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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Fassaden – Fassaden geben Häusern ein Gesicht

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Bild. Holzfassade an einem Holzhaus mit heimischem Holz der kurzen Wege und einen Anstrich mit Naturfarben. (Bild: HvH)

Fassaden geben Häusern ein Gesicht, das sollte ein möglichst umweltfreundliches Gesicht sein!

Das sollte ein möglichst klimafreudliches Gesicht sein. Als Fassadenmaterialien werden Putze und Anstriche auf Ziegel, oder Kalkstein oder auf Zement basierten Platten verwendet. Zunehmend kommen Wärmedämmverbundsysteme im Mode die jedoch nicht nur ein erhebliches Klimaproblem haben sondern auch in der Nachnutzung problematisch sind und in der Lebensdauer eingeschränkter als andere. Traditionelle Holzfassaden hatte man lange Zeit nicht mehr so im Blick, sie sind jedoch stark im Kommen, denn Holz-Fassaden sind unschlagbar in Ökobilanz und Preis!

Gebräuchliche Fassadenwerkstoffe

Heute gebräuchliche Fassadenwerkstoffe sind: Holzfassaden, Ziegelklinker, Natursteinklinker, Aluminiumbleche, Stahlbleche, Faserzementplatten, Glasfaserplatten und anderes. Holz hat dabei in der Regel den wenigsten Energieinput bei der Herstellung und meist die geringsten Kosten (Daten aus Gabriel, Praxis: Holzfassaden, 2012).

Material (Beispiele) „Graue Energie“ [kWh/m²] spez. Kosten [€/m²]
Holz 18 50 – 80
Faserzementplatten 39 70 – 90
Ziegelklinker 92 100 – 130
Aluminium 86 150 – 200
Natursteinklinker 34 200 – 600

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden sind heute immer noch die häufigsten Fassadentypen. Jedoch gewinnen sogenannte WDVS (Wärme-Dämm-Verbund-Systeme) immer mehr Raum gerade im Sanierungsbau (siehe BLOG-Artikel zu WDVS).

  • Die vorderste Schicht, die eigentlich Fassadenbekleidung, das eigentliche Fassadenmaterial, dient dem Schutz gegen Regen, Schnee, Hagel usw. Dieses Fassadenmaterial ist durch eine Luftschicht von den dahinter liegenden Schichten getrennt, der Hinterlüftungszone. Dahinter liegt die Dämmung der Wand und die Unterkonstruktion für die Fassade.
  • Voraussetzung für vorgehängte Fassaden ist ein statisch tragender Verankerungsgrund.
  • Vorgehängte Fassaden erlauben unterschiedlichste Fassadenbekleidungen aus Holz, Stein, Klinker, Beton, Keramik, Metall. Gestalterisch bieten sie den größten Freiraum.
  • Solche VHF Systeme bieten künftig auch Raum durch große Flächen für vertikale Solarabwendungen oder flächige Fassadenbegrünungen, selbst Überlegungen Fassaden zu „Algenzuchtstationen“ zu machen ist nur mit VHF Fassaden denkbar. Sie sind der klassische Stil und gleichzeitig hoch modern.
  • Vorgehängte Fassaden sind etwas arbeitsaufwendiger als WDVS aber bieten deutlich mehr Gestaltungsspielraum und Sicherheiten gerade weil Wärmedämmung und Wetterschutz getrennt sind.

Fassadenpflege muss bei jedem Material sein

Fassadenanstriche

Auch bei den Anstrichen von Putzen oder Holzfassaden kann man umweltfreundlicher oder weniger umweltfreundlich handeln. Anstrichfarben beispielsweise mit dem Label BLAUER ENGEL oder NATUREplus stehen für Farben die beispielsweise kein Formaldehyd oder andere gesundheitsgefährliche oder wassergefährdende Stoffe enthalten. Diese Preisunterschiede sind hier nicht so dass man sich dieses mehr an Gesundheit und Umweltschutz nicht leisten könnte. Oft bieten die Baumarktketten oder auch Einzelhandelsgeschäfte sogar gute Schnäppchen mit solchen Umweltfarben an.

Fassaden schützen Hauswand und Dämmung vor Wettereinflüssen. Bei dem Stichwort Fassadenpflege denkt man oft nur an Holzfassaden, aber Fassadenpflege muss bei jedem Material sein.

Beispielweise der Außenputz auf einer EPS Außendämmung muss regelmäßig erneuert werden um Eindringen von Wasser zu vermeiden. Selbst Fassadentafeln als Aluminium brauchen Pflege in Form der Erneuerung der PVC-Schicht auf den Platten sonst setzt die Verwitterung zu schnell an. Ohne Beschichtungen sind gerade Metallfassaden besonders witterungsanfällig.

Holzfassaden halten Jahrzehnte. Wen das Vergrauen von natürlichem Holz stört (was kein qualitatives sondern nur ein ästhetisches Thema ist) kann die Holzfassade wieder abschleifen oder generel mit verschiedenen Fassadenfarbsystemen anstreichen. Holzwerkstoffe wie Thermoholz sind nicht nur exterm haltbar (Dauerhaftigkeitsklasse 1 = höchste Dauerhaftigkeitsklasse) sondern Thermoholzfassaden behalten auch für sehr lange Zeit ihre Farbe.

Besonders klimafreundlich ist eine Holzfassade, aber vor allem dann wenn das Holz aus heimischer Waldwirtschaft und kurzen Wegen im Stoffstrom stammt, nachgewiesen z.B. durch das Label HOLZ VON HIER.

Fassaden und Solar

Den globalen Klimawandel einzudämmen, ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Gebäude sind für etwa 40-50% des Weltenergieverbrauchs verantwortlich. Neben der Dämmung liegt heute ein wachsender Fokus darauf Gebäude zu entwerfen, die neben energiesparender Bauweise auch in der Lage sind, erneuerbare Energie zu nutzen oder sogar über ihren eigenen Bedarf hinaus zu produzieren. Die Anwendung der Photovoltaik in Fassaden nimmt deutlich zu. Potentielle Energiegewinne durch integrierte Photovoltaikmodule werden zunehmend mehr in den Fokus gerückt. Solche Bauteile werden bisher vor allem von großen Playern der Bauteilbranche produziert. Deshalb finden sich Innovationen im Photovoltaikbereich bisher vor allem auf Stahl, Aluminium oder Plastik als Trägermaterialien, deren Herstellung zunächst einmal sehr viel Energie verbraucht und CO2 freisetzt.

Stahlfassaden mit Photovoltaikfolien? PVC-Dächer mit Dünnschicht Solarzellen? Hier muss die Klimabilanz differenziert betrachtet werden, denn das eingesetzte Material ist für eine echte Klimabilanz ebenso bedeutsam, wie die Klimawirkung in der Nutzungsphase. In echten Klimabilanzen müssen auch die Vorketten im gesamten Produktionsweg, die Transporte, die Ressoucenschonung in einem weiten und realistischen Bilanzraum und natürlich am Ende der Nutzungsphase die Recyclingfähigkeit oder die Wiederverwertbarkeit der Materialien bedachtet werden.


