holzvonhier

Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Ressourceneffizienz durch Holz der kurzen Wege

Räucherholz Eiche #holzvonhier

Bild: Räuchereiche aus Unterfranken – aus Sicht des Ressourcenschutzes schöner als jedes dunkle Tropenholz für den Innenausbau.

#holzvonhier/Ressourceneffizienz

„Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz darf nicht erst am Ende der Nutzungsphase beim Recycling ein Thema sein. Ressourcenschonung von Anfang an, im gesamten Stoffstrom wird immer wichtiger“ (Holz von Hier)

Rohstoffverbrauch nachhaltig und effizient machen !

Die Weltwirtschaft ist auf Energie und Rohstoffe angewiesen. Der nachhaltige Umgang damit wird immer essentieller für Umwelt, alle Menschen und die Wirtschaft selbst. Gleichzeitig müssen überlebensnotwendige Güter wie Klima, Wasser, Boden und Biodiversität geschützt werden. Weltweite Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Wasser, Lebensmittel und Energie werden zunehmen, wenn die Weltgemeinschaft nicht gemeinsam handelt.

Weltweit wurden im Jahr 2009 über 68 Mrd. Tonnen an Rohstoffen eingesetzt, rund ein Drittel (!) mehr als noch im Jahr 2000 (ca. 50 Mrd. Tonnen), zwei Drittel mehr als im Jahr 1990 (ca. 42 Mrd. Tonnen) und etwa doppelt so viel wie Ende der 1970er Jahre (Krausmann et al., 2009). Die ineffiziente Verwendung von Ressourcen ist heute höher denn je. Der World Business Council on Sustainable Development schätzt, dass bis 2050 die weltweite Ressourceneffizienz 4 – 10 fach erhöht werden müsste und dass bis 2020 erhebliche Verbesserungen notwendig sind (EU Kommission 2011, Fahrplan für ressourcenschonendes Europa).

Natürliche Ressourcen sind Wasser, Luft, Boden, Biodiversität sowie biogene und abiotische Rohstoffe. Die wichtigsten abiotischen Rohstoffe lassen sich unterteilen in fossile Energie, Erze, Industriemineralien und Baumineralien.

Laut EU Kommission machen die Bereiche Gebäude, Mobilität und Ernährung zusammen 70-80% des Ressourcenverbrauches in Europa aus. Es ist also gerade hier besonders wichtig auf größtmögliche Ressourceneffizeinz zu achten.

Strategie Europa 2020 – Ressourcenschonendes Europa

Die Europäische Union unterstreicht mit diversen Beschlüssen und Strategien der letzten Jahre die große Bedeutung, die sie in der Ressourceneffizienz für die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union sieht. Nur wenn Europa mit knapper werdenden Ressourcen besser haushalten lernt, wird sich die wirtschaftliche Spitzenposition Europas halten lassen. Bei wachsender Weltbevölkerung wird das Wohlstandsniveau nur dann ansteigen können, wenn intelligente, innovative Ansätze für Ressourceneffizienz umgesetzt werden, Europa kann und will hier eine Vorreiterrolle spielen.

Im Jahr 2010 wurde beispielsweise die Strategie Europa 2020 beschlossen, die als eine wichtige Leitinitiative ein „Ressourcenschonendes Europa“ im Blick hat. Die Leitinitiative zielt darauf ab, das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung abzukoppeln, den Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft zu unterstützen, die Nutzung erneuerbarer Energieträger und die Energieeffizienz zu fördern sowie das Verkehrswesen zu modernisieren. Im September 2011 legte die EU-Kommission dann ihren „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ vor. Dies dient der Umsetzung der EU-Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“.  Als vorläufiger Hauptindikator wurde von der Kommission die Ressourcenproduktivität vorgeschlagen (Verhältnis des BIP zum inländischen Materialverbrauch – EUR/Tonne).

Deutsches Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess)

Anfang 2012 wurde ein deutsches Ressourceneffizienz-Programm gegründet (ProgRess). Hier liegt der Fokus auf abiotischen nicht-energetischen Rohstoffen und der stofflichen Nutzung biotischer Rohstoffe. Die Nutzung anderer Ressourcen (z.B. Wasser, Luft, Fläche, Boden, Biodiversität) wird in anderen Programmen und Regelwerken behandelt.

