnten solche Eluate Gefährdungen für die Umwelt verursachen und sind auszuschließen.
  • REACH-RISK (Risiko für Gesundheitsgefährliche Substanzen nach REACH). Im Materialbereich Zement finden sich potentiell 5 Substanzen auf der REACH-Kandidatenliste, hinzu kommen eventuell Substanzen aus den Klebern, Haftvermittlern oder Anstrichen.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Eternit-Putzträgerplatten gelten als nicht brennbar. Falls die Fassade aber mit einem Kunststofflayer imprägniert wurde ist die Brandgefahr aber wohl erhöht (wie stark ist uns hier nicht bekannt).
  • Haltbarkeit. Vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird bei Faserzementfassaden (und auch anderen Fassaden z.B. auch Holzfassaden) eine Haltbarkeit von 40 Jahren angegeben.
  • Strapazierfähigkeit. Putzfassaden können im Putz durch Zugspannung mikrofeine Spannunsgrisse (Winter-Sommer) bekommen die regelmäßig gepflegt werden sollten. Spezielle Putzanstriche helfen hier.
  • Pflege. Absolut jede Fassade braucht Pflege. Speziell auch Putzfassaden. In Internetchats werden zur Pflege streichbare Hydrophobierungsmittel aus Kunststoffbasis empfohlen.
  • Reparaturfreundlichkeit. Der Austausch beschädigter größere Fassadenplatten kann nur von Fachleuten ausgeführt werden. Beschädigte Platten (z.B. Frostrisse und anders) können nur als ganzes ausgetauscht werden.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Hauptweg ist heute die Entsorgung auf Bauschuttdeponien.
  • Eternit-Putzträgerplatten könnten je nach Befestigungssystem (Kleber, Schrauben, Nagelsysteme) theoretisch auch zerstörungsfrei abgenommen werden.
  • Unbeschädigt, sortenrein und unbeschädigt könnten die Produkte theoretisch wiederverwertet werden (ist in der Praxis sicher äußerst selten der Fall).

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Uns bisher keine bekannt.
  • Umweltproduktdeklarationen (EPD) von Herstellern sind KEINE unabhängigen Umweltlabel.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile

Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de

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Nachhaltigkeit: „Ressourcenschonung von Anfang an“

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Bild: Kinder: niemand wird später mehr zu spüren bekommen oder zu schätzen wissen, was wir heute tun …. (Bild: B&S gekauft bei photocase für HvH Infomaterial).

Ressourcenschonung von Anfang an: auch durch gezielte Materialauswahl

Ressourcenschonung von Anfang an durch gezielte Materialauswahl. Produkte und Bauteile können oft aus diversen Materialien hergestellt werden. Die verschiedenen Materialien hinterlassen einen jeweils anderen ökologischen Fußabdruck. So werden schon bei Planung und Beschaffung Weichen gestellt, die den gesamten Lebenszyklus betreffen. Hier spielt vor allem der Baubereich eine wichtige Rolle, da er für den größten Teil des derzeitigen Ressourcenverbrauchs verantwortlich ist (Müller & Niebert, 2009; und vgl. EU Kommission in der EU-Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“).

Bautätigkeiten verbrauchen aber nicht nur für Rohstoffgewinnung, Produktion und den Bau selbst Ressourcen, sondern auch für die Entsorgung nach Ablauf der Nutzungsphase. Das sind die Kosten von Morgen. Die Entscheidung von heute beeinflusst damit auch die Ressourceninanspruchnahme künftiger Generationen. Ein wichtiger Ansatzpunkte ist hier die gezielte Verwendung von Materialien mit geringen Umwelt-Rucksäcken.

In aller Regel können hier nachwachsende Rohstoffe punkten. Aufgrund des Mengenpotenzials kommt hier dem Holz eine zentrale Bedeutung zu. Einsatzmöglichkeiten hierfür gibt es zahllose. Im Hinblick auf die Ressourceninanspruchnahme für Gewinnung und Produktion spielt aber die Herkunft des Holzes und damit verbunden der ökologische Rucksack der Produkte eine entscheidende Rolle. Die Variante mit der besten Umweltbilanz ist die Verwendung von Holz mit möglichst geringer Transportbelastung, wie sie über Holz von Hier nachweisbar ist. Die gezielte Verwendung von Holz mit dem Zertifikat Holz von Hier stellt einen optimalen Beitrag zur Ressourcenschonung dar.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 