 

Baufunktionale Einheit Fassaden

In den folgenden Blogbeiträgen werden folgende häufige Fassadentypen hinsichtlich der Aspekte „Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung“ näher beschreiben:

  • Holzfassaden. Nadelschnittholz für Fassaden.
  • Zement/Beton-Fassaden: Faserzement Fassadentafeln.
  • Zement/Beton-Fassaden: Eternit-Putzträgerplatten, Eternit-Fassadenplatten
  • Zement/Beton-Fassaden: Glasfaserbeton-Fassadenplatte
  • Metallfassaden: Aluminium Fassadenplatte
  • Metallfassaden: Stahl Fassadenplatte

Die Umweltdaten dazu finden sich in der Produkt-Umwelt Ampel (siehe unten).

Obwohl Holz von Hier natürlich für Holz steht, sollen die Beschreibungen zu den anderen Baustoffen möglichst neutral sein. Darum haben wir uns bemüht, denn jeder Baustoff hat seine Vorteile und auch gewisse Anwendungseinschränkungen. Dennoch ist ein Vergleich von Baustoffen hinsichtlich der Vorketten, Nutzungsphase und Nachnutzungsaspekte sicher für Viele Leser interessant. Den Fokus wollen wir dabei bewusst weniger auf technische Aspekte als vielmehr auf Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Gesundheitsaspekte lenken. Da wir diese Betrachtung noch nirgends so zusammengestellt gefunden haben, wurden diese „Rohfassungen von Nachhaltigkeits-Baustoffsteckbriefen“ erstellt.

Holz von Hier ist hier offen für Ergänzungen, Anmerkungen und Hinweise und würde sich über Erfahrungen, Wünsche oder Anregungen sehr freuen, mit denen wir die „Nachhaltigkeits-Baustoffsteckbriefen“ nach und nach ergänzen könnten.

Weitere Informationen zu den technischen Aspekten von Baustoffen finden sich z.B. auf den Baustoffdantenbanken von WECOBIS, der FNR und anderen.


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Nachhaltige Produkte: „Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom“

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Bild: Transporte rund um den Erdball nehmen zu – statt ab. Das schlägt sich natürlich in der realitätsnah berechneten Umweltbilanz von Produkten nieder. Wie viel Kilometer ein Produkt von der Quelle der Rohstoffe, über alle Produktionsschritte, bis zum Ort des Einbaues oder der Verwendung, in seinem gesamten Stoffstrom zurückgelegt hat, ist heute wesentlich für den Klima- und Umweltrucksack des Produktes. Das Label Holz von Hier zeichnet daher auch kurze Transporte im gesamten Stoffstrom von Produkten aus (Bild: B&S).

Nachhaltige Produkte sind Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom

Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom sind optimal klima-, umwelt- und verbraucherfreundlich (das weist das Label Holz von Hier nach). Das ist ein Feld in dem noch enorme Nachhaltigkeitspotentiale möglich sind, die bisher nicht genutzt werden.

Der globalisierte Verkehr ist die drittgrößte Ursache für den Klimawandel und Einsparung von Transportkilometern trägt erheblich zur Klimaentlastung, dem Schutz von Biodiversität und zur Ressourcenschonung bei.

Ein Beispiel aus dem Bereich Holzprodukte. Würden wir in Deutschland allein die sich mengenmäßig überlappenden Warenströme für Importe und Export von Rundholz, Schnittholz und Holzhalbwaren einsparen ergäbe das allein durch Marktmechanismen eine erreichbare jährliche Klimaentlastung wie sie nur das 100.000 Dächersolarprogramm der Bundesregierung oder der Ausbau aller verbleiben Kleinwasserkraftreserven in Deutschland erbringen würden, die immerhin in Millionenhöhe mit Steuergeldern gefördert werden. Das sind enorme bisher völlig ungenutzte Einsparpotentiale und Klimaschutzpotentiale, die jedoch nur bei bewusster Kaufentscheidung vieler umgesetzt werden können. Hierfür setzt sich Holz von Hier ein.

Aber auch andere Gründe sprechen dafür Produkte zu kaufen, die vollständig (!) in ihrem gesamten Stoffstrom, innerhalb Deutschlands oder der EU hergestellt wurden und auch hier auch wieder recycelt oder entsorgt werden. Produkten und Entsorgung unterliegen in Deutschland und Europa auch den hier geltenden Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften, die im internationalen Vergleich die Latte für Umwelt- und Verbraucherschutz enorm hoch gelegt haben. Importprodukte in die EU werden unter völlig anderen Bedingungen in ihren Ursprungsländern produziert.

Aspekte die bei Transporten eine Rolle spielen

Bei den Transporten spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  1.  das Transportmittel (dessen Bedeutung  meist  überschätzt wird),
  2.  das Transportgut (dessen Bedeutung meist unterschätzt wird) und
  3.  die Transportstrecken mit Länge und Route (deren Umfang in den meisten Klimabilanzen und EPD erheblich unterschätzt wird).

(1) Bisher einiziger politischer Ansatzpunkt: Effizienzsteigerungen beim Transportmittel

In der EU wurden und werden Anstrengungen, die Umweltbelastungen durch Verkehr zu senken, jedoch bisher vor allem im Bereich Technik (Euro Normen) und Biosprit unternommen. Die europäischen Effizienzmaßnahmen sind bisher

  • technische Effizienzsteigerungen durch neue Antriebe,
  • alternative Kraftstoffe (aber Achtung: Biofuels sind fürs Klima heute eher katastrophal, die Produktion von 1 Tonne Palmöl beispielsweise erzeugt 30 Tonnen CO2, WGBU, 2009),
  • leichte Werkstoffe für den LKW-Bau und Aerodynamik.

Diese technischen Effizienzmaßnahmen wirken sich jedoch vor allem auf den wirtschaftlichen Erfolg aus und weniger auf die Umweltbelastung, weil gleichzeitig die Transportstrecken immer länger werden und das Aufkommen im größer wird. Berechnungen zeigen (B&S für Holz von Hier) zeigen, dass beispielsweise durch die Umstellung eines LKWs von Euro 1 auf Euro 5 gerade so viel CO2 eingespart wird, wie bei einer Reduzierung der Transportdistanzen durch regionale Kreisläufe um 6-7% des Jahrestransportaufkommens, ähnliches gilt für SO2 (vgl. Handbuch zur Produktumweltanmpel SAVE).

(2) Bedeutung des Transportgutes 

Die Bedeutung des Transportgutes wird in Berechnungen meist vernachlässigt, dabei ist die Klima- und Umweltbelastung bei Volumengütern und Palettenware etwa 1,7-fach höher als bei Massen- und Durchschnittsgütern.

(3) Bedeutung der Transportstrecken (Ansatzpunkt Holz von Hier)

Die Länge der Transportstrecken aber spielt die wichtigste Rolle bei den Umweltbelastungen durch die Transporte. Aber auch die Transportroute ist hier wichtig und spielt beispielsweise beim ermittelten Risiko des Biodiversitästverlustes durch die Transporte eine Rolle. Den spezifischen Verbrauch zu senken ist zwar wichtig, stellt aber letztlich nur eine Symptombekämpfung dar und greift das Problem nicht an der Wurzel an oder lenkt vom eigentlichen Problem eher ab, den explodierenden globalen Warenströmen.  

