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Globales Denken erfordert regionales Handeln.


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Nachnutzung: „EU Abfallhierarchie“

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Bild: Altholz aus Scheunenabbruch. Altholz ist heute schon lage kein „Abfall“ mehr sondern gefragter Sekundärrohstoff, der in Europa nahezu vollstänig recycelt, wiederverwertet oder als Ersatzbrennstoff für Öl und Gas in Biomasseheizanlagen verwertet wird. (Bild: B&S)

Die EU Abfallhierarchie basiert auf: Vermeidung > Reuse > Recycling > Verwertung > Entsorgung/Deponie.

Gemäß EU-Vorgaben besteht folgende Abfallhierarchie, die allen Rechtsvorschriften und politischen Maßnahmen im Bereich der Abfallvermeidung und -bewirtschaftung als Prioritätenfolge zugrunde liegt: Abfallvermeidung, Reuse, Recycling, Verwertung, Beseitigung/Entsorgung.

(1) Abfallvermeidung hat oberste Priorität und hierzu gehört in der EU auch das Verbot von umweltgefährdenden Stoffen.

(2) Reuse oder Wiederverwendung bedeutet eine erneute Nutzung des Produktes (z.B. Pfandflasche, Second-Hand-Use), sie umfasst in der EU auch die Vorbereitung zur Wiederverwendung.

(3) Recycling ist in der Regel bezogen auf die stoffliche Verwertung und wird definiert als „jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden. Es schließt die Aufbereitung organischer Materialien ein, aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind“ (§ 3 Abs. 25 deutsches Kreislaufwirtschaftsgesetz). Gesetzlich wird erst von „Recycling“ gesprochen, wenn der Rohstoff zuvor als „Abfall“ einzustufen war. Das heist definierte Abfallstoffströme oder Teile davon werden aufbereitet, um daraus wieder vermarktungsfähige Sekundärrohstoffe oder Sekundärbrennstoffe zu gewinnen. (a) Beim Upcycling werden aus Abfallstoffen eines Prozesses hochwertigere Produkte hergestellt. (b) Beim Downcycling, wird nicht mehr die ursprüngliche Qualität oder deren Verarbeitbarkeit erreicht wie bei der Primärherstellung vor dem Recyclingprozess. Die meisten Prozesse sind Downcyclingprozesse.

(4) Verwertung bezeichnet in der Regel eine energetische Verwertung, wobei hier Stoffe verbrannt werden, mit dem alleinigen Ziel der Energiegewinnung. Die Stroffe werden direkt als Ersatzbrennstoff für Öl oder Gas genutzt.

(5) Beseitigung/Entsorgung erfolgt als Entsorgung auf der Deponie oder Verbrennung in der MVA (Müllverbrennung, Abfallverbrennung, thermische Abfallbehandlung). Auch die Verbrennung in der MVA liefert eine elektrische Energieumwandlung aus dem Heißdampf der Verbrennung, jedoch mit hohen Umwandlungsverlusten. Hier kann nicht von Ersatzbrennstoff für Öl oder Gas gesprochen werden.

Die EU-“Abfall Hierarchie“ gilt auch als Leitplanke für die Berwertung innerhalb der Produkt-Umwelt-Ampel im Faktor Nachnutzung.

 


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.


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Ressourcen: „Ansätze zur Bestimmung des quantitativen Ressourcenverbrauches von Produkten“

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Bild: Palmölplantage in Asien (Thailand). Palmöl hat wohl einen der schlechtesten ökologischen Fussabdrücke aller Bioressourcen. (Bild: B&S).

Ansätze zur Bestimmung des Quantitativen Ressourcenverbrauches von Produkten.

Es existieren verschiedene Ansätze um die Frage der Ressourcennutzung zu bewerten, die sich jedoch alle auf quantitative Aspekte des Ressourcenverbrauches beziehen:

(1) ADP (Abiotic Depletion Potential)

ADP wird ausgedrückt in kg Sb-Äquivalent und stammt aus Ökobilanzen. ADP trifft eine Aussage über die verbrauchten Ressourcen in Form von Elementen (also z.B. Kupfer, Eisen, Silizium etc.). Es bewertet die Menge an für die Herstellung des Produktes verwendeten verschiedenen Materialien bezogen auf die verfügbaren Reserven dieser Materialien. Dabei werden die Materialien jeweils auf das Element Antimon (Sb) als Äquivalent bezogen. Vorteil ist eine (theoretische) Vergleichbarkeit verschiedener Produkte. Den Ressourcenverbrauch allein auf ADP-Werte zu stützen, war für die Produktumweltampel (APP zum download unter http://www.holz-von-hier.de) dennoch nicht sinnvoll, denn erstens sind hier zu wenige Daten aus EPD verfügbar und einzelne Produkte unterscheiden sich dabei kaum, was jedoch auf grundlegenden problematischen systemimmaneten Aspekten von EDP basieren könnte. Zweitens ist hier sind oft unklar, wo der Stoffstrom beginnt. Wenn zum Beispiel eine EPD für Bauelemente aus Beton die Eingangsmaterialien für Kalk, Sand, Gips angibt, ist das eine andere Eingangsvoraussetzung als eine EPD, die als Eingangsmaterial für ein Kunststoffprodukt PE-Granulat angibt, da dies an sehr unterschiedlichen Stellen im jeweiligen Stoffstrom ansetzt und nicht vergleichbar am Anfang. Drittens und am wichtigsten ist jedoch, dass ADP nur quantitative Aspekte berücksichtigt und qualitative Aspekte nicht bewertet werden. Es macht jedoch einen Unterschied, ob eine erneuerbare Ressource wie Holz oder eine endliche Ressource wie Öl oder Erze benötigt wird oder wie das Material gewonnen wurde (nahchaltig oder raubbau). Entscheidend ist auch die geografische Verteilung, also ob eine Ressource ubiquitär vorkommt oder nur konzentriert an wenigen Orten der Welt, die ggf. eventuell auch noch in Krisenregionen liegen.