 


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Baustoffe: „Faserzement Fassadentafeln“

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Bild: Verputzte Zementfassaden sind heute bei mehrstöckigen Bauten häufig. (Bild: gekauft, s. http://www.holz-von-hier.de)

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Faserzement-Fassadentafeln: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Faserzement ist ein Verbundwerkstoff aus Zement und Fasern, der größtenteils unter dem Markennamen Eternit vertrieben wird. Die Fasern verbessern die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials. Zementbasierte Fassadenplatten und Fliesen gibt es in zahlreichen Formen und Farben, sogar Mustern. Vielfach werden sie heute im mehrgeschossigen Gewerbebauten oder bei Bürogebäuden eingesetzt. Die Platten können wie jedes Fassadenmaterial individuell zugeschnitten bezogen werden. Faserzementfassaden sind wie alle anderen Fassaden witterungsbeständig sowie einfach und wetterunabhängig montierbar.

Früher wurden im Faserzement bis zu 10% Asbestfasern verwendet. Asbest ist heute in der EU als extrem gesundheitsgefährend eingestuft und deshalb bei der europäischen Produktion Grenzwerten unterlegt und in Deutschland ganz verboten. Verbote gelten zwar auch für andere Länder außerhalb der EU aber eben nicht für alle. Aus gesundheitlichen Gründen sollte deshalb unbedingt auf deutsche bzw. europäische Produktion geachtet werden, da Importe teilweise noch Asbestfasern enthalten könnten. Die Asbestfasern werden heute großteils durch Glasfasern, Kohlenstofffasern oder Kunststofffasern ersetzt.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Beton besteht im Wesentlichen aus Zement und Additiven. Zement besteht im Wesentlichen aus Zementklinker (72 bis 79%) und Gips (17%). Gips im Zement ist in deutscher Produktion (!) im wesentlichen Naturgips (75%) und weniger REA Gips aus der Industrie (25%). Zementklinker besteht im wesentlichen aus Kalkstein/Kreide (83%), Sand (8%), Bauxit (1-2) und Flugasche 6-7%. Inhaltsstoffe für Faserzement-Fassadenpanelen sind laut EPD: 35-40% Portlandzement, 50-55% Quarzsand, 5-10% Zellstoff und 3-7 % Aluminiumhydroxid.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) GIPS: Gips wird aber in 80 Ländern der Welt gewonnen, die drei führenden Länder sind China mit 55,3%, USA mit 6,8% und Iran mit 5,6% der Weltproduktion an Gips. (2) KALK: Hauptabbauland für Kalkstein ist China 63,4%, gefolgt von USA 5,4% und Indien 4,3%. Deutschland hält 1,9% der weltweiten Kalksteinproduktion. (3) BAUXIT: Bauxit kommt weltweit nur in 26 Länder vor, die drei Hauptländer sind Australien 30%, China 18% und Brasilien 13%. Deutschland hat kein eigene Bauxitvorkommen.
  • Reichweite. Die Reichweite von Gips und Kalk liegt bei >> 100 Jahren, von Bauxit bei 108 Jahren (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. Zement besteht aus Zementklinker und Gips und im Zementklinker aus Kalkstein/Kreide, Sand, Bauxit und Flugasche. (1) Beispiel GIPS: Deutschland produziert jährlich etwa 2 Mio. Tonnen Gips (0,8% der Weltgipsproduktion) und könnte damit im Wesentlichen den eigenen Bedarf decken. Dennoch wird auch Gips importiert jährlich 0,12 Mio. t und vor allem auch Waren aus Gips (z.B. 0,14 Mio. Tonen Gipsplatten). (2) Beispiel KALK: Deutschland produziert jährlich 6,7 Mio. t Kalk und importiert ca. 2 Mio. t, v.a. aus Österreich, Belgien, Polen und Frankreich (bis > 1.100 km). (3) Beispiel BAUXIT: Deutschland hat keine eigenen Vorkommen und importiert seinen Bedarf von jährlich 2 – 2,4 Mio. Tonnen Bauxit weltweit (z.B. aus Australien, China, Brasilien). (4) Beispiel BETONPRODUKTE selbst: Deutschland produziert jährlich große Mengen an Portlandzement (32 Mio. t), Transportbeton (34 Mio. t) und Porenbeton (31 Mio. t) und etwa 0,7 Mio. t Leichtbeton, Betonplatten und Betonsteine, importiert aber auch 1,6 Mio. t Betonprodukte wie Leichtbetonplatten und Leichtbetonsteine.