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 


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Baustoffe: „WDVS WärmeDämmVerbundSysteme“

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Bild: WDVS werden heute immer mehr im Sanierungsbau aber auch Neubau an Außenwänden angebracht. Dabei hat aber auch eine klassische „vorgehängte Fassade“ viele Vorteile. 

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WDVS WärmeDämmVerbundSysteme: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden meist auf älteren Gebäuden aus Stein oder Beton angebracht, um die neuen Dämmvorschriften einhalten zu können. WDVS basieren meist auf Holzplattenbasis, auf PURbasis mit Metallschalen und auf Mineralfaserbasis mit Metalldecken.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt.  WDVS bestehen aus mehreren Schichten in der Regel: (1) eine Dämmschicht, meist Polystyrol oder Mineralfaserplatten aber auch andere z.B. Stein- und Glaswolle, Calziumsilikat/sulfat-Schaum/Platten, EPS, XPS, PUR Hartschaum, Vakuumdämmplatten, Holzfaserplatten etc.. (2) eine Armierungsschicht als Unterputz, aus Gips oder Zement in die meist ein Glasgittergewebe eingebettet ist. (3) Den Abschluss bildet ein Strukturputz als Oberputz, meist Kunstharz, Silikat oder Silikonharz, aber auch mineralische Putze oder Leichtbutze auf Kalk-Zementbasis. (4) Einen Schlussanstrich auf dem Putz. Hier kommen Dispersions-Silikat- oder Silikonharz anstriche meist mit Bioziden zum Einsatz. (5) Oder es werden stattdessen oder auch zusätzlich noch aufgeklebte Metalldecken aus Stahl und Aluminium mit Kunststoffbeschichtungen verwendet. Aus Angaben in gängigen Produktumweltbilanzen zu WDVS (EPD) ist für den Leser nicht abzuleiten welche Inhaltsstoffe diese Produkte enthalten.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. WDVS bestehen aus einem sehr hohen Stoffgemisch und hier können nicht alle Stoffe einzeln beschrieben werden. In vielen Ländern der Welt werden die enthaltenen Grundrohstoffe unter enormen Umweltbelastungen gewonnnen. Aus Sicht von Holz von Hier bilden eine Ausnahme WDVS auf Holzplattenbasis, wenn die Holzplatten mit Umweltlabeln versehen sind, aber auch hier kommt es sehr auf den Grad des Materialmixes und die Art der Beschichtungen an und ob diese in Europa produziert wurden und sich deshalb an Gesundheitsauflagen wie die REACH-Verordnung halten müssen oder ob diese außerhalb Europas ohne solche Auflagen produziert wurden.
  • Reichweite. Die Reichweiche der Grundrohstoffe der Materialgemische in WDVS ist sehr unterschiedlich und reicht – je nach Rohstoff – von >> 100 Jahren bis wenige Jahrzehnte.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Materialmix. Der Materialmix in WDVS ist so umfangreich, dass hier nicht einzelne Stoff beschrieben werden können, für die meisten dieser Stoffe sind die Stoffströme jedoch global (z.B. Aluminium, Kunststoffe, Mineralwolle). (2) Beispiel Produkt selbst. WDVS Systeme werden sowhl in Deutschland hergestellt wie auch importiert.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte WDVS halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte aus EPD liegen naber nicht vor mit dem Vermerk, dass das nicht erforderlich sei, da die Materialien im Außenbereich verwendet werden, aber der Vermerk „konstruktive Maßnahmen können vorbeugen“ weist schon aus Auswaschungen auch a der Fassade hin).
  • REACH-RISK. Das enorm hohe Materialgemisch in WDVS kann zahlreiche auch REACH relevante gesundheitsgefährliche Substanzen enthalten, z.B. allein die Verwendung von Bioziden ist fraglich, denn diese sind hoch human- und ökotoxische Stoffe, die bei Regen ausgewaschen werden und im angrenzenden Untergrund landen. Hier kommt es nach Anicht von Holz von Hier auch sehr darauf an welche Hauptmaterialien vewendet werden, also ob der WDVS auf Holzbasis oder Kunststoffbasis beruht und ob das Produkt in Europa hergestellt wurde, mit den strengen Auflagen der REACH-Verordung oder ob es aus Importen stammt, ohne solche Verbraucherschutzauflagen. ANMERKUNGEN: in Deutschland unterliegt auch die Zulassung von WDVS der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung. Hier werden Produkte auf ihre bautechnische Sicherheit sowie ihre brandschutztechnischen Eigenschaften überprüft, eine Überprüfung auf gesundheitliche und ökologische Wirkungen ist nicht inbegriffen.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Es ist davon auszugehen, dass im Brandfall gerade bei WDVS enorm hohe Mengen an toxischen und gesundheitsgefährlichen Stoffen emittiert werden. Messungen hierzu sind in EPD jedoch nicht erwähnt. Auch durch die hohen Mengen an Kunststoffen in vielen WDVS tritt hierdurch das Problem der Erhöhung der Brandlast auf wie bei allen Kunststoffdämmstoffen. Dies ist in EPD nicht erwähnt oder diskutiert.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von WDVS Systemen wird vom BNB mit 20 Jahren angegeben.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. WDVS stehen vor allem wegen der Verwendung potentiell gesundheitsschädlicher bzw. brandgefährlicher Materialien in der Kritik. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist aber auch, dass die Hauptursache für Schäden an WDVS Systemen der Ausfall von Tauwasser zwischen der Dämmung und dem Außenputz ist. Wenn dieses Tauwasser aufgrund des hohen Wasserdampfdiffusionswiderstands des Außenputzes und Anstrichs nicht vollständig verdunstet, kann es zu Abplatzungen durch gefrierendes Wasser und zur allmählichen Durchfeuchtung des Dämmstoffs kommen. Die Folgen sind eine Abnahme des Wärmedämmvermögens und Standsicherheitsprobleme. Dies kann auch einen Neuaufbau des WDVS erfordern, denn eine Renovierung von WDVS, auch des Außenputzes am System, ist schwierig und setzt Fachkenntnisse voraus.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Die Nachnutzung von vielen WDVS Systemen ist ein Problem.
  • Die Entsorgung von vielen WDVS stellt ein Problem dar, das noch nicht richtig zu Ende gedacht ist. Der Umgang mit diesen Bauabbruchmaterial obliegt jedoch dem Hausbesitzer bzw. der Kommune. Umfangreichere Erfahrungen fehlen bislang, da die Systeme noch nicht lange eingesetzt werden.
  • WDVS können verklebt, verdübelt, oder beides oder mit einem Schienensystem montiert werden. In den häufigsten Fällen wird das WDVS System einfach in Form von Platten oder Lamellen durch Kleben und/oder Dübeln (Tellerdübel) auf dem bestehenden Wanduntergrund aus Ziegel, Kalksandstein oder Beton befestigt. Das macht bereits deutlich dass in den meisten Fällen ein schadensfreies Abnehmen des WDVS nicht möglich ist.
  • Der WDVS Bauabbruch kann nur theoretisch wieder verwendet werden, wenn die Systeme nicht beschädigt sind. Selbst in den analysierten EPD wird angegeben, dass es bisher eigentlich kein erprobtes Verfahren hierzu gibt.
  • Der WDVS Abfall muss also mit den Bauabfall entsorgt werden. Aufgrund des hohen Kunststoffanteils in den Elementen ist dies heute in Deutschland (nur hier) jedoch eigentlich nicht auf der Bauschuttdeponie möglich, sondern nur in Müllverbrennungsanlagen. Aufgrund des hohen Materialmixes und des Verbundsystems an sich ist aber auch das schwierig.
  • Als einizige WDVS Systeme sind System auf Holzplattenbasis in der Nachnutzung etwas unproblematischer und können (ggf. auch  teilweise energetisch verwertet ?) in der MVA verbrannt werden.
  • Sollte das Materials doch zusammen mit Bauabbruch auf der Deponie (z.B. in anderen Ländern) landen sind keine Angaben dazu da wie das Langzeitverhalten des Materials ist und welche und in welcher Höhe Eluate ins Grundwasser ausgewaschen werden. Bei Verbundsystemen ist eine belastbare Aussage hierzu nur sehr schwer möglich.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Bisher sind uns hier keine bekannt.