Es sind fünf Handlungsfelder vorgeschlagen: (1) nachhaltige Rohstoffversorgung sichern, (2) Ressourceneffizienz in der Produktion steigern, (3) Konsum auch auf Ressourceneffizienz orientieren, (4) ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft ausbauen sowie (5) übergreifende Instrumente nutzen.

Es werden 20 Handlungsansätze beschrieben, hier wird vor allem auf Marktanreize, Information, Beratung, Bildung, Forschung, Innovation sowie auf die Stärkung freiwilliger Maßnahmen und Initiativen in Wirtschaft und Gesellschaft gesetzt. Als Maßnahmenbeispiele werden genannt: Effizienzberatung für KMU, Unterstützung von Umweltmanagementsystemen, Berücksichtigung von Ressourcenaspekten in Normungsprozessen, Stärkung von Produktkennzeichen und Zertifizierungssystemen, Ausbau der Kreislaufwirtschaft und anderes. Die verstärkte Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung an ressourceneffizienten Produkten und Dienstleistungen ist ein wichtiger Ansatz im Programm.

HOLZ VON HIER ist mit seinem Betriebsnetzwerk bereits Mitglied im Netzwerk Ressourceneffizienz des BMU.

Weitere Infos in der Holz von Hier Blog-Serie #holzvonhier/Ressourceneffizienz.

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Hauptursachen des weltweiten Biodiversitätsverlustes

#holzvonhier, Bild Tropenwaldfrosch

#holzvonhier/Biodiversität

Die Hauptursachen des weltweiten Biodiversitätsverlustes sind:
(1) Landnutzungsänderung, Lebensraumzerstörung: Raubbau an Primärwäldern.

(2) Klimaveränderung, Umweltverschmutzung.
(3) Übernutzung wilder Tiere/Pflanzen, illegaler Handel, Einbringung gebietsfremder Arten.

Die Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes hängen eng mit den Hauptursachen des Klimawandels zusammen 

Die Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes sind in vielen Aspekten systemisch sehr eng mit den Hauptursachen des Klimawandels vernetzt. Deshalb dienen Maßnahmen, die beim Klimaschutz und beim Umweltschutz ansetzen sowie Maßnahmen, die massiver Landnutzungsänderung und Lebensraumzerstörung entgegen wirken, immer auch dem Schutz der weltweiten Biodiversität. Im Folgenden wird auf Punkt 1 und 2 eingegangen.

(1)  Landnutzungsänderung: Thema  Raubbau an Primärwäldern

Tropische Primärwälder (Urwälder) gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde, 50-70% aller Arten der Welt leben hier. Sie sind Hot Spots der Biodiversität. Dabei macht ihre Fläche nur 10% der Landfläche der Erde aus. Das bedeutet, in keinem anderen Lebensraum finden sich so viele Arten auf engem Raum, wie in tropischen Primärwäldern.

Tropenwälder zählen aber auch zu den gefährdetsten Lebensräumen. Ihr Schutz würde den größten Beitrag zum Schutz der weltweiten Biodiversität leisten. Tropenwälder gehen aus verschiedenen Gründen verloren, zu den wichtigsten zählen Rodung zur Landgewinnung für Plantagen (Palmöl, Zuckerrohr, Soja und andere), Brennholznutzung und kommerzieller Holzeinschlag. Vielfach ist es auch eine Kombination dieser Faktoren.

Beispiele für durch Holzeinschlag gefährdete Arten (Infos: http://www.wald-forst-holz.de)

  • Gorillas leben in den Wäldern Zentralafrikas. Abholzung von Urwäldern, auch für den Holzexport bedrohen die Art existenziell. In Afrika sind in den letzten 20 Jahren ca. 80 Mio. Hektar Urwald durch Raubbau verloren gegangen (FAO, 2011), mit fatalen Folgen.
  • Primärwaldeinschlag ist die wichtigste Ursache für das Verschwinden von Tieren Lateinamerikas (Riesenotter, Jaguar u.a). In den letzten 20 Jahren hat hier die Primärwaldfläche um 93 Mio. Hektar abgenommen (s.o.).
  • Raubbau-Holzeinschlag für Tropenhölzer zerstört einen großen Teil des Lebensraums des asiatischen Tapirs, allein 50% in den letzten drei (!) Tapirgenerationen (www.iucnredlist.org).
  • Orang Utans gelten als „Gärtner des Regenwaldes“. Studien gehen davon aus, dass, wenn nicht bald Einschneidendes geschieht, es nur noch 20 Jahre dauern wird, bis es in der Heimat des Orang Utans keinen Tropenwald mehr gibt. Nur 20 Jahre ! (s.o. red list IUCN) bis eine so eindrucksvolle Art von der Erde verschwindet.
  • Auch Sumatra-Tiger kämpfen ums Überleben. Jedes Jahr verschwinden 1,3 Mio. Hektar der Heimat des Tigers für Exportholz, Papier- und Palmölplantagen. Gartenholz aus Thermoholz statt Merbau, Meranti, Teak und anderem Tropenholz aus Raubbau ist ein erster Schritt hier zu helfen (s.o.).