(2) MIPS (Materialintensität pro Serviceeinheit)

MIPS des Wuppertal Institutes geben an, wieviel Ressourcen für ein Produkt eingesetzt werden. Dabei werden die Ressourcenverbräuche an der Grenze ihrer Entnahme aus der Natur berechnet (biotisches oder nachwachsendes Rohmaterial, abiotisches oder nicht nachwachsendes Rohmaterial), ausgedrückt duch in der Natur bewegten Tonnen. MIPS erfasst oder bewertet jedoch nicht die Emissionen oder Outputs eines Produkts oder einer Produktion sondern nur die Inputs, diese allerdings in erweiterter Form (z.B. auch Bodenbewegungen inklusieve Erosion). Aus diesem Grund ist MIPS nicht vergleichbar mit anderen Ansätzen (z.B. ADP) und sie sind sehr spezifisch auf eine bestimmte Region zugeschnitten. Verfügbare Werte liegen in der Regel für davon abweichende Regionen oder gar auf globaler Ebene nicht vor. Daher ermöglicht das MIPS Konzept keine vergleichende Aussage nach unterschiedlichen Herkünften, wie sie für die Umweltampel wichtig ist.

(3) DMC/GDP (Inländischer Materialverbrauch pro Bruttoinlandsprdukt)

DMC/GDP als Maß für die Effizienz im Sinne der Wertschöpfung, die aus einer gegebenen Materialmenge gezogen wird. DMC (inländische Materialverbrauch: Domestic Material Consumption) beschreibt die Gesamtentnahme an direkt verwertetem Material in einer Volkswirtschaft. Er ist definiert als die jährliche Menge an Rohmaterial, die aus dem inländischen Hoheitsgebiet entnommen wird, zuzüglich aller physischen Einfuhren abzüglich aller physischen Ausfuhren. Der DMC (domestic material consumption) in Verbindung mit dem Bruttoinlandsprodukt (GDP = gross domestic product) werden verbreitet als Indikator für die „Ressourceneffizienzwerte“ von Ländern genutzt.

(4) Ecological footprint

Ecological footprint gilt als Maß für den Flächenverbrauch, der mit einem bestimmten Produkt oder einer Verhaltensweise verbunden ist. Insbesondere die scheinbar leichte Vergleichbarkeit (Flächenbedarf je Produkt oder Konsumverhalten) macht eine Anwendung reizvoll. Allerdings hat sich bei der Anlayse der verfügbaren Datenquellen gezeigt, dass keine für die Umweltampel nutzbaren produktbezogenen Informationen vorhanden sind. Die Methodik und Berechnungsweisen des ecological footprint sind zudem nicht transparent und ersichtlich. Zudem sind die Aussagen hieraus wiederum mit keinem anderen Ansatz vergleichbar.

 


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Ressourcen: „Einschätzung der qualitativen Ressourcenverfügbarkeit“

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Bild: Rundholz aus nachhhaltiger heimischer Forstwirtschaft im heimischen Sägewerk, daraus wird Schnittholz mit dem Klima- und Umweltlabel Holz von Hier. (Bild: HvH)

Einschätzung der qualitativen Ressourcenverfügbarkeit durch einen innovativen neuen Faktor: „RMA Faktor“

Um die Ressourcenverfügbarkeit von Materialien einschätzen zu können sind (1) quantitative und (2) qualitative Faktoren wichtig. Für die Umweltkommunikation in den Umweltkomunikationstools „Produktumweltampel“ (gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt) und „Holzinfomeile“ (gefördert von der Bayerischen Sparkassenstiftung) der gemeinnützigen Initiative Holz von Hier wurde neben den üblichen quantitativen Aspekten bei der Betrachtung von Ressoucren (selten/häufig) auch ein wesentlicher Fokus auf qualitative Aspekte der Ressourcenverfügbarkeit gelegt (nachwachsend /endlich, ubiquitär/konzentriert). Hier wurde unter anderem auch ein innovativer Faktor RMA – Raw Material Availabilty entwickelt der diesen Aspekt abbilden kann.

Die Rohstoffverfügbarkeit ist für die Umweltwirkung von Produkten einer der essentiellen Faktoren

Die Rohstoffverfügbarkeit ist für die Umweltwirkung von Produkten einer der essentiellen Faktoren, der jedoch, so scheint es, heute vielfach unterschätzt wird. Dies spiegelt sich darin, dass die genannten Faktoren in der Abschätzung der Rohstoffverfügbarkeit bei etablierten Bewertungsansätzen noch kaum eine Rolle spielen. Diese qualitativen Faktoren können aber für die Rohstofverfügbarkeit entscheidender sein oder werden als quantitative Faktoren. Dabei ist folgendes wichtig:(1) Häufigkeit bzw. Verbreitung,(2) Streatching durch Recycling, (3) uquitäre oder konzentrierte Vorkommen.

(1) Wie ist die Häufigkeit bzw. Verbreitung der Rohstoffe weltweit?

Ein Leitartikel von Nature Geo Science aus dem Jahr 2013 titelt: „Metals for a low-carbon society“ (Metalle für die Kohlenstoffarme Gesellschaft) und postuliert, dass die Energiewende möglicherweise nur den Verbrauch einer nicht erneuerbaren Ressource (fossile Brennstoffe) durch den Verbrauch einer anderen nicht erneuerbaren Ressource (Mineralien) ersetzt.

Beispielsweise sind einige für Zukunftstechnologien bedeutsame Metalle auf politisch oder geologisch instabile Länder verteilt. Für die Herstellung von Elektrofahrzeugen, Brennstoffzellen, Windkraft und Photovoltaikanlagen sind seltene Metalle wie Lithium, Indium, Neodym, Tantal und andere heute noch essentiell. Für die Herstellung von Kommunikationstechnologien sind es Coltan und andere.

Auch in vielen Bauprodukten werden vergleichsweise sehr regional konzentriert vorkommende Erze und Mineralien eingesetzt. Diese seltenen Metalle kommen nur in wenigen Ländern der Welt vor.

Die Marktmacht dieser wenigen Anbieterregionen ist heute bereits enorm und wird noch weiter steigen. Eine Erschöpfung der eigentlichen Rohstoffvorkommen ist bei Metallen, denen Studien einen steigenden Bedarf voraussagen, bis auf wenige Ausnahmen nicht einfach absehbar.

Dagegen ist eine Versorgungsknappheit aufgrund der regionalen Verteilung der Rohstoffvorkommen sehr wahrscheinlich. Denn diese Vorkommen seltener Erze und Mineralien konzentrieren sich im wesentlichen auf China, Südafrika und Südamerika.