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Nachhaltige Produkte: „Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung“

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Bild: Ressourcenschutz ist Klimaschutz. (Bild: B&S gekauft photocase für HvH, www-holz-von-hier.de)

Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung

Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung für Produkte heisst (für Holz von Hier) vor allem:

  1. Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten
  2.  Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen
  3.  Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen
  4.  Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen

(1) Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten

Verzicht auf Produkte die weltweit gefährdete Arten enthalten, gemäß Red List von IUCN. Der Markt hat auch entscheidenden Einfluss auf den Schutz der Biodiversität weltweit, sei es der Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten oder Produkte mit Rohstoffen, die Lebensraumzerstörung verursachen. Nachwachsende Rohstoffe können einen wichtigen Beitrag zur Schonung begrenzter fossiler und mineralischer Ressourcen leisten. Entscheidend für die positive Klima- und Umweltwirkung ist hierbei aber die Herkunft. Beispielsweise manche Hölzer, insbesondere tropischer Herkunft, sind inzwischen international gefährdet, ungeachtet der Tatsache, dass sie gehandelt werden. Biodiversitätsexperten gehen davon aus, dass wenn eine Art erst einmal als gefährdet erkannt bzw. eingestuft wird, es fast schon zu spät für ihren Schutz und ihre Bewahrung ist (www.iucnredlist.de). Bei Tropenhölzern betrifft dies sogar 30 der insgesamt 70 in Deutschland gehandelten Arten. Manche davon finden sich oft standardmäßig in Ausschreibungen (z.B. Meranti für Fenster).

  • Verzicht auf Holzprodukte die aus weltweit gefährdeten Baumarten gefertigt wurden. Verzicht auf Hölzer aus tropischen und borealen Primärwäldern hilft maßgeblich diese Lebensräume zu erhalten. Dabei ist es hilfreich zu wissen in welchen Ländern das Rabbaurisiko hoch ist. Die Produktumweltampel hilft Ihnen dabei (SAVE, siehe Freitags-Blog).
  • Was für Holzprodukte gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Rohstoffe. Auch ihr Abbau trägt direkt oder indirekt dazu bei, dass Arten gefährdet sind oder sogar vorm Aussterben stehen. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Biodiversität“ der Montags-Blogserie.

 (2) Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen

Manche Ressourcen sind quantitativ oder zeitlich stark begrenzt. Die Inanspruchnahme solcher Ressourcen oder die Verwendung von Produkten, die auf solchen Ressourcen beruhen, sollte daher erst nach einer Prüfung von Alternativen erfolgen. Für die Gewinnung mancher Rohstoffe ist ein außerordentlich hoher Energie- und Materialaufwand erforderlich und geht mit enormen Umweltschädigungen einher. So erfolgt der Abbau von Coltan oder Gold mit einem massiven Flächenverbrauch und hoher Umweltbelastung durch Schadstoffe wie Quecksilber und Cadmium. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Baustoffe“ der Freitags-Blogserie, da hier die Rohstoffreichweiten und Verfügbarkeiten beschreiben sind die in Hauptbaustoffen verwednet werden.

(3) Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen

Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen. Dabei geht es um alle Rohstoffe und nicht nur um Holz. Holz aus Raubbau kann ähnlich krasse Asswirkungen für Klima, Umwelt und Biodiversität haben wie z.B. die Gewinnung von Ölsanden oder der wenig umweltschonenden Abbau seltenere Erze, Mineralien oder Erden (z.B. Blutkoltan aus dem Kongo).

  • Verzicht auf Holzprodukte die aus Primärwaldholz gefertigt wurden. Verzicht auf Hölzer aus tropischen und borealen Primärwäldern hilft maßgeblich diese Lebensräume zu erhalten. Dabei ist es hilfreich zu wissen in welchen Ländern das Raubbaurisiko hoch ist. Die Produktumweltampel hilft Ihnen dabei (SAVE, siehe Freitags-Blog).
  • Was für Holzprodukte gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Rohstoffe. Auch ihr Abbau trägt direkt oder indirekt dazu bei, dass Arten udn Lebensräume gefährdet sind. Auch hier hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung (SAVE, siehe Freitags-Blog). Lesen Sie für mehr Infos auch die Blog-Beiträge „Biodiversität“ der Montags-Blogserie.

 (4) Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen

Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen bei der Materialwahl, das betrifft vor allem Nutzungskonkurrenzen mit(1) Nahrungs-/Futtermittelproduktion, (2) Nutzungskonkurrenzen von stofflicher und energetischer Nutzung und (3) Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen mit natürlichen Ökosystemen.

Exkurs und Beispiel aus dem Bereich Bioenergie.

Weltweit haben 923 Mio. Menschen keinen Zugang zu ausreichend Nahrung, Tendenz steigend (WBGU, 2009). Die weltweit genutzte Biomasse wird v. a. als Futtermittel (58%), Rohstoffe (20%), Brennholz (10%) und nur 12% als Nahrung eingesetzt (s.o.). Eine der Ursachen für weltweit steigende Nahrungsmittelpreise ist diese Nutzungskonkurrenz. Primärwälder, Feuchtgebiete, natürliche Grasländer sind die durch Landnutzungsänderungen weltweit am meisten bedrohten Ökosysteme. Diese Landflächen für den großmaßstäblichen Bioenergiepflanzenanbau zu nutzen, ist schädlich für Klima und Artenvielfalt. Sägefähiges Stammholz, das stofflich für langlebige Produkte genutzt werden könnte, zu verbrennen, ist nicht nur aus Klimaschutzsicht negativ. In einigen Regionen treten verstärkt Nutzungskonkurrenzen zwischen energetischer und stofflicher Nutzung auf. Holz von Hier setzt sich für Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen und ressourcenschonende Holznutzung ein (z. B. Kaskadennutzung). Verzicht auf importierte Agrarenergieträger mit schlechter Umweltbilanz. Pflanzenöle wie Palmöl für Biodiesel und BHKW (Block-Heiz-Kraft-Werke) sind ökologisch sehr bedenklich. Für diese Plantagen wurde oft zuvor Primärwald gerodet. Bei der Rodung bewaldeter Moorböden in Südostasien für Palmölplantagen werden besonders große Mengen CO2 freigesetzt. Biodiesel wird aus Pflanzenölen hergestellt (v. a. Palmöl, Soja und Raps). Palmöl stammt meist aus Malaysia und Indonesien, Raps aus USA. Der Großteil der Pflanzenöle für deutsche und europäische BHKW stammt aus Importen. Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltfragen der Bundesregierung (WBGU, 2009) schreibt: … für den Klimaschutz sind Biokraftstoffe der 1. Generation sehr ungünstig … “.