(1) Biodiversitätsverluste durch kommerziellen Holzeinschlag in tropischen und borealen Primärwäldern

Jede kommerzielle, auch zertifizierte, Nutzung bisher unberührter Primärwälder führt letztlich zu einem Verlust an Biodiversität. Dabei kann die »Bewirtschaftung« dieser Wälder auch bis zu 100%-iger Entnahme von Biomasse (Kahlschlag) und zu einer Zerstörung der organischen Bodenschicht führen, z.B. für die Vorbereitung der Rekultivierung, meist die Anlage von Plantagen für Holz, Palmöl, Zuckerrohr und anderes (WBGU, 2009).

Aber auch eine Einzelstammentnahme, die oft als schonende Nutzung der Tropischen Primärwälder angesehen wird, führt nach neuen wissenschaftlichen Studien letztlich zu starken Artenverlusten in diesen Lebensräumen (Asner et al, 2006). So werden z.B. pro verwertetem Baum im Amazonasgebiet 27 weitere Bäume beschädigt, 40 Meter Straße neu gebaut und 600 m² Lücke ins Kronendach gerissen (WWF, 2008).

Eine Zertifizierung, die auch Holzentnahme aus Primärwäldern erlaubt, ist zwar auf jeden Fall besser als ungeregelter Raubbau und insofern als ein Sensibilisierungsinstrument wichtig, löst für sich genommen aber weder das Problem der Zerstörung der Regenwälder, noch kann sie die derzeitige Artenvielfalt bewahren.

(2) Waldzertifizierungen in den Tropen sind wichtig, lösen aber allein das Problem nicht

Es ist wichtig, bei Importen in die EU auf Label für die Nachhaltige Waldwirtschaft (PEFC und FSC) zu achten. Bisher sind in Asien aber nur 3%, Lateinamerika 2% und Afrika 0,5% der Wälder nach Waldlabeln wie PEFC bzw. FSC zertifiziert (I-Net Seiten PEFC und FSC; mehr Infos Info CD „Wälder global und regional“ auf http://www.wald-holz-klima.de). Der Importanteil an so zertifizierten Hölzern in die EU ist noch gering. Da gerade in diesen Regionen die Regenwaldzerstörung rapide voran schreitet, kann die Zertifizierung der Waldwirtschaft allein die Vernichtung tropischer Primärwälder nicht aufhalten.

Hinzu kommt das Problem der Kontrolle. Asiatische Länder wie China und Indonesien entwickeln sich zu den größten Tropenholzumschlagplätzen weltweit. Eine Kontrolle der Holzherkünfte ist hier nach Einschätzung vieler Marktkenner kaum bzw. nicht möglich.

(3) Auch die Nutzung von Plantagenholz ist keine Generallösung

Auch die Nutzung von tropischem Plantagenholz ist keine Lösung gegen den Raubbau. Diese sind meist in den letzten 20 Jahren entstanden und für viele wurden zuvor Primärwälder abgeholzt. Zudem wird tropisches Plantagenholz in der Holzqualität (kurze Wachstumszyklen: Teak 30 – 50 Jahre) von der Branche meist schlechter bewertet als Holz aus Primärwäldern, das gilt auch für die noch jungen Plantagen mit Nachhaltigkeitslabeln. Für qualitativ hochwertige Produkte wird nach wie vor auf Holz aus Primärwäldern zurückgegriffen. Plantagen in den Tropen können also den Druck auf die tropischen Primärwälder letztlich nicht verhindern.