Die Konzentration der Metalle auf diese Länder ist aus vielen Gründen problematisch. Rohstoffreiche aber politisch instabile Länder können, wie z.B. im Falle der Coltan Vorkommen im Kongo, in schwere Konflikte gestürzt werden, was nicht nur erhebliche Auswirkungen für Umwelt und Bevölkerung hat, sondern die Rohstoffproduktion zum Erliegen bringen kann.

Länder, deren eigener Bedarf an Rohstoffen stetig wächst, könnten sich zum Stopp der Rohstoffexporte veranlasst sehen, um die heimische Nachfrage zu befriedigen, beispielsweise China. Solche Rohstoffe könnten auch als politisches Druckmittel eingesetzt werden und Länder, deren Infrastruktur Umweltkatastrophen kaum standzuhalten kann, bergen erhebliches Risiko. Zudem können (werden) Spekulationsgeschäfte diese Knappheit noch verstärken.

Neuartige Rohstofffonds „Exchange Traded Funds“ stellen einen zusätzlichen Preistreiber dar. Diese Fonds, die mit tatsächlichen Rohstoffen hinterlegt sind, führen neben dem steigenden Bedarf durch Technologien zu einer zusätzlichen Nachfrage. Gerade in Zeiten von Inflationsängsten werden Anleger bevorzugt in solche Sachwerte anlegen, was Rohstoffe weiter verknappen könnte.

Dieser also bereits heute absehbaren Versorgungsknappheit bei einigen Rohstoffen, vor allem Erzen und bestimmten Mineralien, können Länder ohne Vorkommen nur durch verstärkte Wiederverwertung und der Austauschbarkeit der Materialien bereits im Produktdesign entgegen wirken.

(2) Lässt sich die Verfügbarkeit der Rohstoffe durch Recycling strecken?

Wie recyclingfähig beim heutigen Stand der Technk sind die Rohstoffe bzw die aus ihnen gefertigten Produkte? Einige Erze und Mineralien sind zwar vom Volumen her knapp, sie werden jedoch seit langem weltweit in Kreisläufen geführt.

Beispielsweise wird geschätzt, dass etwa 80% des Aluminiums bereits in solchen Recyclingkreisläufen geführt wird. Dennoch ist auch bei solchen Materialien trotz hoher Recyclingquoten der Verlust durch „Zerstäubung“, also feinste Verteilung in die Umwelt, eine Gefahr.

Produkte die Anteile an solchen Metallen enthalten und als in der Praxis „nicht recyclingfähig“ eingestuft werden, müssten eigentlich mit Blick auf die Rohstoffverfügbarkeit als sehr negativ bewertet werden, obwohl der Rohstoff an sich prinzipiell recyclingfähig ist. So wird beispielsweise in einer Ökobilanz (EPD) für „Fassadenbleche aus Aluminium-Metall“ mit einem Aluminiumanteil von 97%, 3% Klebstoff (Polyamid) sowie einer Kunststoff-Schutzfolie gegen die Korrosion mit <1% für das Produkt als Nachnutzung die Deponie Deponieklasse angegeben (!) aufgrund der PVC-Beschichtung. Das ist aus Ressourcensicht sehr negativ.

Viele Produkte mit sehr geringen Mengen an Aluminium führen in der Masse zu einem enormen Verlust dieses seltenen Rohstoffes, weil das solchermaßen feinst verteilte „Spread“-Aluminium nicht recycelt werden kann. Beispiel für solche Massenprodukte sind Faserzement-Fassadenpanelen (Aluminiumhydroxidanteil 3-7 %), Porenbeton (Aluminiumanteil 0,05-0,1%), Ytong Steine (Alu: 0,05-0,15%).

(3) Sind die Rohstoffe uquitär oder konzentriert auf der Welt vorhanden?

Selbst die Feststellung welcher Rohstoff beispielsweise ubiquitär, also ein in großer Menge in nahezu jedem Land der Welt vorkommt, ist oft nicht einfach zu beantworten.

Beispielsweise ist „Sand“ an sich ubiquitär, als „Bausand“ wird aber eine ganz spezielle Form von „Sand“ gebraucht, die durchaus nicht überall auf der Welt in der entsprechend benötigten Qualität und Menge vorkommt und deshalb teilweise in bestimmten Weltregionen bereits knapp wird. Durch das weltweite Bevölkerungs- und Städtewachstum und die damit verbundene Bautätigkeit besteht eine enorme Nachfrage nach speziellen Sanden, deren natürliche Vorkommen zunehmend zur Neige gehen.

Der Dokumentarfilm „Sand Wars“ zeigt die Auswirkungen dieses Bausandmangels. Auch die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen sowohl des legalen als auch illegalen Sandabbaues und -handels sind beachtlich. In Indien gehören Berichte über illegalen Sandabbau zu den Alltagsnachrichten. Das Emirat Dubai hat zwar viel Sand, doch dieser hat nicht die Eigenschaften, die einen guten Bausand auszeichnen. Stattdessen wurde für die zahlreichen Bauvorhaben Sand aus dem Meer verwendet. Weil diese Vorkommen mittlerweile nahezu erschöpft sind, importiert Dubai Bausand aus Australien. (Infos aus: Christoph Hein: Singapur hortet Sand. FAZ, 2007; Strände in Gefahr? arte Future; The Times of India; Das harte Geschäft mit Sand. ORF.at news, 2014).


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Ressourcen: „Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist überlebensnotwendig“

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Bild: Abwärme. Ressourcenverschwendung ist nicht nachhaltig. Ungenutzte Abwärme ist einer von vielen Aspekten für unsere heutige Ressourcenverschwendung. (Bild: gekauft, photocase, B&S).

Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und Effizienz im Ressourcenverbrauch werden überlebensnotwendig.

„Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz darf nicht erst am Ende der Nutzungsphase beim Recycling ein Thema sein. Ressourcenschonung von Anfang an, im gesamten Stoffstrom wird immer wichtiger“ (Holz von Hier).

Die Weltwirtschaft ist auf Energie und Rohstoffe angewiesen. Der nachhaltige Umgang damit wird immer essentieller für die Umwelt, alle Menschen und die Wirtschaft selbst. Gleichzeitig müssen überlebensnotwendige Güter wie Klima, Wasser, Boden und Biodiversität geschützt werden. Weltweite Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Wasser, Lebensmittel und Energie werden zunehmen, wenn die Weltgemeinschaft nicht gemeinsam handelt.