  • Verzichten Sie auf Produkte die aus Landnutzungsänderungen stammen. Beispiel 1: Palmöl in Schokolade, Washcmittel, Kosmetika, Beispiel 2: Tropenholz ohen anerkanntes waldlabel, Beispiel 3: Fragen Sie bei Ihrem neuen Handi nach ob es auch Handis aus Recyclingcoltan gibt, das wird den Handel hellhöriger für das Thema machen, so dass hoffentlich bald solche Produkte zu angemessenen Preisen angeboten werden. Bringen Sie Ihre alten Handis, DVD Player und anderen Elektroschrott die seltene Metalle enthalten zu entsprechenden Sammelstellen.
  • Auf die Herkunft kommt es an – auch in dem Aspekt. Auch bei den oben genanetn aspketen hilft Ihnen die Produktumweltampel in der Einschätzung welche Länder auf der Welt besonders viel Landnutzungsänderungen in den letzten Jahren hatten (SAVE, siehe Freitags-Blog). So viel sei schon mal gesagt: Deuschland gehört nicht dazu – insofern sind auch unter diesem Aspekt Produkte aus Deutschland und den EU Ländern top.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier. 


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Baustoffe: „EPS, XPS, PUR Kunststoffdämmstoffe“

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Bild: Kunststoffdämmstoffe sind synthetisch erzeugte Stoffe, sie sind zwar preiswert, haben aber auch erhebliche Sicherheitsnachteile beispielsweise im Brandfall (s.u.).
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 EPS, XPS, PUR Kunststoffdämmstoffe: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Kunststoffdämmstoffe sind heute noch vergleichsweise preiswert, sie haben aber erhebliche Sicherheitsnachteile und eine vergleichsweise schlechte Ökobilanz was die realen Vorketten und die Nachnutzbarkeit angeht. Gesundheitsrisiken im täglichen Gebrauch sind bei einigen Kunststoffen bereits durch den Kunststoff an sich gegeben (z.B. PVC). Kunststoffprodukte aus Deutscher Produktion müssen jedoch, anders als Importwaren, die bei uns geltenden Grenzwerte zu Formaldehyden, VOC und kanzerogene Substanzen einhalten. Bei Importprodukten sind die Vorschriften in den Herstellerländern oftmals nicht mit den hohen Standards innerhalb der EU zu vergleichen.

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. EPS und XPS Kunststoffdämmplatten bestehen aus Polystyrol-Granulat 90 – 95%, Graphit 3,5 – 5 % und Additive wie Pentan 4-7 % (als Treibmittel) und Hexabromcyclododekan 9,5 – 3% (als Flammschutzmittel). PUR-Kunststoffdämmplatten bestehen aus Methylen-diphenyl-diisocyanat (MDI) 55-65%, Polyol 20 – 30%, Additive wie Pentan 4-5% (als Treibmittel), Schaumstabilisatoren 0,5 – 2%, phosphorhaltige Flammschutzmittel 2-5%.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren.  Öl wird zu Benzol, das zu Ethylbenzol und das zu Styrol und das zu Polystyrol (PS) und das zum Vorprodukt PS-Granulat verarbeitet. Dieses ist das Vorprodukt für alle Polystyrol basierten Halbwaren und Produkte, aus EPS und XPS Dämmstoffe. Öl wird über diverseste Schritte zu Polyurethan und dieses zum Vorprodukt PUR-Granulat verarbeitet. Dieses ist das Vorprodukt für alle PUR-basierten Halbwaren und Produkte.
  • Reichweite. Reichweite von Erdöl, als Grundrohstoff für alle Kunststoffprodukte. Erölvorkommen gibt es in etwa 78 Ländern der Erde (USGS), der Großteil davon jedoch mit sehr geringen Vorkommen. Die Haupterdölvorkommen die wirtschaftlich erschlossen werden können liegen in Saudi-Arabien 13,2%, Russland 12,5%, USA 10,4% und China 5%. (2) GRANULAT: Polystyrolgranulat wird vor allem in Asien (z.B. China) hergestellt und weltweit gehandelt. (2) GRAPHIT: in EPS bis zu 5% Graphit verwendet. Graphit wird in 15 Ländern mit wirtschaftlich verwertbarem Potential abgebaut (USGS). In Europa gibt es zurzeit nur noch wenige aktive Graphitbergwerke wie z.B. Ukraine, Norwegen, Tschechien, Österreich. Die Welt-Hauptvorkommen an Graphit liegen in China 68,1%, Indien 13,6% und Brasilien 9,4%. Zur Reichweite von Graphit bei gegenwärtiger wirtschaftlicher Förderquote liegen sehr unterschiedliche Angaben vor. In der USGS Datenbank recht der Weltvorrat noch 8 Jahre Graphit wäre hier als also als sehr selten einzustufen im Sinne der Ressourceneffizienz, bei anderen Plattformen wird Graphit als häufiges Material beschrieben. (3) ADDITIVE: Additive wie Flammschutzmittel, Treibgase, Stabilisatoren usw. werden weltweit hergestellt und gehandelt. Die deutsche Produktion muss die hier gültigen Vorgaben für Gesundheit und Umwelt einhalten, die weltweit auf sehr hohem Niveau sind.