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellten Faserzementfassadentafeln halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte aus EPD zu Formaldehyd, VOC und Kanzerogenen sind nicht vorhanden mit dem Vermerk, dass das Produkt nur im Außenbereich angebracht wird. Einige Daten liegen zu Eluatanalysen vor z.B. Substanzen über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung: Chromat < 0,01 mg/l (GW=0); Aluminium: 0,8 mg/l (GW= 0,2 mg/l); KMnO4 60 mg/l (GW 0 5); CSB 49 mg/l (GW=0); TOC 15 mg/l (GW=0); Phenolindex < 0,01 mg/l (GW = 0); AOX < 0,01 mg/l (GW=0)]. Bei einer Deponierung könnten so durch Eluate Gefährdungen für die Umwelt entstehen).
  • REACH-RISK (Risiko für Gesundheitsgefährliche Substanzen nach REACH). Im Materialbereich Zement finden sich potentiell 5 Substanzen auf der REACH-Kandidatenliste, hinzu kommen eventuell Substanzen aus den Klebern, Haftvermittlern oder Anstrichen.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Faserzement an sich ist nicht brennbar. Falls die Fassade aber mit einem Kunststofflayer imprägniert wurde ist die Brandgefahr aber wohl erhöht (wie stark ist uns hier nicht bekannt).
  • Haltbarkeit. Vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird bei Faserzementfassaden (und auch anderen Fassaden z.B. auch Holzfassaden) eine Haltbarkeit von 50 Jahren angegeben. Das ist die höchste vom BBSR vergebene Haltbarkeitsstufe.
  • Strapazierfähigkeit. Faserzementfassaden gelten als witterungsbeständig. Im Internet werden aber auch für Faserzementplatten Witterungsanstriche auf Epoxidharzbasis oder Kunststoffbasis empfohlen (siehe unten).
  • Pflege. Absolut jede Fassade braucht Pflege, auch Faserzementfassaden (siehe unten). Nach Herstellerangaben sind die Ansprüche an Wartung und Pflege aber gering. In Internetchats werden zur Pflege streichbare Hydrophobierungsmittel aus Kunststoffbasis empfohlen (aber siehe unten). Weiterhin reichen die Pflegetipps im Netz von „behandeln mit dem Hochdruckreiniger“ bis hin zu „aufbringen von Acrylfarbe alle 5 Jahre“.
  • Reparaturfreundlichkeit. Der Austausch beschädigter größere Fassadenplatten kann nur von Fachleuten ausgeführt werden. Beschädigte Platten (z.B. Frostrisse und anders) können nur als ganzes ausgetauscht werden. Bei älteren Sanierungsbauten mit Faserzementfassaden ist darauf zu achten dass kein Asbesthaltiger Faserzement vorliegt. Ist das der Fall, ist eine Sanierung vom Fachmann durchzuführen und der Abriss als Sondermüll zu entsorgen.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Hauptweg ist heute die Entsorgung auf Bauschuttdeponien.
  • Faserzementplatten könnten je nach Befestigungssystem (Kleber, Schrauben, Nagelsysteme) theoretisch auch zerstörungsfrei abgenommen werden.
  • Unbeschädigt, sortenrein und unbeschädigt könnten die Produkte theoretisch wiederverwertet werden (ist in der Praxis sicher äußerst selten der Fall).
  • Sortenrein könnten Faserzementplatten theoretisch auch als Zuschlagstoff und Bauschutt für Straßen- und Wegebau verwendet werden (nur wenn es kein Asbestfaserzement ist).
  • In einigen Faserzementplatten wird Aluminiumhydroxid verwendet. Seltene und wertvolle Metalle wie Aluminium in nicht recycelbarer „spread-out Form“ (als irreversibel in anderen Materialien verteilt) zur verwenden muss unbedingt als nicht nachhaltig bewertet werden.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Uns bisher keine bekannt.
  • Umweltproduktdeklarationen (EPD) von Herstellern sind KEINE unabhängigen Umweltlabel.