Weltweit wurden im Jahr 2009 über 68 Mrd. Tonnen an Rohstoffen eingesetzt, rund ein Drittel (!) mehr als noch im Jahr 2000 (ca. 50 Mrd. Tonnen), zwei Drittel mehr als im Jahr 1990 (ca. 42 Mrd. Tonnen) und etwa doppelt so viel wie Ende der 1970er Jahre (Krausmann et al., 2009, vgl. Abb. 1).

Die ineffiziente Verwendung von Ressourcen ist heute höher denn je. Der World Business Council on Sustainable Development schätzt, dass bis 2050 die weltweite Ressourceneffizienz 4 – 10 fach erhöht werden müsste und dass bis 2020 erhebliche Verbesserungen notwendig sind (EU Kommission 2011, Fahrplan für ressourcenschonendes Europa).

Natürliche Ressourcen sind Wasser, Luft, Boden, Biodiversität sowie biogene und abiotische Rohstoffe. Die wichtigsten abiotischen Rohstoffe lassen sich unterteilen in fossile Energie, Erze, Industriemineralien und Baumineralien.

Laut EU Kommission machen die Bereiche Gebäude, Mobilität und Ernährung zusammen 70-80% des Ressourcenverbrauches in Europa aus.

 


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Baustoffe: „PP-PES-Textilkunststoffboden“

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Bild: Textilmuster aus Kunststofffasern. Textile Bodenbeläge bestehen meist aus Polyamidkunststoffen (Bild: B&S).

Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
Mehr Infos unter http://www.holz-von-hier.de
http://www.holz-von-hier.de/produktumweltampel-app/

PP-PES-Textilkunststoffboden: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Gesundheitsrisiken im täglichen Gebrauch sind bei einigen Kunststoffen bereits durch den Kunststoff an sich gegeben. Kunststoffprodukte enthalten aber zudem teilweise hohe Konzentrationen an Weichmachern, Stabilisatoren, Pigmente, Flammschutzmittel und weitere Additive. Kunststoffprodukte aus Deutscher Produktion müssen jedoch, anders als Importwaren, die bei uns geltenden Grenzwerte zu Formaldehyden, VOC und kanzerogene Substanzen einhalten. Bei Importprodukten sind die Vorschriften in den Herstellerländern oftmals nicht mit den hohen Standards innerhalb der EU zu vergleichen.

Im Überblick gibt es folgende Bodenarten: (1) Textile Böden aus Kunststofffasern, (2) PVC Beläge, (3) Keramik, (4) Holzböden wie Dielen und Parkett, (5) Laminat, (6) Linoleum, (7) Kork, (8) Elastomere und (9) Sonstige wie z.B. Textile Böden aus Naturfasern (Baumwolle, Jute, Flachs, Kokos, Hanf, Sisal, Wolle, Haar, Seide). Textile Kunststoffböden haben einen Marktanteil 50% (ca. 240 Mio. m2; Tendenz: fallend). PVC Beläge: Marktanteil 10% (ca. 48 Mio. m2; Tendenz: stark fallend). Keramik: Marktanteil 15% (ca. 72 Mio. m2, Tendenz: steigend). Holzböden (Dielen, Massivparkett, Fertigparkett): Marktanteil 4% (ca. 20 Mio. m2; Tendenz: stark steigend). Laminat: Marktanteile 16% (ca. 80 Mio. m2;Tendenz: sehr stark steigend). Linoleum: Marktanteile 2% (ca. 9 Mio. m2, Tendenz: gleich bleibend). Kork: Marktanteile 1% (ca. 6,5 Mio. m2; Tendenz sehr stark steigend). Elastomere: Marktanteile 2% (ca. 6,5 Mio. m2; Tendenz: steigend). Sonstiges: Marktanteile 1% (ca. 6 Mio. m2; Tendenz: steigend).

Zum Vergleich Preisspannen ohne Verlegung (ohne Gewähr):

  • Massive Dielenböden: 30-60 €/m2
  • Massivholz-Parkett: 35-70 €m2
  • Fertigparkett höhere Qualitäten: 35-65 €/m2
  • Fertigparkett niedrige Qualitäten: 20-40 €/m2
  • Industrieparkett: 20-50 €/m2
  • Laminat: <20 – 40 €/m2.
  • Keramische Böden gibt es von <15 bis >50 (> 80) €/m2
  • Textile Synthetik Böden gibt es von <15 bis > 80 €/m2
  • PVC Böden gibt es von <15 bis > 80 €/m2

 Vorketten – Rohstoffe

  • Einleitendes. Textiler Bodenbelag aus Polyamidkunststoff (PP und PES) „Getufteter Boden“ besteht aus: Nutzschichtmaterial 100% Polyamidfasern, Trägermaterial 100% Polypropylen (PP) oder Polyester (PES), Rückenschichtung: Geweberücken aus PP oder PES.
  • Grundrohstoffe. (1) Polypropylen (PP): Öl wird zu Naphta, das zu Propen, das zu Polypropylen und das zu PP-Granulat verarbeitet. Polyester (PE): Öl wird über Erdölkraking und Ethylenglycol plus Terephtalsäure zu Polyethylenterephthalat (PET) oder metallisiertes Polyethylenterephthalat (MPET) und diverse Verarbeitungsstufen zu Polyester-Rohfolien(-Garne, u.a.) verarbeitet. (1) ERDÖL: Grundrohstoff jedes Kunststoffproduktes ist Erdöl. Erdölvorkommen legen in etwa 78 Länder der Erde (USGS) der Großteil davon jedoch mit sehr geringen Vorkommen. Die Haupterdölvorkommen die wirtschaftlich erschlossen werden können liegen in Saudi-Arabien 13,2%, Russland 12,5%, USA 10,4% und China 5% (Deutschland 0,1% der Weltvorkommen). (2) VORPRODUKTE: Erdöl wird im weltweiten Warenverkehr über zahlreiche Zwischenschritte zu den verschiedensten Kunststoffvorprodukten wie Granulate, Folien usw. verarbeitet.
  • Reichweite. Die Reichweite der Ölreserven, als Grundrohstoff aller Kunststoffprodukte, liegt bei 101 Jahren (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Grudnrohstoff Öl. Deutschland hat 0,1% der Weltvorkommen an Erdöl und entsprechend hoch sind allein die Transporte bei diesem Grundrohstoff aller Kunststoffprodukte (z.B. aus Saudi-Arabien, Russland, USA). (2) Beispiel Vorprodukte. Erdöl wird im weltweiten Warenverkehr über zahlreiche Zwischenschritte zu PP und PES verarbeitet. (3) Beispiel Vorproduktimporte. Nach Deutschland werden jedes Jahr z.B. synthetische Spinnfasern (0,34 Mio. t), Polymere des Propylens (1,6 Mio. t) und Ethylens (2,5 Mio. t) importiert (z.B. Asien). (4) Beispiel Additive.  Flammschutzmittel, Treibgase, Stabilisatoren usw. werden weltweit hergestellt und gehandelt. (5) Beispiel Textile Kunststoffböden. Kunststoffböden werden in Deutschland und weltweit hergestellt.