In Verbindung mit illegalem Holzhandel zeigt sich zudem ein weiteres Problem: in der letzten Dekade stieg die Fläche an Holzplantagen in Indonesien um ca. 80% an. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil von Plantagenrundholz auf dem Markt aber um 600%! Experten gehen hier davon aus, dass ein großer Anteil illegal geschlagenen Holzes unter der Bezeichnung „Plantagenholz“ in den Handel geschleust wird (Interpol environmental crime programme 2012)

(4) EU & Deutscher Tropenholzmarkt

Nationen mit noch großen Primärwaldvorkommen sind: Brasilien, Rußland, Kanada, USA (ohne Alaska), Peru, Kolumbien, Indonesien, Mexiko, Bolivien, Papua, Kongo (s. auch Info-CD: „Wälder global & regional“, http://www.holz-von-hier.de). Die Produkte, die sie für den Holz-, Papier-, Zellstoff-, Biokraftstoffbereich, Genussmittel-, Kosmetiksektor produzieren, werden großteils exportiert (WBGU, 2009) und zwar gerade nach Europa und Deutschland.

Der Markt hat entscheidenden Einfluss auf den Schutz der Biodiversität weltweit.

#holzvonhier, Bild aufgenomemn kenedy space center bei Videoshow-2

(2) Klimaveränderungen und Umweltverschmutzung

Durch den Klimawandel könnten bis zu 40% der weltweiten Arten vom Aussterben bedroht sein (Stern Report, 2006). Dieser von Menschen verursachte Verlust an Artenvielfalt zählt zu den schwersten Aussterbeerscheinungen der Erdgeschichte. Dies betrifft nicht nur ethische Fragen sondern hat nicht absehbare Folgen für die Menschheit, da sie als Teil des globalen Ökosystems von der Artenvielfalt in vielfältigster Weise existenziell abhängig ist.

Umweltverschmutzung ist oft auch mit einem nicht nachhaltigen Umgang mit Ressourcen verbunden, hier verschwimmen die Grenzen zum nächsten wesentlichen Hauptaspekt der Umweltrelevanz nachhaltiger Beschaffung, der Ressourcenschonung. Viele Materialien können im Rahmen ihrer Gewinnung größere oder geringere Umweltverschmutzungen verursachen. Dies ließe sich generell in Beschaffungsüberlegungen mit einbeziehen.

Jeder hat mit umweltfreundlichen Einkauf von Produkten den Klimaschutz und den Schutz der Biodiversität direkt in der Hand. 

Umweltlabel geben hier wichtige Entscheidungshilfen – z.B.:
HOLZ VON HIER  für klima- und umweltfreundliche Holzprodukte,
BLAUER ENGEL für verbrauchsarme Geräte,
PEFC und FSC für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft

(3) Übernutzung wilder Tiere/Pflanzen, illegaler Handel, Einbringung gebietsfremder Arten.

Zu all diesen Themen finde sich acuh wertvolle Informationen auf

http://www.iucn.org
http://www.dnr.de
http://baden-wuerttemberg.nabu.de
http://www.naturparke.de


Einen anderen Beitrag zu diesem Thema finden Sie unter:

Stopp ! für den weltweiten Biodiversitätsverlust
Folgen des weltweiten Biodiversitätsverlustes


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Folgen des weltweiten Biodiversitätsverlustes

#hlzvonhier, Bild Tropenwaldpflanze

#holzvonhier/Biodiversität

Die 3 wichtigsten Folgen des weltweiten Biodiversitätsverlustes:

(1) Humanitäre Folgen,
(2) Volkswirtschaftliche Kosten,
(3) Negative Ökosystemwirkungen

(1) Humanitäre Folgen

Viele Arten der Erde haben für den Menschen unmittelbare Bedeutung, wie z.B. Getreide, Nutztiere, bestimmte Pflanzen, eine Reihe von Baumarten, Hauptnahrungsmitteln und Medizinpflanzen.

Oft treffen die Folgen des Artenverlustes bestimmte Gruppen der Erdbevölkerung, die in verschiedener Weise von diesen Arten abhängen. Beispielsweise führt das Korallensterben zum Verlust der davon abhängigen Fischfauna, was wiederum für die örtliche Bevölkerung negative Konsequenzen hat.

Das Problem ist aber auch, dass die meisten Arten für den Menschen eher indirekt von großer Bedeutung sind. Wird z.B. ein Hektar tropischer Regenwald abgeholzt, so profitiert der Mensch direkt von dem verwerteten Holz (allerdings nur einmal, wenn nicht nachhaltig bewirtschaftet wird). Auf der gleichen Fläche gehen aber teils bis zu 700 Baumarten, ungezählte Pflanzenarten und bis zu 20.000 Insektenarten verloren (bereits z.B. Wilson, 1992). Oft unwiederbringlich, da viele Arten nur in bestimmten Regionen vorkommen. In der Vielfalt schlummern ungeahnte Potenziale für die Menschheit.