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel GRUNDROHSTODFF ÖL: Deutschland hat 0,1% der Weltvorkommen an Erdöl und entsprechend hoch sind allein die Transporte bei diesem Grundrohstoff aller Kunststoffprodukte. (2) Beispiel KUNSTSTOFF VORPRODUKTE: alle Vor- und Zwischenprodukte bis zu Kunststoffgranulaten und vor allem die Kunststoffgranulate selbst haben weltweite Stoffströme (China hat ca. 50% Marktanteil). Auch Kunststoffhalbwaren haben weltweite Stoffströme (z.B. jährliche Importe nach Deutschland: Polymere des Styrol 1 Mio. t, des Propylens 1,6 Mio. t und des Ethylens: 2,5 Mio. t). (3) Beispiel ZUSATZSTOFFE WIE GRAPHIT: Deutschland hat keine eigenen Graphitvorkommen und muss seinen Bedarf, ca. 44.000 Tonnen pro Jahr, importieren (z.B. aus China, Indien, Brasilien). (4) Beispiel KUNSTSTOFFDÄMMSTOFFE selbst: Kunststoffdämmstoffe haben weltweite Stoffströme.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellter Kunststoffdämmstoff hält die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte aus EPD sind z.B. (1) Formaldehyd: nicht nachweisbar; (2) VOC: TVOC-28-Tage: <50 – 100 µg/m3, SVOC-28-Tage: <5 – 10 µg/m3, VOC o. NIK-28-Tage <5 – 10 µg /m3; (3) Eluate werden als „nicht relevant“ eingestuft, vermutlich weil man davon ausgeht, dass das Material in der Müllverbrennung entsorgt wird; (4) Kanzerogene: keine Angaben gemacht.
  • REACH-RISK. Kunststoffdämmstoffe könnten zudem potentiell weitere gesundheitsgefährliche Substanzen enthalten. Im Materialbereich Kunststoffe finden sich potentiell 5 Substanzen der REACH-Verordnung und 41 Substanzen der REACH-Kandidatenliste. Kunststoffprodukte enthalten teilweise hohe Konzentrationen an Weichmachern, Stabilisatoren, Pigmente, Flammschutzmittel und weitere Additive. Bei Weichmachern sind 2 Substanzen laut REACH Verordnung bereits Grenzwerten innerhalb der EU unterworfen und 13 Substanzen stehen auf der REACH Kandidatenliste, bei Flammschutzmitteln sind es 5 Substanzen, bei Stabilisatoren 2 und bei Treibmitteln 1 auf der REACH Kandidatenliste.
  • PUR Polyurethanharze werden aus Isocyanaten synthetisiert, hierbei wird v. a. MDI und PMDI verwendet: MDI (Methylendiphenyisocyanat), PMDI (Polymeres Diphenylmethandiisocyanat), HDI (Hexamethylendiisocyanat), TDI (Toluylendiisocyanat), NDI (Naphthylendiisocyanat), IPDI (Isophorondiisocyanat), H12MDI (4,4-Diisocyanatodicyclohexylmethan. Nahezu alle Isocyanate können Allergien auslösen und stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen. Wenn Polyurethane ausreagiert sind und keine Monomere mehr enthalten, besitzen sie aber in der Regel keine gesundheitsschädlichen Eigenschaften mehr. PUR enthält aber immerhin zu 50- 55% MDI. MDI ist als krebserregend nach EG-Kategorie 3 eingestuft.
  • Polystyrol-Produkte wie EPS und XPS enthalten 0,5 – 5% Additive darunter Treibmittel (z.B. Pentan), Stabilisatoren und Flammschutzmittel wie HexaBromCycloDodekan (HBCD). HBCD ist seit 2014 weltweit verboten mit Ausnahmegenehmigungen in einigen Staaten für Dämmstoffe. Es gilt als hoch kanzerogen und ist über 1 mg/kg im Produkt in der EU verboten. Bromhaltige Flammschutzmittel wie HBCD gelangen wahrscheinlich nur in geringen Mengen aus unbeschädigtem geschäumtem Polystyrol in die Umwelt, Messwerte dazu liegen jedoch nicht vor. Aber HBCD kann selbst in niedrigsten Dosen in der Umwelt kaum abgebaut werden und reichert sich in der Muttermilch und im Blut an. Es gilt als „sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“, ist nur relativ schwer abbaubar und toxisch für aquatische Organismen und reichert sich wahrscheinlich auch im Grundwasser und damit im Trinkwasser an.  Das Umweltbudensamt empfiehlt auf Produkte die HBCD bzw. die generell kritische Flammschutzmittel enthalten zu verzichten.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Im Brandfall sind alle Kunststoffe und vor allem auch Kunststoffdämmstoffe (selbst wenn sie Flammschutzadditive enthalten) höchst brandgefährlich und durch ihr Brandverhalten (tropfen brennend ab, auch kleine Brandherde breiten sich sehr schnell aus usw.) schwer kontrollierbar. Nach Aussagen von Brandschutzexperten kommen die meisten Todesfälle bei Hausbränden nicht durch herabstürzende Teile zustande sondern durch toxische Brandgase. Deshalb sind Kenntnisse über das Verhalten vom Baustoffen im Brandfall wichtig. Bei Kunststoffen können hohe Emissionen an Schadgasen sowohl bei Bränden am und im Gebäude aber auch bei der Photolyse (durch Licht ausgelöste Spaltung einer chemischen Verbindung) und der Entsorgung (Verbrennung in MVA) oder auch dem Recycling auftreten. Im Brandfall schmelzen Kunststoffprodukte und tropfen auch brennend ab. Das kann zu einer Brandausbreitung durch Sekundärbrände führen. Abtropfende brennende Kunststoffe können nur schwer gelöscht werden. Dämmstoffe aus Kunststoffen können daher eine erhebliche Steigerung der maßgeblichen Brandlast ergeben. Das ist auch der Fall obwohl heute nahezu alle Kunststoffprodukte im Baubereich mit Flammschutzmitteln versehen sind. Im Brandfall entsteht sehr dichter beißender Rauch, der die Orientierung und damit die Fluchtgeschwindigkeit gerade in öffentlichen Gebäuden mit Personengruppen die sich selbst schwer orientieren und organisieren können deutlich behindern kann (z.B. Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser usw.). Zudem entstehen neben Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoffoxide auch hochgiftige Chlorwasserstoffe, Dioxine und ggf. auch Aromate (z.B. Pyrene und Chrysene) die hochgiftig und karzinogen wirken. Eine weitere Gefahr geht von schwermetallhaltigen Stabilisatoren (z.B. Blei) aus. Bromhaltige Flammschutzmittel (z.B. HBCD), spalten bei der Verbrennung giftige bromhaltige Gase ab und es können hochgiftige Dibenzodioxine und Dibenuzofurane entstehen.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. xxxxx

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Eine Nachnutzung von Kunststoffdämmstoffen ist heute in der Regel noch nicht gegeben. Hier wäre eine sortenreine Trennung nötig.
  • Das Material wird deshalb heute entsorgt indem es idealerweise zunächst in der Müllverbrennung verbrannt wird (Reduzierung der C-Anteils) und die Reste dann in der Deponie entsorgt werden.
  • Bei der Deponierung verursachen diese Materialien Probleme bei der Auswaschung von Stoffen ins Grundwasser.
  • Beim Verbrennen in der Müllverbrennungsanlage entstehen hohe Konzentrationen an Dioxinen.
  • Wird das Material in deutschen MVA verbrannt ist dies mit strengen Auflagen gesetzlich geregelt. Wird Altkunststoff jedoch als Müll exportiert in Länder die weniger strenge Umweltauflagen haben, so entstehen hohe Umwelt- und Gesundheitsbelastungen bei der thermischen Entsorgung.
  • Recycling und Nachnutzung von Kunststoffdämmstoffen ist schwierig, wirtschaftlich heute noch nicht darstellbar, aufgrund der verwendeten Additive oft auch in der Entsorgung und im Recycling für Gesundheit und Umwelt kritisch und innovative Verfahren sind bestenfalls im Bereich der Grundlagenforschung angesiedelt.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • Ist uns bisher keines bekannt.
  • EPD sind keine Label und können auch nicht so betrachtet noch so bewertet werden.