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Kunststoffböden halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte aus EPD sind z.B. (1) Formaldehyde und Kanzerogene: k.a.; (2) VOC: TVOC-28-Tage: 300 µg/m3, SVOC-28-Tage: 30 µg/m3, VOC o. NIK-28-Tage 100 µg /m3; (3) zu Eluaten liegen meist keine Messungen vor, sie werden teils als „nicht relevant“ eingestuft, vermutlich weil man davon ausgeht, dass das Material in der Müllverbrennung entsorgt wird.
  • REACH-RISK. Kunststoffböden könnten potentiell gesundheitsgefährliche Substanzen enthalten. Kunststoffprodukte könnten potentiell eine oder mehrere REACH relevante Substanzen enthalten, es stehen (A) 5 Substanzen auf der REACH-Verbotsliste und (B) 41 Substanzen auf der REACH-Kandidatenliste. Bei Weichmachern sind (A) 2 Substanzen laut REACH-Verordnung bereit Grenzwerten innerhalb der EU unterworfen und (B) 13 Substanzen stehen auf der REACH-Kandidatenliste, bei Flammschutzmitteln sind es (B) 5 Substanzen, bei Stabilisatoren 2 und bei Treibmitteln 1 auf der REACH Kandiatenliste.
  • Anmerkungen. (1) Textile Kunststoffböden enthalten hohe Konzentrationen an „Ausrüstungen“ (Additive), hierzu gehören „Antistatika“ (z.B. Metallfasern oder Ammoniumverbindungen), „Antisoilings“ sollen die Teppichfasern länger vor Verschmutzung schützen (die Fasern werden dazu z.B. mit FCKW oder Glykolethern beschichtet), „Flammschutzmittel“ und anderes. [Anmerkung: bei v.a. fernöstlichen Teppichen aus Wolle werden Mottenschutzmittel, meist Permithrin, eingesetzt vor allem um die Qualitätssicherung der Ware während der Lagerung und dem Transport sich gewährleisten]. (2) In Kunststoffprodukten kann auch das Flammschutzmittel HBCD vorkommen. HBCD gilt als hoch kanzerogen und ist in der EU über 1 mg/kg im Produkt verboten. Bromhaltige Flammschutzmittel wie HBCD reichern sich selbst in niedrigsten Dosen in der Umwelt (z.B. Muttermilch, Blut, Grundwasser) an und können kaum abgebaut werden. HBCD gilt als „sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“, es ist toxisch für aquatische Organismen mit einem sehr hohen Bioakkumulationspotenzial.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Im Brandfall schmelzen Kunststoffprodukte und tropfen gegebenenfalls auch brennend ab. Abtropfende brennende Kunststoffe können nur schwer gelöscht werden. Auch Böden aus Kunststoffen können daher eine erhebliche Steigerung der maßgeblichen Brandlast ergeben. Dies ist auch der Fall obwohl heute nahezu alle Kunststoffprodukte im Baubereich mit Flammschutzmitteln versehen sind. Bei Brand entsteht sehr dichter beißender Rauch, der die Orientierung und damit die Fluchtgeschwindigkeit gerade in öffentlichen Gebäuden mit Personengruppen die sich selbst schwer orientieren und organisieren können deutlich behindern kann (z.B. Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser usw.). Bei der Verbrennung von Kunststoffprodukten entstehen neben giftigem Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Chlorwasserstoffe auch hochgiftige und kanzerogene Dioxine, Furane sowie ggf. auch polykondensierte Aromate wie Pyrene und Chrysene (dazu gibt es aber keine Messwerte in EPD). Nach Aussagen von Brandschutzexperten kommen die meisten Todesfälle bei Hausbränden nicht durch herabstürzende Teile zustande sondern durch toxische Brandgase.
  • Haltbarkeit. die Haltbarkeit von Böden aus Textilen Kunststofffasern wird vom BNB mit 8-10 Jahren eingestuft.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Die Grundpflege von Textilen Böden ist vergleichsweise einfach. Anders ist es jedoch bei stark verschmutzten Textilböden, diese ist schwierig und wenn die Böden mit dem Untergrund verklebt sind auch nur mit professionellen Wasserdampf-Reinigungsmaschinen machbar.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Gebrauchte Teppiche und Teppichreste werden heute als Sperrmüll der kommunalen Müllverbrennung zugeführt.
  • Der bei der Verbrennung entstehe Chlorwasserstoff und die Dioxine werden in deutschen MVA durch die hohen Anforderungen an die Abluftreinigung weitgehend zurückgehalten. Diese hohe Reinigungsleistung Kosten enorm viel. Deshalb finden heute durchaus und zunehmend Müllstoffströme in Länder statt die weniger hohe Auflagen haben.
  • Eine Deponierung ist nicht mehr möglich (TAS Siedlungsabfall) kann aber bei vermischtem Bauschutt noch vereinzelt vorkommen.
  • Thermoplaste lassen sich theoretisch, allerdings nur wenn sie sortenrein und unverschmutzt vorliegen, prinzipiell wieder einschmelzen und zu einem neuen Produkt formen, allerdings nur im Downcycling mit erheblichen Qualitätsverlusten. Vor allem die Wiederverwertung nicht sortenreiner Abfälle, wie beispielsweise im Sperrmüll oder Hausmüll, ist nach wie vor schwierig und wird es wohl auch bleiben, da dies sehr personalintensiv und mit hohem Einsatz an Wasser und Energie verbunden ist, so dass hier sowohl die Kosten-Nutzen-Rechnung als auch die Ökobilanz oft negativ ausfallen.