Auf der Suche nach den Antibiotika von morgen haben Pharmakologen nicht nur Pflanzen im Blick. Mit Millionen von Arten liefern Insekten einen riesigen biochemischen Fundus für mögliche neue Medikamente. Beispiele sind die Entwicklung neuer Antibiotika, die auch gegen resistente Erreger helfen oder von Molekülen, die Krebszellen zerstören.

Biodiversitätsforscher legen sogar nahe, dass gerade eine Vielzahl der unbekannten, unauffälligen und wenig medienwirksamen Arten für das Überleben des Menschen wichtiger sind, als manche der prominenten Arten. Das ist deswegen wichtig, weil nur ein winziger Bruchteil der aussterbenden Arten überhaupt in das öffentliche Bewusstsein gelangt.

Das Aussterben von Arten ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben, neben ihrem Eigenwert, eine Funktion im Ökosystem. Gerät dieses durch Artensterben durcheinander, so entstehen auch Folgen für den Menschen. Nahrung, Wasser und Medizin hängen in weiten Teilen der Erde direkt von intakten Ökosystemen mit hoher Artenvielfalt ab. Werden diese durch Artenverlust zerstört, so gerät auch die Existenzgrundlage eines Großteils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

Das Dilemma liegt darin, dass es so gut wie nie möglich ist, für einzelne konkrete Arten einen unmittelbaren Nützlichkeitsbeweis für den Menschen zu erbringen bzw. zu quantifizieren. Das macht das Verständnis für die Notwendigkeit für Artenschutz nicht leichter, ändert aber nichts daran, dass wir Menschen vom größten Teil der Arten existenziell abhängen. Daher ist es geboten, die Artenvielfalt als Ganzes umfassend zu erhalten.

#holzvonhier-COP-b

Bild: Schülergruppe bei einer Veranstaltung zum Schutz der Biodiversität.

(2) Ökonomische Folgen

Die biologische Vielfalt hat auch einen ökonomischen Wert, obwohl dieser bis auf wenige Ausnahmen sehr schwer zu fassen ist. Selbst der Rückgang wenig beachteter Arten kann erheblichen wirtschaftlichen Schaden auslösen.

Der wirtschaftliche Verlust durch Rückgang der natürlichen Bestäubung durch Insekten, beispielsweise durch den fortschreitenden Rückgang der Bienenbestände, wird allein in der EU auf 15 Mrd. € pro Jahr beziffert, weltweit sind es 153 Mrd. US-Dollar. Korallenriffe erwirtschaften pro Jahr 172 Milliarden Dollar an Einkommen, Nahrung und weiteren Gewinnen. Der Verlust an terrestrischer Biodiversität in den letzten zehn Jahren verursacht Kosten in Höhe von 500 Mrd. US-Dollar (TEEB, 2008).

Zudem wurden die künftigen Potentiale der Nutzung von Ökosystemen enorm geschmälert. So werden derzeit zum Beispiel die jährlich entgangenen Gewinne durch nicht nachhaltiges Fischen auf 50 Milliarden US-Dollar geschätzt (TEEB, 2008). Experten gehen davon aus, dass der Wert der Güter und Dienste, die durch Ökosysteme bereit gestellt werden, sich auf 26.000.000 Billionen € pro Jahr beläuft. Diese Zahl ist nicht vorstellbar, sie entspricht dem Doppelten des globalen Bruttosozialprodukts (Memo 04/27 der Europäischen Union, 2004).

Auch der ideelle Wert der Natur hat „wirtschaftlichen Nutzen“. So ist z.B. der Ökotourismus nicht nur der am schnellsten wachsende Markt der Tourismusbranche, sondern er wächst in vielen Regionen der Welt auch deutlich schneller als die übrige Wirtschaft (z.B. http://www.ecotourism.org oder diverse Arbeiten von Mastny, Crox und anderen). Gehen aber mehr und mehr weitgehend unberührte Naturlandschaften und Lebensräume mit Ihrer Fauna und Flora verloren, gibt es auch keine Ziele für den Ökotourismus mehr.

Wissenschaftliche Studien (z.B. Balmford et al., 2002) kommen zu dem Schluss, dass mit jährlich 45 Milliarden € weltweit Ökosystemleistungen nachhaltig gesichert werden könnten, die einen wirtschaftlichen Wert von 5 Billionen € pro Jahr aufweisen,  ein Verhältnis von 1:100!