 


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Nachhaltige Produkte: „Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten“

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Bild: Nachhaltig ist was ihnen über Generation die Lebensgrundlagen erhält und was die Schöpfung bewahrt und ein gutes Miteinander von Mensch und Umwelt ermöglicht (Bild: B&S gekauft potocase für HvH Aktionen, http://www.holz-von-hier)

Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten

(1) Die Bedeutung von Herkunft, Transporten und Produktion/Material

Bei der nachhaltigen Bewertung eines Produktes kommt es nicht nur auf die Produktion an, sondern auch auf die Herkunft und die Transporte im Stoffstrom. Es macht einen Unterschied, ob ein Produkt vor Ort hergestellt wurde oder in einem anderen Erdteil und zwar einerseits im Hinblick auf die Umweltwirkungen, die die Transporte hinterlassen und andererseits auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Produktionsbedigungen in den jeweiligen Ländern der Erde. Dem wurde in der Produktumweltampel (SAVE) Rechnung getragen, den hier werden Produkte in diesen drei Hauptsektoren bewertet (siehe Freitags-Blog).

Sektoren die über die Nachhaltigkeitsaspekte eines Produktes wesentlich mitbestimmen

  • Sektor Herkunft – Bedeutung. Nach Deutschland und Europa wird nahezu alles importiert was man sich denken kann (und exportiert). Auf der Ebene der Herkunft wurden in der produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitags-Blog) weltweit etwa 170 Länder betrachtet, aus denen Rohstoffe, Halbwaren und Produkte nach Europa bzw. Deutschland importiert werden können.  Woher die auf den europäischen bzw. deutschen Markt abgesetzten Rohstoffe, Materialien und Produkte stammen und wie öko-fair sie sind, hängt auch vom jeweiligen Herkunftsland ab, denn hier unterscheiden sind Umweltwirkungen und soziale Bedingungen bei Rohstoffabbau/-ernte und Produktion deutlich.  
  • Sektor Transporte – Bedeutung. Die Transporte im Stoffstrom von Produkten können die Klima- und Umweltbilanz deutlich verschlechtern. Dennoch sind die Transporte im gesamten Stoffstrom von Produkten bisher politisch und auch in nahezu allen Umsetzungsinstrumenten (außer im Klima- ud Umweltlabel HOLZ VON HIER) ein vernachlässigter Faktor und es sind selten die Stoffstromrealitäten entsprechend erfasst. Mit der Produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitags-Blog) wird gezeigt, dass die Transporte einen wesentlichen Anteil an der Klima- und Umweltwirkung eines Produktes haben können.
  • Sektor Material – Bedeutung. Die Klima- und Umweltwirkung, die Ressourceneffizienz, die Nachnutzbarkeit nach Ende der Lebensdauer ens Produktes sowie Aspekte des Verbraucherschutzes hängen maßgeblich von der Art der eingesetzten Materialien und der Art der Produkte ab. Auf der Ebene des Materials/Produktes wurden in die Bewertungen der Produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitags-Blog)  vor allem Daten aus analysierten EPD (zu deutsch Umweltproduktdeklarationen) und weiteren Datenquellen und Datenbanken einbezogen, die in vielfältiger Form verschnitten wurden. Zudem wurden in der Produktumweltampel auch neue Faktoren berechnet.

(2) Berücksichtigung wichtiger Nachhaltigkeitsparameter

Klima, Biodiversität, Energie, Wasser,  Ressourcen, Ökodesign, Nachnutzung, Sozale Fairness, Gesundheit, das sind im wesentlichen alle heute bekannten und diskutierten Nachhaltigkeitsparameter und sie bestimmen auch darüber wie nachhaltig ein Produkt ist. Denn natürlich ist ein umfassend nachhaltiges Produkt mehr als wie viel Strom es in der Nutzungsphase spart oder ob das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt usw.  In der Produktumweltampel (SAVE, siehe auch Freitags-Blog) werden Proukte in den Nachhaltigkeitsparametern Klima, Biodiversität, Energie, Wasser, Resourcen, Ökodesign, Nachnutzung, Sozale Fairness, Gesundheit in den drei Sektoren Herkunft, Transport und Produktion/Material bewertet.

(3) Nachhaltigkeitsaspekte von Produkten

Nachhaltigkeitssaspekte von Produkten gibt es sicherlich viele, aber folgende Aspekte zum Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen sind besonders relevant. Sie werden in den folgenden Blogbeiträgen etwas näher beschrieben werden sollen:

Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen in der Produktion

  • Senkung des Verbrauchs an Energie, Wasser, Rohstoffen (a) in den Vorketten und bei der Produktion des Produktes und (b) durch das Produkt selbst in der Nutzungsphase.
  • Effizienzsteigerungen (a) in der Produktion des Produktes und zwar im gesamten Stoffstrom und nicht nur im letzten Produktionsschritt und (b) durch das Produkt selbst in der Nutzungsphase.

Schutz von Klima, Biodiversität und Ressourcen durch kurze Transporte

  • Produkte mit möglichst kurzen Wegen im gesamten Stoffstrom der Produktion.

Ressourceneffizienz durch das Material

  • Generelle Ressourcenschonung durch gezielte Materialauswahl von Anfang an.
  • Verwendung recyclingfähiger und wiederverwertbarer Produkte von Anfang an und Erhöhung der Recyclingquote nach Ende der Lebensphase.

Ressourcenschutz bei der Rohstoffgewinnung

  • Verzicht auf Produkte, die weltweit gefährdete Arten enthalten gemäß der Red List von IUCN.
  • Gezielte Schonung von stark begrenzten und gefährdeten Ressourcen.
  • Verzicht auf Rohstoffe aus Raubbau und aus gravierenden Landnutzungsänderungen (z.B. Holz aus Plantagen, für die zuvor Primärwälder abgeholzt wurden).
  • Weitgehende Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen bei der Materialwahl.

Öko-Design beim Produkt

  • Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz durch haltbare, modulare und reparaturfähige Produkte.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Baustoffe: „Mineralwolle/Glaswolle/Steinwolle“

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Bild: Dämmstoffe auf mineralischer Basis sind die am häufigsten verwendeten Dämmstoffe in Sanierung und Neubau. (Bild HvH).
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Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
URL-Links

Mineralwolle/Glaswolle/Steinwolle: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Dämmstoffe aus Mineralischen Grundstoffen wie Mineralwolle, Glaswolle und Steinwolle gehören zu den heute am meiste verwendeten Dämmstoffen mit guter Dämmwirkung. Sie haben einen Marktanteil von etwa 55%. Sie sind einfach zu verarbeiten und preisgünstig. Mineralwolle und Steinwolle: < 3 – 15 €/m2 (je nach Dicke und WLS Wert sowie Art der Anwendung; Preise aus Internetpreislisten von Händlern und Baumärkten). Zum Vergleich: Holzfaserdämmstoffe: <8 – 32 €/m2; Hartschaumplatten aus Kunststoffen (für WDVS): <10 – >20 €/m2; reine Styroporplatten (eher für Innenausbau): < 5 – >10 €/m2. Die Rohdichte von Mineralwolle liegt bei 10-20 kg/m3 (Innenausbau), 13 – 35 kg/m3 (Decken, Dach, Zwischensparren) und 24 – 35 kg/m3 (Fassadendämmung), die von Steinwolle bei 113 -200 kg/m2 (Steinwolleplatten).