Umwelt und Qualitätssiegel

Es gibt verschiedene ‚Teppichsiegel‘:

  • BLAUER ENGEL: Fremdüberwachtes staatliches Label. Grenzwerte und geringe Konzentration an Formaldehyden.
  • ETG-Siegel (Europäische Teppichgemeinschaft): Selbstverpflichtung der Branche. Grenzwerte zu Pentachlorphenol (PCP) oder Formaldehyd.
  • GUT (Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichböden): Selbstverpflichtung der Branche zu (a) Verzicht au zu Asbest, FCKW, Azo-Färbemittel, Vinylchlorid, Pestizide, Formaldehyd und Pentachlorphenol (PCP) in der Herstelung; (b) Einhaltung selbst gesetzter Grenzwerte für Toluol, Styrol, Vinylcyclohexen und 4-Phenylcyclohexen, sowie Festlegung von Summenparametern für aromatische Kohlenwasserstoffe und flüchtige organische Stoffe, die nach eigenen Aussagen deutlich unter den auf den Markt gängigen Werten liegen (Anmerkung: Laboruntersuchungen ergaben jedoch, dass die vorgegebenen Richtwerte der GUT teilweise erheblich überschritten werden).
  • IWS Siegel: Schutz bzw. Behandlung von Wollteppichen mit Mottenschutzmitteln (Pyrethroide).
  • EPD sind keine Label.


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Baustoffe: „Keramikfliesen und -platten“

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Bild: Böden aus Keramikfliesen und -platten sind einfach in der Pflege aber fusskalt (Bild: HvH zur Verfügung gestellt).

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Begleittexte zur Produktumweltampel und Holzinfomeile
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Keramikfliesen und -platten: Informationen zu Vorketten, Nutzungsphase, Nachnutzung

Einleitendes

Im Überblick gibt es folgenden Bodenarten: (1) Textile Böden aus Kunststofffasern, (2) PVC Beläge, (3) Keramik, (4) Holzböden wie Dielen und Parkett, (5) Laminat, (6) Linoleum, (7) Kork, (8) Elastomere und (9) Sonstige wie z.B. Textile Böden aus Naturfasern (Baumwolle, Jute, Flachs, Kokos, Hanf, Sisal, Wolle, Haar, Seide). Textile Kunststoffböden: Marktanteil 50% (ca. 240 Mio. m2; Tendenz: fallend). PVC Beläge: Marktanteil 10% (ca. 48 Mio. m2; Tendenz: stark fallend). Keramik bzw. mineralische Beläge: Marktanteil 15% (ca. 72 Mio. m2, Tendenz: steigend). Holzböden (Dielen, Massivparkett, Fertigparkett): Marktanteil 4% (ca. 20 Mio. m2; Tendenz: stark steigend). Laminat: Marktanteile 16% (ca. 80 Mio. m2;Tendenz: sehr stark steigend). Linoleum: Marktanteile 2% (ca. 9 Mio. m2, Tendenz: gleich bleibend).  Kork: Marktanteile 1% (ca. 6,5 Mio. m2; Tendenz sehr stark steigend). Elastomere: Marktanteile 2% (ca. 6,5 Mio. m2; Tendenz: steigend). Sonstiges: Marktanteile 1% (ca. 6 Mio. m2; Tendenz: steigend).

Keramische Fliesen und Platten (Preise ohne Verlegung): Keramische Böden gibt es von <15 bis >50 (> 80) €/m2

Vorketten – Rohstoffe

  • Grundrohstoffe im Produkt. Keramische Fliesen und Platten bestehen aus: Tone 60%, Feldspate 22%, Kaolin 8%, Kalkstein 4%, Sand 3%, Glasuren ca. 4%.
  • Rohstoffgewinnung, Zwischenprodukte, Halbwaren. (1) TON: Ton bzw. Bentonit wird in 42 Ländern der Erde abgebaut (USGS), die drei Hauptabbauländer sind USA 33,7%, China 23,7% und Griechenland 8,4%. Deutschland hat 2,5% Anteil an der Weltproduktion an Bentonit. Jährlich importiert Deutschland aber auch ca. 22.000 Tonnen Bentonit. (2) FELDSPAT: Feldspat wird in 44 Ländern der Erde abgebaut (USGS), die drei Hauptabbauländer sind Italien 25,7%, Türkei 19,1%, China 11,5%. Deutschland gewinnt 1,1% der Weltproduktion an Feldspat. (3) KAOLIN: Kaolin wird in 53 Ländern der Erde abgebaut (USGS), die Hauptabbauländer sind Usbekistan 18,3%, USA 16% und Deutschland 12%. Jährlich werden in Deutschland etwa 4,6 Mio. t Kaolin abgebaut aber auch 0,63 Mio. t importiert aus Belgien, Tschechien, USA, GB und Niederlande. (4) KALK: Kalk wird in 46 Ländern der Erde abgebaut (USGS), die Hauptabbauländer sind China 63,4%, USA 5,4% und Indien 4,3%. Deutschland gewinnt 1,9% der Weltproduktion an Kalk, etwa 6,7 Mio. t (BGR, 2012). Jährlich importiert Deutschland aber auch ca. 1,9 Mio. t Kalk, vor allem aus Österreich, Belgien, Polen und Frankreich.
  • Reichweite. Die Reichweite von Ton, Feldspat, Kaolin, Kalk liegt bei >> 100 Jahren (USGS).