Die Kosten für den Verlust biologischer Vielfalt können kaum je aufgebracht werden.  Investition in die Bewahrung der Vielfalt ist bedeutend billiger und stellt den einzigen zukunftsfähigen Weg dar.

#holzvonhier, Bild: Tropenwaldpflanze-33

(3) Negative Ökosystemwirkungen

Ökosysteme bestehen aus unbelebter Natur, die im Wesentlichen unverändert bleiben, wenn man von Naturkatastrophen oder menschlichen Eingriffen wie Klimaveränderungen, Zerstörung oder Verschmutzung absieht. Die in einem bestimmten Lebensraum vorkommenden Arten an Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren stehen miteinander in Wechselwirkung und bilden gemeinsam das Ökosystem. Daher ist es begreiflich, dass der Verlust von Arten in der Regel auch direkte Auswirkungen auf die Ökosysteme hat, in denen sie leben.


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Stopp ! für den weltweiten Biodiversitätsverlust


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Stopp ! für den weltweiten Biodiversitätsverlust

#holzvonhier Tropenwald

Bild: Palmblatt

#holzvonhier/Biodiversität

Biodiversität und Artenvielfalt sind unser aller Menschheitserbe

Die Weltnaturschutzunion IUCN kommt in ihrer im November 2012 aktualisierten Roten Liste zu dem Schluss, dass von  47.677 untersuchten Arten weltweit mehr als ein Drittel (17.291) vom Aussterben bedroht sind (www.iucnredlist.org). Dabei ist zu bedenken, dass bisher aber wohl nur etwa 3% der vermutlich weltweit vorkommenden Arten überhaupt untersucht sind.

Täglich verschwinden etwa 70 Arten unwiederbringlich von diesem Planeten. Die Entstehung jeder einzelnen Art hat hingegen Jahrtausende bis Jahrmillionen in Anspruch genommen. Ähnlich wie beim Klima hat der Verlust der Artenvielfalt eine Eigendynamik, die auch nach theoretischer Beseitigung aller Einflussfaktoren sich noch eine Zeitlang fortsetzen wird.

Ein weiterer elementarer Aspekt des Verlustes biologischer Vielfalt, der sich noch viel unbeobachteter vollzieht ist der Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb der Arten. Diese genetische Vielfalt ist eine wesentliche Voraussetzung für das langfristige Überleben der betreffenden Art.

Zusammen mit fossilen Brennstoffen, fruchtbaren Böden, uralten Grundwasservorkommen und Minerallagerstätten zählt die Biologische Vielfalt zum Menschheitserbe, das uns mitgegeben ist. Wir können mit diesem Erbe sorgsam umgehen oder es zum Leid unserer Nachkommen verschleudern.

Momentan verbrauchen wir Europäer doppelt so viele natürliche Ressourcen wie wir haben.

Die biologische Vielfalt zu erhalten ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Strategie Europa 2020 für intelligentes und nachhaltiges Wachstum. Und nicht zuletzt steht die Biodiversitätsstrategie im Einklang mit den globalen Verpflichtungen, die die EU im Oktober 2010 in Nagoya im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt eingegangen ist.

Die Bewahrung der Artenvielfalt unserer Erde ist eine der größten Herausforderungen und Generalaufgaben dieses Jahrhunderts.

 #holzvonhier Tropenwald hot spot der Biodibersität

Bild: Aus einer Ausstellung „Juwelen des Regenwaldes“ in Costa Rica.

Die Folgen des weltweiten Biodiversitätsverlustes sind fatal

Während sich inzwischen stärker im allgemeinen Bewusstsein verankert, dass der Klimawandel und Umweltverschmutzung auch für uns Menschen gravierende negative Konsequenzen hat, wird der Verlust der Biodiversität oft immer noch unterschätzt. Zum einen geschieht er weitgehend anonym, da die wenigsten Arten den Menschen überhaupt bekannt sind, zum anderen sind die Abhängigkeitsverhältnisse des Menschen von und zu den Tier- und Pflanzenarten dieser Erde in der Regel nicht bekannt. Hier sollen nur einige Beispiele und Erläuterungen das Bewusstsein für die Fragilität der Wechselbeziehung und Abhängigkeit wecken, über die wir Menschen mit den anderen Organismen dieses Planeten verbunden sind.

Mehr dazu in den nächsten #holzvonhier/Biodiversität Blog