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Mineralwolle und Glaswolle besteht aus: Scherben 50-70%, Sand 10-15%, Soda 5-15%, Borat 4-8% (Borat = Ester der Borsäure). Steinwolleplatten bestehen aus: Dolomit und Basalt 40-50%, zementgebundene Formsteine 45-55%, Bindemittel (aus harnstoffmodifiziertem Phenol-Formaldehydharz) 4%, Mineralöl 0,2%, Haftvermittler 0,1%.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) GLASSCHERBEN: in Deutschland werden jährlich 2 Millionen Tonnen Recyclingglas gesammelt (Recyclingquote 85 %). (2) SODA: wird in 28 Ländern weltweit gewonnen, die drei größten Produzenten sind China 45,7%, USA 21% und Russland 5,4%, Deutschland hat 5% der Weltproduktion. (3) BORATE: werden in 9 Ländern abgebaut, die drei größten Produzenten sind Türkei 46%, Chile 16% und Argentinien 14%, Deutschland hat keine eigenen Vorkommen. (4) STEINE: Steine wie Dolomit und Basalt werden als ubiquitär eingestuft.
  • Reichweite. Glasscherben sind in Ländern mit Recylingsystemen vielfach nutzbar, die Reichweite von Soda wird mit >> 100 Jahren, die von Boraten mit 57 Jahren, die von Steinen als >> 100 Jahren angegeben (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten (in Produkt-EPD werden für Mineralwolle 200 km, die Bindemittel 550 km und den Transport zu Baustelle 390 km angegeben). So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel GLASSCHERBEN: in Deutschland werden jährlich 2 Millionen Tonnen Recyclingglas gesammelt mit Transporten deutschlandweit, es wird aber auch Altglas importiert. (2) Beispiel SODA: Deutschland hat 5% der Weltproduktion, aber es wird auch Soda importiert. (3) Beispiel BORATE: Deutschland hat keine eigenen Vorkommen und importiert jährlich >80.000 Tonnen Borate (z.B. Türkei, Chile, Argentinien). (4) Beispiel STEINE: Deutschland baut selbst Steine in Steinbrüchen ab, aber jährlich werden z.B. auch etwa 0,72 – 1 Mio. Tonnen Dolomit und andere Steine nach Deutschland importiert. (4) Beispiel MINERALWOLLE selbst: Mineralwolle wird hier hergestellt, jährlich werden aber auch ca. 0,5 – 1 Mio. t Glaswollewaren nach Deutschland importiert. (5) Beispiel zementgebundene FORMSTEINE: die Grundrohstoffe von Zement sind Kalk, Sand, Bauxit, Flugasche, Gips und Additive mit teils weiten Herkünften, zementgebunden Formsteinen könnten (sortenrein) jedoch auch aus Bauabbruch (Zementgebundene Formsteine werden auch als Kunststein bezeichnet. Sie bestehen aus einer Mischung aus Gesteins-Splitt und dem Bindemittel Zement, plus Wasser. Das „zementgebunden“ ist hierbei wichtig denn Kunststeine gibt es in Varianten wo das Bindemittel Zement durch das Bindemittel Kunstharz ersetzt ist). (6) Beispiel STEINWOLLE: Steinwolle wird bei uns hergestellt, jährlich werden aber auch ca. 0,24 Mio. t Steinwolle nach Deutschland importiert.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Mineralwolle- bzw. Glaswolledämmung hält die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte aus EPD sind z.B. (1) Formaldehyd (28-Tage-Werte): < 0,01 mg/m3 (für Innenausbau) bis 0,12 mg/m3 (Fassaden). (2) VOC (28-Tage-Werte): TVOC <1 mg/m3, SVOC 0,02 bis <0,1 mg/m3, VOCo.NIK: <0,05 mg/m3; (3) Eluate: k. A.; (4) Kanzerogene (3-Tage-Werte): <0,01mg/m3; es wird angemerkt „es sind keine Nachweise im Produkt gefordert “ vor allem nicht „für die Anwendung im Außenbereich“).
  • REACH-RISK. Im Materialbereich Mineralische Dämmstoffe finden sich potentiell im Glas 13 Substanzen der REACH-Kandidatenliste, hinzu kommen eventuell Substanzen aus den Haftvermittlern. Aus Umweltproduktdeklarationen (EPD) ist nicht ersichtlich, ob und wie viele REACVH Substanzen in mineralischen Dämmstoffen vorkommen. In Steinwolle kommen vermutlich weniger oder wenige vor.
  • Weitere Anmerkungen. Die groben Fasern der Mineralwolle (> 3 µm) führen bei Hautkontakt zu Hautreizungen und der Faserstaub wird als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft (vgl. auch Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 521 und Gefahrstoffverordnung GefStoffV). Mineralwolle darf in Deutschland deshalb nur verkauft oder weitergegeben werden, wenn sie mindestens eine der folgenden Eigenschaften besitzt: der Kanzerogenitätsindex muss bei ≥40 liegen, oder der Filamentdurchmesser muss größer als 3 µm (also nicht lungengängig) sein oder der Nachweis einer ausreichend hohen Biolöslichkeit muss vorliegen.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Mineralwolle wird in der Regel als nicht brennbar eingestuft. Bei hohen Temperaturen können die Glasfasern jedoch schmelzen. Mineral-/Glaswolle hat eine Temperaturbeständigkeit bis 700 °C. Steinwolle hat eine Temperaturbeständigkeit bis 1000 °C.
  • Haltbarkeit. die Haltbarkeit von Dämmstoffen aller Art laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) als Schäume/Filze/Einblasware: > 50 Jahre, als Platten: 40 Jahre. Hierbei wird vom BNB kein Materialunterschied in der Haltbarkeit gesehen.
  • Strapazierfähigkeit/Pflege/Reparaturfreundlichkeiet. Die Strapazierfähigkeit von Mineralwolle ist gut, sie ist gut zu verarbeiten. Bei fachgerecht verbauchter Minerl-/Steinwolle ist keinen Pfelge notwendig. Schadhafte Teile könen einfach entfernt und erneuert werden.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Entsorgung auf Bauschuttdeponien ist heute der Hauptweg.
  • Wiederverwendung für die gleiche Dämmanwendung ist bei Mineral-, Glas-, Steinwolle ausgeschlossen.
  • Recycling wäre rein theoretisch zwar möglich aber nur bei Sortenreinheit und wenn das gegen wäre, wäre eine Verwendung für das gleich Produkt nicht möglich sondern wenn überhaupt, dann nur ein Downcycling als Zusatzmittel für Faserzementplatten, Dachsteine und Ziegel oder Beton.

Umwelt und Qualitätssiegel

  • RAL-Gütezeichen als Dokumentation der Einhaltung gesetztlicher Vorgaben.