Vorketten – Transporte

  • „Die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz von Produkten wird heute systemisch unterschätzt“ (Holz von Hier). Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen im Grunde produktunabhängig mit 50 bis 350 km für die Vorketten. So werden die Transporte in ihrer Klima- und Umweltwirkung meist stark unterschätzt.
  • Ohne Stoffstromnachweise können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben. Dies soll anhand von Stoffstromindizien aufgezeigt werden. (1) Beispiel Ton. In Deutschland werden jährlich 6,7 Mio. t Ton abgebaut und 0,02 Mio. t importiert (z.B. USA, China, Griechenland). (2) Beispiel Feldspat. Deutschland gewinnt jährlich etwa 0,2 Mio. t Feldspat (1,1% der Weltproduktion), importiert aber auch 0,43 Mio. t Feldspat (z.B. Italien, Türkei, China). (3) Beispiel Kaolin. Jährlich werden in Deutschland etwa 4,6 Mio. t Kaolin abgebaut aber auch 0,63 Mio. t importiert (z.B. aus Belgien, Tschechien, USA, GB und Niederlande). (4) Beispiel Kalk. Deutschland produziert jährlich 6,7 Mio. t Kalk und importiert ca. 2 Mio. t (v.a. aus Österreich, Belgien, Polen und Frankreich, bis > 1.100 km). (5) Beispiel GLASUREN: Glasuren werden in Deutschland aber auch weltweit hergestellt und gehandelt. (6) Beispiel Keramikfliesen. Keramikfliesen werden in Deutschland hergestellt aber auch 0,84 Mio. t Fliesen jährlich importiert (z.B. aus China, Mexiko, Türkei).

Nutzungsphase

  • Gesundheit. In Deutschland hergestellte Keramikfliesen und –platten halten die gesetzlichen Vorgaben zu Formaldehyden, VOC und Eluaten ein (gemessene Werte gibt es kein, in EPD heißt es, es sind „keine Nachweise auf Gesundheitsgefährdung erforderlich“.
  • REACH-RISK. Keramikfliesen enthalten durch den Brand meist keine raumluftbelastenden, ausgasenden Stoffe mehr, das gilt vor allem für in Europa hergestellte Produkte. Dennoch stehen (B) 11 Substanzen auf der REACH Kandidatenliste, die potentiell in Keramikprodukten vorkommen könnten. Anmerkungen: (1) eine Gesundheitsgefährdung geht bzw. ging früher hauptsächlich durch die Glasuren aus. Dies ist bei deutscher Produktion strengeren Kontrollen unterworfen als bei einer Produktion in Erdteilen mit weniger strengen Auflagen. Natürlich ist dieser Aspekt zudem bei Böden weniger relevant als beispielsweise bei Glasuren für Essgeschirr oder Trinkgefässe. (2) Mikrobiologische, allergene Stoffe wie Milben, Hausstaub, Pilze usw. können sich auf der Fliesen selbst kaum halten oder entwickeln, aber sehr wohl in den Verlegfugen. (3) Bei Verlegung mit einem Kalk- oder Zementmörtel wird die Raumluft nicht mehr belastet, wenn das Anmachwasser verdunstet ist. Bei einer Verlegung mit Klebern, besteht sowohl eine höhere Ausdünstungsgefahr wie ein höheres Risiko der mikrobiologische Besiedlung.
  • Sicherheit – Verhalten im Brandfall. Stein und Keramikböden gelten als nicht brennbare Böden. Nach der Projektdatenbank wecobis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Bayerischen Architektenkammer sind Naturmaterialien wie Holz und Stein sowohl in der Nutzungsphase wie auch im Brandfall optimal gesundheitsverträglich. Bei Brand entstehen die üblichen Brandgase allerdings ohne hochtoxische Stoffe wie z.B. bei Kunststoffbränden.
  • Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von Keramik Böden wird vom BNB mit >50 Jahre angegeben. Je nach Art und Qualität der Keramik kann die Haltbarkeit aber noch höher sein.
  • Strapazierfähigkeit, Pflege, Reparaturfreundlichkeit. Keramik und Steinböden sind sehr robuste und pflegeleichte Böden.

Nachnutzung – Ist Stand und Potentiale

  • Der übliche Nachnutzungsweg ist für Keramikböden ist die Bauschuttdeponie, da die Fliesen und Platten in der Regel fest mit dem Untergrund verklebt werden und bei Bauabbruch kaum bruchfrei abgelöst werden können.
  • Es ist kein Reuse oder Recycling möglich

Umwelt und Qualitätssiegel

  • IBU-Qualitätssiegel der deutschen Fliesenhersteller.
  • EPD sind kein Label


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Ressourcen: „Folgen nicht-nachhaltigen Umganges mit Ressourcen“

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Bild: Bodenerosion nach Kahlschlag in Afrika (Tansania) – selbst Subsistenzwirtschaft wird hier schwer. (Bild: B&S)

Die Folgen nicht nachhaltigen Umganges mit Ressourcen betreffen uns alle und unsere Kinder

Die Folgen nicht nachhaltigen Umganges mit Ressourcen haben nicht nur Einfluss auf die Gegenwart, sondern bestimmen über die Zukunft aller Menschen und aller nachfolgenden Generationen. Die Forderung nachhaltig und schonend mit Ressourcen umzugehen war der Beginn und Grundpfeiler jeglicher Nachhaltigkeitsdebatte. Nicht nachhaltiger Umgang mit Ressourcen hat garavierende (1) Humanitäre Folgen, (2) Volkswirtschaftliche Folgen, (3) Negative Ökosystemauswirkungen. Die Art, wie ökologisch und sozial fair Rohstoffe gewonnen werden, wie lange sie im Stoffstrom transportiert werden und wie effizent sie im gesamten Stoffstrom genutzt werden, entscheidet über die Nachhaltigkeit.

(1) Humanitäre Folgen

Der hohe Energie- und Rohstoffverbrauch der Industrienationen und der sich stark entwickelnden Nationen Asiens (z.B. China, Indien) bleibt nicht ohne Folgen für die Rohstoffvorräte der Welt und löst damit auch humanitäre Folgen und Ungleichgewichte aus. Jede Rohstoffgewinnung hat weltweit systemisch bedingt auch humanitäre Folgen, durch Beeinflussung von Wasser, Luft, Boden, Biodiversität, biogenen Rohstoffen und durch Nutzungskonkurrenzen wie im folgenden Beispiel gezeigt wird.

Beispiel Nahrungs- und Futtermittelbedarf.