Anmerkungen von Holz von Hier seien hier erlaubt – das ist ja ein Holz von Hier Blog

Holz von Hier will sich bei den Beschreibung anderer Baupropdukte nicht auf die Thematik einlassen: Holz ist immer besser als alle anderen. Jeder Baustoff hat seine Vorteile und Nachteile. Jedoch glauben viele Architekten und Bauherren, dass gerade Holzfassaden im Vergleich zu anderen Baustoffen eher Nachteile haben. Das ist eine eindeutige Fehlinformation wie am Hauptvorurteil Pflege dargelegt werden soll.

Vorurteil 1: Die Pflege von Faserzementfassaden ist einfach, die von Holzfassaden aufwendig? 

Dazu ist zunächst folgendes anzumerken:

  • Bei absolut jeder Fassade ist im Laufe der Jahre Pflege notwendig, wenn man sie optisch und technisch in gutem Zustand halten will, darauf sollte sich jeder Bauherr einstellen. Es geht hier eher um die Frage was kann ist selbst machen oder wozu brache ich Fachwissen oder einen Fachmann? Was kann ich falsch machen? Wie oft muss ich was machen ? usw.
  • Informieren Sie Sich doch einmal in Blogbeitrag „Nadelschnittholz für Fassaden“ über gerade die Vorteile von Holzfassaden. 
  • Faserzementfassaden haben ihre Bedeutung gerade in mehrgeschossigen gewerblichen Bau.
  • Auf vielen Portalen zu Faserzementpanelen heisst es aber z.B. auch für den Privatbau: „Holzfassaden sind im Trend. Sie stehen für Gemütlichkeit und Tradition, aber auch für Wirtschaftlichkeit und Modernität. Doch wer für sein Haus eine Holzfassade wählt, der muss sich auf einen hohen Pflegeaufwand einstellen. Farbige Fassadenpaneele aus Faserzement mit eingeprägter Holzmaserung bieten eine überzeugende Alternative, ohne die Nachteile von Holz in Kauf nehmen zu müssen.
  • Das zeigt wieder einmal – leider – wie wenig eigentlich über die Vorteile von Holz bekannt ist (s.o.). Warum nicht, wo immer möglich, gleich Holzfassaden wählen, wenn einem gerade die Holzoptik gefällt?

Dass aber auch Faserzementfassaden Pflege brauchen, zeigen die folgenden Ausschnitte aus einem Artikel der Universität Hannover mit dem Titel: „Hydrophobierungen: über die Kunst Wasser von mineralischen Baustoffen fernzuhalten“. Zitate aus dem Artikel:

  • „Die Schlüsselfunktion einer Hydrophobierung ist die Verhinderung des kapillaren Wassertransports. Mineralische Baustoffe wie Naturstein, Ziegel, Putze und Beton nehmen bekanntermaßen Wasser auf. Dieses Wasser bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Das eingedrungene Wasser kann zu Frostschäden führen. Außerdem bringt das Wasser Salze oder Schadgase in den Baustoff ein. Durch die Anwesenheit von Wasser wird biologischer Bewuchs, zum Beispiel durch Algen, Flechten und Pilze gefördert. Nicht zuletzt verschlechtert das Wasser die Wärmedämmung von Außenwänden.“
  • Weiter heißt es: „Moderne Hydrophobierungsstoffe sind beispielsweise Silane. Diese sind so genannte Zwittermoleküle, die einen hydrophoben, also wasserabstossenden, und einen hydrophilen, also wasseranziehenden Teil besitzen.“ Und weiter: „Nicht zuletzt sind Hydrophobierungen keine Allheilmittel. Konstruktiv bedingte Mängel der Wasserführung müssen beseitigt werden, bevor eine Hydrophobierung sinnvoll eingesetzt werden kann. Außerdem gibt es keine Universalhydrophobierung für alle Untergründe“.
  • Das heißt wiederum: obwohl es im Internet massenweise Angebote Hydrophobierungsmittel für Fassaden gibt, muss man sich schon auskennen welche Mittel geeignet sind. Und, einfach ein Hydrophobierungsmittel auf einen Beton oder eine Klinkerfassade sprühen, die Risse hat, das hilft nichts.
  • Weiter heißt es in dem Artikel: „Trotz dieser guten Eigenschaften genießen Hydrophobierungen in der Praxis einen zumindest zweifelhaften Ruf. Dafür sind mehrere Ursachen verantwortlich: Falsche Applikationen und der damit ausbleibende Erfolg von Hydrophobierungen haben in den vergangenen Jahren zu Fehleinschätzungen der Wirksamkeit geführt. Fertig gestellte Hydrophobierungen sind unsichtbar. Der Erfolg einer solchen Maßnahme ist daher nicht einfach durch eine Sichtkontrolle zu beurteilen. Schwierige Randbedingungen werden oft unterschätzt. So führt beispielsweise ein durch schlechte Witterung weitgehend wassergesättigter Baustoff dazu, dass die Hydrophobierung nicht eindringen kann. Die Menge des aufgetragenen Hydrophobierungsstoffs wird meistens gar nicht und oft sehr ungenau bestimmt. Zu viel Wirkstoff führt zu Glanz oderweißen Flecken auf der Bau-stoffoberfläche, zu wenig Material ist nicht dauerhaft wirksam. Einer noch zu entwickelnden, effektiven engen Kontrolle kommt also zentrale Bedeutung zu. …. Systematische Untersuchungen zur Dauerhaftigkeit fehlen bislang. … Insbesondere das Nachlassen der hydrophobierenden Wirkung verschiedener Materialien unter dem Einfluss von Bewitterung auf unterschiedlichen Untergründen ist bislang kaum oder nicht berücksichtigt worden. In geplanten Forschungsarbeiten sollen standardisierte Probekörper unter Beachtung der Eindringtiefe kontrolliert appliziert und verschiedenen Belastungen ausgesetzt werden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Hydrophobierungen gezielt einzusetzen und Fehlanwendungen zu vermeiden…. Ein weiteres Problem besteht darin, das Baustellenpersonal dahingehend zu schulen, dass eine später schwer kontrollierbare Maßnahme dennoch korrekt auszuführen ist“.