Weltweit steigen Nahrungs- und Futtermittelbedarf und damit wiederum der Bedarf an Boden, Wasser, Energie und Mineralien (z. B. Phosphor) zur Produktion. Heute leben 6,6 Mrd. Menschen auf unserer Erde, davon 80% in Entwicklungsländern (FAOSTAT, 2006), bis 2030 werden es 8,3 Mrd. sein. Mit höherem Einkommen und steigender Verstädterung steigt der Konsum an Fleisch, Milchprodukten, Fetten, Zucker, auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Weltweit stehen etwa 34% der Landflächen für landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung (ca. 50 Mio. km2), davon dienen bereits heute 80% (Weide und Futteranbau) der Viehhaltung. Von der weltweit genutzten Biomasse werden 58% als Futtermittel, 20% als Rohstoffe, 10% als Brennholz und nur 12% als Nahrung genutzt (Steinfeld et al., 2006). Weltweit steigen so auch die Nahrungsmittelpreise.

Eine der Ursachen dafür ist der steigende Fleischkonsum, aber auch der weltweite Bioenergieboom. Ein Entschärfen dieser Nutzungskonkurrenz wäre heute noch möglich (WBGU, 2009). Nachhaltige Beschaffung im Bereich Lebensmittel beispielsweise für Kantinen könnte sich auch an ökologischer und bodenschonender Bewirtschaftung orientieren. Nicht bodenschonende Bewirtschaftung bei der Nahrungs- und Futtermittelproduktion führt zu Humusabbau, Bodenverdichtung, Wind- und Wassererosion. Phosphor z.B. ist ein überlebensnotwendiges Element, das nicht erneuerbar und nur in endlichen begrenzten Ressourcen zur Verfügung steht. Der Verlust an Mutterboden und Phosphor durch Erosion ist ein elementares und wachsendes Problem.

(2) Volkswirtschaftliche Folgen

Rohstoffe, sind wesentliche Produktionsfaktoren, z.B. fossile Energie treibt heute immer noch die Weltwirtschaft an. Hier zeigt sich, wie sensibel die Wirtschaft auf Engpässe und Knappheiten reagiert. Einige abiotische Rohstoffe sind nahezu ubiquitär, wie Steine, Erden etc. Hieran besteht quantitativ auf absehbare Zeit kein Mangel. Insbesondere ist hier eine umweltschonende Gewinnung wichtig, um nicht andere Ressourcen zu beeinträchtigen wie z.B. Wasser, Boden oder Luft.

Ein Großteil der natürlichen Ressourcen ist jedoch nur in begrenztem Umfang vorhanden und nicht erneuerbar. Beispiele sind Erdöl, Erdgas sowie bestimmte Mineralien und seltene Erden, die immer weniger aus leicht zugänglichen Quellen zu beschaffen sind.

Beispiel Erdöl und Erdgas.

Die Weltvorräte an Erdöl werden auf ca. 160.000 Mio. Tonnen, die von Erdgas auf 180.000 Mrd. m3 geschätzt. Davon liegen beim Erdöl 87% und beim Erdgas 57% in Risiko- bzw. Krisenregionen wie dem Nahen Osten, Afrika, Südamerika und in starken Wachstumsregionen wie Asien (vgl. Abb. 4). Die Reichweite des Welt-Vorrates an Erdöl und Erdgas wird bei gegebener Förderquote auf etwa 40 bis > 60 Jahre geschätzt (BMWI, 2009/2010).

Auf die Art der Materialien kommt es an.

In der EU werden jährlich 16 Tonnen Werkstoffe pro Person verbraucht, davon werden 6 Tonnen zu Abfall (EU Kommission, 2011: „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“). Deshalb kommt der Art der Rohstoffe, nachwachsend oder regenerierbar, große Bedeutung zu.

Außerdem ist es wichtig, ob sie nach Ende der Lebensphase recycelt, wieder verwertet oder nur entsorgt werden können. Der BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.) mahnt deshalb an, dass eine Erhöhung der Recyclingquote von Materialien kein Selbstzweck sei, sondern ein nationales Erfordernis, da die deutsche Industrie aufgrund der sich weltweit dramatisch verknappenden Primärrohstoffvorkommen“ auf eine effektive Kreislaufwirtschaft angewiesen sei, um auch künftig auf hohem Niveau produzieren zu können. Bei vielen Materialien ist heute jedoch die Verwertungsrate bzw. reale Recyclingquote extrem gering.

Ressourcenschonende Gebäude und nachhaltige Beschaffung mit Blick auf optimale Ressourcenschonung: auch hier kommt es auf die Art des Materials an. Ressourceneffizienz und das eingesetzte Material spielen weder bei Gebäudebewertungssytemen noch EPD eine Rolle. Dabei gibt es hier deutliche Unterschiede. Holz beispielsweise ist ein nachwachsender Rohstoff, wenn es aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt. Altholz wird heute nach der Nutzungsphase zu nahezu 100% wieder verwertet und nicht entsorgt, im Gegensatz zu einigen anderen Baustoffen.

(3) Negative Ökosystemauswirkungen

Durch die steigende Nachfrage nach Rohstoffen wie Öl, Gas, Erzen und Mineralien werden weltweit zunehmend Rohstoffvorkommen in Gebieten erschlossen, die besonders sensibel auf menschliche Einflüsse reagieren. Selbst der Abbau in Lagerstätten mit nur geringer Rohstoffkonzentration wächst, so dass die Gewinnung energie- und materialintensiver wird. In Folge dessen wachsen die Umweltauswirkungen der Rohstoffgewinnung überproportional zum Anstieg der Förderung. Ein Beispiel ist die Gewinnung von Erdöl aus Teersanden in Kanada. Auch die Weiterverarbeitung der Rohstoffe im Stoffstrom geht mit Umwelt-, Material- und Energieverbrauch sowie Emissionen einher.

Anmerkung: das Label HOLZ VON HIER beispielsweise kennzeichnet klima- und umweltfreundliche Holzprodukte entlang des gesamten realen Stoffstromes.


Die gemeinnützige Initiative Holz von Hier, mit dem gleichnamigen Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER, hat das Ziel einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie regionaler Wertschöpfung und Verbraucherschutz zu leisten. Das geht, neben politischen Vorgaben, nur über Information und nachhaltige Produkte. Wie Sie das unterstützen können, wie wir gemeinsam hier viel bewegen können und die Ziele ganz konkret umsetzen können erfahren Sie unter „aktiv werden“ bei http://www.holz-von-hier.de


Dieser Beitrag wurde für HOLZ VON HIER verfasst von G. Bruckner und P. Strohmeier.
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