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile

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Nachhaltige Produkte: „Öko-Design“

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Bild: Design allein ist nicht alles: Öko-Design wird immer wichtiger für alle Produkte. (Bild: HvH zur Verfügung gestellt)

Was ist „Öko-Design“ für nachhaltige Produkte? Öko-Design durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte

Produktumweltampel

Ein wichtiger und ursprünglicher Aspekt von Ökodesign ist für Holz von Hier das Erreichen von Klima-, Umwelt-, und Ressourcenschutz durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte. Deshalb legt auch die Produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitag-Blog) im Bereich ÖkoDesign besonderes Gewicht darauf (zumal andere Aspekte hier in anderen Bereichen abgedeckt sind).

Deutscher Ökodesign Wettbewerb

Der deutsche Ökodesign Wettbewerb, der die gemeinsam vom Umweltbundesamt und dem Internationalen Designzentrum Berlin entwickelt wurde, berücksichtigt: (1) Idee, Gesamtkonzeption, (2) Material und Energieeinsatz, (3) Gestaltung und Konstruktion, (4) Schadstoffe und Abfälle, (5) Sozial- und Gesundheitsverträglichkeit, (6) Produktkommunikation und Serviceleistungen.

Europäische Ökodesign Richtlinie 2009/125/EG

In Europa regelt das Thema Ökodesign, die Europäische Ökodesign Richtlinie 2009/125/EG. Diese Richtlinie gilt für energieverbrauchsrelevante Produkte und löst die Richtlinie 2005/32/EG von 2005 ab. Die neue Richtlinie gilt prinzipiell auch für, wie sie oft genannt werden „passive“ energieverbrauchsrelevante Produkte wie Dämmstoffe. Für jede ins Visier genommene Produktgruppe müssen (teils sehr komplexe und im Hinblick auf die Bewertung undurchsichtige) Vorbereitungsstudien durchgeführt werden, aus denn sich Handlungsempfehlungen für Durchführungsverordnungen ableiten lassen (sollen). Beispiele für bisher über Durchführungsverordnungen geregelte Produktgruppen sind: Bürobeleuchtung, Straßenbeleuchtung, Fernseher, Standby Verluste, elektrische Motoren, Umwälzpumpen, Ventilatoren, private Kühl- und Gefrierschränke. Für andere Produktgruppen wie Heizkessel und Raumklimaanlagen liegen Vorstudien vor und Durchführungsmaßnahmen sind (noch?) in Arbeit. Für andere Produktgruppen wie PC, Monitore, Drucker, Kopierer, Multifunktionsgeräte kamen die Vorbereitungsstudien zu dem Schluss, dass kein Handlungsbedarf besteht, weshalb hier keine weiteren Aktivitäten geplant sind.

Aus Sicht des Umweltschutzes ist das nicht nachvollziehbar, schon aufgrund des Materialumsatzes bei diesen Geräten sowie dem Einsatz von begrenzten Ressourcen wie seltenen Metallen usw.. Gerade bei diesen Produkten wäre ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt die Verwendung von recycelten Materialien. Grundsätzlich ist es hier besonders wichtig, auf Umweltlabel zu achten, z.B. Blauer Engel für verbrauchsarme Elektrogeräte.

Systemimmanente Bedeutung von Umweltlabeln für Ökodesign

Ein wichtiger Aspekt von Umweltlabeln ist: das Erreichen von Klima-, Umwelt-, und Ressourcenschutz durch positive Veränderungen bei Rohstoffeinsatz- und -gewinnung, Transporten und Produktion, die über den bestehenden Status Quo von Richtlinien hinaus gehen.

Heutige Lebenszykluskostenbetrachtungen und auch die meisten Ökobilanzen greifen für einen umfassenden Klima- und Umweltschutz noch zu kurz. Denn Ressourcenschonung fängt nicht erst beim richtigen Design in der Endproduktion an. Ressourcenschonung fängt schon bei der Auswahl der Materialien an. Das ist bei Holzprodukten nicht anders, als bei anderen Produkten wie z.B. Elektrogeräten. Bei komplexen Produkten wie Elektrogeräten ist dies nur noch viel komplizierter als bei Holzprodukten.

Kommt das Coltan für Handys aus Recycling oder ist es „Blut-Coltan“ aus dem Kongo, woher kommt der PVC-Anteil, woher die anderen Rohstoffe eines hoch komplexen Produkts und wie wurden sie gewonnen? Wie viele Transportkilometer hat ein PC in den Vorketten auf dem Rücken? Es geht eben nicht nur um die Nutzungsphase oder um den letzten Verarbeitungsschritt eines Produktes. Jedes Produkt mit einem seriösen Umweltlabel muss über Richtlinien (auch beispielsweise über die Ökodesignrichtlinie für Elektrogeräte oder die Due Diligence Verordnung für Holzprodukte) hinausgehen (denn das ist ja bereits Standard bzw. gesetzlich geregelt) und muss weitergehende Umweltverbesserungen aufzeigen, propagieren, umsetzen und kontrollieren. Das gilt für jedes Produkt.

Umweltlabel gehen über die Europäsichen Richtlinien, wie z.B. die Designrichtline hinaus, und müssen es auch, um noch mehr Umweltwirkungen zu erreichen als der Status quo bereits in der EU vorschreibt. Umweltlabel wie z.B. HOLZ VON HIER, Blauer Engel, Naturplus, FSC, PEFC und andere erreichen allein aus dem Grunde mehr Umweltwirkungen, weil sie systemimmanent schneller auf den Markt reagieren müssen, denn:

  • der Markt für bestimmte, primär global produzierte Produkte, ändert sich heute schneller als man Studien schreiben oder Verordnungen erlassen kann.
  • die Kontrolle für Waren, die nicht in Europa gefertigt wurden, aber auf den EU-Markt kommen, ist nicht (beim Holz z. B. Altholzverordnung) bzw. eher selten (beim Holz z. B. Due Diligence) geregelt.
  • die Vorketten sind kaum und die Art der eingesetzten Rohstoffe ist nicht berücksichtigt (z.B. Coltan aus Recycling oder „Blut-Coltan“ aus dem Kongo). Aber was nutzt es dem Klima, wenn ein Gerät 20% energiesparender ist, aber nur fünf Jahre hält, bei den Vorketten tausende Transportkilometer im Stoffstrom mitschleppt und zudem aus Rohstoffen hergestellt wurde, die nicht nachhaltig gewonnen wurden?

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. Natürlich wurde aus Zeitgründen nicht jeder Beitrag im HvH-Blog vorher mit dem Kuratorium oder Beiräten bei HvH abgestimmt. Deshalb ist es möglich, dass es hier teils abweichende oder differenzierte Meinungen gibt. Generell dienen aber alle Blogs sowieso nur dazu, dass jeder sich eigene Gedanken machen kann. Diskurs über die Beiträge ist natürlich sehr erwünscht.